Oldenburg in alten Ansichten Band 2

Oldenburg in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Sibylle Neumann-Gäßler
Gemeente
:   Oldenburg
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6416-0
Pagina's
:   144
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Oldenburg in alten Ansichten Band 2'

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Einleitung

1995 feierte die Stadt Oldenburg das 650. [ahr der Stadtrechtsverleihung. Die Stadt hatte sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bis zum [ahr 1800 nur langsam verändert und die Grundstruktur ihres mittelalterlichen Stadtkerns bewahrt. Erst mit Beginn des 19. Iahrhunderts wuchs sie über diese Kernstadt hinaus. In der Altstadt wurden zwar Häuser und Gebäude neu errichtet, verändert oder modernisiert, dies erfolgte aber immer wieder in den traditionellen Bauformen und in solchen zeitlichen Abständen, daß das Bild der Stadt nur einem langsamen Wandel unterworfen war. Mit demAusbau Oldenburgs zu einer großherzoglichen Residenz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Stadt in relativ kurzer Zeit ein neues Gepräge, das von den klassizistischen Bauten bestimmt wurde, die für die herzogliche und großherzogliche Hofhaltung, die Regierung, die staatliche Repräsentation, das Militär und die kirchliche Seelsorge notwendig waren. Klassizistische Wohnhäuser und Villen rundeten dieses Bauprogramm ab und prägten die Architektur der Ausfallstraßen und Promenaden. Mit dem Beginn der Industrialisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Anschluß Oldenburgs an das Eisenbahnnetz im Iahre 1867 wuchs die Stadt von rund

7 000 Einwohnerinnen und Einwohnern im [ahr 1835 auf fast 22 000 im Iahr 1885 an, wobei in der letzten Zahl die 1 500 Militärpersonen der Garnison nicht eingerechnet sind. So hatte

sich in Oldenburg die Einwohnerzahl in fünfzig [ahren verdreifacht. Dabei wurde nicht berücksichtigt, daß die umliegenden Gemeinden Eversten, Osternburg und Ohmstede mit Donnerschwee ebenfalls stark gewachsen waren, da diese zu jener Zeit nicht zur Stadt und zum Stadtgebiet gehörten. Bis zum Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner nochmals bis aufüber 30000. Die erst in den zwanziger und dreißiger [ahren des 20. Jahrhunderts eingemeindeten Landgemeinden Ohmstede, Eversten und Osternburg hatten zusammen in dieser Zeit nochmals 26 500 Einwohner aufzuweisen. Schon diese wenigen Zahlen machen deutlich, daß die Stadt Oldenburg zwischen 1850 und 19141918 eine rasante Entwicklung durchlief, so daß die stetig steigende Einwohnerzahl zu einer immer größeren Ausdehnung der Stadt führen mußte. Es entstanden neue Wohnquartiere rund um den alten Stadtkern. Letzterer wurde immer stärker überformt und umgebaut. Viele Straßenzüge der Innenstadt hatten bis ins späte 19. [ahrhundert noch ihre Fachwerkarchitektur der frühen Neuzeit bewahrt. Dann setzte der Investitionsdruck der Gründerzeit ein. Anstelle kleiner Fachwerkbauten entstanden drei- und viergeschossige Massivbauten in historistischem Stil und mit neuen Baumaterialien. Die reichen Bürger, Rentiers, Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker gaben der Stadt ihr neues

individualistisches Gepräge mit einer Vielfalt von Bautypen und Bauformen. Das starke Wachstum der Stadt erforderte aber auch die Bewältigung besonderer Bauaufgaben, wie Schulen und Kirchen, Turnhallen und Spritzenhäuser, Krankenhäuser und Altenheime, Verwaltungsgebäude und Banken, Kaufhäuser und Hotels, Verkehrsbauten und Kasernen.

Dieser Abschnitt eines raschen und nachhaltigenAusbaus und Umbaus der Stadt zwischen 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg ist besonders gut fotografisch dokumentiert. Die Auswahl der Fotos und Postkarten in diesem Band ist so getroffen worden, daß die skizzierte Entwicklung der Stadt seit der Gründerzeit bis um 1930 nachvollzogen werden kann. Die Bilder und zugehörigen Kommentare zeigen, daß sich die Stadt in diesem Zeitabschnitt immer weiter in das Umland ausdehnte, so daß schließlich die Vororte und umliegende Dörfer eingemeindet wurden. Die Bilder belegen, wie Bauten und Straßenzüge durch neue Geschmacks- und Stilentwicklungen umgestaltet und überformt wurden. Es wird deutlich, daß alle Bereiche des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in diese Entwicklungsprozesse einbezogen waren und ihren Teil zu einem dynamischen, fortschrittsorientierten Stadtausbau beitrugen. Oldenburg zeigt sich auf diese Weise als Residenz, als Dienstleistungszentrum, als Garnison und als Zentrum für Handel, Gewerbe und Industrie. Dieser Eindruck wird durch

das bis heute bekannte weitere historische Quellenmaterial bestätigt.

Bei der Auswahl wurde berücksichtigt, daß es schon vergleichbare Bildbände für Oldenburg gibt. Die Auswahl der Abbildungen war bereits abgeschlossen, als das 'Oldenburger Häuserbuch' von Günter Wachtendorf (1996), und der Band 2 der 'Geschichte der Stadt Oldenburg 1830-1995' (1996) mit reichen Bebilderungen erschienen. Da der vorliegende Bildband durch eine andere Art der Aufbereitung und Beschreibung vornehmlich andere Leserinnen und Leser erreichen wird als die genannten Veröffentlichungen, wurde an den ausgewählten Abbildungen trotz mancher Überschneidungen festgehalten. DieVorlagen stammen bis aufwenigeAusnahmen aus dem Bildarchiv des Stadtmuseums Oldenburg.

Allen, die Fotos und Ansichtskarten zur Verfügung gestellt haben, bin ich zu Dank verpflichtet. Mein besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Stadtmuseum Oldenburg, die mich in vielfältiger Form durch Rat und sachdienliche Hinweise unterstützt haben.

1 Eine um 1886 aufgenommene Ansicht des Oldenburger Schloßplatzes von Südosten zeigt links das zwischen 1607 und 1899 erbaute und erweiterte Schloß der Residenzstadt und rechts die Regierungsgebäude mit den sie überragenden Türmen der Lambertikirche. Die auf der rechten Bildseite vor der Lambertikirche gelegenen Gebäude, die Reitbahn, der Marstall und das Kavaliershaus, wurden ab 1833 im Stil des Klassizismus errichtet und erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgerissen, um das Hallenbad am Berliner Platz und den Gebäudekomplex der Landessparkasse zu Oldenburg zu bauen. Die Lambertikirche ist mit ihrem 1873-1876 erbauten hohen Hauptturm

und den 1883 hinzugefügten vierTreppentürmen dem gegenüber ein neugotisches Monument. Von der Platzbepflanzung leicht verdeckt, sind in der Mitte des Bildes die Neue Schloßwache mit Portikus auf dorischen Säulen und weiter hinten links dieAlte Münze zu erkennen.

2 Diese vermutlich um 1908 entstandene Aufnahme zeigt die Hauptansicht des Oldenburger Schlosses, dessen Westflügel von 1893 bis 1897 umgebaut worden ist. Den linken, östlichen Teil bildet der ab 1607 von dem mecklenburgischen Baumeister Jürgen Reinhard und dem Lombarden Andrea Speza aus Rognio errichtete Kernbau mit seiner fünfachsigen zur Stadt ausgerichteten Hauptfassade. Dieser sogenannte Anton-Günther-Bau wurde während der dänischen Regierungszeit in den Jahren von 1737 bis 1 746 umgestaltet. Der

177 5-1778 an die Hauptfassade angebaute 'dänische' Flügel war 1894 abgebrochen und 1894-1897 durch einen Neubau ersetzt worden. Dabei wurden Stilelemente des Haupttraktes wieder aufgenommen und das Mansarddach und der Helm des über der Mittelachse des Kernbaus aufragenden Viereckturms mit geschweifter Haube und Laterne neu hinzugefügt. Vor dem Schloß ist das Standbild Peter Friedrich Ludwigs, das 1893 eingeweiht wurde, zu sehen.

3 Eine Postkarte zeigt Großherzog Friedrich August von Oldenburg (1852-1931) mit seiner ältesten und einzigenTochter aus erster Ehe Sophie Charlatte im Iahre 1906. Ihre Mutter, Elisabeth von Preußen, war 1895 verstorben. Sophie Charlatte wurde 1879 geboren und heiratete im Jahre 1906 den Prinzen Eitel Friedrich von Preußen. Es ist anzunehmen, daß die Karte aus Anlaß der Hochzeit aufgelegt wurde. 1926 ließ sich Sophie Charlotte von ihrem Mann scheiden, um den königlich-preußischen Rittmeister a.D. HaraId von Hedemann zu heiraten.

4 Anläßlich ihres hundertjährigen Firmenjubiläums veröffentlichte die Schulze'sche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei diese Ansichtspostkarte. In dem 1841/42 erbauten Haus entstand 1870 die erste illustrierte Postkarte der Welt. Noch heute befindet sich an gleicher Stelle eine Buchhandlung mit Verlag. Zwei Ansichten zeigen die Gebäude am Inneren Damm Nr. 11, heute Schloßplatz Nr. 21, einmal in der Zeit um 1800 und einmal zur Zeit um 1900. Während um 1800 das Geschäft noch in einem Fachwerkhaus mit zwei vorspringenden unterschiedlich hohen Giebeln und einem Erker im Erdgeschoß und erstem Stock untergebracht war, präsentierte sich das

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Unternehmen anläßlich des Firmenjubiläums in einem spätklassizistischen Bau von fünf Achsen, in dem drei große Schaufenster mit Rundbogen eingelassen waren. Die dreiachsige Schaufensterzone wurde im 20. Jahrhundert zu einem Schaufenster zusammengefaßt.

5 Die Straßenbezeichnung Schloßplatz für die Häuserzeile auf der Westseite der Schloßfreiheit wurde 19 12 eingeführt. Zuvor hieß dieses Straßenstück zwischen Schloßbrücke im Süden und Kasinoplatz 'Innerer Damm'. Seit jeher war nur die Westseite der Straße bebaut. Auf der Ostseite führten seit der klassizistischen Umgestaltung des Schloßareals zunächst vier, zuletzt nur noch zwei Baumreihen auf das Regierungsgebäude am Kasinoplatz zu, wo an der Brücke über die Husbäke, wie die Postkarte von circa 1900 am linken Bildrand vor Augen führt, die um 1805 von Franz Anton Högl geschaffene Pointde-vue- Vase stand. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Schloß

Oldenburg.

Jnnerer Damm.

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hin versetzt. Die Bäume mußten Parkplätzen weichen. Der gestalterische und städtebauliche Sinn ist damit vollständig verdreht und verunklärt.

6 Eine Wachablösung ist Gegenstand einer Aufnahme aus der Zeit um 1880 vor der Schloßwache. Das klassizistische Gebäude wurde 1839 nach Plänen des Baumeisters Heinrich Strack (1801-1880) anstelle der alten Hauptwache als letztes Gebäude der sogenannten Schloßfreiheit errichtet. Das militärische Schauspiel, vielen Touristen aus anderen europäischen Hauptstädten mit regierenden Königshäusern bekannt, gehörte in Oldenburg ebenfalls zur Tradition. Die Abdankung des Großherzogs setzte dieser Zeremonie 1918 ein Ende.

7 Das Löwendenkmal, Gedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Oldenburger Infanterieregiments Nr. 91, wurde 1921 in Erinnerung an die 5 Ojährige Wiederkehr des Sieges über Frankreich (1870/71), an dem das Regiment siegreich teilgenommen hatte, eingeweiht. Es wurde von Hugo Lederer (1871-1940) geschaffen, der auch das Hamburger Bismarckdenkmal in St. Pauli schuf Mit dem im Stil der 'Neuen Sachlichkeit' gearbeiteten Löwendenkmal gelang es Lederer, das Klischee vom Kriegerdenkmal zu durchbrechen. Diese Ansicht aus dem Jahre 1925 zeigt das Denkmal auf dem Oldenburger

Schloßplatz. Seit 1960 befindet es sich am Theodor- Tantzen-Platz vor der Bezirksregierung.

8 Weithin sichtbar überragt die Lambertikirche als Monument und Wahrzeichen den Oldenburger Schloßplatz. Der hohe Westturm bildet mit den vier Treppentürmen eine eigenwillige und einprägsame bauliche Gestalt. In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts wurde der Wochenmarkt auf dem Schloßplatz abgehalten. Das Angebot war damals weder umfangreich noch üppig. Es wird aufleiterwagen, in Kisten, Kannen, Wannen und Körben präsentiert und findet offenbar nur begrenztes Interesse. Die Atmosphäre scheint eher geruhsam gewesen zu sein im Vergleich zu der heute häufig vorherrschenden Hektik.

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