Oppenheim in alten Ansichten Band 1

Oppenheim in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Dr. Hans Licht
Gemeente
:   Oppenheim
Provincie
:   Rheinland-Pfalz
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1306-9
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Oppenheim in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

... Eins mus ich hie erinnern: man sagt weit und breidt, Oppenheim liege der gegendt nach alß Jerusalem, das Schloß als Davidtsburgk, die Kirch alß der Tempel Salomonis. Es sollen sicn auch hie funden haben die Häußer Caiphae, Herodis, Pilati Richthauß undt andere, .. _

So heißt es in der Oppenheimer Chronik und wird weiter ausgeführt, Nun, es ist durch die Jahrhunderte mit Krieg, Brand, Plünderung und Seuchen vieles von diesen Herrlichkeiten, ... darumb sich nicht zu verwundern, daß die Aldten Keyser undt Konige Vielmahl in unser Statt sich uffgehalten ... verschwunden, ausgelöscht.

Die zwischen Mainz und Warms gelegene Rheinuferstrecke ist landschaftlich von besenderem Reiz. Inmitten dieser freundlichen, sonnigen, von der Natur in so überaus reichem Maße bedachten Uferlandschaft liegt Oppenheim, eines der schönsten und sehenswertesten alten Städtchen. Die Oppenheimer Weine haben den Namen in alle Welt getragen, und das versöhnt mit vielern, was der Stadt an Üblem im Laufe der Historie widerfahren ist.

Hoch über der Stadt reckt sich der alte, wunderbare Bau der St.-Katharinenkirche, das schönste Stück rheinischer Gotik zwischen Straßburg und Köln. Eine Etage höher geht man dann im Hof der Ruine Landskrone, zwischen den hohen Mauern mit den grotsen. leeren Fensterhöhlen. Hat man dann das meriansche Bild der noch intakten Reiehsburg Landskrone mit dem hohen, behelmten Turm vor Augen, kann man sich einer gewissen Wehmut nicht erwehren.

Es war ein schlimmer Tag, der dritte Pfingsttag 1689, im Pfälzischen Krieg trieben die Truppen Ludwigs XIV. die Strategie der verbrannten Erde zwischen Nahe, Neekar und Queich. Die Häuser der Stadt wurden verbrannt, feste Mauern, vor allem die Burg, gesprengt, Pulver gab's zu allen Zeiten genug. Die Burg blieb Ruine, immerhin so romantisch, wie eine Ruine nur sein kann. Die Katharinenkirche hingegen

entstand in ihrer alten Schönheit neu, es ist fast ein Wunder zu nennen, beim damaligen Grad der Zerstörung. Es gab immer wieder Jahrzehnte des Stillstandes bei diesem Wiederaufbau. Der letzte große Wurf und Vollendung vollzog sich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es waren die berühmten Gotik-Architekten Europas in dieser Zeit, die Freiherren von Schmidt, Vater und Sohn, die das gelungene Werk vollbrachten. Die ganze Nation hatte zu den Kosten beigetragen. Auf den Tag 200 Jahre nach der Zerstörung, am 31. Mai 1889, erfolgte die Einweihung des wiederhergestellten Baues. Es war ein nationales Fest mit großem Aufgebot der damals unentbehrlichen fürstlichen Prominenz.

Es war Oppenheim nicht vergönnt, heute ein zweites Rothenburg zu sein. Aber vieles ist noch davon an deutlichen Spuren zu finden, man muß sie eben suchen: in den Winkeln, den engen Gassen mit ihrem Katzenkopfpflaster, den steilen Treppen, die hangwärts die Gassen und Straßen verbinden, auf dem Marktplatz, der einzigen ebenen Fläche der Altstadt. Da lugen alle Epochen heraus, von Steinmetzen gehauen, von Maurern gesetzt. Romanisch noch die beiden Westtürrne der hochgotischen Kirche, gotisch die Bartholomäuskirche, einst Kirche des Franziskanerklosters und noch so manch andres, versteekt und überdeckt. In der Renaissance wird's knapp, kompakt und unübersehbar der Ritterbrunnen, das Gutleuthäuschen (seit eh und je in unerfindlich traurigem Zustand). Nach den Giebeln und Portalen der alten Edelhöfe muß man schon kundig Ausschau halten. Barock ist breit gestreut, im wesentlichen bescheidenes Bürgerbarock, zaghafte und manchmal ärmliche Wiederaufbauarbeit nach der Zerstörung um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, es mangelte damals an Geld und an Zeit zu kreativer Muße. Im Frühbarock liegt der unkittbare Bruch des kontinuierlichen Gewachsenseins. Im 19. Jahrhundert zuerst ein bißehen Biedermeier, gegen Ende aber, in der Gründerzeit, als der Qualitäts-

weinbau viel Geld brachte, klotzen die Villen der Weinaristokratie, eine wilhelminischer als die andere. Man wollte es mal so richtig zeigen.

Der Menschenschlag? Kein geringerer als Carl Zuckmayer hat seinen rheinhessischen Landsleuten in 'Des Teufels General' ein treffendes Denkmal gesetzt: ... Rheinhessen ist eine Völkermûhle ... ! Diese keltisch-romanisch-fränkische Mischung mit einem halben Dutzend andrer Einsprengsel ist selbst auch einmalig: kontaktfreudig, lieber feiern statt trauern, eine große Portion Witz und Humor, verträglich und weltoffen, sie lassen sich nicht unterkriegen, lassen sich aber auch nichts gefallen und werden leicht aufsässig. (Zweimal haben die Oppenheimer Bürger den Rittern die Burg gestürmt und zerstört.) Aber der Wille zur Versöhnung läßt das aufbrausende Gemüt rasch wieder verträglich werden. Dafür sorgt schon der Wein! Die Oppenheimer? Nun ja, sie sind sozusagen ein Konzentrat dieser rheinhessischen Menschheit! Die Stadt, die Landschaft in die sie hineingebaut ist, die Menschen, die sie mit Leben füllen, sie bilden zusammen die charakteristische Einheit, die man eben nur als 'Oppenheim' bezeichnen kann. Ein Anonymus aus Speyer (er zeichnete A.H.) hat in der alten Oppenheimer Zeitung, der 'Landskrone', zu Pfingsten 1921 ein Gedicht gebracht. Es entspricht weiß Gott nicht den Stilregeln der progressiven Lyrik, es paßt eben in die Zeit, in der so empfunden wurde, wie es zu lesen ist; sozusagen

Hommage à Oppenheim

Gott grüße dich, mein Oppenheim, Ich trug so manchen Schoppen heim Durch Deine alten Gassen; Gleich einem Fûrst auf hohem Thron, Steht über dir die Landeskron "

Wo einst die Ritter saßen.

Quer geh 'n die Gassen, - überzwerch Gestaffelt liegst du dort am Berg, Die Kirche ragt ins Blaue. Vorüber zieht der Vater Rhein.

Du selbst liegst mitten drin im Wein; Rebland, so weit ich schaue!

Das spendet uns den Wonnetrank In reicher Menge, Gott set Dank, Lieb' Oppenheim, du Trautes.

Seh' ich der Kirche Vierungsturm Von fem', pocht mir das Herz im Sturm; Jawohl, ich rufe laut es:

'Im Frühling gleichst du einer Braut Und wer im Blütenkranz dich schaut,

Den hat's hinaufgetrieben, Du bist am ganzen Oberrhein Die allerschonste Stadt allein Wer sollte dich nicht lieben? '

Ich danke allen Oppenheimer Familien, die mir freundlicherweise ihre alten Fotoalben zur Verfügung stellten, wo ich in Schubladen mit 'alten Ansichten' kramen durfte. Dank auch den älteren Bürgern, deren Geburtsschein noch im vorigen Jahrhundert registriert ist. Sie haben mir geholfen, die alten Bilder zu deuten, Vergessenes wieder lebendig zu machen.

Hans Licht

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1. Ansicht von Süden, von Dienheim her. Der Standort des Fotografen ist ungefähr zweihundert Schritte stadteinwärts vom Gutleuthäuschen entfernt (vergleiche Bild 3). Aufnahme vor 1895. Der überragende Bau der Katharinenkirche beherrscht die Stadtsilhouette viel mehr als heute.

2. Ansicht von Südosten her. Im Vordergrund die Rebzeilen der Lage 'Kette', links das Gutleuthäuschen an der 'Dienheimer Chaussee', rechts im Mittelgrund der Schornstein der Chininfabrik Koch, der 1965 abgetragen wurde.

)nsich von der Dienhe'mer Cl}ausm mit dem 6ulq thäuschen.

3. Die Straße von Süden, vom Weindorf Dienheim her, daher damals 'Dienheimer Chaussee' genannt, heute die Bundesstraße 9. Rechts das Gutleuthäuschen, der Rest (Portal) des mittelalterlichen Leprosenhospitals. Damals schon außerhalb der Stadtmauern, vor dem Dienheimer Tor gelegen. Ansicht von 1902, heute in einem desolaten Zustand.

Oppenheim a. ~h.

Oppenheim a. Rh.

Das Gauthor.

4. Das Gautor, von außen gesehen, wie es sich im Jahre 1904 dargeboten hat. Es ist das letzte von einst neun Stadttoren, das Zerstörung und Abbruch überdauerte. Der Name Gautor rührt daher: hier, durch dieses Tor, führte die 'Gaustraße', die Straße vom Rhein weg in den 'Gau', das rheinhessisehe Binnenland.

5. Der Sackträgerturm mit der 'Schützenhütte'. Der Rest eines Turmes der alten Stadtbefestigung. Hier war die Schwachstelle des Mauerringes, deswegen wurde sie im Verteidigungsfalle von den stärksten Männern der Stadt, den Sackträgern, besetzt. Daher hat die heute so berühmte Weinlage ihren Namen. Ansicht Mitte der zwanziger Jahre.

6. Das Amtsgericht, Justitia inmitten der Reben, vor dem Gautor. Rechts im Hintergrund wieder die Ruinen der Landskrone. Hier wurden nach BGB und nach den leichteren Paragraphen des StGB, vom Traubenklau bis zur tätlichen Beleidigung, vom Erbschaftsstreit bis zur Grundbucheintragung, die kleinen Zwistigkeiten und notariellen Wichtigkeiten abgehandelt, ähnlich wie im 'Königl. Bayerischen Amtsgericht'. Kläger und Beklagte, Richter und Verteidiger, Notar und Realienbesitzer, man kannte sich. Und so menschlich war denn auch die Rechtspflege. Justitia zwinkerte ein bißehen unter der Augenbinde hervor, niemand zum Nachteil. Heute ist darin das Landesamt für Umweltschutz etabliert.

7. Bliek vom Marktplatz durch die Große Kirchgasse zum (romanischen) Uhrturm der Katharinenkirche. Links der Barockbau, das alte Finanzamt, rechts die ehemalige Stadtkasse. Die Madonna über dem Portal des Finanzamtes gibt diesem so ungeliebten Institut doch einen versöhnlichen Akzent. Mancher, der da eintrat, mag sich bei ihrem Anblick Mut, und, geschröpft herauskommend, Trost geholt haben.

8. Die ansteigende Worm ser Straße (siehe Beschreibung bei Bild 15). Links geht es an der Mauer entlang auf Katzenkopfpflaster die Klostergasse hinauf, die dem Namen nach noch an das Kloster der Franziskaner erinnert, die, zweimal aus Oppenheim vertrieben, das dritte Mal nicht wiederkamen.

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