Oranienburg in alten Ansichten Band 4 (1945-1990)

Oranienburg in alten Ansichten Band 4 (1945-1990)

Auteur
:   Hans Biereigel
Gemeente
:   Oranienburg (1945-1990)
Provincie
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6506-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Oranienburg in alten Ansichten Band 4 (1945-1990)'

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Einleitung

Sieben Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Zeit reif, der nunmehr bereits dritten Generation von Oranienburgern, die seit 1945 in dieser Stadt lebt, die Jahre des schweren Neuanfangs und die vier Jahrzehnte des Versuchs einer sozialistischen Alternative der gesellschaftlichen Entwicklung in Wort und Bild zu zeigen.

'Oranienburg in alten Ansichten Band 4' umfaßt die Jahre von 1945 bis 1990. Dieser 4. Band ist der gewollte Versuch, das Leben zu DDR-Zeiten in einer mittleren Stadt nördlich der Hauptstadt des Landes zu dokumentieren.

Im Frühjahr 1945 kehrte der Krieg nach Deutschland zurück. Die mehrfachen Bombenangriffe in den letzten Kriegsmonaten verwandelten Oranienburg in einen Trümmerhaufen. Noch in der Gegenwart verspüren die Einwohner die Spätfolgen des Zweiten Weltkrieges. Unmittelbar nach der militärischen Besetzung des Stadtgebietes Ende April 1945, begann ein von der Roten Armee eingesetzter Bürgerausschuß unter Leitung des ChristdemokratenAdolfDechert mit der Ingangsetzung des neuen Lebens.

Die Namen derer, die in den ersten Tagen, Wochen und Monaten versuchten, das Chaos zu überwinden, gehen in die Hunderte. Es waren vor allem Mitglieder der neu zugelassenen Parteien der KPD, der SPD, der CDU, sowie der Gewerkschaften und des Frauenausschusses. Nicht alle haben den Anspannungen aufDauer stand gehalten. IhreTaten jedoch sind unvergessen. Sie leben in der Erinnerung der alten und jungen Generation.

Am Jahresende 1945 lebten 18 723 gemeldete Personen, davon 4 3 00 Kinder bis zu 14 Jahren, in schwerzerstörten Häusern und N otunterkünften des Stadtgebietes. Es waren 16 5 00 weniger als am Ende des Jahres 1944. Wo waren diese Menschen abgeblieben und warum kehrten sie nicht zurück?

Schon einmal in der Stadtgeschichte, nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648, verließ über die Hälfte der Bevölkerung die zerstörte Stadt. Fast dreihundertjahre später wiederholte sich diese Abwanderung als eine der Folgen der Beendigung der Naziherrschaft. Im Spätsommer 1945 errichtete die sowjetische Besatzungsmacht entsprechend alliierter Abkommen auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenhausen ein Internierungslager, in dem bisJanuar1950 zwischen 50- und 60 000 Menschen gefangen gehalten wurden.

Doch das Leben ging weiter und begann sich zu normalisieren. Anfang 1949 gab es im Stadtgebiet bereits wieder 47 arbeitende Betriebe. In den über 440 Kleinunternehmen des Handwerks, des Einzelhandels und der Dienstleistungen waren mehr als dreitausend Personen beschäftigt. Arbeitslosigkeit war schon seit dem Frühjahr 1947 ein Fremdwort geworden.

Am 1. September 1952 wurde Oranienburg zur Kreisstadt des neugebildeten Landkreises Oranienburg erhoben. Im gleichenjahr erfolgte die Stationierung von Einheiten der Kasernierten Volkspolizei, der späteren Nationalen Volksarmee. Ihre Unterbringung geschah in den Kasernenkomplexen der ehemaligen SS- Totenkopfstandarte. Auch das Schloß Oranienburg wurde wieder zur Kaserne. Kampfeinheiten der Sowjetarmee belegten das Gelände der früheren Heinkelwerke und der Wohnsiedlung 'Weiße Stadt'. Oranienburg war eine waffenstarrende Garnisonsstadt mitTausenden Soldaten, Panzern und Flugzeugen geworden: Ausdruck der damals praktizierten Politik des kalten Krieges.

Am 23. Aprill961 wurde auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Lagers Sachsenhausen eine Nationale Mahn- und Gedenkstätte eingeweiht. Sie dient dem Gedenken der mehr als 100 000 Toten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ist Mahnung an die Lebenden zugleich.

Diese Stätte wurde zu DDR-Zeiten von etwa 10 Milionen Menschen aus aller Welt besucht.

Wenige Monate später erfolgte der Bau der Berliner Mauer, wodurch auch zahlreiche Oranienburger unmittelbar betroffen wurden. Neben dem Verlust der oft jahrzehntenlangen Arbeitsstellen im Westteil von Berlin, wurden familiäre, verwandschaftliche und freundschaftliche Bindungen zerrissen.

Traditionelle S.-Bahn-Linien von Oranienburg nach Berlin-Gesundbrunnen stellten ihren Betrieb ein, eine neue S.-Bahn-Linie nach dem Ostteil von Berlin wurde im Eiltempo von 72 Tagen erstellt.

Zweifellos standen den Fehlern undVersäumnissen auch beeindruckende Leistungen der arbeitenden Menschen gegenüber. In den Bereichen der Alt- und Mittelstadt entstanden völlig neue Wohnviertel mitTausenden billigen Mietwohnungen. Neue Schulen, Kindergärten und -Krippen, Jugendclubs, neue Polikliniken, Krankenstationen und spezielle Wohnblocks für ältere Menschen schufen Geborgenheit und Sicherheit. Die Rekonstruktion denkmalgeschützter Gebäude in der Alt- und Mittelstadt fand die Zustimmung und Unterstützung der Bevölkerung.

1974 erfolgte die Eingemeindung des Dorfes Sachsenhausen. Oranienburg wurde zwar zahlenmäßig größer, aber der neue Stadtteil blieb ein Dorf Während einerseits Tausende von Einwohnern bemüht waren täglich ihr Bestes zu geben, verschärften sich von Iahr zu Iahr die Widersprüche und Gegensätze innerhalb der Gesellschaft.

Unter der Losung 'Demokratie jetzt' demonstrierten in den Novembertagen 1989 auch in OranienburgTausende Bürger gegen Machtmißbrauch, Stagnation und Gängelei. Am 'Runden Tisch' waren die Vertreter der sich erneuernden und neuen Parteien bemüht, unter Leitung von Vertretern der Kirche und in enger Zusammenarbeit mit der Bür-

germeisterin Frau Hildegard Busse, die komplizierten Probleme des täglichen Lebens zu lösen.

Bei den im Mai 1990 durchgeführten Kommunalwahlen erfolgten entscheidende Veränderungen in den örtlichen Machtstrukturen. Der christlich engagierte, parteilose Oranienburger Bürger Herr Udo Semper erhielt dasVertrauen und wurde als erster Bürgermeister nach der politischen Wende gewählt. Ein neuer Abschnitt der Stadtgeschichte nahm seinen Anfang.

Der Autor bedankt sich bei zahlreichen Oranienburger Einwohnern für ihre tatkräftige Hilfe und Unterstützung bei der Erstellung dieses Buches. Besonderer Dank gilt Frau Jutta Heinrich, Herrn Günter Buse, Herrn Erwin Schröder sowie Herrn DieterTenius.

Hans Biereigel

1 Kurz vor Kriegsende, im März und imApril1945, fielen nochmals Tausende Tonnen Sprengbomben, oft mit chemischen Langzeitzündern versehen, auf die Stadt und den Rüstungsstandort Oranienburg. 352 Kinder, Frauen und Männer verloren dabei ihr Leben. Fast 70 Prozent der Häuser, Gebäude und Fabrikanlagen wurden zerstört. Von zwölfBrücken im Stadtgebiet waren nur noch zwei passierbar geblieben. Das Trümmerfeld Oranienburg war das Erbe der Nazidiktatur.

2 Das Stadtgebiet von Oranienburg und der Gemeinde Sachsenhausen wurden zwischen den 22. und 29.April 1945 von sowjetischen und polnischen Truppen besetzt. Im Bild: Polnische Soldaten in der Gemeinde Sachsenhausen.

3 Die Befreiung der im KZ Sachsenhausen zurückgebliebenen 3 000 Häftlinge erfolgte am 22. April 1945 durch Einheiten der Roten Armee und der Polnischen Armee. Sieben Tage später, am 29. April 1945, riefen die Überlebenden des KZ, die Bevölkerung Oranienburgs zur Besichtigung der früheren Mordstätte des KZ auf. Anfang Mai 1945 kehrten die ersten Befreiten in ihre Heimatländerzurück.

Die Konzentrationöre ~esLagersSachsenhausen

ralea .Ie Werktä6gen _d die Beyölkerupg Oraaleuburgs aul zur

Besichtigqng des Konzentrationslagers I

I

am Sonntag den 29 . .lprll .9'6

von9-12

4 Aufruf des Antifa-Stadtkomitees an die Oranienburger Bevölkerung. Zu dieser Zeit gibt es in der Stadt bereits den zweiten Bürgermeister nach der Befreiung, es war der Kommunist Karl Kayser.

Bekanntmach~mg

Das J:jaidregime iet 'nicht roehr. D-et Krieg mil seinen blutigen Auswirkungen -in Deutecbland eowie in ganz Europa ist-. eusgelësoht. In unserer Stadtgemeinde muea die' bittere Bilanz des imperialistischen Kriegee gezogen

,werden. Sohun, ëecbe, 'I'rümmer, Ruinen, wohln unser Auge bliektl, Die veeenewortlichen "Herren" in Oranienhurg haben eioh ver der Besetzung durch die "rote Armee" mit unbekannten Zielen abgesetst, Sie eind Flüchtlinge der Streeee geworden. Die Opfer des Luftkrieges Bind für unsere Stadtgemeiude sehr gewaltig und betragen Hunderte VOD Toten und Verwund~teD.' J

Führerlos wäre die 8tädtisèhe Verwaltung Oranienburgs geblieben, wenn nicht überzeugungstreue . Männer in den kritischen Stunden beherzt und wegemutig die Leukeng der Oeecbicke In die Hand geDl~mmen hërten.

Apo der Spitze des Magistrats steht ein- Arheiter, der.Maurer Karl Ka y e e r , der _ ,.., ~ Jahre wegen seiner' uaelîeindliohen Gesin.- nung und seines .... Kampfes gegeu die faschieüsche Diktatur hinter Zuehthgusmauern nnll im Konzentrationslager des Hitlerregimes ver-bringen musate ; er" tritt dafür ein, das Schickeal uneerer Stadt gerecht und gewissenhaft

zu tenken. '

Die Exekutivgewalr liegt in der Hand des russi~chen Kommandanten. Alle Anfordeï rungen des Kommendenten müsaen durcbge-

führt werden. .'

Die Bombe'nschäden, die ~ unsere Strassen unpaeeierbae mechen, müssen duréh den aktiven Arbeitseiitsatz aller aehnellstena )eseitigt werden. ~iliiärkommandaritur sowie Bürgermeister weedenJu Kürze die .GaB-, Stro~- ünd weeeervereorgung für urlsere,/ Bevëlkeruug sichern., Fleissige Hände eind am Werk, die Verkehrswegë, d. h. ~ie Fernstrecken eowie

Or,anie~burg, den 25. Mai 19~5.

die S· Bahn eo bald als mëglich wieder in Gang zu bringen,

Alle Mitarbeiter der etëdnecbeo Dieneterellen sind bemüht, ~je Ernährungsgrundlage zu

meistern.' ,

Das. Gesundheitswesen uud die damit ver-. bucdene Srenkenbeneuung liegtinden Bänden "bewährter, beetbekenuter Aerzte.

Wir wenden u~~ hièrmit an' B;lle Franen und Männer, die glauben, auf Grund der augenblicklichen Lage ~ureh eigenmächtige Aktio'

nen ihren Lebensstándard erhöhen zu können! Weder Plünder!1q'gen noch eigenmächtigea Entnehmen von Sachwerten, die Allgemeingut

der Bevölkerung eind, aowie das Ürgeuieieeen

auf eigene Faust ':yrîrd in Zukunft geduldet werdeó! .Deu asozi,leo Elementen, die die Not , der Oranlenburgee Bevölkemng auenutsen, ~ wer'den wir mirtels eiueê Sicherbeitsdienstes

uud mil Unterstützung der Militärko,mmandantur energisch zp Leibe gehen!

Wir wissen, dasj uus noch achwere ~û.f~ .gebec zur Bewältigung der Not ohliegen, wir wissen euob, daas -'';n den kritisclien Stunden aufhauende Hände am Werke eind, Chaos und Anarchie zu meistem. Wir wissen ebenso, daas unser Bürgermeieter und mit ihm ein Stab bewährter MitarheHflr aua allen, Schichten der Orauienburger Bevëlkecuug die kçmmunele yerwaltung aufbaueu. Darum unsere Parole:

,Für die Wie'derherstellung des normalen Lebens der Stadt durch aktiven Arheitseinsatz aller!

Beseitigung aller Knegsschäden! Alle Hände helfen mit an dem Wiederaufbau '-uilserer Héi';at.

stadt! ' ,

Das Stadtkomitee Oranienburp;

5 Bürgervertreter überbrachten den Vertretern der Stadtkommandantur der Roten Armee in der damaligen Schützenstraße, die Grüße und Glückwünsche zum 28. Jahrestag der Oktoberrevolution.

6 Auf Grund eines Befehls des Stadtkommandanten wurde im März 1946 auf dem ehemaligen Sportplatz in der Bernauer Allee ein sowjetischer Militärfriedhof angelegt. Seitdem fanden alljährlich zu bestimmten Feiertagen Kranzniederlegungen zu Ehren der Gefallenen statt.

7 Nach zwölfjähriger Naziherrschaft fand am 1. Mai 1946 wieder eine Maidemonstration in Oranienburg statt. Im Bild: Maidemonstration in Oranienburg - Eden. An der Spitze des Zuges (rechts im Bild) der ehemalige KZ-Häftling und spätere Ehrenbürger der Stadt, Kurt Hintze.

8 Am 15. September 1946 fanden die ersten freien Wahlen nach der Befreiung von der Hitlerdiktatur in Oranienburg statt. Mehrheitlich entschieden sich die Wähler der Stadt für die Abgeordneten der CDU Von dreißig Mandaten erhielt die CDU 16 und die SED 14. Die CDU stellte den Bürgermeister Harry Weiß. Er war damit bereits der vierte Bürgermeister seit Kriegsende. Im Bild:

Abgeordnete und Stadträte der ersten Stadtverordnetenversammlung von 1946 bis 1950.

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