Orsoy in alten Ansichten Band 1

Orsoy in alten Ansichten Band 1

Auteur
:   Heinz Janssen
Gemeente
:   Orsoy
Provincie
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-3128-5
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Orsoy in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Wie eine Oase der Stille liegt das alte Städtchen Orsoy am Rand des Ruhrgebiets abseits des Lärms der Industrie und der hektischen Betriebsamkeit des Ballungsraums, ein beliebtes Ausflugsziel für die streßgeplagten Großstädter jenseits und diesseits des Rheins, die hier bei einemSpaziergang über die schöne Rheinpromenade und die lindengesäumten Wälle, durch die blühenden Gärten und die engen Gassen Ruhe und Erholung finden. Nicht immer war es hier so still und friedlich. In alten Zeiten erfüllten wieder und wieder Kriegslärm, das Brausen verheerender Brände, das Tosen schrecklicher Hochwässer und das furchterregende Geräusch berstenden Eises die kleine Stadt. Die Geschichte is voll davon.

Sie beginnt wohl damit, daß es hier in der Roß-Aue schon in römischen Zeiten einen Rheinübergang gab und daß sich entlang der rheinbegleitenden 'Grünen Straße' Menschen ansiedelten. In die Geschichte trat Orsoy jedoch erst ein Jahrtausend später ein, als in der naehkarolingischen Zeit die Vasallen des Kaisertums stärker wurden und sich die landesherrlichen Territorien bildeten. Die Ansiedlung muß damals rechts des Rheins oder zwischen Rheinarmen gelegen haben, denn wie sonst wäre es zu erklären, daß sie nicht zur Grafschaft Moers oder zu Kurköln kam, sondern zu Kleve, und wie ein winziger Brückenkopf zwischen diesen lag. Ihre frühe und spätere Bedeutung verdankte die Stadt natürlich der Lage am Strom, der als Lebensader, Handelsweg, Zerstörer und Landschaftsgestalter viele Jahrhunderte lang ihr Schicksal bestimmte.

Nach der ersten Erwähnung im Jahre 1139 wird

schon 1223 von einer Kapelle, 1233 von einem gräflichen Fronhof und wenige Jahre später von einem Rheinzoll berichtet. Dieser Zoll, der für die mittelalterlichen Landesherren eine der einträglichsten Einnahmequellen war, veranlaßte auch wohl Graf Dietrich VII. von Kleve, Orsoy um 1273 die Stadtrechte zu verleihen (erster urkundlicher Nachweis 1285) und hier eine Landesburg zu bauen. Der Ausbau zur Festung dauerte viele Jahrzehnte, erst Anfang des 15. Jahrhunderts stand der Mauerring mit seinen Türmen und Toren. Bis dahin mußten palisadenbewehrte Wälle und Gräben genügen. Über die Geschicke und das Leben im Mittelalter wissen wir sehr wenig, weil die meisten Urkunden und Akten bei großen Stadtbränden, vor allem 1587, verbrannt sind. Weltbewegendes hat sich sicher nicht zugetragen, doch gab es immer wieder Fehden mit den Kölner Kurfürsten um Besitz und Rheinzoll sowie Streitereien über die Weiderechte der Orsoyer in der angrenzenden Grafschaft Moers. Dieser Streit endete 1541 damit, daß Orsoyerberg zur Ablösung der Weiderechte Orsoy zugeschlagen wurde.

Mit der Neuzeit begarm das bedeutsamste, aber auch leidensvollste Kapitel der Stadtgeschichte. Die Glaubenskämpfe, der Krieg um die Niederlande, der spanische Erbfolgekrieg und das Erlöschen des Klever Herzogshauses zogen auch die kleine Festung in ihren unheilvollen Strudel. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte die Reformation Einzug gehalten und sieh in einem achtzigjährigen Auf und Ab durchgesetzt. Obwohl Kleve im spanisch-niederländischen Krieg neutral blieb, suchten die Kriegsvölker vieler Herren immer

wieder requirierend und brandschatzend Orsoy heim. Die Nähe der vielumkämpften Festung Rheinberg mag dazu beigetragen haben. Nach 1609 fiel Kleve und mit ihm Orsoy Brandenburg-Preußen zu. Der Höhepunkt dieser Leidenszeit kam 1672, als Ludwig XIV. Burg und Festung schleifen ließ. Übrig blieben Not und Elend. 1680 zählte man 109 zerstörte oder verfallene Häuser, 1714 immer noch 96 wüste Hausplätze. Viele Bürger hatten ihre Stadt verlassen.

Neues Lebens nach der Aera des Schreckens brachte der Merkantilismus des 18. Jahrhunderts. Unternehmerfamilien wie Erkenswick und Lüps begründeten eine blühende Tuchindustrie, die bis in das 19. Jahrhundert hinein Arbeit, Brot und Wohlstand sicherte. Orsoyer Tuche waren in Magdeburg und Brandenburg, in den Hansestädten, in Holland und Frankreich geschätzt und wurden gar nach Amerika exportiert. Viele stolze Patrizierhäuser zeugen noch von dieser Zeit, Die Stadt lebte vom Tuch und wuchs durch die Regulierung des Rheins. Alle eingelandeten Inseln und Warden bis nach Rheinberg hin kamen zu ihrem Gebiet, daher die merkwürdige Form der Stadt mit einem dieken Kopf und einem langen Schwänzchen. Mit der Franzosenherrschaft und dem Brand der Lüps'schen Tuchfabrik 1818 (200 wurden arbeitslos) endete diese Blüte und es folgte, verschärft durch die Aufhebung des Rheinzolls und böse Mißernten, wiederum eine Zeit der Not und Arbeitslosigkeit , die manch Orsoyer Familie in die Auswanderung nach Amerika trieb.

Neue Hoffnung brachte ein neuer Gewerbezweig, die

Tabak- und Zigarrenindustrie. Von 1851 an eröffnete ein Betrieb nach dem anderen, so daß um die J ahrhundertwende fast 75% der Erwerbstätigen (411) in neun Betrieben Arbeit und Brot fanden. Mit neuen Häusern und Faktoreien veränderte sich auch wieder das Bild der Stadt. Wie schon die Tuch-, so prägte auch die Tabakindustrie ein Jahrhundert lang die kleine Stadt. Ihre Ende kam in der Weltwirtschaftskrise und vor allem im Zweiten Weltkrieg, der viele Wunden in das Antlitz Orsoys schlug. Seither ist Stille in der alten Stadt, die nun stolz auf 700 Jahre wechselvoller Geschichte zurückblickt. Daß sie am 1. Januar 1975 ihre kommunale Selbstständigkeit verlor , ändert nichts daran, daß sie immer liebenswerte und geliebte Heimat sein wird.

Dieses Büchlein soll uns zeigen oder uns erinnern, wie es vor 50 bis lOO Jahren hier aussah und uns ein wenig vom Leben unserer Vorfahren in der 'guten, alten Zeit' erzählen, das ja so ganz anders war als heute; ob besser ob schlechter, wer weiß es?

In diesem Band findet neben Orsoy auch das alte Budberg ein Plätzchen, das ja über lange Zeiten und auf vielfältige Weise mit Orsoy eng verbunden war. Damit ist mit dem vor zwei Jahren erschienenen Band 'Rheinberg in alten Ansichten' das gesamte neue Stadtgebiet in die Reihe einbezogen.

Mein Dank gilt allen Mitbürgern, die mit Bildern, Auskünften und Erzählungen zum Gelingen dieses Bandes beigetragen haben.

1. Über den Dächern von Orsoy. Niederrhein-Wetter, verhangener Himmel, Nebe1fetzen zwischen den Bäumen, Regen, kein Mensch auf der Straße. Die Stimmung paßt zur Erinnerung. Man ist versucht, mit dem Dichter zu sprechen: 'Er zählt die Häupter (Dächer) seiner Lieben und sieh, es fehlt manch teures Haupt.' Das Kuhtor war für die amerikanischen Panzer zu schmal. Bei der Sprengung fielen die angrenzenden Häuser gleich mit um. Bomben, Brände und 'moderne' Bauherren taten ein übriges, zum Glück nicht so viel, daß die alte Stadt ihren Charakter verlor. Noch zieren die barocken Giebel und alten Fassaden viele Häuser, Möge Orsoy auch in Zukunft ein Juwel unter den Städten am Rhein bleiben.

2. Ein Frühlingssonntag im grünenden und blühenden Orsoy. Von nah und fern sind die Städter mit der Fähre, mit Fahrrädern, aber auch mit Nobelkarossen angereist. Auf dem Parkplatz bei Fischer am Hafen kann man die Parade der Mercedes, Opel Laubfrosch -, Brennabor, Wanderer, Adler und anderer Marken abnehmen, fast alle mit dem Nummernschild IY. Mit dem 'Y' war das Rheinland von den Preußen als vorletzte Provinz klassifiziert, sie zählten ja meist von Ost nach West. Umgekehrt genossen sie aber auch eine ähnliche Wertschätzung bei den Rheinländern.

3. Nach einem mehr oder weniger ausgedehnten Spaziergang über die Rheinpromenade und die von blühenden Gärten gesäumten Wälle hat sich alles im Rheingarten versammelt, die Terrasse ist proppenvoll, Man sitzt in der lauen Luft, trinkt seinen Kaffee oder sein Bier und schaut geruhsam auf den Strom. Wann das wohl war? Das Jahr läßt sich ungefähr an der Damenmode ablesen. Es muß so um 1927/28 gewesen sein, als Topfhüte, Fransenkleider und die ersten Miniröcke das Bild bestimmten. An schönen Frühlings- oder Sommertagen sieht es auch heute noch so ähnlich aus, wenn sich auch Autos, Mode und Umgebung verandert haben. Nur der Strom ist ewig.

4. Im Sommer schluckte man Staub, im Herbst versank man im Schlamm; so sahen viele Landstraßen bis ins 20. Jahrhundert hinein aus, wie hier am Gildenkamp um 1900. Übrigens, die Rheinberger Straße ist eine junge Straße. Bis zum 18. Jahrhundert zweigte sie erst hinter der Landwehr (am Judenfriedhof) vom Kuhdyck ab. Als Feldweg unter dem Berg existiert sie noch heute. Wohl wegen der schlechten Wege hatten die Kinder- und Puppenwagen so große Räder. Der zweirädrige Puppenwagen mit Stützen, dessen Puppenmutti sich und ihre Puppe mit Mamas Hüten ausstaffiert hat, wäre heute mit Sicherheit eine teure Antiquität.

5. Auch die Innerortsstraßen, wie hier die Egerstraße um 1880, sahen nicht viel anders aus. Längs der Straße ein offener Abflußgraben, um Regen und Abwässer abzuleiten. Das zweistöckige, sogenannte Ommersche Haus solllaut Barleben 'Geschichte der Familie Lüps' Wilhelm Peter Lüps von der Familie Knipscheer gekauft und großzügig ausgebaut haben. Dieser Lüps, der auch Bankgeschäfte betrieb, hat wesentliche Teile des riesigen Grundbesitzes in und um Orsoy erworben, Ihm gehörte auch das gegenüberliegende ehemalige Schloßgelände. Der Name 'Goldfischkeskuhle' erinnert an einen Teich, den er dort anlegen ließ. In den zwanziger Jahren betrieb dort der Theaterunternehmer Hottenrot eine Freilichtbühne und führte die Tragödie 'Elschen von Orsoy' auf. Das Unternehmen endete, wie das Stück, tragisch, mit einer Pleite.

6. Wenn man genau hinsieht, ist im Hintergrund der Rheingarten zu erkennen. Gegenüber der Stadtmauer ragte ein schlichtes, weißes Häuschen weit in die Straße hinein. Ob es das ehemalige Torwächterhaus war? Während man die Egerstraße (nächstes Bild) schon ausgebaut hatte, lag der schmale Hafendamm mit den von den Abwässern gefärbten Dreckstreifen noch unbefestigt da, Das baufällige Haus, in dem vorher Kutscher Stermann wohnte, wurde um 1910 abgerissen. In der danebenliegenden ehemaligen Tabakfabrik Bresser war später zeitweise das Konsum untergebracht.

7. Welch ein Gegensatz zu den vorgegangenen Bildern. Die Egerstraße ist sauber gepflastert und mit Kutschen, Karren und Kindern belebt. Hier interessiert uns aber mehr die 'Restauration Jägerheim' der Frau Wilhelm Landwehr (später Sistig), wo gerade Bier abgeladen wird. Die Wirtin steht mit dem Bierkutscher vor der Tür. Schon damals hatte man die Bedeutung des Fremdenverkehrs erkannt, denn über der Tür steht einladend 'Haltestelle für Radfahrer' oder auch 'Tankstelle .. .', so genau ist das auf dem Bild nicht zu erkennen.

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8. Um 1900 bekam die Binsheimer Straße eine neue Pflasterung. Das Bild ist mehrfach interessant. In der Mitte das alte Torwächter- oder Wegezollhaus, seiner merkwürdigen Bauart wegen 'Karussell' genannt. Dahinter die Villa Kirking im Rohzustand. Die Straße machte noch einen Bogen und stieg zum Wall hin an. Dort war der Walldurchbruch, wie heute noch an der Kiesendahlstraße, abgemauert, um die Öffnung bei Hochwasser verschließen zu können,

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