Ostberlin in alten Ansichten

Ostberlin in alten Ansichten

Auteur
:   Dr. Gustav Sichelschmidt
Gemeente
:   Ostberlin
Provincie
:   Berlin
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-2702-8
Pagina's
:   160
Prijs
:   EUR 19.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Ostberlin in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Ostberlin, das sich seit der Spaltung der Stadt aus den Verwaltungsbezirken Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Weißensee, Pankow, Lichtenberg, Treptow und Köpenick zusammensetzt, reflektiert heute als selbständiges politisches Gebilde ein Stück tragischer deutscher Geschichte. Es repräsentiert zugleich auch immer noch überzeugend den Genius dieser Stadt, die über alle politischen Systeme hinweg stets ihr spezifisches Gesicht zu wahren verstanden hat. Der vitale Elan einer an extreme Lebensverhältnisse gewöhnten Kolonisatorenbevölkerung hat sich kaum abgenutzt. Sie versteht sich immer noch auf die Kunstfertigkeit , aus der Not eine Tugend zu machen und sich selbst mit historischen Absurditäten zu arrangieren.

Vom derzeitigen Ostberlin läßt sich sagen, daß es einen exemplarischen Querschnitt der Berliner Stadtlandschaft zu bieten hat. Es verfügt sowohl über die historische Kernlandschaft der alten City als auch über weitflächige Industriedistrikte und einen guten Teil jener urigen Wälder und Seen, die die unsterbliche Legende von der märkischen Streusandbüchse schlagend widerlegen. Wenn auch viele der großartigen architektonischen Zeugnisse zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor nur noch wie Phantome in der Erinnerung der älteren Generation herumgeistern , so behaupten sie doch ihren festen Platz in der

deutschen Kunstgeschichte. Sie zeugen immer noch von den Ausdrucksmöglichkeiten eines preußischen Stils, für dessen exquisiten Rang so ilIustre Namen wie Schlüter, Eosander von Göthe, Nering, Boumann, Knobelsdorff, Schinkel, Stüler und unzählige andere bürgen.

Gewiß, dieses Berlin ist unter den Weltstädten ein Parvenü geblieben, aber es hat in einem knappen Säkulum so intensiv einige Lektionen Geschichte nachgeholt wie andere in einer ganzen geschichtlichen Epoche. Gerade heute beschäftigt seine politisch exponierte Lage die Weltöffentlichkeit immer wieder. Seine Glanzzeit wird aber wohl stets die einst so viel verlästerte , inzwischen aber zur Belle Époque emporstilisierte Wilhelminische Ära bleiben. deren noch unter politischen Eruptionen sich darbietende heile Welt man wieder entdeckt hat, nachdem sie so lange als alles verschlingende Nährmutter der Mietskaserne und des von Heinrich Zille künstlerisch so perfekt fixierten sozialen Elends gegolten hat. Heute entwiekelt man in ungleich weniger romantischen Zeiten aus verständlichen Gründen einen unbändigen nostalgischen Eifer, das legendäre alte Berlin, das nur in der Verklärung von frustrierten Nachgeborenen zu existieren scheint, wie ein anderes Vineta wieder freizulegen, ehe die Wogen des Vergessens völlig darüber hinweggespült sind. Man bekennt sich da-

mit uneingestanden zu einer Romantik , die man im eisigen Aufwind eines seelenmordenden Intellektualismus nicht länger entbehren möchte.

Was aber könnte die Aura einer besonnteren Vergangenheit eindringlicher beschwören als authentisches Bildrnaterial, wie es die hier vorgewiesenen Ansichtskarten der Jahrhundertwende darbieten? In ihnen inkarniert sich der Geist einer Zeit, deren Idole rücksichtslos zu demontieren man bisher keine Skrupel empfand. Noch einmal zieht beim Durchblättern an unserem geistigen Auge auch all das vorüber, was seither Bomben und Bulldozern gnadenlos zum Opfer fiel, ein Stück bester Tradition, ohne deren Beschwörung der Mensch in Barbarei zurücksinkt.

Das alte Berlin, das die Wilhelminische Ära wie keine andere Stadt auslebte , stellt heute ein Dorado für nostalgische Exkursionen dar. Das trifft vor allem für den Ostteil der Stadt zu, der zwar nicht über die vornehmen Villenvororte des Westens verfügte , ihn aber als Stätte bewahrender Tradition und industrieller Betriebsamkeit eher noch übertraf. Darüber hinaus stehen seine landschaftlichen Reize außer jedern Zweifel. Die Natur, muß man sagen, hat sich schon einiges einfallen lassen, um die zahlreichen romantischen Winkel vor allem in Pankow, Treptow oder Köpenick mit allem Zauber auszustatten. Schließlich sind

die inzwischen von Groß- Berlin absorbierten umliegenden Dörfer mit ihren verträumten Dorfangern und alten Dorfkirchen die heimliche Liebe und das ganze Entzücken der Berliner geblieben, die auch noch zwischen Trümmern ein echtes Heimatgefühl entwickelten.

Vieles von dem, was dann schließlich vom alten Berlin unter den fünfundsiebzig Millionen Kubikmetern Trümmerschutt begraben wurde , besitzt bei den älteren Berlinern durchaus noch eine zwingende Präsenz. Aber auch die Jugend scheint wieder so etwas wie ein Geschichtsbewußtsein zu entwickeln, das sicher nicht nur Zivilisationsüberdruß und Gegenwartsflucht artikuliert.

Diese Ansichtskarten, die immerhin den nicht zu unterschätzenden Vorzug äußerster Authentizität besitzen, können einer solchen humanisierenden Kehrtwendung zur Tradition nur förderlich sein. Sie reflektieren den Geist der Großvätergeneration ebenso unverzerrt wie sicherlich auch die beigefügten Bilderklärungen, die topographischen Werken jener Zeit entnommen sind. Auch sie können einiges dazu beitragen, beim Aufbruch in ein nostalgisches Zauberreich das ausgeschöpfte Reservoir unserer Gefühlskräfte ein wenig anzureichern.

I. Entstanden ist der gigantische Bau des Schlosses, das hervorragendste Bauwerk Berlins überhaupt und zur Zeit Wohnsitz Kaiser Wilheims 11., in den Jahren von 1699 bis 1716 durch den berühmten Andreas Schlüter und durch Eosander von Göthe. Ein längliches Viereek bildend, weist das Schloß fünf Portale und vier Höfe auf und besteht aus vier Stockwerken mit etwa siebenhundert Zimmern. An der Spreeseite befindet sich noch der Teil des Baus aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit vielen Türmen und Erkern.

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2. Der Schloßplatz südlich des Schlosses ist seit dem Jahre 1891 mit dem von Berninis römischen Fontänen angeregten Schloßbrunnen von Reinhold Begas geschmückt. Er zeigt Neptun auf Felsen thronend, unter ihm Tritonen und Putten; im Becken Wassertiere und auf dem Rand, durch entsprechende weibliche Gestalten syrnbolisiert, die deutschen Ströme Rhein, Elbe, Oder und WeichseL

Ne tron a -Denkma Kaiser Wilhelm 1.

3. An der Westseite des Schlosses erhebt sich das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm L, welches am 22. März 1897 enthüllt worden ist. Das durch Reinhold Begas entworfene Monument ist einundzwanzig Meter hoch; Roß und Reiter messen in der Höhe neun Meter. Der Kaiser, der einen Marschallstab in der Rechten hält, hat den Bliek nach dem Lustgarten gerichtet. Zur Linken seines Pferdes schreitet ein weiblicher Friedensengel. Der bronzene Sockel trägt die Inschrift 'Wilhelm der Große. Deutscher Kaiser. König von Preußen 1861-1888'.

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4. Das Prachtgebäude des Alten Museums wurde in den Jahren 1824-1828 von Schinkel ausgeführt und bildet eine der schönsten Zierden der deutschen Reichshauptstadt und Kaiserresidenz. Eine breite Freitreppe führt zu der von achtzehn Säulen getragenen Vorhalle.

Die Nationalgalerie wurde nach einem Entwurf von Stüler von 1867-1876 von Strack aus rotem Sandstein geschaffen. Sie hat die Form eines korinthischen Tempels und ruht auf einem hohen Podest. Die Freitreppe wird von einem Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV. van Calandrelli beherrscht.

8eRUN. Dom, Haupffront.

5. Der Dom ist in seiner Ausführung in vollendeter künstlerischer Form durch Julius Raschdorff die schönste Kirche und zugleich das höchste Bauwerk Berlins. Der Bau ist aus Sandstein ausgeführt, Seine Hauptkuppel hat bei einem Durchmesser von zweiundzwanzig Metern eine Innenhöhe von siebenundsiebzig Metern. In neunzig Meter Höhe beginnt eine Laterne, welche der höchste Aussichtspunkt Berlins ist.

GrU8S aus Ber':

Ludwig Trleschmann, Hêtel zum go denen Löwen,

Bt>rJin C., Jü<len .? tr. 5-, 11m Rathhaus.

6. Die Lange Brücke verbinder den Alt-Berlin von Alt-Kölln trennenden Spreearm und wurde 1692-1695 nach Plänen Nerings erbaut, 1895 in Anlehnung an die früheren Bauformen erneuert und erweitert. Seit 1703 steht Sch1üters Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten, das bedeutendste Bildwerk der deutschen Barockkunst, auf dieser Brücke, die seitdem auch 'Kurfürstenbrücke' genannt wird.

Schros sbrucke

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7. Die Schloßbrücke, eine von Schinkels schönsten Schöpfungen, wurde in den Jahren von 1822-1824 über den westlichen Spreearm errichtet. Sie hat eine Länge von dreiundvierzig Metern und eine Breite von zweiundachtzig Metern. Auf acht kolossalen märkischen Granitblöcken erheben sich weiße Marmorgruppen, die zur Erinnerung an die Freiheitskriege die Laufbahn eines Helden in idealer Weise darstellen.

8. Das sogenannte Kronprinzenpalais wurde für den Feldmarschall von Schomberg im Jahre 1687 von Nering vollendet. Friedrich der Große wohnte hier bereits als Kronprinz von 1734 bis zu seinem Regierungsantritt. In den Jahren 1856 bis 1858 wurde das Palais für den damaligen Thronerben ausgebaut. Friedrich III. und auch Wilhelm 11. wuchsen im Kronprinzenpalais auf.

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