Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 2

Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Jürgen Meyer-Korte
Gemeente
:   Osterholz-Scharmbeck
Provincie
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4887-0
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Osterholz-Scharmbeck in alten Ansichten Band 2'

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EINLEITUNG

Die Namen Osterholz und Scharmbeck wurden bereits im frühen Mittelalter gebraucht. Scharmbeck ist offensichtlich der ältere Ort. Die erste lateinische Schreibweise lautete: Scirnbeci, die sich dann im Laufe der Zeit zu Scharmbeck abschliff. Bec (beei) bedeutet zweifellos: Bach; seirn kann mit grenzen (abgrenzen) oder glatt (klar) gleichgesetzt werden. Scharmbeck ist also die Bezeichnung für einen Grenzbach oder einen klaren Bach.

Der Name Osterholz ist mit großer Wahrscheinlichkeit als das im Osten (von Scharmbeck) gelegene Holz zu deuten. Andere Erklärungen, die ein im Holz gelegenes Heiligtum der altgermanischen Göttin Ostera vermuten, scheinen wenig stichhaltig.

Obwohl durch die Jahrhunderte hindurch zwischen Osterholz und Scharmbeck mancherlei Beziehungen bestanden, hatten beide Flecken eine eigenständige Entwicklung. Erst durch ein Gesetz des Preußischen Staatsministeriums vom 24. Mai 1927 wurden die Orte vereinigt; die Gemeinde erhielt den Name Osterholz-Scharmbeck. Diese Bezeichnung war jedoch nicht ganz neu: Schon 1862 hatte die Eisenbahn, deren Strecke Bremen-Geestendorf (heute: Bremerhaven) auf freiem Feld zwischen den beiden Orten hindurchführte, für den Stationsnamen des Bahnhofs Osterholz-Scharmbeek gewählt. 1869 wurde er von der Post übernommen. Osterholz-Scharmbeck liegt rund 20 Kilometer nördlich von Bremen; die Nahverkehrsverbindung mit der Eisenbahn erfordert bis Bremen-Hauptbahnhof eine Fahrtzeit von knapp 15 Minuten. Das Stadtgebiet wuchs erheblich an, als irn Jahre 1974 mit der niedersächsischen Gemeindereform eine ganze Reihe ländlicher Gemeinden der Stadt zugeschlagen wurden. Die genaue Flächengröße beträgt jetzt 146,79 Quadratkilometer. Osterholz-Scharmbeck ist also fast halb so groß wie die Stadt Bremen, die 324 Quadrat-

kilometer besitzt. .

Die Einwohnerzahlen haben sich langsam, aber stetig ent-

wiekelt. Im Jahre 1670 wurden 1 420 Einwohner registriert. 1753 waren es 1 800, im Jahre 1823 wurden 2 400 Personen gezählt. Bis 1875 war die Bevölkerungszahl auf 3 559 Menschen angestiegen, 1910 war die Zahl 5 000 erreicht, für 1929 nennt die Statistik 6 059. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 hatte Osterholz-Scharmbeck eine Bevölkerung von 7721 Menschen. Fünf Jahre nach Ende des Krieges wurden 1950 12 899 Einwohner gezählt; die Aufschlüsselung nach ihrer Herkunft ist interessant: 8 173 waren Einheirnische, 3440 stammten als Vertriebene aus den Ostgebieten, 1 276 waren während der Bornbenangriffe aus den Großstädten evakuiert worden und hatten in Osterholz-Scharmbeck eine neue Heimat gefunden. Im Jahre 1969 überschritt die Bevölkerung mit 15 350 Einwohnern die 15OOO-Grenze. Nach Vollzug der Gemeindereform waren am 1. März 1974 in den Listen der Stadt 22 445 Einwohner verzeichnet. Im Frühjahr 1984 betrugdie Einwohnerzahl 25 270, nicht mitgerechnet die amerikanische Garnison in Garlstedt und ihre in der Stadt lebenden Familienangehörigen. Osterholz-Scharmbeck ist Mittelpunkt eines unmittelbaren wirtschaftlichen Einzugsbereiches von rund 50 000 Menschen; im Umkreis von 15 Kilometern beträgt die Gesamteinwohnerzahl250 000. Osterholz-Scharmbeck nennt sich - im Dezember 1972 vom Verwaltungsausschuß des Stadtrates sogar ganz offiziell bestätigt - 'Gartenstadt am Teufelsmoor' . Diese Bezeichnung gilt in erster Linie für das alte Kerngebiet der Stadt mit aufgelockerter Bebauung und nur wenigen verdichteten Wohngebieten. Ein Bliek vom Wasserturm an der Lindenstraße, der seit Inbetriebnahme des neuen Wassererdbehälters am Gartel nur noch Funktionen als Aussichtsturm hat, oder vom Höhenrücken bei Buschhausen aus bestätigt, daß tatsächlich Bäume und Gärten das Bild der Stadt bestimmen. Die Landschaft wird vom Geestrücken in Nord-Süd-Richtung geprägt, dem -im Osten das Teufels-

moor mit den Wiesenniederungen des Hamme-Urstromtales vorgelagert ist. Weite Teile der Stadt und der eingerneindeten Orte liegen unmittelbar am Geestrand, sie umfassen Niederung und Geestlandschaft; der Charakter anderer Ortsteile ist mit der Moorniederung eng verbunden; für weitere Ortsteile Osterholz-Scharmbecks ist die Geest mit Wäldern, Heide und Ackerfluren bezeichnend.

Diese unterschiedliche Landschaftsstruktur wird durch die Angaben der Katasterkarten untermauert. Der höchste Punkt Osterho!Z-Scharmbecks ist etwa 500 Meter östlich der Siedlung Langeheide mit 48,5 Metern über Normalnull zu finden. Die Elm nördlich Bargten liegt 48 Meter über Normalnull, Hoppenkamp und Wiste haben eine Höhe von 47,70 Metern über Normalnull, Ohlenstedt nur 23,70 Metern über NormalInuIl. Die tiefstgelegenen Gebiete sind mit nur 70 Zentimetern über Normalnull in den Wiesen zwischen Neuenfelde und Beeke zu entdecken. Die Wiesen bei Tiet jens Hütte liegen dagegen bei 1,50 Meter über Normalnull. Für die überraschende Tatsache, daß die hammeabwärts gelegenen Ländereien ein höheres Niveau über NN haben, gibt es eine einfache Erklärung: bis zum Bau der Ritterhuder Schleuse in den Jahren 1874-1876 wurde die gesamte Hammeniederung alljährlich für lange Wochen überschwemmt; durch sich absetzende Sinkstoffe wurde vor allem die untere Hammeniederung allmählich aufgeschlickt.

Die Höhenunterschiede innerhalb des Osterholz-Scharmbecker Stadtgebietes sind also fast doppelt so hoch wie der Wasserturm an der Lindenstraße, der den höchsten Punkt der Stadt darstellt; das Gelände am Fuß des Turms liegt 37,2 Meter über Normalnull; für die Oberkante der Mauerbrüstung des Wasserturms wurde eine Höhe von 63,42 Metern über Normalnull gemessen.

Diese Zahlenangaben umreißen kurz und knapp die Eigenheiten und Besonderheiten Osterholz-Scharmbecks. Aber

wie die Verhältnisse und das Leben vor fünf, sechs oder sieben Jahrzehnten waren, lassen sie nicht erkennen. Charakter und Flair der Stadt bleiben im Hintergrund und sind nur zu vermuten. Sehr viel mehr Einblick in diese Seite des Gemeinwesens geben da alte Postkarten und Fotografien, wie sie in diesem Bändchen zusammengetragen wurden. Sie vermitteln die Atmosphäre, in der die Menschen lebten und arbeiteten. Die Straßen mit ihren Bäumen haben etwas Anheimelndes, kennen noch nicht die Hektik und Schnelligkeit des Verkehrs unserer Tage. Die Menschen mußten zwar noch sehr viel länger arbeiten, aber sie hatten auch mehr Zeit für einander. Der Feierabend war nicht vom Fernsehprogramm bestimmt, sondern von der Ruhestunde auf der Bank vor der Tür, vom Gespräch über den Gartenzaun, der Übungsstunde im Turnverein oder dem Chorsingen im Gesangverein. Die Vereinsfestlichkeiten, das Osterholzer Erntefest und die großen Scharmbecker Märkte waren die herausragenden Ereignisse des Jahres, die den Verlauf der Wochen und Monate bestimmten. Zeitangaben bemaßen sich nach 'soundsoviel Tage vor dem Osterholzer Erntefest' oder 'fünfeinhalb Wochen nach dem Scharmbecker Herbstmarkt'. Mit diesen Angaben konnte jeder etwas anfangen.

Die Menschen Osterholz-Scharmbecks kannten sich. Man wußte, wo jeder hingehörte und woher er kam. Selbst wenn man jemanden nicht persönlich näher kannte, wußte man doch, wo er wohnte und arbeitete. Man kannte den Vetter, den Schwager oder Onkel und konnte ihn von daher eingruppieren. Der Alltag und die in ihm lebenden Menschen waren überschaubar und ohne große Geheimnisse. Von diesem einstigen Osterholz-Scharmbeck erzählen unsere Bilder. berichten von den Straßen und Häusern, werfen einen Bliek in die Gärten und verraten etwas über eine Zeit, die Jahrzehnte zurückliegt und dennoch auch heute noch lebendig erscheint.

1. Im Jahre 1907/08 wurde das Kreishaus Rübhofstraße 4 gebaut, das die Aufgaben der bisherigen Arntsverwaltung übernahm. Diese hatte seit 1858 im Obergeschoß des damals neu errichteten Amtsgerichtes ihren Sitz gehabt. Als Preußen 1866 das Königreich Hannover übernahm, änderte sich vorläufig noch gar nichts. Erst 1885 wurden die Ämter aufgelöst und Landkreise nach preußischer Einteilung eingeführt. Über zwei Jahrzehnte später wurde ein neues 'Landratsamt' gebaut , das mit zwei mächtigen Säulen zu beiden Seiten des Eingangs repräsentierte. Repräsentation spielte überhaupt eine große Rolle: ein riesiges Treppenhaus mit umlaufender Treppe nahm fast mehr Raum ein als die Amtszimmer. Bis 1968 tat das Kreishaus seinen Dienst. Ein Neubau im Klosterholz übernahm die Aufgaben, das Amtsgericht zog in die alten Räume ein.

2. Zu den ältesten nordwestdeutschen Backsteinbauten gehört die Klosterkirche im StadtteilOsterholz. Mit dem Bau der romanischen Basilika wurde noch vor Genehmigung des Klosters durch Papst Clemens im Jahre 1188 begonnen. Die Ziegel wurden im Klosterholz in der Nähe des Erntefestplatzes hergestellt. 1196 war das Kloster soweit fertiggestellt, daß die Weihe zu Ehren der Jungfrau Maria erfolgen konnte. Im Jahre 1202 wurden die Benediktinermönche, vermutlich nach Abschluß der Gründungsaufgaben, abgezogen. Seitdem war Osterholz ein reines Nonnenkloster. Bereits 1550 wurde das Kloster lutherisch, kehrte aber während des Dreißigjährigen Kriegs zeitweise zum katholischen Glauben zurück. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden grundlegende Erneuerungsarbeiten durchgeführt.

3. Das Königreich Hannover baute 1858 bereits zum zweiten Mal ein Amtshaus für das Amt Osterholz, nachdem 1728 an Stelle des Hauses der Domina des Klosters Osterholz das erste Amtshaus errichtet worden war, da die bis dahin verwendeten Klostergebäude baufällig geworden waren. Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde das Arntshaus in roten Backsteinen streng symmetrisch gebaut mit jeweils vier Fensterpaaren beiderseits des Eingangstraktes. Die Amtsverwaltung hatte ihre Diensträume im ersten Stockwerk, im Erdgeschoß befanden sich die Raume des Amtsgerichtes. Auch nach der Übernahme Hannovers durch Preußen änderte sich daran nichts. Erst im Jahre 1908 zog die Verwaltung in ein eigenes Kreishaus um. Das Amtsgericht hatte nua das ganze Gebäude für sich und erweiterte es erst 1965 durch einen Anbau.

4. Die Findorffstraße im StadtteilOsterholz hieß früher 'Unter den Linden'. Doch nach der Vereinigung der bis dahin selbständigen Flecken Osterholz und Scharmbeck wurde der Name geändert, da es in Scharmbeck bereits eine Lindenstraße gab. An der Findorffstraße lag die überwiegende Zahl der alten HofleutesteIlen, der unmittelbar dem Kloster Osterholz zugehörigen Bauern. Das Haus ganz rechts im Bild war eine der zehn HofleutesteIlen und ist seit 1820 Gaststätte. Der frühere Name lautete 'Tiet jens Hotel', später wurde es in 'Amtslinde' umgetauft. Das Bauernhaus in der Mitte wurde Ende der zwanziger Jahre abgerissen. Heute befindet sich hier ein Buswendeplatz mit einer ZusteigesteIle für die Schulbusse der nahegelegenen Findorffschule.

5. Die Kreuzung Rübhofstraße/Findorffstraße im StadtteilOsterholz war einst dicht bebaut, wie der Bliek vom alten Kreishaus Rübhofstraße 4 in Richtung Klosterkirche zeigt. An der Findorffstraße lagen die alten HofleutesteIlen des Klosters Osterholz, von begüterten Bauern, die unmittelbar dem Kloster zugehörig waren. Ihre Häuser sind teilweise noch heute vorhanden. Doch das Bauernhaus links im Bild verschwand Ende der zwanziger Jahre. Heute befindet sich hier ein Buswendeplatz, der während der dreißiger Jahre als Franz-Seldte-Platz an einen SA-Führer erinnerte. Der Elektrornast in der Mitte des Bildes beweist, daß der Flecken Osterholz einer der ersten Orte mit einer eigenen Elektrizitätsversorgung war. Das Elektrizitätswerk war 1901 vom Flecken gegründet worden; Scharmbeck erhielt erst 1922 elektrische Versorgung.

6. Als Ende der zwanziger Jahre im Kern des Stadtteils Osterholz die Häuser an der Ecke Findorffstraßel Rübhofstraße abgerissen worden waren, entwickelte sich hier ein regelmäßiger Viehmarkt, zu dem die Bauern aus den umliegenden Dörfern mit Pferdewagen kamen. Angeboten wurden neben Geflügel in erster Linie Ferkel, und das Interesse der Marktbesucher war - wie das Bild zeigt - recht groß. Das Haus in der Mitte des Bildes ist das Pfarrhaus der im Hindergrund liegenden Klosterkirche. Die Mauer in der Bildmitte grenzt das Pfarrgrundstück ab. Das hinter dem Pfarrhaus halb erkennbare Haus steht noch heute und besitzt zwei Ladengeschäfte. Das stattliche Anwesen links daneben ist schon vor langen Jahren abgerissen worden. Hier liegt heute zwischen Amtsgericht und Klosterkirche der Klosterplatz.

7. Das Haus in der Rübhofstraße , das sich hier stolz im Schmuck von Girlanden und Fähnchen zeigt, steht noch heute, nur das rechte Schaufenster ist verschwunden. Hier befand sich lange Jahre eine Schneiderei, die die Osterholzer Bürger mit Kleidung versorgte. Im Schaufenster ist unter anderem noch eine Kleiderpuppe mit einer festlichen Robe zu erkennen. Der Girlandenschmuck war vermutlich für ein Turnfest angebracht worden, denn das verschwommen erkennbare Bild über der Tür deutet auf Turnvater Jahn hin, dessen Ideale im Flecken Osterholz vom Turnverein 'Gutheil' hochgehalten wurden. Der Grasgarten im Vordergrund, der mit einem Zaun zur Rübhofstraße hin abgegrenzt ist, gehört zum heutigen Grundstück Böttjer, das inzwischen längst mit einem Wohnhaus bebautist.

8. Der Festzug zum Osterholzer Erntefest loekte auch schon vor Jahrzehnten die Menschen an den Straßenrand, wie hier vor der Gastwirtschaft, Bäckerei und Kolonialwarenhandlung von Hinrieh Wohltmann in der Findorffstraße, die auch Ausspann und Viehhandlung war. Das Haus steht, wenn auch etwas modernisiert, noch heute. Das Gebäude links daneben steht allerdings längst nicht mehr. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen und an seiner Stelle ein mehrgeschossiger Wohnblock gebaut. In dem Haus residierte nach dem Dreißigjährigen Krieg die Landgräfin Eleonora Katharina von Hessen-Eschwege, die nach dem Tod ihres Mannes das Amt Osterholz regierte. Das Geschäft von Hinrich Wohltmann wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Weinhändler Adam übernommen, der aus Schlesien nach Osterholz gekommen war.

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