Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten Band 2

Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten Band 2

Auteur
:   Eckart Redersborg
Gemeente
:   Boltenhagen, Ostseebad
Provincie
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6030-8
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

Levertijd: 2-3 weken (onder voorbehoud). Het getoonde omslag kan afwijken.

   


Fragmenten uit het boek 'Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten Band 2'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Einleitung

Der erste Band 'Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten', erschienen 1992 und in zweiter Auflage 1993, fand einen breiten Leserkreis bei den Einwohnern des Ortes und bei vielen Sommergästen. Der Autor entschloß sich deshalb zu einem zweiten Band, der sich vor allem auf das Ostseebad bezieht, einige Bilder sind aber auch den zur Gemeinde gehörenden Dörfern Tarnewitz und Redewisch gewidmet, die immer zu den Ausflugszielen Boltenhagener Sommergäste gehörten. Dem ersten Band ist ein kurzer historischer Abriß der Entwicklung des Ostseebades Boltenhagen vorangestellt, die folgende Einleitung bezieht sich ausschließlich auf die Sturmhochwasserkatastrophe 1872 und auf Persönlichkeiten, die maßgeblich die Entwicklung des Ostseebades beeinflußten.

Bis um 1820 war Boltenhagen ein Bauerndorf, das sich auf den westlichen Ortsteil beschränkte. Danach entstanden ab Ortsmitte in östlicher Richtung Büdnereien und Häuslereien. Ab etwa 1830 nahmen die Einwohner Boltenhagens Sommergäste auf, deren Zahl sich nach und nach vergrößerte. So wird die Geburtsstunde des Ostseebades mit der Iahreszahl1830 verbunden. Boltenhagen erhielt seine ersten Hotels, 1861 setzte sich der Verschönerungsverein für die weitere sinnvolle, auf Sommergäste bezogene Entwicklung ein. Das Ostseebad schaute hoffnungsvoll in die Zukunft.

Doch dann kam völlig unerwartet die katastrophale Nacht vom 12. zum 13. November 1872, in der ein Sturmhochwasser bisher ungekannten Ausmaßes für einen schweren Rückschlag sorgte. Immer wieder hatte in historischer Zeit die sturmgepeitsche Ostsee den Dünensaum überspült und war in das Bauerndorf eingedrungen, ohne größere Zerstörungen anrichten zu können, zumal die Bauernhäuser auf dem etwa drei Meter hohen Festlandsrand lagen. Vor diesen Bauernhäusern und vor allem in Neu-Boltenhagen waren aber unmittelbar

hinter dem Küstensaum in Meeresspiegelhöhe Häuser entstanden, die Hochwasserständen völlig ungeschützt ausgeliefert waren.

Was dann passierte, kennzeichnet einen typischen Wetterablauf in der südwestlichen Ostsee, wie er sich übrigens genau einhundert Iahre spater (12.113. November 1972) wiederholte. Bis zum 12. November 1872 hatte ein Südwestwind tagelang die Wassermassen in nordóstlicher Richtung abgedrängt. Am Abend des 12. November 1872 drehte der Wind aufNordost, nahm Orkanstärke an und trieb das Ostseewasser aus Nordosten auf die vorpommersehe und mecklenburgische Küste zu. Zu spät erkannte man in vielen an der Ostsee gelegenen Dörfern die Gefahr, so auch im Ostseebad Boltenhagen. Das Hochwasser drang in den Ort ein, schnell standen die Häuser unter Wasser, Hab und Gut wurden zum Spielball der Wogen und vergrößerten das Zerstörungswerk. Groß waren besonders die Schäden in Neu-Boltenhagen. Gebäudeteile stürzten ein, so die eine Hälfte des dem Fischer Schwarz gehörenden Hauses. Die Pension Seebach und das Haus des Holzwärters Köster wurden völlig zerstört. Das Innere des Steinhagen'schen Hotels, der 'Perle unter allen Baulichkeiten und Anlagen Boltenhagens', bot ein grauenhaftes Bild der Verwüstung. Ähnlich sah es im Luckmann'schen Hotel aus (später Roloffs Hotel bzw. Parkhotel). In AltBoltenhagen hatten vor allem die Häuser von Eck-Westphal, vom Büdner Westphal, vom Schneider Westphal und vom Erbpächter Schwarz gelitten, in Rethwisch (seit etwa einem Iahrhundert Redewiseh) das

im Strandbereich gelegene Haus des Fischers Bohnsack. Menschenleben waren in Boltenhagen nicht zu beklagen.

Am Morgen des 13. November 1872 bot sich den Einwohnern und den Helfern aus Klütz ein fürchterliches Bild: Reste der fast ausnahmslos beschädigten Häuser ragten aus der mit Schlamm und Sand bedeekten Landschaft heraus, die Habseligkeiten der Bewohner lagen überall ver-

streut, Bäume waren entwurzelt. Von den in jahrzehntelanger Arbeit beschaffenen Promenaden, Anlagen und Einrichtungen für die Sommergäste (Musiktempel, Pavillon) war nichts mehr vorhanden. Wie durch ein Wunder hatte aber die sturmgepeitschte See vor den Grundmauern des auf der 'Paulshöhe' entstandenen Rohbaus fûr die Kapelle ihren Halt gefunden. An dieser Stelle erinnert ein kleiner Gedenkstein an diese Sturmesnacht.

In der Folgezeit entwickelte sich der Ort in der Weise, wie er in den beiden Bänden 'Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten' dargestellt ist. Es war dies das rnühevolle Werk von mehreren Generationen. Zumindest einige Personen werden nachfolgend in ihren Verdiensten gewürdigt.

Als besonderer Förderer des Badeortes Boltenhagen gilt [ohann Joachim Hartwig Meyer, an den ein Gedenkstein unmittelbar neben der Kapelle erinnert. Er wurde am 12. April 1807 in Menzendorf geboren, wirkte ab 1831 in Wismar, zunächst als Lehrer an der Großen Stadtschule, ab 1841 als Pastor an St.-Marien-Kirche, ab 1869 an der St.Georgen-Kirche und starb am 24. November 1884 in Wismar.

Sein umfangreiches soziales und kulturelles Wirken in Wismar kann an dieser Stelle nicht erläutert werden, gleichermaßen setzte er sich aber seit 1830 für das entstehende Ostseebad Boltenhagen ein. Er erkannte die reizvolle und angenehme Lage dieses Dorfes, das besonders unter seinem Einfluß den Anspruch erhob, nach Heiligendamm das zweitalteste Ostseebad Mecklenburgs zu sein. Iedes [ahr kam er nach Boltenhagen, gab vielfältige Anregungen zur Ortsentwicklung, gehörte zu den Initiatoren des 1861 gegründeten Verschönerungsvereins und gilt als der eigentliche Urheber für den 1872/73 erfolgten Bau der Kapelle in Boltenhagen. In drei Schriften (1842, 1862, 1881) pries er in zeitgemäßer Form die Vorzüge dieses Ortes. Außerdem gab er 1873 eine

'Kurze Geschichte des Boltenhäger Kapellenbaues' mit 79 Druckseiten heraus. Welcher andere Badeort an der mecklenburgischen Küste kann eine so kontinuierliche Fortschreibung seiner Entwicklung zum Ostseebad vorweisen?

Etwa zeitgleich mit }.J.H. Meyer setzte sich auch Iohann Jakob Wichmann für das Ostseebad Boltenhagen ein, aber sein Streben endete mit einem finanziellen Fiasko. Er kam 1841 von Lübeck aus nach Boltenhagen, pachtete zunächst das 'Hotel Baltique' und ließ das Hotel 'Großherzog von Meckienburg' erbauen. Er geriet in große finanzielle Schwierigkeiten und mußte schließlich sein Hotel aufgeben. Sein Pflegesohn Luckmann, der das 'Hotel Baltique' gekauft hatte, nahm ihn aufund führte dieses Hotel sogar noch einige Iahre unter dern Namen 'Wichrnanns Hotel'.

1893 löste Carl Engel den ersten Lehrer der Boltenhagener Schule, Carl Tiede, ab und unterrichtete dort bis April 1924. Über seinen Schuldienst hinaus setzte er sich für das Wohl des Ostseebades ein, denn spätestens seit Anfang dieses Iahrhunderts erfüllte er auch die Aufgaben eines ehrenamtlichen Gemeindesekretärs, der sich vor allem um die Belange der Sommergäste zu kürnrnern harte, In seine Amtszeit als Lehrer und Gemeindesekretär fällt der Ausbau Neu-Boltenhagens. Der Strandbereich und die Promenaden nahmen ihre Gestalt an. Die erste Landungsbrücke entstand. Boltenhagen erhielt feste Schiffsverbindungen mit Wismar und Travernûnde, die Zahl der Gäste nahm beständig zu.

Viel verdankte das Ostseebad Boltenhagen auch Hermann Asmuß. Ende Februar 1919 wählten ihn die Boltenhagener zum Bürgermeister. Diese Aufgabe erfüllte er bis zum Machtantritt der Nationalsozialisten und aufWunsch der Einwohner ab Sommer 1945 nochmals, bis man ihn am 1. April 1949 aus politischen Gründen absetzte. Im Zuge der' Ak-

tion Rose' wurde er am 14. Februar 1953 verhaftet, zu 16 Monaten Zuchthaus verurteilt und nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 am

8. August 1953 aus dem Zuchthaus entlassen. Ende 1953 verließ er mit seiner Frau seine Heimat.

Hermann Asmuß war in Boltenhagen ein sehr angesehener und geachteter Mann. In seiner Amtszeit vor 1933 entwickelte sich das Ostseebad Boltenhagen trotz der schweren Nachkriegs- und 1nflationszeit bzw. der Weltwirtschaftskrise beständig weiter. In diesen [ahren entstanden vor allem viele Villen, die als Privatsitz und als Pensionen dienten. Mehr oder weniger erhielt Boltenhagen damals seine bis 1994 vorhandene und genutzte Bebauung entlang der gesamten Küste bis Tarnewitz hin, wobei sich die Grenze zu dieser Gemeinde zugunsten Boltenhagens verlagerte. In seiner Amtszeit entstand auch die 'Lesehalle' , die gleichzeitig den Sitz der Gemeinde- und Bäderverwaltung bildete.

Nach 1945 mußten die Einwohner des Ostseebades Boltenhagen den beginnenden Verfall der typischen Bäderarchitektur ihres Ortes hinnehmen. Zu den verdienstvollen Persönlichkeiten, die gegen diese Tendenzen auftraten, gehörte der Lehrer Wilhelm Schünemann. Er wurde am 5. November 1903 in Kröpelin geboren und verfolgt noch heute als 91 jähriger von Rostock aus mit großem Interesse die Entwicklung dieses Ortes, Seine Lehrerausbildung erhielt er von 1918 bis 1923 im Lehrerseminar Neukloster. Nach verschiedenen Schulstellen gehörte er zwischen 192 7 und 1940 zu den Lehrern im benachbarten Klütz. Durch seine Frau, deren Eltern das Kaufhaus Steffen am Mittelweg betrieben, hatte er sehr enge Verbindungen zu Boltenhagen.

Nach dem Krieg unterrichtete er zwischen 1952 und 1968 an der Schule in Boltenhagen. Hier schärfte er bei Schülern, Lehrern, Bewohnern und Gästen des Ostseebades den Blick für die Belange des Ortes

und der Natur, unter anderem durch zahllose Lichtbildervorträge zur Geschichte des Ostseebades und zur Vegetation des Dünenbereiches, durch Veröffentlichungen sowie durch seine beratende Tátigkeit in verschiedenen Gremien. Er warnte immer wieder vor dem fortschreitenden Verfall der typischen Bäderarchitektur, die zwar überwiegend erhalten werden konnte, trotzdem aber auf Grund der fehlenden finanziellen Mittel bautechnisch mehr und mehr litt.

Seit 1990 wandelt sich das Bild des Ortes erneut. Bei allen Bauvorhaben sollte unbedingt der bädertypische Charakter des historischen Ostseebades Boltenhagen beachtet werden. Dazu mögen auch beide Bücher 'Ostseebad Boltenhagen in alten Ansichten' beitragen.

Eekart Redersborg

1 Die folgenden vier Bilder veröffenthchte die 'Illustrirte Zeitung' (Nr. 1539) am 28. Dezember 1872. Die Fotografien fertigte der Klützer Fotograf Friedrich Böttcher. Sie gehören wohl zu den ältesten fotografischen Ansichten des Ostseebades Boltenhagen. Die Bildunterschrift lautete: 'Die Sturmflut am Ostseestrand; Verwüstungen in Bad Boltenhagen' . Das Foto zeigt die Reste einer Allee in Alt-Boltenhagen. Eine wenigstens etwas Schutz bietende Düne gab es vor 1872 noch nicht. Auch der Küstenschutzwald wurde erst nach 1872 angelegt. Die Bewohner des Ostseebades leisteten damals Fuhr- und Pflanzhilfe.

2 Nach der Sturmwasserkatastrophe von 1872 wiesen die meisten Häuser Boltenhagens schwere Zerstörungen auf so auch dieses 'Logirhaus in Alt-Boltenhagen'. Der strandnahe Teil dieses Hauses brach unter der Wucht der Wellen zusammen. Das gesamte Erdgeschoß war unterspült. Dieses Logierhaus könnte dem Bauern earl Westphal gehört haben. Weil es damals mehrere Westphals in Boltenhagen gab, bezeichnete man seine an der Ecke in Richtung Klütz gelegene Bauernstelle bzw. Pension bis in die jüngste Zeit als 'EekWestphal'.

3 Schwere Zerstörungen hinterließ das Sturmhochwasser auch in NeuBoltenhagen. Dort waren vor allem die Logierhäuser des Büdners Schwarz und des Holzwärters Köster in Mitleidenschaft gezogen. Bei diesem Bild handelt es sich vermutlich um die Überreste des Logierhauses des Holzwärters Koster, der am sogenannten Tarnewitzer Ende Boltenhagens wohnte.

4 Im benachbarten Redewisch, das darnals noch Rethwisch hieß, wies das unmittelbar am Strand gelegene Wohn- und Logierhaus des Büdners Bohnsack große Schäden auf. Bereits 1873 erfolgte der Wiederaufbau des Gebäudes. Dieses am Derfeingang gelegene, malerische Niedersachsenhaus stellte seitdem ein bevorzugtes Wanderziel der Sommergäste dar. Es wurde 1988 abgerissen. An seiner Stelle steht seit 1990 ein neues Wohn- und Gästehaus.

5 An die Zerstörung des damaligen Ostseebades Boltenhagen während des Sturmhochwassers in der Nacht vom 12. zum 13. November 1872 erinnert ein kleiner Gedenkstein auf der 'Paulshöhe', der höchsten Erhebung Boltenhagens.

6 Am 28. Juni 1872 erfolgte die Grundsteinlegung für die Boltenhagener Kapelle. Ihre Mauern wuchsen schnell. Wie durch ein Wunder hielt der Rohbau in der Nacht vom 12. zum 13. November 1872 Sturm und Wellen stand, so daß der weitere Bau der Kirche ohne Rückschläge fortgesetzt werden konnte. Am 3. August 1873 weihte Propst Romberg aus Kalkhorst diese Kirche. Damals sang der Knabenchor der St.-Georg-Kirche aus Wismar.

I

~

?

7 Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Dorfes Boltenhagen zum Ostseebad hatte ab 1830 fûr mehr als fünf weitere [ahrzehnte der Wismarer Pastor ].J.H. Meyer. Er nahm Einfluß auf das Aussehen des Dorfes, regte seine Bewohner zum Bau von Gästehäusern an und popularisierte das nunmehr zweitälteste Ostseebad Meekienburgs durch drei kleine Schriften, die er 1842, 1862 und 1881 herausgab. Pastor Meyer kam jedes [ahr für mehrere Wochen als Gast nach Baltenhagen. 1880 widmeten ihm die Einwohner des Ostseebades einen Gedenkstein, der unmittelbar neben der Kapelle steht.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Colofon | Privacy | Disclaimer | Leveringsvoorwaarden | © 2009 - 2017 Uitgeverij Europese Bibliotheek