Pegnitz in alten Ansichten Band 3

Pegnitz in alten Ansichten Band 3

Auteur
:   Peter Spätling
Gemeente
:   Pegnitz
Provincie
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6641-6
Pagina's
:   80
Prijs
:   EUR 16.95 Incl BTW *

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Fragmenten uit het boek 'Pegnitz in alten Ansichten Band 3'

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Einleitung

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Pegnitzer Innenstadt von der hauptberuflichen Ausübung seiner Bürger geprägt und zwar von der Landwirtschaft. Pegnitz war ein typisches Ackerbürgerstädtchen mit der Anlage nach dem Muster einer oberpfälzischen Angersiedlung mit dem Rathaus in der Mitte. Alle Häuser standen giebelständig zum Marktplatz, der eine große Fläche aus gestampftem Lehm mit eingearbeitetem Juraschotter darstellte. Lediglich höchstens zwei Meter breite Streifen vor den Häusern auf der linken und rechten Seite waren gepflastert, um wenigstens im unmittelbaren Hausvorplatz immer einen einigermaßen sauberen Bereich zu haben. Die Häuser selbst waren auch alle vom gleichen Typ. Sie waren spitzgiebelig, wobei das steile Dach oft bis zur Höhe des Erdgeschosses heruntergezogen war. Bereits der zweite Stock hatte also schräge Wände und das dritte Geschoss war schon ein Dachboden, über dem nochmals ein winziger Spitzboden war. In einer ersten größeren Umbauphase der Häuser um den Marktplatz wurde dann der erste Stock ausgebaut und die Dachneigun gen wurden etwas flacher. Diese Umbauphase setzte zu Beginn dieses Jahrhunderts ein und brachte einige Häuser mit sich, die nun nicht mehr giebelständig zum Marktplatz standen.

Mit dem ersten baulichen Wandel in der Stadt war aber auch ein Wandel in der Gesellschaft einhergegangen, der im 19. Jahrhundert allerdings noch ziemlich schleichend und eher heimlich vor sich ging. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren eigentlich alle Bürger der Stadt eben 'Ackerbürger' gewesen, das heißt auf gut Deutsch, dass sie Bauern waren. Der Unterschied zu den Bauern in den Dörfern war lediglich, dass sie keinem Grundherren hörig waren, es waren also freie Bauern. Allerdings mussten auch sie Abgaben an die Obrigkeit, die durch den Amtmann vertreten war, bezahlen. Eine Stadtbeschreibung aus dem Iahr 1801 von Johannes Bundschuh dokumentiert diese Aussage. Dort steht unter anderem:

An Gasthöfen hat die Stadt 2, worunter einen ein kaiserlicher Posthalter besitzt. ( ... ) Sie (die Stadt) besteht aus 125 meist massiven Häusern, 79 Scheunen und 682 Einwohnern. Diese bestehen meistens aus Handwerkern von allerhand Art, besenders Metzgern, welche eine sehr gute Viehmast berreiben, und jährlich vieles Schlachtvieh absetzen.An Ackerland besitzen sie 750, an Wiesen 270 Tagwerk, welch Ietztere jedoch meist in auswärtigen Fluren liegen, an Hopfengärten 9, an gewöhnlichen Gärten 12, und an Waldungen 69 Tagwerk. Die vorzüglichsten Erdprodukte sind Waitzen, Gerste, Roggen, Haber, Kartoffeln und Erdrüben oder obere Kohlrüben, welch Ietztere von besonderer Größe gebaut und für die Viehmast verwender werden.

Diese Beschreibung zeigt, dass die Pegnitzer nahezu ausschließlich von der Landwirtschaft lebten. Andererseits bemerkt der genaue Leser aber auch, dass einige Bauern daran gingen, ihre speziellen Fähigkeiten im handwerklichen Bereich auszubauen und es sich mit der Zeit anbahnte, dass dieseTätigkeiten langsam zu Hauptberufen wurden und die Landwirtschaft damals schon im Rückgang begriffen war. So sind um 1850 noch folgende Berufe in der Hauptstraße zu finden:

Sattler, Flaschner, Spezereihändler, Uhrmacher, Bierbrauer, Kürschner, Häfner, Seifensieder, Zeugmacher, Tuchmacher, Schuhwarenhändler, Schreiner, Schmied, Viehhändler, Lebküchner, Färber, Drechsler, Nagelschmied, Wagner, Schneider, Likörverfertiger sowie drei Kaufleute. Trotzdem hatte diese entscheidende Veränderung in der Pegnitzer Gesellschaft keine einschneidenden Folgen im Aussehen der Innenstadt. Das Städtchen war noch so klein, dass man sich eben kannte und genau wusste, wohin und zu wem man ging, wenn man ein Produkt oder einen Handwerker brauchte.

Einen größeren Wandel gab es dann erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit Beginn des Wirtschaftswunders in den fünfziger Jahren. Jetzt vollzog sich wieder ein Wechsel in der Angebotsstruktur in der Innenstadt. Schon bald gab es nur noch zwei Landwirte um den Bereich des alten

Rathauses in der Hauptstraße. Noch war allerdings das Handwerk mit verschiedensten Zweigen vertreten.

Doch der Trend der neuen Zeit war auch mit einigen neuen Bürgern, zum Teil Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, die nach Pegnitz gezogen waren und hier eine neue Heimat gefunden hatten, gekommen. Im Lebensmittelbereich wies die gestiegene Anzahl von Geschäften auf den ebenfalls steigenden Konsum in diesem Bereich in den fünfziger Jahren hin. Was damals in den ersten Nachkriegsjahren am Marktplatz fast völlig fehlte, war der Dienstleistungssektor. Heute dagegen ist der Innenstadtbereich geprägt von einerVielzahl van ArztPraxen aller Art, Apotheken, aber auch vier in diesem Bereich ansässige Banken müssen zum Dienstleistungssektor gerechnet werden. Während die Geschäfte im Lebensmittelbereich weitgehend verschwunden sind, dominieren Boutiquen im Textilbereich und Konsumartikelgeschäfte, an die man kurz nach 1950 überhaupt noch nicht dachte, da man damals vor allem die Dinge des täglichen Bedarfs benötigte. Nur wenige Geschäfte aus dieser Zeit haben den Strukturwandel über!ebt. In der Gastronomie hätte man sich nicht träumen lassen, dass einmal italienische und griechische Spezialitäten die Speisekarten erobern würden.

Der Trend der neuen Zeit spiegelt sich auch in der Gestaltung der Häuservorderfronten wider. Kaum ein Haus hat heute keine durchgehende Schaufensterfront. Noch in den fünfziger Jahren war das Innenstadtbild von den verbreiteten gestreiften Sonnenmarkisen geprägt, und die inzwischen vollständig gepflasterte Hauptstraße hatte durch die Rotdornbäumchen ihr charakteristisches Aussehen erhalten, an das heute noch viele ältere Pegnitzer mit Wehmut zurückdenken.

So soll es gerade die Aufgabe des dritten Bändchens über Pegnitz aus dieser Reihe sein, Erinnerungen an das Wirtschaftsleben und aber auch an die gesellschaftlichenAktivitäten wieder in Erinnerung zu bringen. Vielleicht gelingt es dadurch bei manchem den Sinn für das Bewahren von erhaltenswerterTradition zu wecken.

Die vorliegende Sammlung von Bildern wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht viele ältere Pegnitzer mit Auskünften und Bildleihgaben zum Gelingen des Buches beigetragen hätten. Besonders möchte ich mich in diesem Rahmen bei Barbara DeimI, Kar! Ross und Iohann Böhmer bedanken, die zum Teil wertvolles Bildmaterial zur Verfügung stellten.

Peter Spätling

1 Auf dieser aus östlicher Richtung fotografierten Luftaufnahme aus den dreißiger [ahren sieht man noch gut die Anlage der von den Leuchtenbergern gegründeten 'Stadt uff dem Letten' . Es ist eine auf einem Umlaufberg planmäßig angelegte Siedlung mit einem Anger in der Mitte, der bis heute der Marktplatz ist. Den Mittelpunkt bildet dabei das Rathaus. Links und rechts der zentralen Hauptstraße zweigen bogenförmig zwei Gassen (Brauhausgasse und Rosengasse ) ab, die dann in die Hauptstraße wieder einmünden. Dies ist ebenfalls bis heute so geblieben.

Der Umlaufberg selbst wurde durch die Fichtenahe, deren

Lauf man an der Buschlinie am rechten Bildrand gut erkennen kann, und die Pegnitz, die dann im oberen Bereich des Bildes einmündet, herausgebildet. So wird der Stadtkern auf allen Seiten von

Gewässern umflossen, da ja vor der Stadt die Fichtenahe noch in zwei Arme getrennt wird, deren linker praktisch noch vor dem Bildausschnitt die untere Umrahmung bildet.

2 Der älteste Kern von Pegnitz ist allerdings nicht das heutige Stadtzentrum, sondern die sogenannte Altenstadt um den alten Friedhof, die zum ersten Mal 1 1 19 in der Stiftungsurkunde des Klosters Michelfeld erwähnt ist. Hier sieht man aus dem Luftbild, dass eine ähnlich planmäßige Anlage wie bei dem im Hintergrund noch erkennbaren neueren Stadtteil nicht erfolgt ist. Trotzdem lag der Anlage eine Überlegung zu Grunde, die anhand dieses Bildes noch gut nachvollziehbar ist. Die überschwemmungsgefährdete Pegnitzaue wurde von der Besiedlung ausgenommen und man wählte die sichere Anlage am Anstieg zur Albf1äche. Neben der Friedhofskirche tritt das alte Schloss als ehemaliger Sitz des Amtman-

nes deutlich hervor. Das Straßendreieck bilden die Galgengasse und die Nürnberger Straße, die Verbindung zur heutigen Innenstadt stellt die Schlossstraße her.

3 Die weitere Siedlungsausbreitung in Pegnitz ging zwischen den schon beschriebenen Stadtteilen, der Altstadt und der Innenstadt, dann entlang der Nürnberger Straße vor sich, die eigentlich noch zum Bereich der Altstadt zu rechnen ist. Von hier aus wurden weitere Straßen abzweigend angelegt. Auf dem Bild deutlich im Vordergrund zu erkennen ist die Heinrich-Bauer-Straße, die einst als 'Pottensteiner Straße' eine Art Ausfallstraße in Richtung Fränkische Schweiz darstellte, denn die einstige Verbindung nach Pattenstein verlief zunächst über diese Straße nach Willenberg und EIbersberg. In der Bildmitte ist schon die katholische Marienkirche zu sehen, weshalb

diese Aufnahme ebenfalls in die dreißiger [ahre einzuordnen ist. Nur einseitig bebaut ist bis dahin die sogenannte Villenkolonie in der Schmiedpoint auf der linken Seite.

4/5 Diese seltene Panoramaaufnahme entstand schon im [ahr 1901. Sehr schön erkennt man hier die Anlage

der Stadt Pegnitz, die zum einen aus den vorher bereits beschriebenen Kernen der 'Stadr uff dem Letten' (links)

und der' Altenstadt' (rechts) besteht. Auch kommt die Kessellage der Stadt deutlich zum Vorschein. Zwar liegen beide

Stadtkerne auf Erhöhungen, doch insgesamt im PegnitzFichtenohe- Tal, während außen sich eine Hügelkette

herumzieht. Am linken Bildrand ist gerade noch der Buchauer Berg zu erkennen, dann folgen im Hintergrund

der Kitschenrain und der Zipser Berg und nach dem Brunnberg am linken Bildrand gerade noch der Hain-

berg. Der Bildvordergrund wird von der Winterleite gebildet, auf der damals noch kein einziges Haus stand und

ir,

die, wie deutlich zu erkennen, landwirtschaftlich durch Getreideanbau genutzt war. In der Bildmitte ist von der Bebauung die Pegnitzaue, der heutige Wiesweiher, ausgenommen. Im linken Bildeck ist das Pegnitzer Wappen abgedruckt, das den brandenburgischen Adler, die Felder Schwarz und Weiß als die Farben des Hauses Hohenzollern und unten den Fisch als Symbol für den Fluss und den Stadtnamen aufweist.

6 Das Rathaus als zentrales Gebäude auf dem Marktplatz hat im Laufe seiner Geschichte schon vielerlei Funktionen erlebt: Fleischbank, Tanzboden, Feuerwehrgerätehaus, Postgebäude, Sparkasse und natürlich seine eigentliche Funktion als das zentrale Verwaltungsgebäude der Stadt. Als solches wird es bis heute genutzt, wenngleich es längst nicht mehr für die gesamte Stadtverwaltung Platz bietet. Doch die wichtigen Entscheidungen für die Stadt werden nach wie vor im Sitzungssaal dieses Gebäudes getroffen. Zur Zeit des Nationalsozialismus, als dieses Bild entstand, trug es auch einen Propagandaspruch der damaligen Machthaber: 'Arbcit ist keine Schande, Arbeit ist eine Ehre.' Im Gegensatz zu heute, wo

dieser Platz meist mit Autos vollgestopft ist, waren damals noch kaum Kraftfahrzeuge zu sehen, und die wenigen, die man erkennen kann, muten inzwischen sehr nostalgisch an.

7 Auf dem Platz hinter dem Rathaus war zunächst einmal für viele [ahre ein Brunnen, der var der Einführung der Wasserleitung in der Stadt zur Wasserversorgung der Bevölkerung diente. Als dieser

nach den Hausanschlüssen seine Funktion verlor, wurde inmitten des Platzes ein Zierspringbrunnen installiert, der bis heute in ähnlicher Farm erhalten ist. Allerdings wurde die kleine Grünanlage auf allen Seiten zugunsten der Verbreiterung der Straßen doch erheblich verschmälert und auch die Rotdornbäumehen, die, 192 7 gepflanzt, einst so charakteristisch für die Pegnitzer Innenstadt bis nach dem Krieg waren, mussten längst dem gewachsenen VerkehrTribut zollen und sind alle verschwunden. Var dem Rathaus steht auf

diesem Bild der Maibaum, und wer ganz genau hinschaut, kann in der Mitte ein kleines Hakenkreuzfähnchen ausmachen, so dass auch dieses Bild in die dreißiger [ahre datiert werden kann.

8 Der Marktplatz war nicht erst in der Zeit des Dritten Reiches ein Platz für Kundgebungen, sondern erfüllte diese Funktion schon immer. Dieses Bild ist eine wirklich historische Aufnahme und zeigt die erste Maifeier nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Pegnitzer Marktplatz im [ahr 1919. Auf der Rückseite dieser Karte hat der Schreiber vermerkt: 'Zur Erinnerung an die Maifeier am 1.5.1919 wo sich sämtliche Vereine beteiligten.' Immerhin war es die erste Maifeier nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches und man befand sich an der Schwelle zu einer völlig neuen Zeit, die in die Demokratie der Weimarer Republik führte. Zu diesem Zeitpunkt

allerdings war es in Bayern noch völlig ungewiss, wie es weitergehen sollte, stand doch auch die Alternative einer Räterepublik nach russischem Vorbild noch am politischen Horizont. Da ist es

nur verständlich, dass eine große Menge von Menschen sich an diesem Tag für die politischen Reden zum 'Tag der Arbeit' interessierte.

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