Boizenburg in alten Ansichten Band 1

Boizenburg in alten Ansichten Band 1

Autor
:   Karin Wulf
Gemeinde
:   Boizenburg
Bundesland
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5266-2
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Boizenburg in alten Ansichten Band 1'

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EINLEITUNG

Die Stadt BoizenburgiElbe liegt im südwestlichen Mecklenburg an der Einmündung des Flüßchens Boize in die untere EIbe. Man spricht hier von der sogenannten Dreiländerecke, wo die Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und MecklenburgiVorpommern aneinanderstoßen. Ein schöner Bliek auf die Stadt bietet sich vom Deich des jenseitigen Elbufers in der Nähe der Ortschaft Brackede oder auch herab von den nahegelegenen Elbbergen. Ein Historiker des 18.Jahrhunderts beschrieb diesen sehr überschwenglich: ... und nie war mir eine (Aussicht) [ûr Herz und Sinne beruhigender, freiatmender - als von jenen Bergen hinunter in die weite Ebene, auf die blühenden Wiesen und Viehweiden, die lachenden Gärten, die reichen Äcker, das goldene Ufer, in deren Mitte die roten Dächer und der schwarzblaue Schieferturm aus den Wipfeln dickbelaubter Bäume so ländich und einladend emporsteigen.

Ihr heutiges Aussehen erhielt die Boizenburger Altstadt nach dem großen Stadtbrand des Jahres 1709, als der Ingenieurkapitän Jakob Reutz beim Wiederaufbau innerhalb des hufeisenförmigen Grundrisses eine neue räumliche Aufteilung vornahm.

Die Stadt wird eingerahmt durch die mit Linden bestandenen Wallanlagen. Von der ursprünglichen Stadtbe-

festigung sind allerdings keine weiteren baulichen Zeugnisse erhalten geblieben.

Die eigentliche Entstehung Boizenburgs liegt im Dunkeln. Sie beginnt sicherlich in der Zeit der feudalen deutschen Ostexpansion des 12. Jahrhunderts. Um 1160 hatte der Sachsenherzog Heinrich der Löwe die im westlichen Mecklenburg ansässigen westslawischen Stämme vollständig seiner Herrschaft unterworfen. Zu dieser Zeit wird bereits ein adliges Geschlecht der Herren von Boyceneborg genannt. Aber auch schon zur Wendenzeit dürfte Boizenburg ein befestigter Platz gewesen sein.

Im Schutze der später deutschen Burg ist vermutlich durch die Ansiedlung von Fischern, Handwerkern, Händlern, Ackerbürgern die Stadt Boizenburg entstanden.

Am 22. Juli 1255 verkaufte Graf Günzel III. den 'Bergeren to Boyßenborg' ein Vorwerk bei der Boize. Aufgrund dieses Dokumentes kann man zu diesem Zeitpunkt davon ausgehen, daß Boizenburg bereits den Status einer Stadt besaß, denn eine besondere Urkunde über die Erklärung Boizenburgs zur Stadt gibt es nicht. Im Jahre 1264 verliehen die Grafen Günzel III. und sein Sohn Helmhold Il. der Stadt das Lübische Recht. In dem Dokument wird der Ort als 'Unser Statt Boyssenborg'

bezeichnet. Aus den Jahren 1280 und 1281 sind Urkunden erhalten geblieben, die belegen, daß zu dieser Zeit der Lüneburger Salzhandel über Boizenburg geführt wurde.

1427 erhielten die Boizenburger das 'Schiffahrths-Privilegium', das ihnen das Recht verlieh, das 'Schwarze Wasser' bis zum 'Bandekower See' mit Flößen und Schiffen zu befahren. 1510 wurde dem Boizenburger Schifferamt auch das Privileg der alleinigen Beschiffung der Sude erteilt.

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte auch die Boizenburger Bevölkerung und die der umliegenden Dörfer schwer zu leiden. Ein großer Stadtbrand in der Nacht vom 15. zum 16. Oktober des Jahres 1709 vernichtete fast die gesamte Stadt, über 150 Häuser wurden Opfer der Flammen. Der Wiederaufbau beanspruchte mehrere Jahrzehnte.

Über die nächsten Jahrhunderte entwickelte sich Boizenburg trotz der Wirren der Befreiungskriege, des Deutsch-Französischen Krieges und der beiden Weltkriege zu einer kleinen Industriestadt, die 1939 7 063, 1945 10 609, 1978 12610 und 1989 rund 12000 Einwohnerzählte.

Die fast 200jährige 'Elbe-Werft' und die rund neunzig

Jahre alte 'Plattenfabrik' prägen noch heute das Gesicht der Stadt. Hinzu kommen inzwischen viele mittlere und kleine Unternehmen, während der einst ebenso wichtige Ackerbau nur noch für die Region von Bedeutung ist. Das Hochwasser der Elbe , das Boizenburg über Jahrhunderte immer wieder heimsuchte, hat durch die in den sechziger und siebziger Jahren errichteten Hochwasserschutzanlagen seine Schrecken verloren.

Der vorliegende Bildband beschäftigt sich im wesentlichen mit Aufnahmen des historischen Stadtkerns, des nahegelegenen Hafens, der Elbberge und der Bahnhofsvorstadt. Es handelt sich um Fotografien aus der Zeit zwischen 1880 und 1930, dem Boizenburg unserer Großväter.

Die Bilder stammen aus den Beständen des Heimatmuseums sowie von verschiedenen privaten Leihgebern .

Die Auswahl der Fotos und die Zusammenstellung der erläuternden Texte erfolgte durch Mitglieder des Vereins der Boizenburger Museumsfreunde e. V., unter Benutzung der im Museumsarchiv vorhandenen Literatur.

1. Die Hafenbahn am alten Stadtbahnhof. Auf einer Strecke von 2,57 km Länge wurde am 1. September 1890 der Personenverkehr zwischen Reichsbahnhof und Stadt aufgenommen. Sieben Zugpaare täglich stellten den Anschluß zu den Zügen nach Hamburg bzw. Berlin und Schwerin sicher. Nach der Fertigstellung der Stiftstraße in den dreißiger Jahren wurde dort noch ein Zwischenhaltepunkt eingerichtet. Die historische Aufnahme vom Anfang unseres Jahrhunderts strahlt die Gemütlichkeit und Beschaulichkeit der 'guten alten Zeil' aus. Mit dern Neubau des Empfangs- und Verwaltungsgebäudes im Jahre 1938 zog auch die neue Zeit in die Geschichte der Hafenbahn ein. Aus Rentabilitätsgründen mußte der Personenverkehr 1967 an den Kraftverkehr übertragen werden.

2. Ostseite des Hafens. Zur Linken befindet sich das flache Gebäude der Hafenbahn, an dessen Stelle 1938 das heute als Gaststätte 'Stadt Boizenburg' genutzte, repräsentative Empfangsgebäude errichtet wurde. Der hohe Speicher in der Bildmitte gehörte zur Mühle der Familie Sellmann. Der Mühlenbetrieb wurde um 1950 eingestellt. Nachdem der Speicher einige Jahre als Aufkaufstelle für Obst und Gemüse gedient harte, wurde er Mitte der achtziger Jahre wegen Baufälligkeit abgerissen.

3. Hafen mit Stadt im Hintergrund. Elbfähre, Werft, Sägereien, Mühle und Hafenbahn prägten über lange Jahre das Bild des Hafengeländes. Das ständig wiederkehrende Hochwasser der Eibe machte in späterer Zeit die Anlage eines Hafendeiches erforderlich. Erst hierdurch konnte ein durchgängiger Hafenumschlag gesichert werden. Die Werft hat sich in ihrer fast 200jährigen Geschichte ständig erweitert und stellt heute moderne Binnenfahrgastschiffe für die großen Ströme der Sowjetunion her.

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4. Boizenburger Hafen um 1900. Mit Segeln versehene Lastkähne werden gerade entladen. Im Hintergrund ist die Lemmsche Werft (heute Elbewerft) zu erkennen. Der Boizenburger Hafen hatte über Jahrhunderte seine besondere Bedeutung für die Stadt. Bereits im Jahre 1422 wurde den Boizenburgern das 'Schiffahrthsprivilegium' erteilt. Schon der mittelalterliche Salzhandel hat dem Hafen spezielle Bedeutsamkeit verliehen, denn der Salzhandel zwischen Lüneburg und Wismar führte lange Zeit über Boizenburg und bedingte damit einen Hafenumschlag.

Boizenburq

5. Das Fährhaus um die lahrhundertwende war noch eine kleine Gaststätte. Ständig bestand die Gefahr eines Erdrutsches vom Hange des Elbberges nicht nur für das Gebäude selbst, sondern auch für den Fährweg und die Anlagen der Werft. Die Wasserversorgung des Anwesens erfolgte durch eine Ouelle am Elbberg, zu der eine Treppe hinaufführte. In einem großen Boot unternahm der Gesangsverein 'Liedertafel' im Jahr 1900 einen Ausflug. Über fünfzig Passagiere wurden von nur einer Person vom Hafen zur Fähre gestakt.

6. Diese Reproduktion eines Stahlstiches wurde 1856 von Poppel & Kunz, München, nach einer Zeichnung eines Professor Gottheil gestaltet. Gezeigt werden das Panorama von Boizenburg und der Hafen vom Elbberg aus. Der Straßendurchstich der heutigen B5 ist noch nicht vorhanden, der Hafen hat noch keinen Deich. Bei den Gebäuden im Vordergrund handelt es sich um das 'Lernm'sche' und das 'Rothe Haus', die Straße ist die später als Fährweg bezeichnete Lüneburger Landstraße.

ßoizenburg a. E. Werft.

7. Die Werft am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Schiffbauarbeit wurde zu dieser Zeit noch unter sehr prirnitiven Bedingungcn ausgeführt. Alle Transportarbeiten erfolgten manuell. Die Werft selbst wurde bereits 1793 von dem Beizenburger Schiffbaumeister Franz Jürgen Lemm gegründet. Mit vierzehn Zunftgenossen begann er als kleiner Handwerksbetrieb. 124 Jahre befand sich die Werft im Familienbesitz der Lemms. Nach 1917 durchlief der Betrieb verschiedene Eigentumsformen. Heute heißt er Elbewerft Beizenburg GmbH. 130 Meter lange Binnenfahrgastschiffe, die bis zu dreihundert Passagiere aufnehmen können, werden seit zwanzig Jahren hier gebaut.

8. Der Schäferberg liegt auf dem Höhenrand westlich des Grünen Weges. Er diente über lange Zeit zur Sandentnahme, und für die unterhalb des Berges gelegene Ziegelei wurde auch Lehm gewonnen. Heute ist der Schäferberg fast völlig abgetragen. Auf der Wiese neben dem Pavillon übten häufig die Gesangsvereine. Über diesen Ort weiß der Volksmund verschiedene Sagen von schatzhütenden Zwergen zu berichten. Bei Abtragungsarbeiten im Jahre 1949 wurden Urnenbestattungen aus der jüngeren Bronzezeit gefunden.

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