Ahlen in alten Ansichten

Ahlen in alten Ansichten

Autor
:   Josef Hesse und Frau Dr. Ute Ewering
Gemeinde
:   Ahlen
Bundesland
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6576-1
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Ahlen in alten Ansichten'

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60 Zeche Westfalen im Iahre 1913. Nachdem schon im Iahre 1900 erste Probebohrungen nach Steinkohle in der Umgebung von Ahlen unternommen worden waren, konnte am 19. Juli 1907 der erfolgreiche Abschluß gefeiert werden. Hier in Ahlen entstand die tiefste Zeche Deutschlands. Auf dem ehemaligen Gebiet des Bauernhofs SchulzeEckel wurde die Zeche errichtet. Der Bau einer Straße zum Zechengelände und einer Zechenbahn zur Staatsbahn folgten. Mit den Abteufarbeiten begann man 1909; die Schächte Wilhelm I und Wilhelm II entstanden. Dann, am 15. März 1913, begann die erste Förderung für den Verkauf.

AHLEN j, W. Zeche Westfalen

61 Straßenzug in der Kolonie. Durch das Anwachsen des Kohlebergbaus war die Errichtung geeigneter Wohnräume zwingend. So übernahm das Zechenunternehmen den Bau von Werkswohnungen: 1911 wurde mit dem Bau der Kolonie begonnen und ein neuer Stadtteil entstand. Zwischen 1919 und 1924 waren 1 094Arbeiter- und 117 Beamtenwohnungen fertiggestellt. Von besonderer Bedeutung war der Garten hinter dem Haus. Hier konnten Obst und Gemüse angebaut werden, die als Lebensmittelquellen dienten. Auch die Tierhaltung war zur Nahrungserzeugung notwendig.

62 Daß auch früher Frauen bei der Zeche eine Anstellung fanden, bezeugt diese Aufnahme aus dem Iahre 1916, also während des Ersten Krieges. Hier präsentieren sich die Damen in stolzer Pose. Im Iahre 1918 waren es insgesamt siebzig Frauen und Mädchen, die auf der Zeche Westfalen beschäftigt waren. Schon 14j ährige wurden eingestellt. Während diese Damen auch Arbeiten, die für Männer vorgesehen waren, in den Kriegsjahren übernahmen, arbeiteten Frauen im Zweiten Weltkrieg vorwiegend als Küchenhilfen, Botinnen, Putzfrauen und in den Büros.

63 Leben in der Kolonie in den vierziger Iahren. Das Foto zeigt die Familie Tammoschat am Eekelshof als stolze Besitzer einer neuen Holzbottichwaschmaschine. Der an einem Ast aufgehängte Wecker läutete nach zwanzig Minuten, damit man wußte, daß die Maschine lange genug geschaukelt und der Waschvorgang beendet war. Die neue Maschine bedeutete eine enorme Erleichtung für die Hausfrau. Allerdings präsentieren sich hier die Männer als Hauptakteure für die Wäsche, was wohl in der Realität nicht so der Fall gewesen sein wird.

64 Von besonderer Bedeutung für das Ahlener Bergarbeiter- und Kolonieleben war der 'Westfalenhof' . Die schnell wachsende Belegschaft der Zeche machte entsprechende Unterkünfte notwendig. Schon 1908 hatten die Gewerkschaft Westfalen und der Hotelier Anton Pieper die Absicht erklärt, eine Gaststätte zu bauen. Aber nicht nur als Gaststätte diente dann der 1911 errichtete 'Westfalenhof' , sondern vor allem als Wohnheim für ledige Bergarbeiter. Noch im gleichen Iahr der Fertigstellung wurde das Haus erweitert. Es war der Auftakt zu mehreren An- und Umbauten im Laufe der Zeit. Vertraglich festgehalten wurde, daß der Besitzer für angemessene Wohn- und Schlafgelegenheit und Verpfle-

gung pro Tag und Mann 1,50 Mark verlangen kann. Auch als Stammlokal für die verschiedenen Vereine und politische und gewerkschaftliche Gruppen war der Westfalenhof be-

kannt und vielfach genutzt. In späterer Zeit diente das Haus dann auch als Tanzlokal und Kino. Nachdem schon in den dreißiger Iahren dort ein Kinosaal bestanden hat, wurde hier am

31. Oktober 1952 das Lichtspiel- Theater Westfalia eröffnet.

65 Konsumanstalt der Gewerkschaft Westfalen am Glückaufplatz. Bis zur Errichtung der Konsumanstalt durch die Zechenverwaltung gab es in der Kolonie nur wenige Einkaufsmäglichkeiten. Verwalter der errichteten Konsumanstalt am Glückaufplatz war damals Iohann Wischnewski. Die Bergleute konnten dort Mitglied werden und ihre Lebensmittel beziehen. Der Gewinn wurde dann am Iahresende wie-der an die Mitglieder verteilt.

66 Diesterwegschule in einer Aufnahme aus dem Iahre 1926. Die am Glückaufplatz im Herzen der Bergarbeiterkolonie gelegene Diesterwegschule bedeutete ein Stück Kulturgeschichte Ahlens. Generationen von Zuwanderern, die dem Ruf der Zeche folgten, schickten ihre Kinder auf diese Schule. Viele von ihnen lernten dort erst die deutsche Sprache. Etwa zehn Iahre lang wurden in der 19 13/ 14 errichteten Schule katholische und evangelische Kinder getrennt unterrichtet.

Im Gebäude waren die 'Katholische Volksschule', eine ' Abteilung der evangelischen Stadtschule' , die

'Weltliche Schule', die 'Deutsche Schule', eine 'Gemeinschaftsvolksschu ie' und eine 'Gemeinschaftsgrundschule' nebeneinander untergebracht. Zwei Ereignisse

haben das Bild dieser Schule in folgender Zeit wesentlich geprägt. Die Teilung der alten Volksschule im Iahre 1968ließ sie zur Grundschule werden. Der übermäßige Anteil auslän-

discher Schüler seit den siebziger Iahren bedeutet für die Diesterwegschule eine besondere pädagogische Herausforderung.

67 Glückaufplatz. Mittelpunkt der Anfang des Iahrhunderts geschaffenen Kolonie war der Glückaufplatz. Um ihn wurden die Häuser in einem Dreieck-

system angelegt. Sie bestanden meist aus zwei Wohnhälften mit je drei oder vier Zimmern, die von dem Zechenunternehmen gebaut worden

waren. Als Vermieter und Arbeitgeber versuchte das Unternehmen die Belegschaft an sich zu binden. Der Mietvertrag diente zugleich als Disziplinierungs-

instrument. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kopplung von Arbeitsund Mietvertrag aufgehoben.

68 Bombenangriff auf Ahlen. Die Aufnahme vom 23. März 1944 zeigt das Ausmaß des Bombenangriffs auf die Diesterwegschule in der Schachtstraße. Insgesamt fielen in Ahlen den Bombenangriffen 257 Bürger zum Opfer. Die Aufräumarbeiten an der Diesterwegschule wurden von russischen Zwangsarbeitern durchgeführt, die vorne im Bild zu sehen sind. Am 31. März 1945 verhinderte der Ahlener Lazarettarzt Dr. Paul Rosenbaum die völlige Zerstörung Ahlens, indem er die Stadt den Amerikanern kampflos übergab.

69 Starke Niederschläge im Iahre 1946 überschwemmten das Emsgebiet im Kreisgebiet Beckum. Hohe Schäden sind durch das Hochwasser am 8.1 9. Februar 1946 im gesamten Stadtgebiet und im Umland entstanden. Die Größe der überfluteten Fläche im Gebiet der Werse betrug rund 500 ha. Die Straßen glichen, wie hier auf dem Foto, reinsten Flüssen. Auch der Zechenplatz der Zeche Westfalen war so überschwemmt, daß die Wassermengen in die Schachtanlagen eindrangen und der Betrieb der Zechen eine Woche unterbrochen werden mußte.

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