Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Aichach (1933-1948) in alten Ansichten

Autor
:   Franz Achter
Gemeinde
:   Aichach (1933-1948)
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6269-2
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aichach (1933-1948) in alten Ansichten'

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39 In der Vorkriegszeit wurden auch die Bedingungen im Straßenverkehr, bei der Personenbeförderung und beim Transport von Gütern und der Posrverkehr verbessert. Neben neu geschaffenen Fernstraßen wurde das bereits vorhandene Straßennetz ausgebaut. Stellvertretend sei hier der Autobahnbau von München nach Stuttgart erwähnt. Von Aichach aus konnten die Autofahrer an der Anschlußstelle Dasing in diese Schnellstraße einfahren. Auf der Bahnlinie von Augsburg nach Ingolstadt wurde von Mai 1935 zusätzlich ein Triebwagen eingesetzt, mit dem die Leute fahren konnten. Am 1. März 1936 wurde die Landkraftpostlinie Aichach-Altomûnster eröffnet. Diese Kreisstrecke war 57,8 Kilometer lang und hatte 32 Haltestellen. Bei dieser Kraftpostlinie wurden Kleinbusse eingesetzt, die die Postzustellung bei den einzelnen Postämtern und

die Briefkastenleerung in den Ortschaften erledigten. Dieses Fahrzeug konnte sogar eine Person als Mitfahrer befördern. Unser Bild zeigt das Postauto auf dem verschneiten Oberen Stadtplatz von Aichach. Das Schild an der Längsseite weist darauf hin, daß es die Linie Aichach-Alto-

münster befährt, Auch an diesem Postfahrzeug durfee natürlich der Reichsadler mit der Aufschrift Deutsche Reichspost an der rechten Fahrzeugseite hinter der Beifahrertüre nicht fehlen.

40 Dieses Bild zeigt die nördliche Häuserzeile der Freisinger Straße. Die vom Deutschen Reich gewährten Zuschüsse förderten die Erstellung von Eigenheimen sehr. So wurden auch an dieser Straße die hier zu sehenden Wohnhäuser in der Zeit des Nationalsozialismus erstellt. Für die Banherren war es wohl ein Risiko, sich für den Bau eines eigenen Häuschens zu entscheiden. Der Aufschwung war zwar da, es wußte [edoch keiner so recht, wie es mit dem Reichstag weitergehen sollte. Aufgenommen wurde dieses Foto von der heutigen Ludwigstraße aus. Das Gebiet zwischen den beiden parallel verlaufenden Straßen war noch nicht bebaut. Auch der Luftschutzunterstand beim 'BunkerBergerl' war noch nicht erstellt. Dieser Schutzraum wurde gegenüber dem Haus mit den beiden Dachgauben angelegt. Auf einigen Äckern waren Gärten einge-

zäunt worden, die die Siedler pachteten und auch zum Anbau nutzten. Zur Erläuterung sei noch gesagt, daß neben dem zwei geschossigen Haus am rechten Bildrand zur Mitte hin heute die Kreuzung Freisinger Straße-Krankenhausstraße liegt. Erst im Iahre 1 937 wurde das Gebiet zwischen

der Straße nach Freising und dem Untergriesbacher Feldweg bebaut.

41 Im Frühjahr 1939 kam der erste VW- Käfer nach Aichach. Hergestellt hat dieses Fahrzeug das Volkswagen-Werk in Wolfsburg. In diesem Automobilwerk wurde auch ein Militärfahrzeug gebaut, das im Volksmund 'Kübelwagen' hieß. Dieses Fahrzeug hatte das selbe Fahrgestell, nur die Karosse war beim Käfer anders. Dieser Privatwagen wurde auf dem Oberen Stadtplatz vor dem Winuner-Haus abgestellt. Wie bei derartigen Anlässen zur damaligen Zeit üblich, waren die Häuser am Stadtplatz mit den Fahnen der Partei geschmückt. Auf dem Bild ist ferner zu sehen, daß viele diesen Personenkraftwagen bestaunten.Auch die Leute der Partei, die der Betrachter an den Schirnunützen unter den anderen Zuschauern erkennen kann, waren bei diesem Ereignis anwesend. Der Preis dieses 'Wagens für das Volk' war dem Einkommen der Durchschnittsbe-

völkerung angepaßt. Das Fahrzeug sollte 999 Reichsmark kosten. Mit dem Kauf von Marken im Wert von fünfReichsmark konnten die Interessenten für dieses Auto die Kaufsumme ansparen. Das Ziel der Regierung war es, daß sich jeder Arbeitnehmer einen VW-Käfer leisten

konnte. Doch diese Wunschvorstellung durchkreuzte der Zweite Weltkrieg, der am 1. September des selben Iahres begann.

42 Im Spätsommer 1939 stand Deutschland kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Auch in Aichach warf der Beginn dieses Krieges seine Schatten voraus. In den Kasernen der Wehrmacht wurden die jungen Soldaten auf ihre Pflichten für Volk und Vaterland vorbereitet. Bestehende Einheiten, die bereits ausgebildet waren, wurden in versebiedenen Stadten einquartiert, wo sie an Manövern teilnahmen. In Aichach wurde 1838 probeweise eine Bäcker- und Metzgerkompanie aufgestellt, die nach Kriegsbeginn erneut in diese Stadt kam. Die Bewohner unseres Städtchens sahen die Anwesenheit der Soldaten eine angenehme Abwechslung im täglichen Leben und nicht als Störung. Dieses Bild zeigt einen Teil dieser Einheit, wie sie mit dem Tornister auf dem Rücken und dem Karabiner über der rechten Schulter durch die heutige Werlberger Straße

Richtung Stadtmitte marschiert. An den Buben, die neben den Rekruten herradeln, ist zu sehen, daß Minner in Uniform immer eindrucksvoll auf sie wirkten.

43 Diese Bäcker- und Metzgerkompanie war eine bespannte Einheit. Das bedeutet, daß die Wagen von pferden gezogen wurden. Erst als sie im Juli 1940 nach dem Frankreichfeldzug, an dem diese Soldaten ebenfalls teilnahmen, erneut nach Aichach kamen, waren die Pferde gegen Kraftfahrzeuge ausgewechselt worden. Auf dem Bild ist am linken Bildrand ein Wagen der Wehrmacht zu sehen, auf dessen Kutschbock ein Soldat sitzt, der die beiden Rappen lenkt. Das Foto wurde vermutlich in Eeknach auf einem Bauernhof aufgenommen, in dem die Wagen untergestellt und die Pferde und Soldaten einquartiert waren, Vor dem Eingang des Hauses steht die Feldküche, landläufig auch Gulaschkanone genannt. Diese fahrbahre Kücheneinrichtung konnte man überall mit hinnehmen und an Ort und Stelle die Soldaten oder die Bevölkerung

bei den verschiedensten Anlässen verköstigen. Mit diesem Wagen war es für den Koch möglich auch im Gelände warme Mahlzeiten zu bereiten. Durch den Schornstein des Herdes über den Vorderrädern, rechts am Bildrand, konnte der Rauch entweichen. Auf dem Aufbau der hinte-

ren Räder sind Warmhaltebehälter abgestellt.

44 Nur die beiden Männer selbst wissen, was sie dachten und welche Gefühle sie hatten, als sie sich mit dem Seesack auf dem Rücken in Aichach in der heutigen Werlberger Straße trafen. Sie harten den Stellungsbefehl erhalten, nach Vorschrifi einige Kleider und Habseligkeiten in den Sack gepackt und waren auf dem Weg zum Bahnhof von wo aus sie zu ihrer Einheit in die Kaserne fuhren. Vielleicht mußten die Männer Frau und Kinder zurückzulassen oder hatten noch Schulden vom Hausbau her. Der Schriftsteller Ludwig Thoma hat in seiner Geschichte 'Ein bayerischer Soldat' sehr gefühlvoll die Stimmung wiedergegeben, die die Soldaten beim Verlassen der Heimat im Krieg 1870/71 gegen Frankreieli ergriff. Der Verfasser schrieb nieder, daß nur sehr wenige Reservisten in den Zügen gesungen haben, weil sie sich dadurch Mut machen wollten. Die

meisten, die im Feldzug 1866 schon dabei waren, waren ganz still und ruhig, Sie wußten, was auf sie zukam.

45 Unter dem Reichskanzler AdolfHitler war Deutschland mitten im Krieg. Die Front, so nannte man die Kriegsli:nien zu den Ländern, mit denen man sich im Kriegszustand befand, war an fast allen Außengrenzen des Deutschen Reichs, da an mehrere Länder gleichzeitig die Kriegserklärung abgegeben wurde. Um diesen Krieg nach den Vorstellungen des 'Führers' und seiner Kriegsminister siegreich zu Ende führen zu können, war es erforderlich, alle tauglichen Männer zum Militärdienst einzuberufen und per Gesetz zu bestimmen, daß eine Vielzahl von Fahrzeugen der Wehrmacht zur Verfügung gestellt wird. Auch die Kfz-Besitzer in Aichach und Umgebung waren von dieserVorschrift nicht ausgenommen. Auf dem Exerzierplatz wurden die Lastkrafrwagen und Motorrader in Reih und Glied abgestellt, damit sie das Militär übernehmen

konnte, Es ist wohl für jedermann verständlich, daß dieser Einschnitt bei den Fahrzeugbesuzern aufherbe Kritik stieß, die sie [edoch nur still von sich geben durften, um nicht der Partei zu mißfallen, was viiederum für jeden Einzelnen unliebsame Folgen gehabt hätte.

46 Bei dieser Mobilmachung im September 1939 mußten auch Personenkrafrwagen und Omnibusse abgegeben werden, die auf dem Parkplatz am Friedhof abgestellt wurden. Die St.Michael-Kirche ist.zwischen den Eichen in der linken Bildhälfte zu sehen. Selbstverständlich sorgte das Militär dabei für Ruhe und Ordnung. Die Soldaten mit ihren Stahlhelmen sind überall zwischen den Fahrzeugen zu erkennen. Von der zuschauenden Bevölkerung wurde diese Übergabe der Fahrzeuge aus einiger Entfernung mit Skepsis beobachtet. Neben der Einberufung der jungen Männer, die viele Familien gerade in der Landwirtschaft dringend benötigte und auch den Betrieben die Arbeiter nahm, war diese Mobilmachung eine einschneidende Maßnahme der Bevölkerung und den Firmen gegenüber, die auf die Fahrzeuge angewiesen waren, um einen rei-

bungslosen Herstellungsbetrieb zu sichern. Die Fahrzeuge wurden zwar geschätzt und die Besitzer bekamen eine finanzielle Abfindung, das Geld hatte jedoch nicht mehr die Kaufkraft, als noch vor einigen [ahren.

47 Das Leben in Aichach ging [edoch weiter. Die Fronten waren weit weg und das Kriegsgeschehen beeinträchtigte das Leben in unserer Kleinstadt bis auf die Stellungsbefehle und die Mobilmachung noch nicht allzu sehr. Die Firmen konnten weiter produzieren und der verbleibenden Bevölkerung Arbeit und damit verbunden auch Geld geben. So entstanden in der Stadt immer neue Straßen, an die Siedlungshäuser gebaut wurden, Dieses Bild zeigt die Äußere Feldstraße, ebenfalls im [ahre 1939 aufgenommen, in östlicher Richtung gesehen. Die Häuser wurden zwar schon vor der Zeit des Nationalsozialismus gebaut, dieses Bild soll dem Betrachter zeigen, wie die Straßen und Häuser damals aussahen. Die Häuser waren für heutige Verhältnisse nicht groß. Viele Hausbesitzer hatten

jedoch einen kleinen Stall, in denen sie Schweine, Geißen oder gar eine Kuh unterbringen konnten. DieseTiere wurden gemolken und auch geschlachtet, um sich beirn Einkaufen Geld sparen zu können. Die Straße war mit einem Gehweg ausgestattet, der durch einen Randstein rnit Re-

genrinne und Bäumen von der Straße getrelmt war. Sie wurde erst nach 1960 geteert.

48 Auch an der Freisinger Straße war eine rege Bautätigkeit zu verzeichnen. An dieser Straße entstanden sogar zweigeschossige Häuser. Eines davon plante die Stadt für Bedienstete der Stadtsparkasse, in die die Aichacher Bürger nach der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen Zusammenbruch verschiedener Bankhäuser großes Vertrauen setzten. Diese Sparkasse nahm in der Zeit des Nationalsozialismus einen großartigenAufschwung. Die Einlagen stiegen von Ende 1931 mit etwa 2,5

Mio. Reichsmark bis 1938 auf etwa 5 Mio. RM. Beim Betrachten dieses Bildes fällt auf daß alle Häuser nach dem selben Grundplan gebaut wurden, Da es sich bei dieser Straße um eine Hauptstraße handelt, die über Land bis nach Freising führt, wurde die Fahrbahn breit geplant. Zu den Grundstücken folgte ein Settenstreifen mit Bäumen und Telegra-

fenmasten, an denen auch die Straßenbeleuchtung befestigt war, und der Gehweg. Geteert wurde die Fahrbahn erst nach dem Krieg. Das Foto wurde in Richtung Neubaur Kreuzung gefertigt. An der Stelle der Baulücke in der linken Häuserzeile, zwischen dem dunklen und dem

hellen Haus, ist heute die Kreuzung mit der Krankenhausstraße.

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