Aindling in alten Ansichten

Aindling in alten Ansichten

Autor
:   Irene Kolatenko
Gemeinde
:   Aindling
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6627-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aindling in alten Ansichten'

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6 Die Kirche: Innenausstattung

Einen Blick ins Kircheninnere zeigt das nebenstehende Foto von 1940. Um die Finanzierung zu gewährleisten, musste fast die ganze Inneneinrichtung derVorgängerkirche veräußert werden. Die alte Orgel aber kam in die Filialkirche von Pichl, wo sie heute noch vom Organisten Peter Schmidberger gespielt wird. Während der Bauzeit wurden die Messen im alten pfarrstadel gehalten. Am 20. Mai 1 905 war es dann endlich soweit. An diesem Tag wurde das neue Gotteshaus vom Augsburger Bischof Maximilian von Lingg feierlich eingeweiht.

Das Innere ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, mit welcher Liebe die Handwerker zur Ehre Gottes geschafft hatten. Der lichtdurchflutete Raum wird vom Hochaltar in Form eines Kreuzes beherrscht. Mit den Seitenaltären und der Kanzel bildet er eine einheitliche Kombination in vorwiegend Braun-, Rot- und Goldtönen. Einen angenehmen Kontrast dazu bildet die dunkle, freihängende Holzdecke. Die farbigen Glasfenster im Altarraum wurden von der Mayerschen Hofkunstanstalt München hergestellt. Auf den Fenstern wird das Leben und Sterben des Kirchenpatrons Sankt Martin und der Gottesmutter Maria dargestellt. Martin Maier aus Appertshausen ('Dammerbauer') holte sie damals aus Langweid mit seinem Pferdegespann ab und brachte sie zur Kirche.

Sehr beachtenswert sind die kolorierten Holzstatuen der lebensgroßen Apostel zwischen den Lanzettfenstern im Kirchenschiff. Vor dem Altarraum sind noch die Kommunionschranken zu sehen, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entfernt wurden.

Die gesamte Einrichtung ist im Stil der Neugotik gehalten. Die Orgel wurde von der Firma Steinmeyer in Öttingen gebaut.

7 Eine dominante Persönlichkeit

In den Iahren 1908 bis 1924 war pfarrer Iohann Georg Albrecht nicht nur in Aindling eine bekannte Persönlichkeit. Nach Aussagen älterer Bürger, die ihn noch gekannt haben, war er gefürchtet wegen seines strengen Regiments. Ein sogenanntes Markenzeichen war sein langer roter Bart und er wurde deshalb auch öfter der 'rote' Albrecht genannt. Als Priester durfte er diesen Bart nur tragen weil er ein Jerusalem-Pilger gewesen war. Das war die einzige Ausnahme.

Am liebsten predigte er von der Kanzel herunter und bemerkte sofort wenn eines der Kinder vor dem Schulunterricht nicht in der Frühmesse war. Dann gab es einen gehörigen Denkzettel. Und weil er gar so streng war, wollte ein größeres Mädchen auf keinen Fall bei ihm die Beichte ablegen. Sie ging deshalb in die Kirche von Todtenweis. Aber ausgerechnet an diesem Tag war auch pfarrer Albrecht dort zugegen. Doch das Mädchen weigerte sich hartnäckig, bei ihm zu beichten wobei auch kein Zureden geholfen hatte. Doch weil noch nie jemand sofort wieder aus einem Beichtstuhl herausgekommen war, durfte sie eine Weile sitzenbleiben, damit niemand etwas bemerkte. Der pfarrer hatte nicht nurTheologie studiert, sondern auch Jura und konnte so manchem seiner Schäfchen bei Rechtsstreitigkeiten einen guten Rat erteilen. Abends ging

er oft durch die Ortschaft und sah manches was ihm nicht recht behagte. So erwischte er einmal einen jungen Mann beim 'Fensterln' und riefihm zu: 'Komm sofort da herunter!' Doch der gab ungeniert zur Antwort: 'Warum? Möchtest du vielleicht selber zu dem Madei?'

Eines Tages kam eine junge Frau zu ihm und fragte um Rat, ob sie ihren Freund heiraten solle, die Eltern seien dagegen, doch er wäre so schön anzuschauen, man brauche doch auch etwas fürs Auge. Auch der pfarrer hatte abgeraten. Aber sie nahm trotzdem diesen Jüngling zum Ehemann, was sie zu bereuen hatte. So dauerte es nicht lang und sie wurde wieder beim pfarrer vorstellig und sagte: 'Ach hätte ich doch nur auf die Ratschläge gehört.' Sie bekam Schläge von ihrem Mann und hatte an diesem Tag ein blaues Auge davongetragen. Da bekam sie die folgende Antwort: 'Du wolltest etwas fürs Auge haben und das hast du jetzt bekommen!'

8 Strom als neue Energie

Wenn wir heute durch Schalterdruck das elektrische Licht anknipsen oder den Kochherd einschalten, denkt wohl niemand daran, wie schwer es unsere Vorfahren hatten, an Licht oder Feuer zu kommen. In den letzten zwanzig bis dreißig Iahren vor 1900 kamen auf dem Lande die ersten Zündhölzle auf. Die Menschen benutzten aber meistens noch einen Feuerstein, weil es viel billiger war. Bevor ein Herd oder Ofen Wärme spendete, mussten von einem Holzscheit mit einem scharfen Messer schmale Streifen davon heruntergeschält werden. Wenn diese gut brannten, konnte nachgelegt werden.

Abends brannte eine Kerze oder Petroleumlampe in der Stube. Es war schon eine spärliche Beleuchtung die öfter die Augen zum Tränen brachten, weil sie rußten. Doch Kerzenlicht und die gute alte Petroleumlampe gerieten allmählich in Vergessenheit. Als im Iahre 1911 die Energiequelle Strom als Licht so nach und nach in die Häuser und Stallungen kam, waren alle sehr froh gewesen. Aus Sparsamkeit wurde in der Dämmerung aber noch meist eine Kerze angezündet. An den Straßen wurden meterhohe Strornmasten aufgestellt.

Bis dann die ganze Ortschaft versorgt wurde, dauerte es noch seine Zeit. Auf den Verbindungsstraßen zu den Nachbardörfern blieb es aber noch lange stockduster.

Durch den Strom wurde ebenfalls die Bügelarbeit sehr erleichtert. Vorher gab es nur die schweren gusseisernen Bügeleisen, die im Backrohr oder auf der Herdplatte erwärmt wurden. An der Oberseite waren sie aufklappbar zum Einfüllen von etwas Ofenglut und Bügelkohle. Und weil das staubte, musste die Büglerin das Eisen öfter schwenken, damit die Wäschestücke nicht verschmutzten. Auf dem Bild von etwa 1930 sind am Bachlauf noch zwei solcher alten Hochleitungen zu sehen. Auf der rechten Seite stand das alte Haus der Familie Rucker. Der Hausname ist 'Beim Weißgerber', weil dort früher die Felle von Reh- und Gamsböcken gegerbt, zu Lederhosen verarbeitet und geschwärzt wurden.

Das dritte Haus auf der linken Seite zeigt das Schreibwarengeschäft von Franz Stevens, wie es zu Beginn ausgesehen hatte.

9 Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Nach dem Sieg des deutsch-französischen Krieges in den Iahren 1870 und 1871 konnten die Menschen über vierzig Iahre in Frieden leben. Doch dann löste am 28. Juli 1914 das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo den Ersten Weltkrieg aus.

Die Friedenszeit war ganz plötzlich mit einem Schlag vorbei. Dieser Krieg wurde zum blutigen Schicksal nicht nur für das deutsche Volk. Wie in allen anderen Orten im ganzen Land verkündeten auch hier in Aindling die Kirchenglocken die Mobilmachung.

Die Nachrichten waren schlimmer als man angenommen hatte. Alle Männer zwischen dem siebzehnten und fünfundvierzigsten Lebensjahr mussten mit einer Einberufung rechnen. Alle erwartete ein sehr hartes Soldatenleben. Die Auseinandersetzungen dauerten vier lange Iahre. Seine Folgen wie Tod von Angehörigen und Freunden trafen viele Familien; denn Väter und Söhne fehlten überall. Viele harte Entbehrungen mussten ertragen werden.

Am 9. November 1918, als KaiserWilhelm Il. und auch der Kronprinz abdankten, brach das Deutsche Kaiserreich zusammen und die Republik wurde verkündet. Durch den Krieg und seine Folgen wurde 1919 unsere Reichsmark immer wertloser und folglich brach dann 1923 die Währung zusammen. Alle Ersparnisse waren wertlos ge-

worden. Als dieser unselige Völkermord beendet war, hatte der Tod reiche Ernte gehalten. In Aindling hatte nahezu jede Familie einen Gefallenen zu beklagen.

In der Uniform eines 'Chevauleger' sehen wir Alphons Nißl beim Fototermin. Er gehörte als solcher zu einer besonderen Truppe der leichten Kavallerie. Bayern besaß bis 1918 acht solcher Regimente. Alphons Nißl diente beim Regiment in der Augsburger Ulrichskaserne.

10 Familienleben anno dazumal

Die Familien waren früher sehr kinderreich. Acht oder gar zehn kleine Erdenbürger pro Haus waren keine Seltenheit. Das ist für heutige Begriffe unvorstellbar. Die Großeltern waren fest im Familienleben eingeschlossen. Nach der Hofübergabe lebten sie im 'Austrag', einem kleinen Haus meist direkt neben dem Bauernhof

So lange es ging halfen sie in der Küche, auf dem Hof und auch noch bei den Feldarbeiten mit. Bevor die Alten in den Austrag gingen, wurde alles genau ausgehandelt, was ihnen zum Lebensunterhalt zustehen würde. Ledige Verwandte die mit im Haus lebten, mussten tüchtig zupacken, bekamen Speis und Trank dafür und konnten meist bis zu ihrem Lebensende in einer kleinen Kammer im Haus wohnen.

Bei soviel Personen unter einem Dach blieben auch Unstimmigkeiten nicht aus, doch bereits als Kind lernte man Rücksichtnahme und Respekt der älteren Generation gegenüber. In guten und auch schlechten Zeiten hielt so eine Großfamilie fest zusammen. Wenn einer von ihnen erkrankte, wurde er zuhause gepflegt, was zusätzliche Arbeit machte. Ein Arzt wurde nur dann gerufen, wenn alle Hausmittel versagten. Außerdem musste ja aus eigenerTasche an den Doktor gezahlt werden. Eine Kranken- oder gar Rentenversicherung gab es nicht.

Die Kinder trugen einfache Bekleidung und mussten die abgelegten Sachen der älteren auftragen. Bis zum dritten Lebensjahr wurden auch den Buben Kleider angezogen. Trotz dieser Sparsamkeit waren die Kinder viel zufriedener als heutzutage. Zum Spielen gab es nichts und sie hätten auch kaum Zeit dazu gehabt; denn schon so früh wie möglich wurden sie zu allen möglichen Arbeiten herangezogen.

Beim Essen war öfter Schmalhans der Küchenmeister. Gegessen wurde aus einer einzigen Schüssel die mitten auf dem Tisch stand. Morgens gab es Brotsuppe oder einfach ein Stück trockenes Brot mit etwas Milch dazu. Am Mittag gab es dann eine Mehlspeise oder Kraut mit Kartoffeln. Und am Abend wieder Kartoffeln oder eine Mehlspeise mit etwas Apfelmus. Wenn es überhaupt einmal, und dann sehr wenig, Fleisch gab, bekam es der Vater.

Besonders schön aufgestellt hatten sich Georg und Katharina Held (Heiffelbaur) etwa um die Mitte der dreißiger Iahre mit ihren Kindern beim Fototermin. Der dritte Bub van links war Isidor Held senior.

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