Aindling in alten Ansichten

Aindling in alten Ansichten

Autor
:   Irene Kolatenko
Gemeinde
:   Aindling
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6627-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aindling in alten Ansichten'

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11 Erziehung der Kleinkinder

Als pfarrer Albrecht, von 1908 bis 1924 Seelsorger in Aindling, das Grundstück mit Haus und einem großen Garten in der Schulstraße sah - an der Stelle wo jetzt das neue pfarrheim steht - machte er den Vorschlag, darin eine 'Kinderbewahranstalt' einzurichten. Diesem wurde dann nach reiflicher Überlegung von den Gemeinderäten zugestimmt.

Das Bild zeigt dem Betrachter das ehemalige Gebäude mit angebautem Waschhaus wie es 1918 ausgesehen hatte. Franziskanerinnen vom Mutterhaus Dillingen/Donau betreuten die ihnen anvertrauten Kinder mit Liebe und Güte. Für viele Mütter bedeutete das stundenweise eine große Erleichterung bei all der vielen Arbeit, die es zu bewältigen gab. Auch die ganz kleinen Kinder durften abgeliefert werden.

Hinter dem Haus wurde mehrmals im Iahr eine Fuhre Sand abgeladen. Die Kinder spielten mit bloßen Händen darin; denn Spielsachen wie ein Eimerle oder gar eine Kuchenform gab es nicht. Und ein Schäufele hatten nur die reichen Kinder und man freute sich, wenn es einem für kurze Zeit ausgeliehen wurde.

Hinter dem Haus stand eine Holzhütte, die nur der 'Bockstall' genannt wurde. Aber nicht deshalb weil 'Goaßböck' darin hausten sondern weil die unartigen Kinder, wenn

sie nicht folgen wollten - also bockten - für eine kurze Weile eingesperrt wurden.

Musste eines von den Kleinen zum Pieseln, ging immer eine von den Schwestern mit und passte auf, dass Buben und Madeln aufjeden Fall getrennt die Toilette aufsuchten.

Bei einer Gruppe war einmal ein Bub dabei der nur mit Widerwillen in den Kindergarten kam. Er wusste es öfter einzurichten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit über den Zaun zu klettern und Reißaus zu nehmen. Die Oberin schimpfte dann immer: 'Dieser Malefizbub! ' Doch nach einigen Wochen wurde es endlich besser. Es handelte sich dabei um Michael Heinrich, dem späteren Metzgermeister und Besitzer des Unterbräu.

12 Arbeit der Frauen und Mädchen

In den ersten dreißig Iahren im zwanzigsten Jahrhundert hatten die Frauen und jungen Mädchen wegen der großen Kinderzahl eine Menge Arbeit im Haushalt zu erledigen. Im Gegensatz zu heute gab es keine Erleichterung durch eine Küchenmaschine oder gar einen Staubsauger. Der Tag begann schon sehr zeitig und endete meist erst spät am Abend. Und am Sonntag wurden die Näharbeiten erledigt wie Strümpfestopfen und ausbessern schadhafter Stücke.

Die größeren Kinder ab dem zehnten Lebensjahr wurden vor dem Schulunterricht in die Frühmesse geschickt und bekamen deshalb zuerst ein Butterbrot gestrichen. Da waren die Eltern aber längst schon auf den Beinen. Wenn alle fort waren, ging die Mutter in den Stall und kümmerte sich um eine Ziege oder ein Schwein und das liebe Federvieh. War die notwendigste Arbeit im Haus und auf dem Hof erledigt, half die Mutter auch noch auf dem Acker. Besonders während der Erntezeit wurden viele fleißige Hände benötigt. Und viele davon waren Frauenhände. Auch auf dem Acker gab es noch keine maschinelle Erleichterungen.

Besonders ein Waschtag war für die Weiberleute eine richtige Plagerei und dauerte fast den ganzen Tag lang. Am Abend vorher wurde die Wäsche mit Bleichsoda einge-

weicht und am anderen Morgen in den Kochkessel gesteckt. In dieser Zeit bürstete die Mutter schon etliche Teile auf einem Waschbrett aus. Die Socken und Kinderstrümpfe wurden mit brauner Schmierseife gereinigt. Wurde die Wäsche später aus dem Kochkessel genommen, musste sie solang gespült werden, bis das Wasser klar wurde. Beim Auswinden und Aufhängen an der Leine half dann die Tochter mit wenn sie aus der Schule heimkam. All diese Arbeitsgänge wurden mit der Hand ausgeführt. Kein Wunder, wenn die Frauen bei all diesem Tun mit 35 oder 40 Iahren aussahen wie ihre eigene Großmutter.

In den Wintermonaten mussten die jungen Mädchen auch beim 'Aufboschen' helfen. Dazu wurde das Astwerk gef<illter Bäume auf dem Hackstock mit einem Beil zerkleinert und das Iahr über zum Feuerrnachen genommen. Als der Fotograf 1929/30 des Weges kam, konnte er diesen Schnappschuss von Franziska Baur (später Fuchs) machen als sie gerade eine Pause einlegte.

13 Faschingstreiben

Im Fasching 1928 entstand diese weniger bekannte Aufnahme von der Weibermühle, die die meisten von uns nur aus Erzählungen ihrer Großeltern kennen. Zu jenem Zeitpunkt war sie jedenfalls eine riesige Attraktion und gehörte zur Ausstattung eines Faschingsumzuges.

Vor dem Rathaus am Marktplatz war Endstation. Von außen führten ein paarTreppenstufen auf das Dach der Weibermühle, worauf ein großerTrichter montiert war. Junge Mädchen als hässliche alte Weiber kostümiert, wurden dann von zwei dargestellten Müllerburschen empfangen und durch den Trichter hinuntergelassen. Kurze Zeit darauf kamen sie durch eine Türe im unteren Wagenteil als Schönheiten wieder zum Vorschein. Ein Ansager verkündete in Gedichtform die vielen Vorteile einer solchen Umwandlung, was von den Schaulustigen mit viel Beifall belohnt wurde.

Auf der Bildmitte ist noch ein Stück vom Mühlenrad zu erkennen. Gleich darunter sehen wir Jakob Pfalzgraf abgebildet, der vielen Aindlingern noch gut als Gendarmeriekommissar in Erinnerung geblieben ist. Er bewohnte mit seiner Familie einige Räume als Dienstwohnung im Rathaus. Unten in der Küche hatte seine Frau extra die begehrten Faschingsküchle gebacken, die für ein paar Pfennige zu kaufen waren. Die meisten Kinder bekamen da-

mals nur zehn Pfennig an Taschengeld, doch für ein paar dieser Küchle langte es.

Links aus dem Hintergrund schaut Karl Schneider (Bader) zum Fotografen rüber. Bei ihm konnte man sich nicht nur die Haare neu richten oder sich rasieren lassen, auch Zähne wurden von ihm gezogen. Das wurde jedesmal zu einer schrecklichen Tortur für das arme Opfer. Die Zähne wurden ohne Betäubung mit einer großen Beißzange gezogen. Eine dritte Person musste dabei dem Gemarterten den Kopf festhalten. Kein Wunder also, dass auch die Männer Angst davor hatten.

Rechts im Bild ist Iohann Lederer zu sehen, der früher Schneidermeister im Ort war.

Es gibt noch einige betagte Bürger die damals dabei waren und schon vor über siebzig Iahren recht lustig zu feiern verstanden.

14 Geselligkeit im Gasthaus

Gastfreundlich und höflich zugleich, das galt auch hier schon immer in den gastronomischen Betrieben. Schon seit alters her war es üblich, dass die Mannsbilder nach Feierabend gemütlich mit Freunden am Wirtshaustisch saßen. Sie redeten über Gott und die Welt und machten natürlich alles besser.

Mehrere Vereine hielten regelmäßig ihre Versammlungen dort ab und hinterher ging es oft noch recht zünftig zu. Am Marktplatz gab es früher drei Brauereien. Die älteste davon, der Unterbräu, wurde bereits 1300 erwähnt. Ab 1500 gab es den Mitterbräu und seit 1600 den Oberbräu. Demnach müssen die Aindlinger schon immer einen gesunden Durst gehabt haben. Im Iahre 1863 kam noch der Moosbräu dazu.

In allen Gasthäusern herrschte rege Geselligkeit. Viele Gäste fanden sich zum Beispiel beim Harländer (Weisenhorn) ein, wo im Freien unter schattigen Kastanienbäumen gleich neben dem Wirtshaus, eine Kegelbahn im Sommer zum Spiel einlud. Bis spät in die Nacht hinein war das Rollen der Kugeln zu hören. Und weil in jener Zeit die Kegel noch mit der Hand aufgestellt wurden, hatte sich mancher Bub damit ein kleines Taschengeld verdienen können.

Das Bild mit der Lüftlmalerei über dem Eingang zeigt das Gasthaus Moosbräu um 1924-1926. Hier war auch immer viel geboten. Seit 1886 ist das Anwesen im Besitz der Familie Schmid und wird heute von Michael Gutmann und seiner Frau Walli (geborene Schmid) und dem Sohn weitergeführt. Bis 1932 wurde hier noch das eigene Bier gebraut. Das Sudhaus befand sich in der linken Haushälfte. Die Flaschen mussten noch mit der Hand gereinigt und etikettiert werden.

Seit über hundert Iahren hält die Liedertafel dort ihre Proben ab. Früher legten auch die Fuhrleute gerne eine Rast ein um sich eine Erfrischung bei einem kühlen Glas Bier zu holen.

In Wartestellung war damals auf dem Foto der 'Hauserbauer' aus Arnhofen mit seinem Gespann. Die anderen hatten sich dem Fotografen zugewandt. Wahrscheinlich handelte es sich um Gäste und die Wirtsleute.

Etwas Besonderes im Moosbräusaal waren in der Nachkriegszeit bis 1959 die Kinofilme gewesen.

1 S Dienst am Nächsten: Die Feuerwehr

Zahlreiche Neugierige hatten sich bei dieser Vorführung der Freiwilligen Feuerwehr aus Anlass des 75jährigen Gründungsfestes auf dem Marktplatz im Iahre 1947 eingefunden. Um diese Zeit und noch lange danach mussten die Männer schwere Messinghelme tragen.

Die Aindlinger hatten neben der Feuerlösch-Ordnung für den Landgerichts-Bezirk Aichach vom 1. Juni 1855 eine eigene seit dem 24. Ianuar 1864 gehabt. Wenn zum Beispiel ein Brandplatz in der Nähe eines Gewässers war, wurden zum Löschen zwei Reihen von Personen gebildet, die mit ledernen Eimern oder anderen passenden Gegenständen ausgerüstet waren. Eine Reihe musste die gefüllten Eimer zur Löschmaschine abgeben, die andere die geleerten Eimer wieder zum Neuauffüllen zurückgeben.

Es gab eine Menge an Vorschriften zu beachten. Wenn in der Nacht ein Feuer ausbrach, musste der Nachtwächter Alarm schlagen. Jemand musste zum Kirchturm hinauf um die Sturmglocke zu läuten. pferdebesitzer mussten turnusmäßig einen Wagen anspannen lassen und entweder die Löschmaschine befördern oder aus einer größeren Entfernung das benötigte Wasser herbeischaffen. War Hilfe aus Nachbarorten nötig, wurden 'reitende Feuermelder' losgeschickt. Wer gegen die Vorschriften verstieß, wurde

mit einer Geldstrafe bis zu zwanzig Talern, oder mit einem Arrest bis zu vierzehn Tagen bestraft.

In derVereinschronik ist folgendes zu lesen: Bei der heutigen Versammlung waren nur einige Teilnehmer anwesend. Die anderen konnten wegen 'Katzenjarnmer' nicht erscheinen, weil sie am Abend davor aus einem besonderen Anlass tüchtig den' eigenen' Durst gelöscht hatten. Während des Zweiten Weltkrieges kamen zu den üblichen noch Luftschutzübungen dazu. Auch Frauen und die Hitlerjugend wurden ausgebildet. Nach Kriegsende musste eine neue Organisation aufgebaut werden. Der Wehrleiter durfte aber kein Mitgleid der NSDAP gewesen sein. So wurde für diesen Posten Anton Riegl gewählt, Kassier wurde Sebastian Schürer und Josef Ettinger machte den Schriftführer.

Das erste Fahrzeug war eine KHD Fliegerkraftfahrspritze vom Baujahr 1942 gewesen. Sie erfüllte noch fast fünfzig Iahre ihren Zweck.

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