Aindling in alten Ansichten

Aindling in alten Ansichten

Autor
:   Irene Kolatenko
Gemeinde
:   Aindling
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6627-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aindling in alten Ansichten'

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16 Die Mädchen: Lernen fürs spätere Leben

Um etwas Praktisches für das spätere Leben als Hausfrau und Mutter zu lernen, wurden jedes Iahr die größeren Mädchen ins pfarrer-Albrecht-Haus in die Handarbeitsschule geschickt. Diese war immer während der Wintermonate von Oktober bis März geöffnet. In den übrigen Monaten war Pause, weil dann zuhause alle in der Landwirtschaft helfen mussten. Pro Woche mussten die Eltern 2,50 Mark dafür bezahlen.

In einem Raum des Erdgeschosses standen mehrere Nähmaschinen zur Verfügung bereit. Abwechselnd konnten die Mädchen ein Kleidungsstück darauf nähen. Sie lernten dort ebenso das Stricken von Socken, das Einsetzen von Flicken bei der Arbeitskleidung und andere Näharbeiten. Auch schöne Stickereien und verschiedene Häkeltechniken wurden ausgeführt. Diese Tätigkeiten waren eine gute und auch sinnvolle Freizeitbeschäftigung gewesen. Sogar bis aus Hölzlarn kamen die Bauerntöchter nach hier. Dieses Foto zeigt die Nähstube in der Zeit der dreißiger Iahre leider etwas verschwommen. Rechts steht Schwester Dartina Keller an der Nähmaschine neben Elisabeth Manhard (später Frau Johier vom Hutgeschäft, das inzwischen aufgelöst wurde). Auf der Seite gegenüber handelt es sich um Schwester Benigna. Daneben hat sich Sofie Leopold, eine geborene Maier aus Appertshausen, wiedererkannt.

Zur Abwechslung wurde hier manchmal Theater gespielt. Allgemein herrschte eine gute Stimmung untereinander und es gab oft Grund herzhaft über etwas zu lachen. Wer aber groben Unsinn anstellte, kam zur Strafe in die hintere Kammer und musste darin die Zeit mit einer ungeliebten Arbeit ausfüllen, was aber nur selten vorkam. Und jeder freute sich mit den anderen wenn eine Arbeit besonders schön ausgefallen war.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang noch, dass diese Klosterschwestern die wunderschönen Spitzen für die Altardecken in unserer Kirche häkelten.

17 Freizeitvergnügen im Sommer

Von der Arnhofener Straße aus kann man auf einem Wiesengrund den Moasweiher entdecken. Schon seit

192 512 6 erlebten die Kinder und Jugendlichen darin ihre kleinen und großen Badefreuden. Extra Badeanzüge oder gar einen Bikini gab es nicht. Die Buben gingen mit kurzen oder aufgestülpten Hosenbeinen hinein, die Mädchen ganz einfach in ihrer Unterwäsche.Vor demAusziehen der Kleider wurde eine Decke zwischen zwei Bäume gespannt, damit ja keiner von den Buben rüberspitzeln konnte und etwas zu sehen bekäme was er nicht sollte. Manche banden sich vorne und hinten eine Schürze um und dachten nicht daran, dass sich diese über dem Wasserspiegel hochheben würden. Ein älterer Herr, der von seinem Haus aus gern den Kindern bei ihrem fröhlichen Treiben zuschaute - es war der frühere Buchbindermeister Xaver Wiedenmann gewesen - wurde einmal gefragt, warum er immer zu den Madeln hinsehe und gab zur Antwort in seinem schwäbischen Dialekt: 'Ich muaß doch aufpassa, dass koins von deana versauft!'

Wenn die Buben sich eine richtig tolle Schlammschlacht lieferten, war es immer eine Riesengaudi und ganz egal ob es danach zuhause Schelte dafür gab. Denn was kann es für einen richtigen Lausbub Schöneres geben als voller 'Batz' zu sein?

Mit Bäumen, Sträuchern und allerlei Blumenarten ringsum war es wie ein kleines Paradies mitten im Ort. Mancher wird sich gern an diese unbeschwerten Stunden in seiner Kindheit erinnern.

Im Wasser tummelten sich dabei auch Gänse und Enten, was aber niemanden störte. Sogar eine tote Sau sei einmal darin gelegen, wie mir zu Ohren kam.

Weil die feinen Leute in der Stadt am Karfreitag Frösche essen wollten, mussten viele dieserTiere ihr Leben lassen. Nach dem Einfangen wurden sie in Säcke gesteckt und in Augsburg auf dem Stadtmarkt paarweise für dreißig Pfennig verkauft.

In der Paarungszeit quakten die Froschmännchen um die Wette, was bis in die Nacht hinein zu hören war und einige Wochen dauerte. Heute ist es um den Weiher recht still geworden.

18 Winterfreuden -Winterarbeit

Die gesamte Wiesenfläche hinter dem jetzigen Textilhaus Schleicher bis zum Hofbeim 'Weißgerber' (Familie Rucker), wurde nur 'Schapfer' genannt. Diese war vor über sechzig Iahren an der Nordseite mit einer Birnbaumallee bewachsen. Diese verbreitete eine besonders romantische Stimmung wenn sie in voller Blüte stand. Heute wächst nur noch Gras an ihrer Stelle. Und sie war von knorrigen Weiden und verschiedenen Sträuchern bewachsen.

Im Winter wurde der 'Schapfer' zum beliebten Treffpunkt von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen. Die jungen Burschen und Männer wetteiferten beim Eisstockschießen, andere hatten ihre Freude beim Schlittschuhlaufen gehabt.

Die Buben hatten kleine viereckige Schlitten und nahmen einen kräftigen Stecken mit einem Spitz daran zwischen ihre Beine und hielten sich daran fest. Ein anderer musste ihn kräftig anstoßen und los ging es mit der Rutschpartie. Das Bild zeigt eine Teilansicht vom Winter 1949, jedoch bedauerlicherweise ohne Personen. Im Hintergrund stehen die ersten Häuser in der Arnhofener Straße.

Auf dem 'Schapfer' gab es im Winter Arbeit für die ansässigen Wirtsleute. Um Eis für die Bierkühlung zu gewinnen, wurde der Litzelbach gestaut und die ganze Fläche

überflutet bis das Wasser etwa vierzig bis fünfzig Zentimeter hoch stand. Wenn dies nicht ausreichte, wurde zusätzlich aus dem nahegelegenen Moasweiher Wasser in den Bach geleitet. Wenn es dann nach einigen Tagen zu Eis gefroren war, musste es mit schweren Hämmern zerschlagen oder mit speziellen Sägen zerkleinert werden. Jeder der Wirte hatte sein bestimmtes Stück Wiese dazu gehabt. Mit langen Holzstecken, an deren Enden Eisenhaken befestigt waren, wurden die Eisstücke dann zu zweit herausgezogen, auf ein pferdefuhrwerk geladen und zu den Eiskellern gefahren. Das Bier in den Fässern konnte dadurch mehrere Monate frisch gehalten werden.

19 Aus der Schulzeit I

Das Foto zeigt uns die 1835/36 erbaute Schule auf dem Kirchberg. Darin waren ein Lehrsaal und die Wohnung eines Lehrers untergebracht. Für die immer größer werdende Kinderzahl reichte das bald nich mehr aus. Man brauchte unbedingt mehr Platz und noch eine zusätzliche Lehrkraft.

Zu diesem Zweck wurde ein passendes Grundstück gesucht um diesen Plan in die Tat umsetzen zu können.

1904 wurde die nächste Schule in derWagnerstraße fertiggestellt und bezogen. Hier gab es jetzt zwei Räumlichkeiten worin sieben Klassen untergebracht waren. In einem wurden die ABC-Schützen der ersten bis dritten Klasse unterrichtet, in dem anderen die Kinder der vierten bis achten Stufe.

Alle saßen dicht zusammen, was bestimmt nicht immer leicht fiel. Und doch eigneten sich die Schüler das nötige Wissen an. In jedem Schulsaal hatte der Lehrer einen erhöhten Platz, damit er alles überschauen konnte. Gleich neben seinem Pult stand eine große Schiefertafel, worauf er und die Schüler mit Kreide schreiben konnten. Dazu gehörte ein Schwamm, der angefeuchtet wurde, um die Tafel wieder reinigen zu können.

In der kleinen Klasse gab es auch noch eine Rechentafel mit beweglichen Kugeln. Von den Kindern hatte jedes

eine eigene kleine Schiefertafel, geschrieben wurde mit Griffeln.

Natürlich konnten nicht alle gleichzeitig unterrichtet werden. Wenn der Lehrer mit der einen Gruppe arbeitete, mussten die anderen schreiben oder rechnen. Der Lehrer war damals noch eine Respektperson und was er anschaffte, wurde befolgt.

Im Sommer gingen die Kinder barfuß und im Winter trugen alle Schnürschuhe bis über die Knöchel reichend. Sohlen und Absätze waren mit Eisennägeln beschlagen, damit sie nicht so schnell abgelaufen wurden. Die Schüler aus Nachbarorten waren im Winter oft durchgefroren weil sie ja zu Fuß gehen mussten.

20 Aus der Schulzeit 11

Die größeren Kinder mussten, bevor sie in den Unterricht kamen, die Frühmesse besuchen. Wer dabei fehlte, machte Bekanntschaft mit dem Tatzenstecken. Neben dem Schreiben mit einem Griffel auf die Schiefertafel durften die Schüler ab der vierten Klasse auch mitTinte schreiben. Dazu hatte jeder ein Tintenfass, worin die spitze Feder eingetaucht wurde.

Neben den Kennenlemen der Buchstaben wurde das kleine und große Einmaleins gepaukt. Kopfrechnen wurde geübt, Gedichte, Bauernregeln und Lieder wurden auswendig gelernt. Und der Lehrer passte genau auf, dass nicht nur richtig sondern auch schön abgeschrieben wurde. Ranzen und Bücher wurden noch von nachfolgenden Geschwistern benutzt.

Die Bücher und Hefte wurden in braunes Packpapier eingeschlagen und mit einem kleinen Schild beklebt, worauf das Lehrfach stand. Früher musste eben gespart werden und es erfüllte auch den Zweck. Von der Mutter kam die Mahnung, ja folgsam zu sein. Wer nicht hörte, bekam vom Lehrer einen Hieb mit dem Tatzenstecken auf die Hände. Wenn die Buben es gar zu arg trieben, mussten sie sich über die Bank oder einen Stuhllegen und bekamen Arschprügel.

Für die Eltern war das keinAnlass einzuschreiten. Hauptsache war, dass die Kinder etwas lernten und sich anständig benahmen.

War einAusflug angesagt, führte dieser durch den Schleiferwald bis zur Gungstetter Kapelle, wo es einen Platz zum Wettlaufen gab. Oder der Weg ging nach Todtenweis zum Burgstall und wieder zurück. Doch alle freuten sich und waren zufrieden damit.

Wie die Zinnsoldaten hatten sich diese Schüler 1949 vor dem Kirchenportal aufgestellt und bliekten in die Kamera. Wer erkennt sich daraufwieder?

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