Aindling in alten Ansichten

Aindling in alten Ansichten

Autor
:   Irene Kolatenko
Gemeinde
:   Aindling
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6627-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aindling in alten Ansichten'

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21 DerWeltkrieg 1939-1945

Nach dem Wirtschaftszusammenbruch Ende Oktober 1929 gab es in Deutschland sechs Millionen Arbeitslose. Mit allen Mitteln die der NSDAP unter ]oseph Göbbels zur Verfügung standen, wurden bessere Zeiten versprochen. Und viele glaubten das und wähltenAdolfHitler als Führer. Der Ausbruch des Krieges brachte 1939 eine Menge umwälzende Begleiterscheinungen. Männer und Söhne mussten ihre Familien und die Heimat verlassen. Nur wenige ahnten, wie schlimm das werden könnte.

Die Arbeit in Haus, Hof oder Betrieb lag allein auf den Schultern der Frauen. Doch mit Fleiß und pflichtbewußtsein schafften sie alles. Zu all den Sorgen kam die Ungewißheit über das Schicksal der Soldaten an der Front. Hier, wo sich jeder kannte, riefen die Meldungen von Gefallenen und Vermißten gegenseitige Anteilnahme hervor. So mögen diese Zeilen dem stillen Gedenken der Männer unserer Heimat gewidmet sein, die für uns ihr Leben ließen.

Die meisten von hier ernährten sich von der Landwirtschaft und brauchten nicht hungern. Wie überall mußte man sich mit der Bekleidung einschränken. Wenn Tiefflieger kamen, legten sich die Leute auf den Boden oder in den Straßengraben. Das war aber nur kurz vor Kriegsende der Fall bei uns.

Einmal stürzte im Schleiferwald ein feindliches Flugzeug ab, der Pilot konnte sich retten und verschwand. Eines Tages bekam auch das ehemalige Krankenhaus einen Treffer ab, was aber nicht weiter schlimm war, weil es sich um einen Blindgänger handelte.

Das Ernährungsamt in Aichach gab Lebensmittelmarken aus, und die bäuerlichen Betriebe mussten einen Teil ihrer Erträge abliefern. Ständig wurde alles Mögliche kontrolliert und das Misstrauen gegeneinander wuchs. So manche Sau wurde heimlich geschlachtet, was große Vorsicht gebot, damit man nicht verraten werden konnte. Für andere Dinge die dringend gebraucht wurden, mussten Bezugsscheine beantragt werden.

Niemand bekam eine Antwort auf die Frage nach Sinn und Ziel des Krieges.

Die Aufnahme zeigt Isidor Held als jungen Soldat.

22 Neue Kirchenglocken

Mit einem Lastkraftwagen wurde am 11. März 1949 das neue, aus vier Glocken bestehende Geläut, zusammen mit einer 45 Kilogramm schweren Glocke für die Kirche in Binnenbach bestimmten, von der Glockengießerei Hönig in Kempten abgeholt.

Vom Ortseingang aus wurde diese kostbare Fracht unter Geleit der Gläubigen zur Westseite der Kirche gefahren. Nach der Begrüßung wies Bürgermeister Xaver Huber daraufhin, dass innerhalb von 35 Iahren solche schweren Klangkörper dreimal zur Waffen- und Munitionsherstellung vom Turm geholt werden mußten.

pfarrer Max Däubler konnte zwei Tage daraufDomkapitular Andreas Rampp aus Augsburg begrüßen, der dann die Einweihung vornahm. Es war ein großer Freudentag für ganz Aindling gewesen.

Eine Glocke mit 25 Zentnern Gewicht ist dem Kirchenpatron Sankt Martin geweiht, die zweite mit 1 6 Zentnern der Gottesmutter Maria, die Glocke mit 11 Zentnern für den Heiligen Josefbestimmt, wurde vom Katholischen Burschenverein gestiftet. Und die kleinste mit 8 Zentnern erinnert uns an die Heilige Barbara.

Mit einem Seilzug wurden die Glocken hochgezogen. Bei dieser Einweihungsfeier waren Karl Schneider, Josef Gabelsberger, JosefWiesmüller und Heribert Bernpointner

die Ministranten gewesen. Jede der Glocken wurde mit einer Inschrift versehen.

Bis zur Einweihung mussten die Glocken abwechselnd bewacht werden. Um Mitternacht hatte schließlich der 'Dullsepp', ein Aindlinger Original, die Wache zu halten. Er war ein etwas ängstlicherTyp und als dann mehrmals kleinere Steine an die Glocken geworfen wurden, wurde es dem Sepp unheimlich zumute. Er stand auf und ging schnellen Schrittes davon. Als die Steinwerfer ihn scheinheilig fragten, warum er denn so schnelllaufen würde, kam die Antwort: 'Ich hole mir einen Mantel, mir ist so kalt geworden!' Doch der 'Dullsepp' ward nicht mehr gesehen.

23 Verwaltung nach Kriegsende

Nach Kriegsende war die Finanzlage schwankend und unsicher. Besonders landwirtschaftlich orientierte Gemeinden hatten so manche Schwierigkeiten im kommunalen Bereich. Die Verwaltung bestand nur aus dem Bürgermeister, dem Gemeindesekretär, einem Kassier und dem Gemeindediener. Der Amtssitz war wie in allen Zeiten davor das Rathaus am Marktplatz.

Die Arbeitsstunden waren Montag bis Samstag in der Zeit von 8 bis 1 2 und 13 bis 18 Uhr. Dreimal pro Woche sogar bis 21 Uhr, weil tagsüber die Landwirte kaum Zeit hatten. Eheschließungen fanden nur in den Abendstunden statt. Die Bauern kamen meist in ihren Gummistiefeln direkt vom Acker in die Amtsstube, was öfter Spuren hinterließ. Einmal war es ganz arg und eine halbe Stunde später eine Trauung angesagt. Der Standesbeamte und Sekretär in einer Person nahm schnell einen Kübel mit Wasser und wischte den Boden, damit alles wieder ordentlich aussah und er sich nicht zu schämen brauchte.

Alle wichtigen Schriftsachen musste er in Aichach der vorgesetzten Behörde zur Unterschrift vorlegen. Dazu musste er mit dem Milchwagen mitfahren, weil es noch keine Buslinie gab. Hatte der Bürgermeister eine Mitteilung für die Bürger, dann schickte er den Gemeindediener durch den Ort. Mit seinem Radl und der Dienstglocke in

der Hand verkündete er mit wichtigem Gesichtsausdruck und lauter Stimme die Neuigkeiten. In der Amtsstube diente im Winter ein Kanonenofen als Wärmequelle. Dazu brachte der Gemeindediener mit der Schubkarre die Holzscheite direkt ins Zimmer, wo sie dann gleich auf dem Boden passend zerhackt wurden.

Als es wieder aufwärts ging, waren auch wieder Gemeinderäte dabei. Bei diesem Umzug sind in der linken Reihe von vorn nach hinten zu sehen: Xaver Schalk, Bürgermeister Xaver Huber, Rupert Meiershofer, ]osef Gebhard und Franz Greiner. Auf der rechten Seite sind es Karl Schneider, ]osef Gabelsberger, Anton Riegl und Karl Schmid.

Mit auf dem Foto sind die alte Schule in der Wagnerstraße und das alte Bauernhaus der Familie Stollreiter.

24 Neubeginn nach Kriegsende

Als endlich wieder überall Frieden herrschte, stellte sich auch ein neues Lebensgefühl ein, und die Menschen konnten sich erfreulicheren Dingen zuwenden.

Nach dem Währungsschnitt 1948 normalisierte sich auch die Versorgungslage. Die Reichsmark wurde durch die Deutsche Mark abgelöst. Jeder berechtigte Bürger bekam für 400 Reichsmark als Startkapita140 Deutsche Mark, was eine wesentliche Voraussetzung für den schnellen wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik Deutschland war.

Am 3 1 . März 1950 beschloss das Bundeskabinett die Aufhebung der Lebensmittelrationierung.

Ab 1947 kamen die ersten Flüchtlinge aus Böhmen, Mähren, Schlesien und den Sudeten nach hier und wurden zwangseinquartiert. Das war weder für diese noch für die Einheimischen eine einfache Situation. Man lebte dadurch schon sehr eingeengt, die eigenen Kinder mussten manchmal bei den Großeltern übernachten und vielen stand nur eine kleine Kammer bis 15 qm zur Verfügung. Als Beleuchtung diente eine Kerze und das Wasser musste aus der Küche geholt werden. Es war schon deprimierend gewesen.

Doch sonst ging es fast allen gut hier im Ort. Viele zogen weiter wegen besserer Arbeitsmöglichkeiten, andere blie-

ben, erwarben ein kleines Grundstück oder fanden einen Lebenspartner. Um neue Wohnungen zu schaffen, wurde vermehrt gebaut und umgebaut oder abgerissen. So veränderte sich zwangsläufig auch die Struktur der Gemeinde. Auf dem Bild von 1948 sehen wir das alte Haus vom 'Beranschuster' am Kirchberg. Darin hatte sich der Maler und Fotograf Alber Wagner mit seiner Frau Käthe ein kleines Fotoatelier eingerichtet. Sie hatten sich schnell eingelebt und es war etwas Besonderes, wenn man sich gerade dort ablichten ließ.

2S Kommunion und Firmung

Zu den schönsten und unvergesslichen Erinnerungen in der Kindheit gehört die erste Heilige Kommunion. Noch bis nach dem Ersten Weltkrieg gingen fast alle Kinder in der altbayerischen Tracht zur Kirche und sahen darin aus wie kleine Erwachsene. Die Feier und auch die Geschenke waren damals noch recht bescheiden ausgefallen. Doch niemand von den Kindern war unzufrieden und von den Paten gab es als Essen ein 'Eierschmalz' .

Später änderte sich die Mode und die Mädchen trugen jetzt weiße Kleider zum Fest und auf dem Kopfbreitere Kränze aus weißen Stoffblüten. Niemand hatte früher viel Geld übrig, doch wenn ein Kind zur Kommunion ging, wurde alles getan um diesen Tag ganz besonders schön zu gestalten. So war es auch während und nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Da wurde lieber an anderen Dingen gespart.

Die Buben trugen schwarze oder dunkelblaue Anzüge wobei die Hosenbeine bis unterhalb der Knie reichten. Dazu trugen sie lange Wollstrümpfe die manchmal recht kratzten. Die Kleider der Mädchen wurden bei manchen aus dem Brautkleid der Mutter genäht, weil es kaum Stoffe gab. Andere bekamen ein Kleid aus Fallschirmseide genäht, die aus einem Lager in Todtenweis besorgt wurde.

Und doch wurde es für die Familien ein schönerTagesverlauf. Die Kommunionkleidung wurde geschont und bis zur Firmung aufgehoben, die alle zwei Iahre in Aindling stattfand. Dazu wurden auch Kinder aus den Nachbargemeinden mit ein oder zwei Bussen hergefahren.

Von der 'Dola' oder dem 'Ded' (Patin/Pate) gab es jetzt schon eine Armbanduhr als Geschenk, was damals einen ungeheuren Luxus bedeutete. Zum Essen ging es nach der Kirche ins Gasthaus und die Buben durften am Bier mittrinken. So kam der eine oder andere von ihnen nach großen Schlucken zum ersten Räuschlein seines jungen Lebens.

Bei unserem fröhlich lachenden Kommunionkind von 1948 handelt es sich um Kreszentia Rohrmayr.

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