Aindling in alten Ansichten

Aindling in alten Ansichten

Autor
:   Irene Kolatenko
Gemeinde
:   Aindling
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6627-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aindling in alten Ansichten'

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26 Jugend und Freizeit

Nach der Schulenentlassung mussten die Jugendlichen zur Christenlehre gehen. Das war immer sonntags am Nachmittag um 13 Uhr 30 und dauerte eine Stunde. Es wurden Fragen aus der Bibel und dem Katechismus gestellt. Wenn Erwachsene anwesend waren, passten sie genau auf ob auch die richtigen Antworten kamen. Anschließend war noch eine Andacht und erst dann durfte jeder seine Freizeit selbst einteilen.

Einmal fragte der Pfarrer, wer denn wüßte wo sich die Statue des Heiligen Georg befinde und erhielt die Antwort: 'Da vorne, der mit dem Mantel ist es!' Doch das stimmte nicht. 'Schäme dich, das ist doch der Heilige Martin!' Der arme Bub bekam einen roten Kopf und hätte sich am liebsten verkrochen.

pfarrer Däubler leitete mit Freude und viel Verständnis eine Mädchen- und Burschengruppe. Der Treffpunkt war abends von 19 bis 20 Uhr im alten pfarrstadel. Jeden Dienstag für die Burschen und am Mittwoch für die Mädchen. Das ging nach Geschlecht getrennt und galt als sittlich-religiöse Erziehung. Mit Unterhaltung, Gesang und Theaterproben ging die Stunde dann schnell vorbei.

Bei einem Theaterstück in den fünfziger Iahren bekamen diese Mädchen besonders viel Beifall: Leni Jakob, Maria Greiner, Lina Hammer, Veren a Höger und Kreszentia

Rohrmayr in der oberen Reihe. Von den beiden ganz rechts und links sind die Namen nicht mehr bekannt. Sitzend von links waren es Erna Jakob, Maria Grauvogel und Marianne König.

Eine besondere Freude war es, wenn der pfarrer ein paar Mädchen in seinem Lloyd mit nach Aichach zum Landjugendball nahm, wo es immer recht zünftig zuging. Auf der Heimfahrt hatte es geschneit und am Oberbernbacher Weg mussten die Madeln aussteigen und das Auto den Berg raufschieben, weil es steckenblieb. Die Straße hatte viele Schlaglöcher und tiefe Spurrinnen, weil sie ja noch ungeteert war. Doch schon bald ging es wieder weiter.

27 Ein Haus in der Kirchstraße

Auf diesem Bild sehen wir das Haus der Familie Otto Schneider in der Kirchstraße. Bevor das Grundstück von dessen Vater erworben wurde, war der Hausname 'Beim Gruerna.'. Das bedeutete: Mann, der in der Grube wohnte, weil das Haus tiefer stand als die vorbeiführende Straße. Es lag tiefer als das der Familie Gergely in der Arnhofener Straße. An diesem Beispiel kann man sich das ganz gut vorstellen. An der Nordseite ging es steil zum Stadel hinunter und wenn der Drusch beendet war, musste die Dreschmaschine von vier pferden hochgezogen werden. Das alte Haus wurde abgerissen und ein neues von der hiesigen Baufirma Anton Miller errichtet. Im Laufe der Jahrzehnte musste der Grund mehrmals aufgefüllt werden.

Otto Schneider senior war Mechaniker und stammte aus derWagnerstraße, wo sein Vater ein approbierter Bader und Frisör war und außerdem einen Handel mit Nähmaschinen, Fahrrädern und Zentrifugen betrieb. Als sein Sohn den Betrieb übernahm, zog er damit in das neue Grundstück um. Dort kam 1929 noch eine Tankstelle dazu.

Hochzeit hielt Otto Schneider senior mit Hyazintha Heinrich. Drei Kinder wurden dann großgezogen. Von 1934 bis 1964 wurde ein Teil des Hauses als Gubi-Filiale

vermietet. Leiterinnen waren damals Babette Mader und danach deren Tochter Stefanie gewesen. Die Lehrrnadeln waren Hanni Kreppold aus Aindling und Hanni Bissinger aus Todtenweis. Dieser Laden wurde etliche Iahre vom Pächter Rupert Müller in Eigenregie geführt, bis er damit ins Riedl-Haus auf der anderen Seite umzog.

Die Großmutter des jetzigen Otto Schneider war von BerufHebamme. Bei ihrem ersten Einsatz wurde sie zu einer Familie nach Edenhausen geholt. Als dort 'Drillinge' zur Welt kamen, war der Kindsvater sehr geschockt und sagte zu ihr: 'Du junge Flutten, i hob mir doch glei denkt, dass bei dir nix Gscheits dabei raus kommen kann!' Aber daran war die Hebamme ja nun wirklich nicht schuld.

28 Die Franziskanerinnen

Im Sommer 19 13 kamen die ersten Franziskanerinnen von Dillingen nach hier. Wegen der schlechten Verkehrsverbindung mussten sie über Augsburg nach Petersdorf fahren. Dort wurden sie dann von pfarrer Albrecht begrüßt und in einem zweispännigen Landauer bis Aindling in ihr künftiges Klösterlein kutschiert.

Ihr Wirkungsfeld wurde die vom pfarrherrn gegründete Kinderbewahranstalt, wo bereits alles mit großer Sorgfalt zur Übergabe hergerichtet war. Ein paarTage danach, einem Sonntag, war im Amt die feierliche Begrüßung durch die Pfarrgemeinde. Im Anschluss daran konnten alle Interessierten den Kindergarten besichtigen und die Schwestern mit ihrer Arbeit beginnen.

Die erste Tätigkeit war, sich um die Kleinen zu kümmern. Nach anfänglichem Zögern brachten immer mehr Eltern ihre Kinder dorthin. Im Gebäude befand sich auch ein Handarbeitsraum, der dann 1934 in die Volksschule verlegt wurde. Dort wirkte von 1929 bis 1960 Schwester Dartina Keller als Stick- und Nähschwester, wobei sie auch eine Zeit lang als Oberin tätig war. In der schwierigen Zeit des Nationalsozialismus galt ihre Sorge dem Erhalt des Kindergartens und nach dem Krieg sorgte sie dafür, dass dieser vergrößert wurde. Insgesamt wirkte sie 47 Iahre in Aindling.

Als ambulante Krankenschwester für auswärts war Bertheide Ostheimer 27 Iahre für Kranke und Hilfsbedürftige zur Stelle. Auch den großen Garten beim pfarrer-AlbrechtHaus hielten die Schwestern in Ordnung. Er brachte ein gutes Erträgnis und an den Festtagen schmückten sie das Kircheninnere mit den schönsten Blumen.

Das Foto wurde 1952 zur fünfzigsten Professfeier von Schwester Benigna Tischinger aufgenommen. Von links aus gesehen waren mit dabei: Köchin Rufina Scherer aus Arnhofen, Dartina, eine unbekannte Schwester, Hugolina (Krankenschwester für Aindling), Bertheide und Kinderschwester Friedhilde.

29 Hochzeitsvorbereitungen

War sich ein Paar einig, in den Stand der Ehe zu treten, gab es eine Reihe Formalitäten zu erledigen. Bei einer richtigen Bauernhochzeit verlief das so: waren auch beiderseits die Eltern einverstanden, kam die Auserwählte auf den Hof wo sie einheiraten sollte, sah sich diesen zuerst an und dann alles was noch dazugehörte. Die Väter handelten derweil die Mitgift für die Geschwister des Bräutigams aus und was seinen Eltern irn ' Austrag' zustehen würde. Es wurde ebenso die Frage gestellt ob der Hof schuldenfrei sei.

Das Aushandeln war reine Männersache wo die Frauen nicht reinzureden hatten. Auch bei der Hochzeit durften die Mütter noch bis etwa 1935 nicht mit in die Kirche gehen, weil es angeblich Unglück brachte. Nach dem 'Geschau' führte der nächste Weg zum Notar, wo alles für den Ehevertrag aufgesetzt wurde. Dann wurden die Brautleute beim pfarrer vorstellig. Nach Aushang an der Kirchentür oder Verkündigung von der Kanzel fand kurze Zeit später die Hochzeit statt.

Eine wichtige Person bei den Vorbereitungen war der Hochzeitslader, der schon Wochen vorher seine Runde machte und namens der Brautleute die Gäste einlud. Mit einem 30 cm langen weißen Band mit Maschle am Rockenaufschlag sagte er seinen Ladspruch auf.

Am Tag vor der Hochzeit hielt die Braut Einzug im neuen Heim. Dazu wurde der 'Kammerwagen' mit den Betten worin statt der heute üblichen Matratzen mit Stroh gefüllte Säcke lagen -, einer Kommode und einem Schrank voll Wäsche und anderen Dingen, die man im Haushalt braucht, beladen. Auch das Sofa für die gute Stube durfte nicht fehlen. Auf diesem saß die 'Naderin' , wie man ganz früher in Aindling die Näherin nannte. Sie hatte die ganze Aussteuer gefertigt und eingeräumt. Hinter dem Wagen führte eine Magd meist noch eine Kuh hinterher.

Von geschmückten pferden gezogen fuhr das Paar in einer Chaise voraus. Nach dem Einräumen wurde das Brautgewand übers Bett gelegt und auch ein weißes Tuch mit in roter Farbe gesticktem Spruch 'Gelobt sei Jesus Christus'. Nach dem 'Ausweihen' bekam der pfarrer eine Zitrone mit Rosmarinzweig und ein weißes Taschentuch und manchmal auch ein Geldstück.

Als Brautpaar in den dreißiger Iahren grüßten Franz Xaver Wiedenmann und Josefa Mair.

30 Eine Bauernhochzeit

Geheiratet wurde damals meistens an einem Montag oder Dienstag. Bevor es zur Kirche ging, verlief die Zeit so: Die Gäste und Musikanten standen vor dem Hochzeitshaus, der Hochzeitslader begrüßte alle Anwesenden und forderte sie nach einer gemeinsamen Brotzeit zum Kirchenzug auf. Das geschah nach altem Brauch immer in einer bestimmten Reihenfolge. Von der Schneiderin bekam jeder Gast gegen ein kleines Entgelt ein Sträußlein angesteckt. Der Bräutigam trug zur langen schwarzen Lederhose auf Hochglanz polierte Faltenstiefel und das Leiberl (Gilet) mit den schönen Silberknöpfen daran. Solche Stiefel sind heute noch bei Trachtenumzügen zu bewundern. Sie haben steife, harte Schäfte die fast bis zu den Knien reichen und an der Knöchelgegend Falten wie eine Ziehharmonika haben. Sie sind vorne höher als hinten.

Wenn ein Bursch in den Stand der Ehe trat, kaufte er sich beim 'Huterer' seinen Brauthut. Dieser war aus schwarzem Samt und war innen mit Seide ausgefüttert. Er wurde auch 'Scheerhut' genannt. Nach der Hochzeit kam er nur mehr an hohen Feiertagen oder bei besonderen Familienereignissen aus dem Kasten. So einen Hut konnte sich nur ein reicher Bauer leisten und es war eine Anschaffung fürs ganze Leben. Am Hochzeitstag wurde er mit einem

großen Rosmarinzweig geschmückt und auch am Rockaufschlag wurde ein solcher befestigt.

Als Hauptkleidungsstück galt dabei der streng geschnittene lange 'Vaterrock' , der bis zum Knie reichte und vorne an jeder der Rockhälften bis zu acht Silbermünzen als Knöpfe hatte.

Die Braut trug das 'Schwarzseidene' mit Spenzer, eine schwarze Seidenschürze und schwarze Schuhe. Über die Schultern wurde ein weißes Halstuch mit mehreren geknüpften Reihen und Fransen daran, umgelegt. Als Schmuck wurden noch ein oder zwei Broschen befestigt. In der Hand hielt sie das Gebetbuch und den 'Beter' - den Rosenkranz. Je nach Mode wurde ein Kranz aus Myrthen auf dem Kopf getragen oder 'Zitternadeln' aufgesteckt. War schon ein Kind da oder unterwegs, durfte kein Kopfschmuck getragen werden.

Georg und Katharina Held waren unser Brautpaar von 1920.

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