Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Günther Hagen
Gemeinde
:   Amt Neuhaus
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6670-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2'

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19 Seit dem 16. April

1 911 war Neuhaus mit dem Netz der Eisenbahnen verbunden; am Nachmittag um 1 6 Uhr setzte sich der erste Zug in Bewegung und eröffnete damit die 1 0,4 km lange Kleinbahnlinie nach Brahlstorf Viele Einwohner waren aus diesem Anlaß auf das Gelände des Neuhauser Bahnhofs gekommen, das mit Girlanden und Fahnen festlich geschmückt war, wie auch die Zwischenstationen in Dellien und Preten, wo auf einer 79 m langen Brücke die Sude überquert wurde. In Brahlstorf war ein eigens für diese Linie errichteter Bahnhof durch ein Gleis mit der Eisenbahnstrecke

Hamburg - Berlin verbunden. Von hier kehrte der Eröffnungszug nach Neuhaus zurück, wo im Gasthaus Jenner, dem heutigen Hotel Hannover, der historische Tag ausklang.

20 Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Lüneburg, Stück 17, ausgegeben Lüneburg den 28. April 1911; 225. Genehmigungsurkunde:

Der unter der Firma: Kleinbahn Neuhaus- Brahlstorf, Gesellschaft m.b.H. in das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts zu Neuhaus a.d. Elbe einzutragenden Gesellschaft wird auf Grund des Gesetzes über die Kleinbahnen und Privatanschlußbahnen vom 28.Juli 1892 von dem unterzeichneten Regierungspräsidenten im Einvernehmen mit der Königlichen Eisenbahndirektion Altona vorbehaltlich der Rechte Dri tter zur Herstellung und zum Betriebe des im Königreich Preußen belegenen Teils einer nebenbahnähnlichen Kleinbahn in

Normalspurweite von Neuhaus a.d. EIbe über Dellien, Preten nach Brahlstorf für die Beförderung von

Personen und Gü tem mi ttelst Dampfkraft die Genehmigung auf 100 Jahre ... erteilt.

21 Die Kleinbahn vom damals preußischen Neuhaus nach dem mecklenburgischen Brahlstorf ist ein Stück Vergangenheit. Wo einst abseits vom Ort das Bahnhofsgebäude errichtet wurde - heute ist es glücklich erneuert und dient als Gaststätte - ist nach der Wende ein Gewerbegebiet entstanden. Vergeblich sucht man die Gleisanlagen. Die frühere Trasse ist zu einem Wanderweg umgestaltet worden. Der Leiterberg, die höchste Erhebung gleich hinter dem Bahnhof auf der rechten Seite, ist längst abgetragen. Noch stehen die kleinen Stationsgebäude in Dellien und Preten, und auch die Brük-

ke über die Sude in der Nähe der einstigen Holländerei in Preten steht ohne eigentliche Aufgabe da.

22 Ursprünglich hatte die Oberförsterei ihren Sitz in Carrenzien. Zu ihr gehörten unter anderem die Forstreviere Bohldamm, Haveckenburg, Falkenhof, Grünenjäger und Carrenzien selbst. 1891 wurde der Oberförster Fratzscher zum Forstmeister ernannt. Wenige [ahre später, kurz nach 1900, erbaute der Forstfiskus die neue Oberför-

sterei am Rosengartenweg in Neuhaus. Sie trug aber weiterhin ihren alten Namen: Oberförsterei Carrenzien. Das alte Gebäude an der Stelle, wo die Haarer Straße von der heutigen blieb fortan Revierförsterei. Die Postkarte mit der neuen Oberförsterei wurde vertrieben von Franz Lust, der seit 1906 das NeuhauserTageblatt herausgab. Die urige Gestalt neben dem Foto ist eine phantasievolle Beigabe.

23 Nach demAbschmelzen der Gletscher am Ende der Eiszeit türmten eisige Winde feinen Sand aus den Moränen zu Dünen auf. Von Preten bis über Wehningen hinaus zieht sich heute ein solcher Dünenstreifen hin. Der einstige Flugsand ist weithin zur Ruhe gekommen; nur im Bereich der Stixer Wanderdüne kann man noch sehen, wie der Wind den Sand bewegt. Vor mehr als 250 [ahren waren sie mit Pflanzen bedeckt, mit Heide, und Schafherden zogen über die Hügel. Von 1747 bis 1750 säte man Kiefern und Fichten aus. So entstanden die Wälder. 5533 Hektar bedecken sie imAmt Neuhaus. Die Forstverwaltung setzte Revierförster ein, die Baumbestand und Wild zu hegen und zu pflegen hatten. Im Grünenjäger wirkte seit

April 1925 Förster Blaffert. Höhepunkte waren im Laufe des [ahres die Treibjagden, zu denen Jäger und

Treiber sich am wärmenden Feuer versammelten.

24 Im Iahre 1929 verlor das alte Bauerndorf Carrenzien seine kommunale Selbständigkeit; es wurde Teil des Fleckens Neuhaus. Beide Orte waren im Laufe der Zeit längst zusammengewachsen. Den letzten alten Dorfkrug von Carrenzien betrieb Heinrich Wullweber. Er grenzte direkt an das Neuhauser Gebiet. Dieser Standort war allerdings nicht der ursprüngliche:

Andreas Wullweber, der Sohn des 1 715 aus Lenzen zugewanderten Bäckers Christoph Wullweber, hatte die Halbhufe 8 in Carrenzien erworben und ein neues Wohnhaus gebaut. Später verlegte er es an die heutige Stelle. Dabei wanderte der

Balken mit der Inschrift mit: Andreas Christian Wullweber - Anna Dorothea Mensusin (=Menzhausen) - den 17. Mai 1781. Der Besitz mußte unter den Nachkommen verkauft werden; Haus und

Garten gelangten aber wieder in den Besitz eines Wullweber: [ohann Heinrich - er war der letzte Postillon am Ort. Fortan blieb der Gasthof in der Familie.

. Gasthof H. Wullweber, Carrenzien

25 In der Kirchstraße besaß die Lüneburger Kronenbrauerei eine Niederlassung. Sie hatte das Gebäude 1 91 3 von der Witwe des Schlachters Cravack gekauft. Ernst Wilke sorgte als Bierverleger dafür, daß der Gerstensaft rechtzeitig in die Gaststätten gelangte und aufSchützenfesten bereit stand. Wilke war unterwegs mit seinem lieferwagen, auf dem für die Fässer Platz war, sogar zwischen den Rädern. Zunächst zogen Pferde den Wagen; später trat an die Stelle des Fuhrwerks das Auto. Bier war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das im Amt Neuhaus am meisten genossene alkoholische Ge-

tränk; im Winter kam der Grog hinzu. Wein wurde nur selten bei ganz besonderen Anlässen ausgeschenkt.

26 Prof. Dr. Seedorf belehrt uns im Lüneburger Heimatbuch, Band 1, S. 338, erschienen in Bremen 1925:

Die Milch wird in verschiedener Weise verwertet. Ein Teil dient zur Aufzucht der Kälber... Ein anderer Teil... wird zum menschlichen Verzehr unmittelbar in die Stadt verkouft: wo das nicht möglich ist, da wird die Milch zur Butterbereitung verwandt, und zwar entweder, wie das früher allgemein der Fall war, in der eigenen Wirtschaft, jedoch unter Zuhilfenahme von Schleudermaschinen oder in größeren Sammelmolkereien, deren 66 in unserem Bezirke bestehen, die meist auf genossenschaftlicher Grundlage stehen. Eine solche Molkereigenossenschaft besaß seit 1890 auch in Neuhaus eine Molkerei, zuerst in der Alten Molkereistraße. Am 14. November 1912 wurde die neue Molkerei feierlich eingeweiht. Sie galt einige

Zeit als die modernste ihrer Art in der Provinz Hanno-

ver.

27 In den Wintermonaten wurde in den Wäldern Holz eingeschlagen. Vor allem in den Niederungen wuchs Laubwald, so im Rosengarten, im Bohldamm und im Rad. Auf den einstigen Dünen beherrschten Kiefern und Fichten die Bestände. Das gefällte Holz spielte in früheren Zeiten eine bedeutsame Rolle als Brennholz. Auf den Auktionen konnte man an Ort und Stelle die benötigte Menge Festmeter erwerben, so daß der Schornstein rauchte; Herde und Öfen wurden zu einem bedeutenden Teil mit Holz geheizt. Beträchtliche Mengen wurden aber auch als Langholz aus den Wäldern transportiert und gelangten in die Sägewerke, von denen es eine ganze Reihe im Amt Neuhaus gab. Hier wurden die Stämme zu Bau- und Möbelholz

verarbeitet. Der Fuhrbetrieb von Hermann Sack brachte die schweren Lasten, gezogen von kräftigen Pferden, zu diesen Sägereien.

28 In der Delliener Straße steht das alte Gebäude der Neuhauser Färberei. Es wurde 1998 von Grund auf erneuert. Hier arbeiteten durch die Jahrhunderte Färber; um 1700 wird Iohann Andreas Leonhardt genannt, 1706 [ohann Heinrich Scharschau aus Mölln, seit 1743 sein Sohn Justus. Eine seiner beiden Töchter heiratete den Färber [ohann Gottlieb Kampff in Mölln.

1 770 kam ein anderer Kampff aus Mölln, [ohann Christoph - auch er war Färber - nach Neuhaus und heiratete in die hiesige Färberei ein. 1790 erwarb er die Stelle. Fortan blieb sie im Besitz der Familie Kampff. Später freilich

wechselte man den Beruf. Infolge der technischen Entwicklung in der Mitte des 19.Jahrhunderts konnte sich der Färber alter Provenienz nicht mehr ernäh-

ren. Die Kampffs wurden Landwirte. Der letzte, Fritz Kampff, fiel im Zweiten Weltkrieg.

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