Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Günther Hagen
Gemeinde
:   Amt Neuhaus
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6670-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2'

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39 Das 50. Kinderschützenfest in Neuhaus war für lange [ahre auch das letzte: 1 939 hatten Elfriede Paetow und Hans-Georg Sasse den Titel errungen. Wenige Wochen später brach der Zweite Weltkrieg aus. Erst nach der Wende nahm man die alte Tradition wieder auf. Schon 1884 feierte man diesen festlichen Tag für die Jugend, und immer war er der Freitag des am Mittwoch beginnenden und am Sonntag endenden Schützenfestes. Schlossermeister Theodor Dencker, der 1881 die vom Vater, dem Schmiedemeister Johann Heinrich Christoph Dencker, erworbene Stelle übernommen hatte, gilt als Gründer des Kinderschützenfestes. Aus späterer Zeit wissen wir, daß die Mädchen mit Bällen auf Puppen warfen und die Jungen mit

dem Luftgewehr einen hölzernen Vogel abzuschießen versuchten. Das Bild zeigt die Jungen mit der Fahne vor dem Hotel Lindenhof.

40 Wo einst die Hirtenkate gestanden hatte, wurde 1879 das dritte Schulgebäude in Neuhaus errichtet. Zwei Klassenräume beherbergten seitdem die Klassen der Grundschule. Alle Kinder aus Neuhaus und Carrenzien begannen hier ihre Schulzeit. 1 930 kamen die Jungen und Mädchen zur Schule, die das Bild zeigt. Einer ihrer Lehrer in diesen [ahren war Heinrich Boldt. Er stammte aus dem benachbarten Haar; dort war er am 26. November 1902 geboren. Von 1921 bis 1924 hatte er das Lehrerseminar in Lüneburg absolviert. In Neuhaus legte er am 16. März 1933 die zweite Lehrerprüfung ab. Später unterrichtete er in Wesseloh und bis zu seiner Pensionierung in Putensen im Kreis Harburg. Seinen Lebensabend ver-

brachte er in Schneverdingen. Hier starb er am 26. Juli 1988.

41 Zwei [ahre später kamen diese Jungen und Mädchen zur Schule. Sie hatten im zweiten Schuljahr, das mit den Fibelschützen abteilungsweise

unterrichtet wurde, eine Lehrerin - für damalige Verhältnisse im Vergleich zu heute eine Seltenheit. Elise Wachtel, am 5. Februar 1903 geboren, war aus

Dahlenburg nach Neuhaus verzetzt worden. Nach einem [ahr verließ sie zum Bedauern aller Schüler den Ort wieder und arbeitete seit Ostern 1 934 in Karze

bei Bleckede. Der Endpunkt ihrer pädagogischen Tätigkeit wurde Soltau. Hier wurde sie am 1. Oktober 1953 zur Konrektorin ernannt. Hier starb sie auch.

42 Wer in den [ahren der Weimarer Republik zur Schule kam, wurde von der Mutter mit allem versorgt, was man damals für nötig erachtete. Da war der Tornister; er mußte natürlich aus Leder sein. In ihm fand die Schiefertafel ihren Platz, die für die Anfange im Schreiben und Rechnen unentbehrlich war. Gummischwamm und Wischlappen wurden am Rand der Tafel befestigt und hingen aus dem Tornister heraus. Dazu gehörte der Griffelkasten. Erst im Laufe des zweiten Halbjahres trat an die Stelle der Tafel das Heft, statt eines Griffels benutzte man nun einen Bleistift. Fehlen durfte auch nicht

die lederne Brottrommel für das Frühstück. Sie wurde an einem langen Riemen getragen. Die bunten Schultüten kannte man damals noch nicht; sie tauchten nur sehr vereinzelt auf.

43 Viele Bilder aus den frühen [ahren des 10. [ahrhunderts zeigen es ganz deutlich: die Jungen gingen nicht ohne Mütze oder Hut. Die Gruppe auf dieser Aufnahme trägt Schülermützen. Die Farbe dieser Kopfbedeckung wurde be-

stimmt durch die Schulklasse, die man besuchte. Wer beispielsweise als Zehnjähriger in der Sexta saß, trug eine leuchtend grüne Mütze mit einem schwarzen Lackschirm. Kam er in die Quinta, hatte die Mütze eine andere

Farbe. Ganz stolz waren die Schüler und Eltern, wenn man mit weißer Mütze die letzte Klasse vor der Mittleren Reife erreicht hatte. Diese Art Mützen war bei Schülern weiterführender Schulen üblich; seltener trugen auch die Mädchen

solche. Bald nach 1 930 kamen sie aus der Mode, wie übrigens auch die Matrosenanzüge, die dazu noch unverwüstlich erschienen.

44 Um 1930 zählte zu

den Höhepunkten des Schuljahres der feierliche Weihnachtsabend, der den Saal im Hotel Hannover bis auf den letzten Platz füllte. Lieder, Gedichte und Spiele wechselten auf der Bühne, und daran beteiligt waren Kinder aus allen Klassen der Volksschule. Zur Erinnerung stellten sie sich mit Lehrern zu einem Gruppenbild dem Fotografen. Am rechten Bildrand stehen Hauptlehrer Karl Mönkemeyer und Heinrich Boldt, links sieht man Karl Dübener und Karoline Brusch. Diese stammte aus Niendorf, war dort am 18. Mai 1902 geboren und hatte am 27 . September 1932 die 2. Lehrerprüfung in Neuhaus bestanden; zum 1. April

1 933 wurde sie nach Hagen bei Lüneburg versetzt. Im selben [ahr ging

auch Mönkemeyer nach Wenzendorf, Kreis Harburg. Karl Dübener wurde an seiner Stelle Hauptlehrer.

45 Ausflüge und Wandertage waren damals besondere Ereignisse, die aus dem alltäglichen Schulleben herausragten. Zumeist wanderte man zu Fuß an die Elbe, in den Bohldamm, nach Grünenjäger; seltener waren die Fahrten mit dem Rad angesagt. Reisen in die weitere Umgebung kamen kaum vor, sieht man einmal ab von den Fahrten zum Weihnachtsmärchen nach Schwerin, die [ahr für [ahr von der Privatschule unternommen wurden. Einmal wanderten Grundschüler auf den Kateminer Berg jenseits der Elbe. Von einer Tour in die Göhrde erzählt die Aufnahme: Man hat sich am Denkmal versammelt, das zur Erinnerung an das Gefecht zwischen deutschen und französischen Truppen am 16. September 1813 stattgefunden hatte.

Unter den Opfern befand sich ein Mädchen, das in Uniform an der kriegerischen Auseinandersetzung beteiligt und tödlich verletzt worden war: Eleonora Prohaska liegt auf dem Friedhof in Dannenberg begraben.

46 Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten viele Eltern, daß für die berufliche Entwicklung ihrer Kinder die Volksschule nicht ausreichte. Eine Mittelschule ließ sich in den kleineren Orten nicht einrichten, da die dafür benötigte Schülerzahl nicht ausreichte. Für bestimmte Berufsgruppen war aber die Mittlere Reife erforderlich. So entstanden die Höheren Privatschulen. Die Eltern hatten dem Verein, der als Träger gegründet war, ein Schulgeld zu zahlen. In Neuhaus wechselten die Lehrer oft. Vielfach waren es junge Studienreferendare, die hier die Zeit überbrückten, bevor sie in eine Planstelle an Gymnasien oder Oberschulen eingewiesen wurden. Die Prüfung zur Mittleren Reife mußte an einer Mittelschu-

Ie abgelegt werden. Die Schüler des Geburtsjahrganges 1925/26 fuhren dazu mit dem Schulleiter Friedrich Lampe nach Lüneburg.

47 In der Bahnhofstraße in Neuhaus steht heute noch das Gebäude, das der Kaufmann Wilhelm Wenk

1 911 erbaute. Damals trug es die Hausnummer 143, heute Bahnhofstraße 14. Doch Wenk war nicht nur Kaufmann, er hatte große Neigung zur Musik und spielte auf Schützenfesten und bei Bällen mit zum Tanz auf. Und er veranstaltete Tanzkurse. Auf seiner Geige erklangen die Melodien, nach denen seine Schüler sich im Polkatakt drehten oder Rheinländer und Walzer zu tanzen versuchten. Höhepunkt war immer der Abtanzball, zu dem die Eltern eingeladen wurden. Die Mädchen und Jungen zeigten sich in festlicher Kleidung und waren in der Mehrzahl recht aufgeregt. An diesem Tag spielte auf der Bühne eine kleine

Kapelle, die den Ball mit der obligaten Polonäse eröffnete. Das Erinnerungsfoto durfte nicht fehlen.

In jenen [ahren stammte

es von Margarete Voss.

48 Im Ablauf des [ahres gab es einst immer wiederkehrende gesellschaftliche Höhepunkte: Im Juni feierte man das Schützenfest; der Herbstmarkt spielte sich im Bereich des Marktplatzes ab. Im Winterhalbjahr veranstalteten die Vereine ihre Vergnügen, also Bälle, die entweder im Hotel Hannover stattfanden oder im Saal des Lindenhofes. Karneval feierte man in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg nicht; auf den Dörfern hatten sich noch Fastnachtsbräuche erhalten. Man feierte auch in Neuhaus Maskeraden, Maskenbälle oder Kostümfeste. Von so einem munteren Treiben stammt die Aufnahme mit

den phantasievoll verkleideten Frauen aus Neuhaus. Wo immer man tanzte, stammte die Musik von der Kapelle König oder von den

Musikern der Kapelle Bading, die im Oberamt den Ton angab.

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