Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Günther Hagen
Gemeinde
:   Amt Neuhaus
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6670-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2'

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49 An der Straße nach Rosi en am Rande des Ortes wurden 1 933 die Baracken des Reichsarbeitsdienstes (RAD) errichtet. Die eingezogenen jungen Männer leisteten bei einem sehr geringen Sold Arbeiten, die dazu dienten, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. In den ersten [ahren heiratete einer der Führer. Beim Verlassen der Kirche standen die RAD- Männer mit ihren Spaten Spalier und begrüßten das junge Paar. Wer keinen Spaten hatte, streckte den rechten Arm zum sogenannten deutschen Gruß aus. Margarethe Voss, deren Foto-Atelier in der heutigen Lüneburger Straße untergebracht war, hat diesen Au-

genblick mit ihrem Apparat festgehalten. In den Kriegsjahren zogen statt der Männer Arbeitsmaiden in die Baracken ein.

50 Der Zweite Weltkrieg war 1945 zu Ende gegangen. Nun trat an die Stelle der einen Diktatur eine andere. Auf dem Rathaus wehte die rote Fahne der Kommunisten. Die Schulkinder wurden aufgefor-

dert, Junge Pioniere zu werden, die älteren Jugendlichen, in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) einzutreten. Und diese einzige erlaubte Jugendorganisation veranstaltete in jenen [ahren das Berliner Pfingsttref-

fen. Mit Überredung und auch mit erheblichem Druck suchte man auch in Neuhaus die Zahl der Marschierer so groß wie möglich zu machen. Es gab junge Menschen, die vor dieser Agitation in Gärten

und Wälder flüchteten. Auf dem Marktplatz errichtete man ein dem BrandenburgerTor ähnliches Bauwerk. Statt der Quadriga trug es dasWappen der FDJ; lesen konnte man den Satz: 'Die Freie Jugend stürmt Berlin.'

51 Zwei Straßenzüge durchziehen diese Luftaufnahme und helfen bei der Orientierung. Die Kirchstraße führt vorbei am Friedhof; der helle Fleck, inzwischen längst bebaut, ist der Pausenhof neben der Schule; weiter oben zweigt die Mittelstraße ab. Wer genau hinsieht, erkennt den Lindenkranz mit der Kirche darin. Rechts führt die Bahnhofstraße an den Bauplätzen der Sägereien von Dräger und Büsch vorbei, nimmt die Lindenstraße auf, später die Alte Molkereistraße, und kreuzt sich dann mit der Poststraße und der Bauhofstraße, die im Bogen in die Delliener Straße mündet. Man kann auch noch das Gebäude entdecken, um das es dem Fotografen vor allem ging: die Bäckerei von Viktor Lützow. Denn der Sohn Fritz

war es, der als Jagdflieger diese Aufnahme von Elternhaus und Heimatort schoß. Fritz Lützow kam aus dem Krieg nicht zurück.

52 In diesem Gebäude versammelten sich lange [ahre in den Wintermonaten die Söhne der Bauern aus dem Amt Neuhaus zum Unterricht in der Landwirtschaftlichen Schule. Ursprünglich gehörte das Haus zur Viertelhufe Nr. 10 am Laaver Weg in Carrenzien. Während die dazu gehörenden Ländereien im Besitz von Fritz Kampff in Neuhaus verblieben, wurde der Hausplatz 1883 verkauft an den Zimmermeister Ernst Brusch, der hier die Errichtung eines Sägewerkes plante. Doch daraus wurde nichts, Brusch baute den Betrieb an anderer Stelle. In dem Gebäude fand

die Landwirtschaftsschule geeignete Unterrichtsräume; im Stockwerk darüber wohnte der Leiter der Schule mit seiner Familie.

53 Mitte des 19.Jahrhunderts erkannten viele Bauern imAmt Neuhaus die Notwendigkeit, sich beruflich weiterzubilden, um mit der Entwicklung Schritt

zu halten, die auch die bäuerliche Arbeit immer nachhaltiger beeinflußte. 1851 gründete man den Landwirtschaftlichen Verein. Es dauerte dann noch siebzig

[ahre, bis im damaligen Kreis Bleckede die erste Landwirtschaftsschule eingerichtet werden sollte. Man entschied sich 1 92 1 für Neuhaus als Sitz dieser

auf das Winterhalbjahr beschränkten Einrichtung.

1 92 7 /2 8 stellten sich Lehrer und Schüler zum Gruppenbild auf.

54 So ganz unbeschädigt hat diese Aufnahme die Zeiten nicht überdauert. Die Kinder, die sich um 1900 dem Fotografen stellten, kamen nicht nur aus Vockfey, sondern auch aus Kolepant und Pommau. 1905 hatte Vockfey 87 Einwohner, Pommau 79 und Kolepant nur 28. Und ihre Zahl nahm in der Folge noch weiter ab: 1 939 zählten alle drei Gemeinden zusammen nur noch 1 61 Bewohner. Um 1900 gehörte die Schule in Vockfey zur Kreisschulinspektion Bleckede

II, die der Stapeler Pastor Heinemann beaufsichtigte. 1863 hatte Lehrer Mirow als Junglehrer die Stelle übernommen. 1899 wurde

er abgelöst von Fritz Ottens. Er wurde am 9. Mai 1861 geboren, begann seine Tätigkeit am 1. April

1882 in Thiesmesland, arbeitete seit dem 6. [anuar 1889 in Krusendorf. Von dort kam er nach Vockfey,

wo er bis zu seiner Pensionierung 1925 blieb.

55 Van 1885 bis 1905 ging die Zahl der Einwohner von Stapel von 490 auf 462 zurück. Etwa sechzig Kinder besuchten die örtliche Schule. Lehrer Beecken war auch Küster und Qrganist. Seit 1892 wirkte Pastor Franz Otto Adolf Rautenberg an der Marienkirche. Als Sohn eines Advokaten wurde er 1843 in Jork geboren. Bis 1874 hatte er als Seelsorger in Tostedt gewirkt, von 1874 bis187 6 in Egestorf, danach in Suhlendorf. In Stapel blieb er bis zu seiner Pensionierung

1 91 3. Er gründete den heute noch bestehenden Posaunenchor. Rautenberg war in jenen [ahren auch Lokalschulinspektor, was in

preußischer Zeit bedeutete, daß er im Auftrag der preußischen Regierung die Schulaufsicht ausübte. Vor-

gänger von Lehrer Beecken war seit 1882 Wilhelm Thies gewesen.

56 Im Iahre 1895 begann der Lehrer Hermann Oberdieck seine berufliche Tätigkeit in Wilkenstorf. Acht [ahre unterrichtete er die Kinder in der kleinen Schule. Schon damals war er oft unterwegs und skizzierte die Landschaft an der Elbe und hinter dem Deich. Am 11 . Mai 1 875 war er als Sohn des Lehrers in Wendhausengeboren.1891 schickte ihn sein Vater auf die Präparandenanstalt in Lüneburg, von 1892 bis 1895 besuchte er das dortige Lehrerseminar. 1903 verließ er Wilkenstorf und ging nach Bardowick. Als Lehrer, Kantor und Organist an St. Nikolai war er hier tätig, vor allem aber wurde

er als Zeichner und Maler bekannt. Bald gehörte er zur Künstlerkolonie um Hugo Friedrich Hartmann, zählte auch zum Schüttingbund. Allzu früh starb er am 27. [anuar 1928. Sein künstlerisches Werk wurde bei der Räumung Bardowicks 1945/46 zum größten Teil vernichtet. Sein Selbstbildnis blieb erhalten.

57 Von Berufwar er Postbeamter, trat aber schon mit 25 Jahren in den Ruhestand. 1909 endete sein Leben, als er bei einem Bootsunglück auf der Elbe ertrank. Da war er gerade 39. Heute kenrit man seinen Namen kaum noch. Geboren wurde Wilhelm Keetz 1870 in Strachau. Mehr als sein Beruf interessierten ihn heimatkundliche und historische Probleme. Und er schrieb gern, auch wenn nur zum Zeitvertreib. Mit Friedrich Freudenthal und Hermann Löns gründete er in Lüneburg den Schüttingbund, der Schriftsteller und bildende Künstler unterstützen wollte. Er selber, ver-

heiratet und Vater von drei Kindern, arbeitete als Archivar in Celle, als Konservator in Hamburg, assistierte bei Ausgrabungen und schrieb für Zeitungen. Begraben liegt Keetz in Hitzacker, wo auch eine Straße an ihn erinnert.

58 Ob in Bohnenburg, wie man bei dem Namen vermuten könnte, eine Burg gestanden hat, läßt sich wohl nicht nachweisen. Im Lüneburger Heimatbuch von 192 7 bezeichnet H. Karstens den Ort als richtiges Fischerdorf. Im einstigen lauenburgischen Amt Neuhaus gehörte er zur Vogtei Pinau und kirchlich zu Tripkau. Bis 1 711 bestand hier ein herrschaftliches Vorwerk, das den Namen Franzthal führte. Sein Verwalter hatte damals die Tripkauer Wassermühle gepachtet. Später, als die Krainke 1845 begradigt wurde, verlor sie ihre Bedeutung und wurde abgebrochen. Um diese Zeit (1853) hatte Bohnenburg 252 Einwohner; 1905 zählte man 1 55; 1 93 9 war ihre Zahl auf 115 gesunken. Damals lag am Deich die Gast-

wirtschaft von [ohann Schluck. Eine Schule hatte das Dorf nicht. Die Kinder gingen zum Unterricht nach Wilkenstorf.

Gastwirtschaft v Johann SchluCK Bohnenbura Poet.Dömrïz, a/dElbe

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