Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Günther Hagen
Gemeinde
:   Amt Neuhaus
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6670-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Amt Neuhaus in alten Ansichten Band 2'

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59 Hinter dem Deich liegen die Bauernhöfe von Pommau. Rechts blieken wir auf das Vorland und die Elbe. Einst gehörten zwei Hausstellen zum Kirchspiel Bahrendorf auf der anderen Seite des Flusses, zehn Gehöfte aber zumAmt Neuhaus. 1853 lebten in dem Dorf ( damals noch gegliedert in Pommau 1 und Pommau 2) 111 Menschen; 1905 war ihre Zahl auf 77 zurückgegangen. Die alte Luftaufnahme zeigt uns hinter den Höfen die Chaussee von Vockfey und dem heute völlig verschwundenen Kolepant;

sie biegt im rechten Winkel ab an der Stelle, wo ein Weg an den Deich führt.

60 Einer der Höfe in Pommau gehörte Wilhelm Rieeken. Die Aufnahme zeigt ihn zu einer Zeit, als idyllische Ruhe am Elbdeich herrschte, die Menschen

ihrer Arbeit nachgingen und ihr Anwesen immer in gutem Zustand zu erhalten suchten, um es dereinst der nachfolgenden Generation zu übergeben. Wilhelm

Riecken fiel im Krieg. Man hatte die ersten schweren Nachkriegsjahre überstanden. Dann kam 1952 die Aussiedlung der Familie. Innerhalb weniger Stunden

mußte man den Hof verlassen. Von ihm blieb nichts; er wurde niedergerissen. Nichts erinnert mehr an ihn.

61 Natürlich hatten fast alle, die so brutal aus ihren Heimatdörfern herausgerissen wurden, die Hoffnung, daß sie bald auf ihre Höfe und in ihre Wohnungen zurückkehren könnten. Nur

ganz wenigen war das vergönnt. Inzwischen sind dreißig bis vierzig [ahre vergangen, die Älteren sind zumeist verstorben. Die noch Lebenden und die Erben finden oft genug die

Häuser und Gehöfte der Familie nicht mehr vor, denn in den Elbdörfern ' ... sind viele Gebäude abgerissen und eingeebnet worden' (Werner Hüls, Vom Darzing zur GemeindeAmt Neuhaus; Lü-

neburg 1996,S. 77).Vom Dorf Kolepant blieb allein das Transformatorenhäuschen stehen. Kein für diesen Terror Verantwortlicher wurde bis heute zur Rechenschaft gezogen.

62 Kolepant besaß nach Manecke vier Hausstellen und gehörte zum Amt Hitzacker auf der anderen Elbseite. Erst 1885 wurde

der kleine Ort Bestandteil des Kreises Bleckede und seit 1 932 des Kreises Lüneburg. 1853 zählte man 43 Einwohner, 1905 nur noch

28. Im Iahre 1929 kam Kolepant zu Vockfey. Einer der Höfe befand sich seit Generationen im Besitz der Familie Riecken. Bis 1923 sah

er so aus, wie diese alte Aufnahme ihn zeigt.

63 Der 11. September 1925 war ein bedeutender Tag am Elbdeich in Kolepant: Gustav Riecken heiratete Henny Vertein. Das Brautpaar und die geladenen Gäste fuhren mit Kutschen zurTrauung in die Marienkirche in Stapel. Da gab es seit kurzem einen neuen Pastor. Für Pastor Mirow, der im Februar versetzt worden war, nahm sein Nachfolger, Pastor Arfken, den feierlichen Akt vor. Auf der Diele des Bauernhauses nahmen die Gäste zum Festmahl die Plätze ein. Einer Suppe mit Einlage folgte eine Pastete; danach gab es Steinbutt mit Butter, dann Filet mit Gemüse, als nächsten Gang Reh- und Kalbsbraten. Zum Abschluß reichte man Eis, Butter und Käse und einen Mokka. Und dazu spielte die Kapelle König aus Neu-

haus. Die Musikfolge wies zehn Stücke auf; das Programm ist auf der Tischkarte überliefert.

64 Im 19. Jahrhundert vollzog sich infolge der immer stärker einsetzenden Industrialisierung auch ein Wandel im landwirtschaftlichen Bereich. Hatten

1816 etwa 25 Millionen Menschen in Deutschland gelebt, so verdoppelte sich ihre Zahl bis 1890. Dabei ging der Anteil der Landbevölkerung immer mehr zurück: 1871 betrug er 65 Prozent, um 1900 nur noch knapp 45 Prozent. Die Bauern hatten also im Laufe dieser Zeit bei ständig abnehmenden Arbeitskräften auf dem Lande die doppelte Zahl Menschen zu ernähren. Diese Verhältnisse zwangen sie zur Mechanisierung ihrer Arbeit, zum Einsatz von Maschinen. Diese kamen anfangs vor allem aus England. Bald aber entwickelte sich eine solche Industrie auch in

Deutschland. Gustav Riecken in Kolepant, Jahrgang 1900, erntet sein Getreide mit einem Flügelrnäher, der

noch von Pferden gezogen wird.

65 ImAltervonzweiJahren sitzt der Sohn von Gustav Riecken, zum Unterschied zu seinem Vater immer nur Guschi genannt, hoch auf dem Pferd und guckt mutig in die Kamera des Fotografen. Wie es sich damals gehörte, ging das nicht ohne Kopfbedeckung. Wer als Kind auf einem Bauernhof aufwuchs, hatte auch zum Vieh eine enge Beziehung, besonders zum Pferd.

66 Bei dem Umbau stürzte Gustav Riecken vom Gerüst und trug tödliche Verletzungen davon. Die Folge:

Der Besitz kam in andere Hände. Am Ende des Zweiten Weltkrieges eroberten

Anfang Mai amerikanische Truppen das Amt Neuhaus, zogen sich aber wieder zurück und überließen das Gebiet dem sowjetischen Einfluß. So kamen am 1. Juli russische Truppen. Die

Demarkationslinie wurde zur Zonengrenze. Im Mai

1 952 entstand ein 5 km breites Sperrgebiet. Die Elbdörfer blieben bis zum 13. November 1989 in diesem streng bewachten Streifen.

Im Iuni 1952 und im Oktober 1961 wurden aus 21 Dörfern 68 Familien mit rund 250 Personen aus ihren Besitzungen ausgewiesen.

67 Im breiten Urstromtal der Elbe, deren Deiche im Amt Neuhaus eine Länge von 74 km haben, entstanden einst dort Seen, wo das abfließende Wasser auf Moränen stieß. Der Fluß veränderte so immer wieder seinen Lauf; Altwasser und Bracks bildeten sich. Erst mit dem Bau von Deichen im 13. Jahrhundert hörten diese Verlagerungen auf. Doch bei Überschwemmungen und Deichbrüchen blieben Strudellöcher und Kolke zurück. Dennoch siedelten sich die Menschen in der fruchtbaren Talaue hinter den Deichen an. Reihendörfer wie Bohnenburg und Wilkenstorf entstanden, auch Laake mit seinem

reizvollen See, auf dem im Sommer See- und Teichrosen blühen. 45 [ahre war dieses Gebiet abgesperrt, die Elbe eine unüberwindliche Grenze. Seit der Wende verkehren wieder

Fähren. Viele Bewohner wünschen sich eine Brücke. Als die Karte um 1900 entstand, ahnte niemand, was an diesem Fluß einmal für ein Unheil entstehen würde.

Blick über die Eibe mrt Pcaldarnpfer,

68 Darchau, 1360 urkundlich erstmals erwähnt, ist ein alter Fährort. Einst besaß die Familie von Rautenkranz nicht nur die Fährgerechtigkeit, sondern stellte auch den Schulzen, führte die Deichaufsicht und nahm den Zoll ein. Als im März 1888 der Deich brach, wurde auch die Rautenkranzsche Stelle zu Grunde gerichtet. Die Fähre war verbunden mit dem wichtigen Weg von Bleckede über Barskamp, van Darchau führte seit etwa 1860 die Straße nach Neuhaus und dann weiter nach Lübtheen. Kirchlich gehörte

das Dorf immer zu Stapel. 1945 endete die Verbindung nach drüben; die Elbe

wurde zur Grenze. Erst die Wende brachte die Öffnung nach allen Seiten. Bei Rautenkranz kann man seitdem einkehren zu einer Tasse Kaffee und zu selbstgebakkenem Kuchen. Die Post-

karte stammt übrigens aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und wurde von A. Müller, Schwarzenbek, verlegt.

Gastwirtschaft oen F. Raufenkranz.

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