Arnsberg in alten Ansichten

Arnsberg in alten Ansichten

Autor
:   Heike Schmidt
Gemeinde
:   Arnsberg
Bundesland
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4944-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

Lieferzeit: 2-3 Wochen (unverbindlich). Der gezeigte Umschlag kann abweichen.

   


Auszüge aus dem Buch 'Arnsberg in alten Ansichten'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

AL T -ARNSBERG

9. Der Fotograf muß sich ungefähr vor dem Laden von 'Böhms Fidelchen', einem bis heute liebevoll gepflegten Fachwerkhaus an der Hallenstraße, postiert haben, um den Altstadtwinkel im Dezember 1900 einzufangen. In den Auslagen der Buchbinderei (links) werden neben Heiligenfiguren und Literatur auch Feuerwerkskörper zu Silvester angeboten - genau wie heutzutage! Die abgebildete Passage existiert längst nicht mehr; 1905 mußte sie dem Anbau des Rathauses weichen, dessen ursprüngliche Rückfront rechts zu erkennen ist. Typisch das Nebeneinander von verputzten Fassaden, Schieferverkleidung und Fachwerk.

10. Beinahe unverändert läßt sich dieser malerische Altstadtwinkel noch entdecken. An dem winzigen Haus rechts wurde mittlerweile das Fachwerk freigelegt. Auch am dahinter liegenden Bau des Landpfennigmeisters Honningh kommt die Fachwerkfassade seit einigen Jahren wieder zur Geltung. Es zählt mit dem benachbarten Gebäude des kurfürstlichen Oberjägermeisters von Weichs zu einer Reihe von stattlichen Bürgerhäusern, die nach dem großen Brand 1600 errichtet wurden und bis in unsere Tage ihre typische Eigenart bewahren konnten. Der Glockenturm bewacht seit Urzeiten die Stadtkapelle St. Georg (von 1323), die dem ehemaligen Kloster Wedinghausen unterstellt war. Im Volksmund wurde die Kapelle stets nur der 'Tempel' genannt. Einige Straßenbezeichnungen, wie z.B. 'Unterm Tempel', erinnern noch heute an diesen volkstürmlichen Beinamen (um 1890).

11. Über die Schloßstraße - sozusagen die 'Keimzelle' der mittelalterlichen Stadtentwicklung - zogen schon Generationen von Menschen den Schloßberg hinauf. Sind es heute die alljährlichen Freunde des Ruinenfestes, die zur Burganlage strömen, so ritten vor Jahrhunderten Grafen und Kurfürsten mit ihrem Gefolge über die einzige Verbindungsstraße zwischen Glockenturm und Schloß. Eng verlaufen die Gassen, klein und nah nebeneinander stehen die Häuser, die die Altstadt zu einem einheitlichen Gefüge verschmelzen lassen. Nicht für Autos, sondern für Handwagen und Pferdefuhrwerke waren die Gassen angelegt, die größtenteils ihre Ursprünglichkeit beibehalten konnten. Besondere Erwähnung verdient auf der rechten Seite das vierte Haus im Hintergrund: ein seltenes Foto des SchulflügeIs der ehemaligen jüdischen Synagoge (um 1900).

12. Der Arnsberger Oberfreistuhl1928. Im Jahr 1174 findet die Freigerichtsstätte ' ... in dem Baumhofe unter der Burg an der Oleypforte .. .' erstmalig Erwähnung. Unter dem Vorsitz des Gerichtsherren, des Grafen von Arnsberg oder seines Beauftragten, wurde hier Recht gesprochen. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich unter den Kölner Kurfürsten die Arnsberger Gerichtsstätte zum 'Oberfreistuhl' , dessen Einfluß sich zeitweise über das gesamte Deutsche Reich erstreckte. Die Insignien der hohen Gerichtsbarkelt - ein weidengeflochtener Strick und ein auf dem Tisch eingelassenes Schwert - sowie die rätselhafte Femelosung 'Strick, Stein, Gras, Grein' sollen den Betrachter des neugestalteten Freistuhls an die vergangene Zeit der Feme erinnern.

13. Ende des 18. Jahrhunderts ließen die Westfälischen Landstände ein großes Zuchthaus errichten. Als Baumaterial dienten die Steine des 1762 zerstörten Schlosses. Doch wurde das Gebäude nur vorübergehend von seinen unfreiwilligen Bewohnern belegt. 1803 zogen hessische Soldaten in den unvollendeten Bau ein. 1816 wußte Freiherr von Vincke die Vorzüge des Anwesens für die preußischen Beamten zu nutzen. Über 100 Jahre gewährte das königliche Regierungsgebäude den Beamten Unterkunft. Mit Vinckes Entscheidung wurde die Tradition Arnsbergs als Verwaltungsstadt des Regierungsbezirks manifestiert und die Basis für ein modernes Verwaltungszentrum im Sauerland geschaffen. Mittlerweile ist das Domizil (heute Verwaltungsgericht) arg vom Alter gebeutelt und mußte dem Verkehr Tribut zollen: Die Grünanlagen auf dieser Teilansicht um 1890 wiehen einem nüchternen Parkplatz.

ARNSBERG. Cheusseestreße

14. Die ehemalige Chausseestraße (heutige Jägerstraße) stellt eine der ältesten Verbindungen zwischen Hüsten und Amsberg her. Bereits 1809 wurde die Straße auf Anordnung der hessischen Regierung bis zum Mühlentor befestigt und bebaut. Weiter zog sich der Verkehr dann durch die enge Altstadt, über den Alten Markt und den unwegsamen Lindenberg wieder herunter in Richtung Meschede. Nach dem Brand von 1799 wurden nur solchen Bauherren Grundstücke an der Jägerstraße zugewiesen, die größere, solide Häuser für 'beruchte' Bürger planten. Fast ohne Unterschied stellt sich heute diese 1913 fotografierte Passage vor. Lediglich das kleine, weiße Haus in der Bildrnitte mußte infolge der Straßenverbreiterungen abgerissen werden. Das große Haus rechts ziert wieder eine schmucke Fachwerkfassade.

15. Eine Teilansicht der Jägerstraße bietet diese Aufnahme aus dem Jahr 1893 mit der Restauration W. Knothe, dem späteren Gasthof Leifert (Jägerstraße 28). Bis in die 1970er Jahre wurde in Leiferts Festsälen so manche Feier veranstaltet. Ursprünglich errichtete der Landmesser F. Wulff das Gebäude. Er entwarf nach dem großen Brand von 1799 einen konkreten Plan für den Wiederaufbau, der sowohl die Neuanlage von Straßen als auch die Größe der Bauplätze reglementierte. Seine Konzeption wurde im 19. Jahrhundert richtungsweisend. Sozusagen eine 'Zweigstelle' des großen Postamtes am Neumarkt ist auf diesem Bild in der Mitte festgehalten: die Postanweisungsrechnungsstelle des Postamtes Arnsberg, die etwa zwischen 1890 und 1896 an der Jägerstraße eingerichtet war. Die damals üblichen Freitreppen fielen den Straßenerweiterungen zum Opfer.

ALT ARNSBERG IX.

Partie am MQhlengraben

16. Der Mühlengraben war für Amsbergs Industrie von entscheidender Bedeutung, lieferte er doch die dringend benötigte Wasserenergie für die Mühlen des Klosters Wedinghausen und der Stadt. Im 19. Jahrhundert siedelten sich an seinem Verlauf kleine Betriebe an, die seine Wasserkraft zu nutzen verstanden. Dieser Ausschnitt vor 1900 zeigt die Rückfronten einiger Häuser an der Jägerstraße unterhalb der alten Regierung, wo der Mühlengraben besonders nah an der Stadtmauer entlangfließt. Manche Überreste von ihr sind noch erkennbar. Anschaulich wird die Lebensweise der Bürger illustriert: Kein Haus, an das sich nicht mindestens ein Schuppen oder Stall anschließt! Obst- und Gemüsegärten sowie Viehhaltung bildeten für viele Arnsberger Familien eine wichtige Existenzgrundlage.

17. Die Ansicht um 1900 vom zum Viadukt führenden Eisenbahndamm aus gibt in südlicher Richtung rechts den Blick in die Obereimerstraße frei. Die Bombardierung des Viadukts im Zweiten Weltkrieg hat besonders diesem Stadtteil starken Schaden zugefügt. Ein großer Teil der Häuser existiert nicht mehr. Im Hintergrund fällt der Turm der Propsteikirche auf und davor der nordwestliche Flügel der alten Regierung. Links überragt der Glockenturm unübersehbar den Altstadtrücken. Das Entdecken von Limps- und Grünem Turm erfordert jedoch schon genaueres Hinsehen. Die Einfriedung des Altstadtbereichs durch die mittelalterliche Stadtmauer hebt sich scharf aus den kahlen Gärten und Wiesen heraus.

AR SBERG i. W.

18. Aus der Vogelperspektive des Glockenturms schweift der Bliek über die Häuser am Steinweg, den Neumarkt, die Klosterstraße entlang bis zum Kloster Wedinghausen, dann zum Kurhotel und zur weit außerhalb der Stadt, auf einer Anhöhe gelegenen Villa Seibertz, dem heutigen SGV - Jugendhof. Links ragt der zinnengeschmückte 'Groten Turm' aus dem Dächermeer heraus; während auf der rechten Seite im Vordergrund das Walmdach des Rathauses, im Hintergrund die evangelische Kirche und die Rückfront der Post wahrnehmbar sind. Sowohl die Gaslaternen am Steinweg als auch die 'Kabelbäume' auf den Dächern mancher Häuser signalisieren bereits vor 1911 als Vorboten von Telefonverbindungen und Elektrifizierung die Aufgeschlossenheit der Arnsberger Bürger dem Fortschritt gegenüber.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Kolophon | Privacy | Haftungsausschluss | Lieferbedingungen | © 2009 - 2019 Europäische Bibliothek Verlag