Arnsberg in alten Ansichten

Arnsberg in alten Ansichten

Autor
:   Heike Schmidt
Gemeinde
:   Arnsberg
Bundesland
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4944-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Arnsberg in alten Ansichten'

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Total von Süd-Ost - Arnsberg i. W.

49. Da die heimische Industrie nicht gerade zu den Hoffnungsträgern der Stadt zählte, konnte die Gründung der 'Ruhrwerke' als besonderer Glücksfall angesehen werden. Begünstigt durch den nahen Waldreichtum und die Wasserkraft der Ruhr ging das Werk anstelle der zuerst geplanten Karbiderzeugung schnell zur Herstellung von Holzstoffen, später Kartonagen über. 1919 drohte das von der Reisholz AG übernommene Industrieunternehmen zu scheitern, da die Verkehrswege zwischen Bahnhof und Werk miserabel waren. Schließlich einigten sich Stadt und Gesellschaft über einen Gleisanschluß durch die Bahnhofstraße. Die über Jahrzehnte zum Stadtbild gehörende feuerlose Dampflokomotive leitete eine neue Expansionsphase ein. Aus diesem Werk ging die heutige 'Feldmühle' hervor. Einst weit außerhalb des Stadtkerns gegründet, wird sie nun von Wohnhäusern umschlossen (um 1900).

50. Diese vom Turm der Propsteikirche 1893 aufgenommene Perspektive zeigt im Vordergrund die Klosterstraße, einmündend in Neumarkt mit Steinweg. Leitet man den Bliek vom Schloßberg (damals noch mit Nadelwald bestanden) und Schloßruine ausgehend nach rechts abwärts, so sind zu erkennen: der Glockenturm mit der nebenliegenden Stadtkapelle, der Südgiebel des Dückerschen Hauses (als Hospital genutzt), das Gesellen- bzw. Kolpinghaus und - etwas tiefer - der Landsberger Hof. Rechts im Hintergrund, weit außerhalb der Stadt liegen der Bahnhof und die Eisenbahnbetriebswerkstätten. Das Flußbett der Ruhr ist noch nicht reguliert und läßt ahnen, welch ein hohes Risiko Bürger auf sich nahmen, die beabsichtigten, an ihren Ufern sich anzusiedeln.

Arnsberg.

An der Klosterbrücke.

51. Mit dem Gebiet um die Klosterbrücke verknüpfte sich für die Stadt jahrzehntelang ein unerfreuliches Kapitel: Bekam man zunächst die regelmäßigen Überschwemmungen in dem sumpfigen Gelände nicht in den Griff, so war auch die Baufälligkeit der Brücke selbst eine Quelle ständigen Argers. Eine entscheidende Verbesserung der Verkehrssituation konnte durch den Neubau der Klosterbrücke 1869170 erzielt werden. Die massive Brücke verband von nun an den alten mit dem neu entstehenden Stadtteil sowie dem lukrativ werdenden Gebiet rund um den Bahnhof. Im Vordergrund des Bildes wurde ein für heutige Zeiten fast unglaubliches Stück Geschichte festgehalten: Eine Frau wäscht, wie damals üblich, ihre schmutzige Wäsche im Fluß. Und offensichtlich wurde sie um 1900 im Ruhrwasser auch noch sauber!

52. Die zweite Version der Klosterbrücke wurde um 1890 von der heutigen Bömerstraße aus aufgenommen. Die leicht abschüssige, relativ breite Fahrbahn zieht sich bis zum Brückenplatz hin, der links an der früheren Villa des Fabrikanten Josef Cosack (1850 erbaut), der jetzigen Handwerkskammer, beginnt. Im Vordergrund zweigt links die Ruhrstraße in Richtung Uentrop ab. Rechts verläuft die Promenade. Das Eckhaus wurde umgebaut. Zur Zeit hat ein Fotograf in den Räumlichkeiten sein Geschäft eingerichtet. Noch völlig unbebaut stellt sich im Hintergrund Arnsbergs Umgebung dar. Soweit das Auge reicht ziehen sich Wiesen, Äcker und Waldflächen an den Hügeln entlang. Es ist kaum vorstellbar, daß mit diesen 'bescheidenen' Anfängen der Schritt zur Gründung eines großen, neuen Stadtteils vollzogen werden sollte.

Arnsberg i. W.

Kgi. Landgericht.

53. Berlins Federführung und Schinkels zukunftsorientierter Bauplanung verdankt die Stadt eines der schönsten Exponate klassizistischer Stilgebung: das Landgericht am Brückenplatz (Bauphase: 1838 bis 1844). Gegen die Einwände der höheren Beamten, die den weiten Weg von der (Alt)Stadt zum Gericht beklagten, die Nähe von Pferdeschwemme und -tränke an der Ruhr als 'unwürdig' und die Nachbarschaft einer Schule als störend empfanden, entstand eines der imposantesten Gebäude. Mit dem Bau des Landgerichts verfestigte sich Arnsbergs Ruf als Regierungsstadt. Und wenn auch in den nachfolgenden Jahrzehnten die Existenz der Gerichte durch konkurrierende Städte, Reformpläne oder Sparmaßnahmen wieder und wieder gefährdet war, so mobilisierte die Stadt doch alle Kräfte, um die Justizbehörden zu behalten (vor 1890).

54.155. Der Buchhändler und Amateurfotograf B. Roselieb war ein eifriger Produzent von heute oft einmaligen Ansichten Arnsbergs. Ihm verdanken wir auch dieses 1921 wahrscheinlich vom Schornstein der Feldmühle aus entstandene Panorama. Detailliert läßt sich daran die damalige 'Zersiedelung der Landschaft' verdeutlichen. Das Fehlen eines strengen Bebauungsreglements sollte sich als Nachteil erweisen, denn die zunehmende Liberalisierung hatte für den Städtebau negative Konsequenzen. Mit der Streubebauung bis weit in die Außenbereiche konnte eine geregelte infrastrukturelle Erschließung unmöglich Schritt halten. Billiges Bauland außerhalb der Stadt forcierte diesen Trend. Eindeutig bildet der Altstadtrücken den Siedlungsschwerpunkt, wohingegen die Neustadtbebauung fast konzeptlos wirkt. Lediglich die Hellefelder Straße und der Brückenplatz demonstrieren

Geschlossenheit. Die schnurgerade Bahnhofstraße führt direkt auf Bahnhof und Eisenbahnbetriebswerkstätten zu. Deutlich erkennbar sind bereits die Grafenstraße und die Vinckestraße, während Rumbecker Straße, Zum Schützenhof und Haarstraße als schmale Feldwege ausgewiesen sind. Auffallend wenig Industriebetriebe und Fabrikschlote wie zum Beispiel der Druckerei F.W. Becker oder der Brauerei Höynck kennzeichnen die Struktur dieser im Wachsen begriffenen Stadt. Am Lüsenberg sind als markante Gebäude Krankenhaus und Lehrerinnenseminar zu nennen. Am rechten Bildrand sind Präparandie und Lehrerseminar gerade noch ausfindig zu machen.

)rnsberg i. W. - Capelle auf dern lreuzberg

56. Circa 1860 gründete sich ein Kommitee, um die Anlage eines neuen Kreuzwegs zu fördern. Nach reiflichen Überlegungen fiel eine Entscheidung zugunsten des Römbergs, auf dem traditionsgemäß alljährlich das Osterfeuer entzündet wurde. Seinen krönenden Abschluß erhielt das kostspielige Unterfangen 1868 mit dem Bau der Kreuzkapelle nach einem Entwurf des Architekten Karl Elis. Das kleine Gotteshaus - hier eine Ansicht um 1907 - bildete von nun an die Endstation des Kreuzwegs und sollte gleichzeitig vor schlechtem Wetter Schutz bieten. 1989 wurde der Kreuzkapelle durch intensive Restaurierungsarbeiten wieder zu neuem Glanz verholfen. Auch in unserer Zeit zieht nach altem Brauch jedes Jahr ein langer Fackelzug von Arnsberg den Kreuzberg hinauf, um mit Feuerwerk und Glockengeläut das Entzünden des Osterfeuers mitzuerleben.

57. Ein heimiseher Brauch zum höchsten Kirchenfest des Jahres besteht im Abbrennen des Osterfeuers. Eigentlich ist diese beliebte Sitte seit 200 Jahren durch Kurfürst Maximilian Franz verboten. Doch die Arnsberger kümmerten sich wenig um den Erlaß, und die Polizei übersah stillschweigend die Übeltäter. Das Aufschichten von über 3 500 Reisigbündeln ist keine Kleinigkeit, denn der aufzurichtende Holzstoß wird rund 11 Meter hoch. Gab es bis 1929 einen richtigen Osterfeuerverein, so liegt heute die Organisation in Händen des Heimatbundes. Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Feierlichkeiten zum Osterfeuer immer weiter gesteigert. Gesangvereine, Blasmusik und ein Feuerwerk umrahmen den uralten Osterfeuerbrauch (um 1920).

58. Vieles ließe sich vom Schloß - einst Wahrzeichen und Relikt gräflicher und kurkölnischer Herrschaft - berichten. War das Schloß ehemals Symbol mittelalterlicher Fehden und militärischer Stützpunkt, um danach als Lust- und Jagdschloß einer übersteigerten Prachtentfaltung zu dienen, so endete es schließlich 1762 in Schutt und Asche. Für die Zukunft der Stadt von immenser Bedeutung war die Freigabe der Ruine als Steinbruch (vgl.: 13. 'Alte Regierung'). Im 19. und 20. Jahrhundert schließlich wurde der Schloßberg zum Ausflugsziel für Spaziergänger und zum Spielplatz für Kinder. Immer größere Teile der ehemaligen Schloßanlage mußten wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Endlich griffen 1967 einige Heimatfreunde zur Selbsthilfe: Das Ruinenfest wurde ins Leben gerufen. Dank dessen Erlös gelang und gelingt es, einzelne Teile des Schloßkomplexes zu rekonstruieren und zu restaurieren.

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