Arnsberg in alten Ansichten

Arnsberg in alten Ansichten

Autor
:   Heike Schmidt
Gemeinde
:   Arnsberg
Bundesland
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4944-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Arnsberg in alten Ansichten'

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59. Die Schloßruine hinterläßt nur eine vage Vorstellung der Dimension des ehemals mächtigen Prachtbaus, unter dessen Schutz sich die Menschen am Fuße der Schloßanlage einst ansiedelten. Der rekonstruierte Knappensaal strahlt heute die Atmosphäre mittelalterlicher Lebensgewohnheiten aus. Der Ostturm, renoviert durch den Schützenverein, lädt heutzutage zu Feiern im zünftigen Stil ein. Wer dagegen das Geheimnisvolle liebt, begibt sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Gang, der angeblich eine Verbindung zwischen dem Schloß des Kurfürsten und dem Hof der Gertrud von Plettenberg herstellt. Seit jener Zeit, als die Jungfer Gertrud plötzlich eines gewaltsamen Todes gestorben sein soll, könne man ihren Geist seufzend und schlüsseJklirrend die Räume des Landsberger Hofes durcheilen sehen. Dann verschwinde sie in dem unterirdischen Gang, um anschließend auf dem Schloßberg umherzuwandeln (um 1925).

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60. In Ermangelung einer florierenden Industrie förderte Arnsberg einen anderen Wirtschaftszweig: den Fremdenverkehr. Mit Elan verfolgte die Stadt das Ziel, den Status eines Luftkurorts zu erlangen. In derTat stieg die Zahl der Gäste beständig an, so daß sich ein Pensionsbetrieb wie das 'Kurhaus Eichho!Z' lohnte. Die reizvolle Anlage an der Promenade - hier eine Postkarte um 1914 - wurde später in 'Parkhotel' umbenannt. Abrupt wurde der vielversprechende Aufschwung durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Aber um 1925 konnte an alte Erfolge wieder angeknüpft werden. Arnsberg schaffte es, als Luftkurort anerkannt zu werden. Sogar ein Kneipparzt konnte sich etablieren. Die rosigen Zeiten hielten jedoch nicht an. Heute bietet das 'Parkhotel' einer Schule, einem Künstlerverein und der Geschäftsstelle des Turnvereins Unterkunft.

61. Eine Belebung des Fremdenverkehrs versprach sich die Stadt vom Bau eines Kurhotels (Bauphasen: 1902 und 1907). Das hoch auf dem Klosterberg gelegene Kurhotel bot einen weiten Ausblick ins Tal. Umgekehrt reizte anfangs die eigenwillige Architektur dieses unübersehbaren Bauwerks die Arnsberger zu heftiger Kritik. Durch die 'Sommerfrischler' gedieh das Hotel zunächst glänzend. Nach 1914 wurde es in verschiedenen Notsituationen zweckentfremdet. Erst 1924 konnte ein Hotelbetrieb wieder aufgenommen werden. Da sich die Stadt, als Eigentümerin der Anlage, nicht dazu durchringen konnte, die für ein 'Kneipp-Kurhotel' notwendigen Einrichtungen zu finanzieren und notwendige Modernisierungen durchzuführen, wurde es immer ruhiger um das Hotel. Nach 1945 in Privatbesitz übergegangen, erlebte es einen neuen Aufschwung. Doch seit Mitte der siebziger Jahre war seine weitere Existenz wieder in Frage gestellt. 1987/ 88 wurde es zu einem Seniorenwohnheim umgestaltet.

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62. Seit alters her verbinden sich mit dem Begriff 'Seufzertal' nicht nur Ruhe und Erholung für Wanderfreunde. Einst war das rauhe und unwirtliche Walpketal - wie es ursprünglich hieß - Verbannungsort für die von Lepra und Pest gezeichneten Kranken. Sie wurden aus Angst vor Ansteckungen aus der Gemeinschaft ausgestoßen und mußten hier auf ihren nahenden Tod warten. Familienmitglieder durften sich nur bis zum Eingang des Tals vorwagen, um dort notwendige Lebensmittel zu deponieren und sich aus der sicheren Distanz mit den Infizierten zu unterhalten. Von allen Angehörigen verlassen und für immer aus der Stadt gewiesen, waren diese kranken Menschen auf sich allein gestellt. Seufzend und klagend trugen sie ihr grausames Los. Und seit jener Zeit nennen die Leute diesen Ort das 'Seufzertal' .

63. Das Kreishaus um 1904. Den historisierenden Neubau des Kreisverwaltungsgebäudes regte der damalige Landrat Franz Dröge an. Es wurde am 8. Oktober 1902 feierlich eingeweiht und verfügte schon über den bemerkenswerten Komfort einer zentralen Warmwasserbeheizung sowie Gasbeleuchtung. Kurz vor Kriegsende, am 10. März 1945, wurde das repräsentative Gebäude durch feindliche Fliegerangriffe zum größten Teil zerstört. Erst 1950 konnte der Wiederaufbau abgeschlossen werden. Das in schlichterer Form errichtete Domizil an der Eichholzstraße dient nun auch wieder Verwaltungszwecken und wurde später durch einen separaten Neubau ergänzt.

64. Vergebens wird man dieses reizvolle Gebäude im Arnsberger Stadtbild suchen. Dennoch verdient es erwähnt zu werden, bezeugt es doch soziales Engagement in Arnsberg für Kinder aus weniger begütertem Elternhaus. Bis heute besteht das von Landrat Dr. Heinrich Haslinde initiierte Kreiskinderheim auf der Nordseeinsel Norderney. Eingeweiht wurde es am 1. Juni 1921. Durch Krieg und Nachkriegszeit, Erwerbslosigkeit, Wohnungsmangel und Geldentwertung fehlte es oft am Nötigsten. So bildete das Erholungsheim für gesundheitlich angegriffene Kinder aus bedürftigen Familien eine Chance, für wenige Wochen unbeschwerte Ferien zu genießen.

65. 'Wie eine Glucke ihre Küklein behütet.., so gebe diese Herberge Obdach!' Die zitierte Metapher ausgesprochen vom Gründer des deutschen Jugendherbergswerkes Richard Schirrmann 1924 anläßlich der Einweihung der neuen Jugendherberg verlieh ihr den Namen 'die Glucke'. Nur den unermüdlichen Bestrebungen des Pädagogen Julius Rohe ist es zu verdanken, daß die Stadtväter den Bau einer Jugendherberge beschlossen. Zum Standort wurde die Hellefelder Straße erwählt. So nahm die erste, als reiner Zweckbau errichtete Jugendherberge Deutschlands langsam Gestalt an, wobei zahlreiche heimische Jugendgruppen ihre uneigennützige Unterstützung zusicherten. Nach der Kriegszeit verfiel 'die Glucke' zusehends und mußte in den fünfziger Jahren dem Holzlagerplatz der 'Feldmühle' weichen.

66. Beeinflußt durch die Ideale der Romantik entdeckten seit 1850 immer größere Kreise von Wanderfreunden ihre Liebe zur Natur. Eine erste Gruppe sammelte sich um den Lehrer Féaux de Lacroix. Einen eifrigen Unterstützer dieser Idee fand man in dem Forstrat Ernst Ehmsen. Im Mai 1890 erfolgte der Gründungsaufruf zu einem Wanderverein. Ehmsen warb intensiv in der Öffentlichkeit. Und nachdem der Forstrat zu einer Delegiertenversammlung in Hagen aufgerufen hatte, konnte dort am 25. Januar 1891 der Sauerländische Gebirgsverein aus der Taufe gehoben werden. Im März 1893 starb plötzlich der unermüdliche erste Vorsitzende des SGV. In Dankbarkeit für seinen Einsatz wurde Ehmsen 1897 das, ausschließlich aus Spenden finanzierte, Denkmal auf dem Klosterberg erbaut. Um Wanderern, die in der Zukunft das Denkmal besuchen würden, ein Bild des SGV-Gründers zu vermitteln, stiftete die Abteilung Berlin II ein Relief, das 1898 am Denkmal angebracht wurde (um 1900).

67. Die zunächst als Spekulationsobjekt gedachte Villa des Berliner Architekten Seibertz erlebte in den fast neunzig Jahren ihres Bestehens viele Bewohner und Besitzer. 1954 erwarb der SGV die bis dahin als Hilfskrankenhaus eingerichtete Villa. Der SGV kaufte 1956 noch 24000 m2 Grundfläche dazu, so daß am Hasenwinkel ein breiter Riegel entstand, der die weitere Ausdehnung des Baugebietes in den Wald hinein verhinderte. In der einstigen Villa Seibertz richtete der SGV den Jugendhof 'Wilhelm Münker' ein, einen Stützpunkt für die Nachwuchsarbeit. Die Gründungsrichtlinien, für die sich Männer wie Ehmsen und Münker einsetzten, können vor dem Hintergrund unserer von Umweltschäden gezeichneten Landschaft nicht oft genug betont werden: die Schaffung, Erhaltung und Vergrößerung von N atur- und Erholungsgebieten sowie Pflege und Schutz von Natur und Landschaft.

68. Im Jahr 1911, als man sich vor dem 'Haus Tanneck' zum Foto versammelte, konnte die Pensionsfamilie Weber bereits auf 15 Jahre Erfahrung im Gastronomiegewerbe zurückblicken. Und daß man auch damals schon etwas von Werbung verstand, soll die hier zitierte Annonce aus der Broschüre 'Besucht das romantische Amsberg - Luftkurort' belegen: 'Pension Weber - Haus Tanneck - Amsberg gegründet 18% - Inhaber: e.M. Weber - Fernruf 244 - Grosse Besitzung, Balkons, behagliche Zimmer, grosser Speisesaal, vorzügliches Quellwasser, direkt am Hochwald gelegen, anerkannt gute Verpflegung, angenehmer Erholungsaufenthalt. Beste Referenzen. Pensionspreis von 4,50 M an (4 Mahlzeiten).' In den fünfziger Jahren erfolgte die Schließung der Pension Weber. Der Skiklub Sauerland riehtete Tennisplätze auf dem Grundstück Weber an der Sunderner Straße ein. Als Gaststätte wird das 'Haus Tanneck' heute noch weitergeführt.

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