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Auszüge aus dem Buch ''

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9. Als Friedrich Fröbel Mitte Januar 1837 von Keilhau nach Blankenburg übersiedclte, suchte er eine Unterkunft für seine geplante 'Spiel- und Beschäftigungsanstalt' und fand sie im 'Haus über dem Keller' in der Johannisgasse, wo er die Anstalt 1839 eröffnete. Am Haus der späteren Adolf-Wedel-Schule war eine Tafel angebracht, auf der zu lesen war: 'Irn Hause über dem Keller befand sich von 1839 bis 1844 Fröbels Spiel- und Beschäftigungsanstalt. Gestiftet 1919 vom Blankenburger Fröbelverein.' Nach dem Zweiten Weltkrieg war lange Zeit eine Berufsschule der Deutschen Reichsbahn im Haus untergebracht. Seit 1982 befindet sich hier das Fröbelmuseum.

10. Das Schwarzatal war über Jahrhunderte hinweg für die Menschen vor allem aus wirtschaftlicher Sicht interessant. Dabei spielten die Goldwäscherei, die Holzgewinnung, Eisenhämmer, die Köhlerei, Spanndienste , die Jagd, der Olitätenhandel (Heilmittel) und später die Porzellanindustrie eine wichtige Rolle. Viele dieser Erwerbsrnöglichkeiten hatten Ende des vorigen Jahrhunderts keine oder kaum Perspektive. Der einsetzende Fremdenverkehr bot hier eine willkommene Alternative. Gleich hinter dern Tor zum Schwarzatal, gegenüber der Mündung der Werre, stand in alter Zeit ein Försterhaus. Um 1870 wurde das Gasthaus 'Norddeutscher Hof' erbaut. Schon wenige Jahre später, wahrscheinlich nach der Reichsgründung 1871, nannte sich der Gasthof 'Waidrnannsheil' , vermutlich in Beziehung zum Fürstlichen Tiergarten. Wie ähnliche Häuser auch, machte der Gasthof mehrere Ausbaustufen durch, bis zur Einrichtung als Pension und Hotel. Zuletzt wurde 'Waidrnannsheil' als Ferienhotel genutzt.

11. Um 1868 wurde die Schankwirtschaft des Brauers Johann David Kaufmann unter dem Namen 'Zur Harfe' eingetragen. 1911 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion des Restaurants 'Zur Harfe' einschließlich des Baus der Hofgebäude sowie der Toilettenanlagen. Nach 1919 schloß die Wirtschaft und verpachtete die Räume an eine christliche Druckerei, die den Namen 'Harte' übernahm, wie auch die später der Druckerei angeschlossene Buchhandlung. 1921 wurde die Harfe wieder Gaststätte , die Eisa Hübner nach dem Tod ihres Mannes (1929) weiterführte. Die Aufstockung der zweiten Etage des Gebäudes wurde 1937 vorgenommen und die Wirtschaft an Kar! Hölzer bis 1956 verpachtet. Zwischenzeitlich führte Hans-Joachim Hübner mit seiner Ehefrau die Harfe von 1948 bis 1952. Die Konsumgenossenschaft übernahm 1956 die Gaststätte als Pächter. Otto und Änne Krause als erste Wirtsleute sowie Gerhard und Ilse Engel danach prägten das Gesicht des 'Konsum-Stübel', bis nach 33 Jahren die Wirtsleute Wolfgang und Barbara HeB, geborene Hübner, die Familientradition ab 1985 wieder aufleben ließen.

12. Brücken über den Fluß entstanden im Schwarzatal erst nach dem Bau der 'Kunststraße' nach 1800. Zunächst als 'Hürten' für das Tiergatter in einfacher Holzbauweise errichtet, wurden die Brücken am Schweizerhaus und am Kirchfelsen massiv ausgebaut. Während die Brücke am Schweizerhaus auch gelegentlich 'Steinerne Brücke' genannt wurde, prägte sich diese Bezeichnung hauptsächlich für die Brücke unter dem Kirchfelsen ein. Ihre Bauweise trotzte jedem Hochwasser und jeder Eisfahrt. Wie auch bei den anderen Brücken im Schwarzatal, weist der wuchtige Mittelpfeiler derartige Gefahren trotzig ab. Ein Bauwerk, das Jahrhunderte überstanden hätte, wenn nicht die deutsche Wehrmacht Ende des Zweiten Weltkrieges mit der Sprengung der Brücke den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten gedachte. Eine Holzbrücke als provisorischer Ersatz überstand nach dem Krieg keine drei Jahrzehnte. Der Pfeiler in der Flußmitte erinnert heute noch an ein sinnlos zerstörtes einmaliges bauliches Kunstwerk im Schwarzatal.

13. Wo immer man auch in Bad Blankenburg den Bliek zur Burg Greifenstein richtet, sind die sieben Häuser und die große Konferenzhalle des 'Evangelischen Allianzhauses' nicht zu übersehen. Hier finden jährlich viele Menschen in einer christlich, fröhlichen Atmosphäre Entspannung und neue Kräfte. In zwei Häusern fühlen sich nach einem arbeitsreichen Leben Senioren der Stadt geborgen und zuhause. Und jedes Jahr in der letzten Augustwoche wird die Konferenzhalle mit ihren 2 000 Sitzplätzen belebt. Dann nämlich, wenn in Bad Blankenburg die Allianzkonferenz stattfindet. Dann wächst die Einwohnerschaft der kleinen Stadt noch einmal um 5 000 Menschen. Schon 1886 wurde dieses Werk von einer Frau Anna von Wehling begonnen, wuchs aber sehr schnell, so daß es notwendig wurde, eine große Konferenzhalle zu errichten. Dies geschah 1906 unter der Leitung von Ernst Modersohn. Das abgebildete Bauwerk entstand in nicht ganz zehn Wochen. Schon längst ist eine neue Konferenzhalle mit der dreifachen Platzkapazität vonnöten.

14. Aussichtspunkte wurden in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nicht selten mit Türmen bebaut. Auf dem Hainberg südöstlich von Blankenburg stand seit Mitte des vorigen Jahrhunderts der Georgturm. Sein Name weist auf den Fürst Georg hin, ihm zu Ehren war der zunächst hölzerne Turm gebaut worden. Der Hainberg wird 1428 erstrnals erwähnt 'vor deme Hayne'. Unglaublicherweise stürzte der Georgturm genau zur Stunde des Begräbnisses des Fürsten Georg von SchwarzburgRudolstadt am 19. Januar 1890, 12 Uhr mittags zusammen. Als Hainbergturm massivaus Schieferplatten aus dem Schwarzatal wieder als Aussichtsturm und Schutzhaus errichtet, wurde er am 30. August 1903 mit einem Waldfest des Thüringer Waldvereins eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg der amtlichen Interessenlosigkeit ausgesetzt, verfiel er zusehends. Der Überlieferung nach soll er Anfang der fünfziger Jahre von den 'Kurnpels' der Sowjetisch-Deutschen-Aktien-Gesellschaft-Wismut gesprengt worden sein.

15. Den Anschluß des Schwarzburg-Rudolstädter Fürstentums an das 'Eisenbahn-Zeitalter' brachte die Eröffnung der Saalbahn am 1. Mai 1874. Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt war 1870 der einzige thüringische Staat, der noch keine Verbindung zum Eisenbahnnetz besaß. Am 3. April 1871 erteilte die Regierung des Fürstentums die Konzession für Bau und Betrieb der Saalbahn. Die Stadt Blankenburg war damit aber nur tangiert und noch nicht unmittelbar angeschlossen. Neun Jahre später, im Jahre 1884, fuhr der erste Zug zwischen Schwarza und Blankenburg. Die 'Schwarzabahn', als erste Zweigbahn der Saalbahn, wurde am 1. August 1883 eröffnet. Die Baukosten für diese Strecke betrugen 249 252 Mark. Das Bahnhofsgebäude war anfangs eine einfache Baracke, im Jahre 1895 erhielt der Bahnhof sein repräscntatives Empfangsgebäude.

16. Von großer Bedeutung für die Stadt sollte die Eisenbahnlinie Saalfeld-Arnstadt sein, die etappenweise zur Ausführung kam. Zunächst zwischen Arnstadt und Stadtilm fertiggestellt, wurden die Bauarbeiten im Gebiet Stadtilm-Saalfeld in den Jahren 1893 bis 1895 mit großer Intensität durchgeführt. Während die bautechnischen Belange in Verantwortung der Königlichen Eisenbahn-Bauverwaltung lagen, beschäftigten die Blankenburger hauptsächlich damit verbundene Eigentumsfragen an Grundstücken, die durch Streckenführung berührt wurden. Die Eröffnung der Bahn feierte die Stadt ganz groß. Am 2. Dezember 1895 war die Stadt festlich geschmückt. Am Abend zuvor wurde der letzten Pferdepost nach Königsee das Geleit gegeben. Der erste Zug aus Arnstadt, der 1.14 Uhr eintraf, wurde mit 'Musik und Hurra' von einer großen Menschenmenge empfangen. Das Bild zeigt die Überfahrt eines Zuges über die alte Schwarzabrücke , die 1945 von der Wehrmacht gesprengt wurde.

LANKENBURG i. Thg.

Fürst Georg-Denkmal

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17. Während die vorangegangenen Fürsten auf ihrem Weg von Rudolstadt nach Schwarzburg die Stadt Blankenburg oft rechts liegengelassen haben, kehrte Fürst Georg von Schwarzburg-Rudolstadt (1838-1890), Sohn des Fürsten Albert, fast immer in der Stadt ein. Die Stadt lag damals noch abseits vom Weg nach Schwarzburg. So entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der 'Obrigkeit' in der Stadt. Georg war überdies sehr volksverbunden, was manche Anekdote über ihn zu berichten weiß, und Blankenburg soll sein liebster Ort in seinem Fürstentum gewesen sein. Er betrat überdies im deutschfranzösischen Krieg 1871 als erster Offizier die Festung Sedan, in der sich Napoleon III. aufhielt und schließlich dort kapitulierte. Vor allem aber seine Vorliebe für Blankenburg, seine Volkstümlichkeit, veranlaßte die Blankenburger, 1894 mit dem Bau der Georgstraße als einer mit Linden bepflanzten Allee zu beginnen und ihm am Ausgangspunkt ihrer langen Geraden ein Denkmal zusetzen.

18. Zu den ältesten Gebäuden in der Schwarzburger Straße zählt das Haus an der Ecke Schwarzburger-/Mathildenstraße, heute Heinrich-Heine-Straße 1. Hier wurde ein 'Elektrisches Lohtanninbad' nach einem System 'Stanger' unterhalten. Die Heilmethode wurde gegen Gicht und Rheumatismusleiden empfohlen. Besitzer war Max Goslar. Nachfolgender Besitzer wurde der langjährige Bürgerrneister-Stellvertreter Ernst Fischer, der das 'Hotel Schwarzatal' seinem Sohn Clemens übertrug. Ab Juni 1947 pachtete Haus und Grundstück Paul Seele, der bis 1953 eine Konditorei mit Café führte. Er verlegte den Hauseingang von der Heinrich-Heine-Straße in die Schwarzburger Straße, baute die Freiterrasse an und richtete eine Speisegaststätte ein. Im Jahre 1959 übernahm die staatliche Handelsorganisation die Gaststätte. Clemens Fischer schenkte das Haus dem Blindenverband, der es wiederum der HO verkaufte. Lange Jahre war es dann Tanzgaststätte, bis es Anfang 1991 abbrannte.

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