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Auszüge aus dem Buch ''

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19. Die alte Post befand sich in Blankenburg in der Oberen Marktstraße. Ende des vorigen Jahrhunderts wurde jedoch mehr und mehr sichtbar, daß sowohl die Örtlichkeit als auch das Gebäude künftigen Ansprüchen nicht mehr gerecht wurden. Im Juli 1894 befaßte sich der Stadtrat mit dem Neubau eines Postgebäudes. Die abzusehende Ausdehnung der Stadt berücksichtigend, sollte das Gebäude 400 Meter vom unteren Tor im sogenannten Erlenwäldchen gebaut werden. Das Erlenwäldchen lag rechts der heutigen Schwarzburger Straße und zog sich bis zum Fröbeldenkmal hin. Eine Bebauung und den Bahndamm gab es noch nicht. Wegen der 'unangenehmen' Lage waren viele Bürger dagegen, für sie war der Weg von der Stadt zum geplanten Postamt zu weit. Es wurde ein Protestkomitee gebildet, und an die Kaiserliche Oberpostdirektion zu Erfurt wurde eine Petition mit 173 Unterschriften geschickt. Doch noch im selben Jahr entschied sich der Stadtrat für den Bauplatz im Erlenwäldchen.

20. Wie Rudolstadt, hatte auch Blankenburg früher sein Vogelschießen. Die Blankenburger Schützengesellschaft, deren Gründung auf das Jahr 1550 zurückgeht, war einer der aktivsten Vereine der Stadt. Das 'Vogel- und Hauptscheibenschießen' dauerte jeweils eine ganze Woche und fand auf der Lindeninsel am Anger statt. Ermittelt wurden der Schützenkönig und der Vogelkönig. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Saalfeld-Arnstadt verlor der Blankenburger Schützenverein seinen Schießplatz auf der Lindeninsel am Anger. Deshalb wurde 1894 ein 1300 Quadratmeter großes Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Chaussee vom Ökonom Rößig erworben. Hier entstand vor der lahrhundertwende eine Schießhalle. Die heute noch existierende Gaststätte 'Schützenhof' erhielt danach ihren Namen.

Blankenburg in Thur.

21. Zwischen der Blankenburger Altstadt und dem Bahnhof lag vor dem Eisenbahnzeitalter eine große räumlièhe Kluft. Zwischen dem unteren Tor (heute Kreuzung Oberer Sonnenberg, Untere Marktstraße , Untere Mauergasse) und dem Bahnhof lag eine Distanz von etwa 500 Metern. Im Gebiet des heutigen Bahnhofs lag in alter Zeit das Dorf Oberschwarza. Die Bahnhofstraße entstand ab 1885, nachdem der Bahnanschluß nach Schwarza fertiggestellt war. Die Bauten waren für die damalige Zeit modern und ihrem Zweck nach errichtet, sie waren Wohn- und Geschäftshäuser zugleich. Neben anderen waren hier die Likörfabrik Raimund Voigt und Nachfahren, die Spedition Knoblauch, der Bauunternehmer Macheleidt, der Frisörsalon Adrian, die Farbenfabrik Müller und Wohlfahrt und die Buchdruckerei August Mayer auf der linken Straßenseite angesiedelt. Mit dem zunehmenden motorisierten Verkehr verlor die Bahnhofstraße den Charakter einer Promenade, den sie einstmals hatte.

22. Eine ruhige Lage, moderne Zimmer mit kalt- und warmfließendem Wasser, Zentralheizung, Balkon und Garten offerierte einst das Hotel Schellhorn seinen Gästen. Es wurde von Max Schellhorn um 1890 als eines der ersten Gebäude in der Bahnhofstraße erbaut. 1912 verkaufte Schellhorn das Hotel an Sizzo Breternitz. Dessen Sohn Hermann verpachtete es 1937 an 'Jean' Schädlich. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg war im Hotel ein Lazarett untergebracht. Schädlich führte das Hotel bis 1972, dann wurde es an den Gießereianlagenbau und Gußerzeugnisse Leipzig als Betriebserholungsheim verkauft. Bis zum Verkauf wurde das Bieriokal von den Bad Blankenburgern sehr gern aufgesucht.

23. Die Geburtsstunde des ältesten Gesangvereins im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt schlug 1838 in Blankenburg. Fünf 'jugendfrohe musikliebende Jünglinge unserer Stadt' waren die Gründer. Die Leitung der Gesangsproben übernahm H. Perlt, der später nach Amerika auswanderte. Fleißiges Proben im Ratskeller zeigte nach kurzer Zeit Früchte. Das erste Sängerfest des 'Männer-Gesang-Vereins Liedertafel' wurde mit viel Besuch und Beifall des Publikums auf der Burgruine Greifenstein ausgeführt. Eine Festschrift aus dem Jahre 1888 vollzieht die Geschichte der Liedertafel nach. Weitere Sängerfeste auf der Burg Greifenstein und die Teilnahme an solchen in Pößneck, Rudolstadt, Remda und Weimar folgten. Die 'Liedertafel' schloß sich dem Thüringer Sängerbunde an. Nach der Teilnahme an einem großen Sängerfest 1865 in Dresden war das Vereinsleben ein weniger bewegtes. Der Gesangverein sollte jedoch noch lange bestehen. was auch die abgebildete Titelseite der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum 1913 bestätigt. Am 30. Dezember 1902 wurde ein weiterer Gesangverein, der 'Club Fidelitas' gegründet. Auch die freiwillige Feuerwehr hatte in ihren Reihen zeitweilig einen Gesangverein. Weitere Vereine waren der Sängerclub 'Arion' und der Gesangverein 'Das Deutsche Lied'.

24. 'In Freud und Leid zum Lied bereit' war der Wahlspruch der Männer, die 1883 den Blankenburger Gesangverein 'Harmonie' ins Leben riefen. Arbeiter der Firma W. Große, der späteren Holzwarenfabrik Damm, vereinigten sich zu dieser Sangesgemeinschaft. War auch manchmal der Bestand dieses Gesangvereins durch die Not der Zeiten bedroht, fanden sich die Sänger jedoch unter ihrer 1899 geweihten Fahne immer wieder zusammen. Jahr führ Jahr gab es viele Konzertveranstaltungen im alten Rathaussaaloder irn Hotel 'Weißes Roß'. Die Stiftungsfeste waren immer besondere Höhepunkte im Vereinsleben, so auch 1924, wo drei Tage irn Mai gefeiert wurde mit Festkommers im Kurhaus Chrysopras Löscheshall, Wettsingen ebenda, Konzert auf dem Marktplatz und Ballveranstaltungen. 46 (!) Gesangvereine waren zu Gast. Das Vereinslokal war zu dieser Zeit das Hotel 'Weißes Roß'.

25. Mit großem Aufmarsch feierten die Blankenburger und mit ihnen wahrscheinlich das ganze Fürstentum die Einweihung des Denkmals für Fürst Georg von Schwarzburg-Rudolstadt am 12. Oktober 1897. Eigens war ein Pavillon aufgestellt worden. Vier Stangen umspannte das Tuch, das bis zur Weihe das Denkmal verhüllte. Zur Feier spielte das Musikcorps des Ill. Bataillons des 7. Thüringer Infantrie-Regiments Nr. 96. Das Regiment stellte ebenfalls die Ehrenkompanie. Die Feierlichkeiten dauerten bis in die Abendstunden. Schöpfer des Denkmals war Hermann Hahn, einer der bedeutendsten Künstler der Münchener Bildhauerschule. Der Granit-Obelisk wurde von Material aus der zum damaligen Fürstentum SchwarzburgRudolstadt gehörenden Leutenberger Gegend gefertigt. Leider wurde das in Erz gegossene Reiterbildnis des Fürsten nebst Inschrift 1945 entfernt.

26. Das ausklingende 19. und das beginnende 20. Jahrhundert wurde in Blankenburg durch die Persönlichkeit des Bürgermeisters Hermann Bähring (1845-1914) besonders geprägt. Er schuf während seiner 31jährigen Amtszeit maßgeblich das moderne Blankenburg mit elektrischem Licht, Kanalisation, Trinkwassernetz , Villenviertel usw. Der ehemalige Seifensiedermeister starb hochgeehrt als Fürstlicher Rat. Die während seiner Amtszeit angelegte 'Neue Straßc' wurde ihm zu Ehren als 'Bähringstraßc' benannt. Ähnlich der Georgstraße war sie als eine Allee angelegt und existiert im wesentlichen noch heute so. Das Bild zeigt Bürgermeister Bähring im Kreis seiner Familie.

27. Der Marktbrurmen in der abgebildeten Form wurde 1856 erneuert, stand jedoch vorher weiter südlich, also in der Mitte des Marktes. Sein Vorgänger war verrnutlich ein Holzbottich. Jahrzehntelang wurde der Brunnen aus dem alten Trinkwasserleitungsnetz der Stadt gespeist. Bis zum Bau der Wasserleitung im Jahre 1900 holten die Bürger neben den anderen Brunnen auch hier ihr Trinkwasser. 1982 wurde mit Postaer Sandstein aus dem Elbsandsteingebirge der Brunnen vom Steinmetzrneister Klaus Merboth vollständig erneuert.

28. Ein einstmals renommiertes Unternehmen war die Städtische Badeanstalt Blankenburg. Einem verehrlichen hiesigen Publikum, sowie den verehrlichen Kurgästen mache hierdurch die ergebenste Mittheilung, daß von jetzt ab wieder sämmtliche Bader, als: Moor-, Fichtennadel- und Mineralbäder, sowie Wannen- und Wellenbäder zu den bekannten Preisen täglich verabreicht werden. Gleichzeitig mache ich bekannt, daß auch die Restauration der Badeanstalt wieder eröffnet ist und empfehle außer diversen kalten Speisen vorzûgliches Lager-, Bayrisch- und Berliner Weiß-Bier, sowei Kaffee, Chokolade, Cacao mit Gebäck. Um zahlreichen Zuspruch bittet - im Jahre 1897 - Hermann Streipert, der Pächter. Vielen Bad Blankenburgern ist die ehemalige Badeanstalt noch als Gaststätte Badewäldchen bekannt. Lange Zeit war auch die Städtische Bibliothek dort untergebracht. 1972 wurde das Gebäude abgerissen.

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