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Auszüge aus dem Buch ''

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29. Sanitätsrat Dr. med. Wolfgang Warda (1869-1938), dessen Familie ursprünglich aus den Masuren stammte, übernahm 1898 das von Sanitätsrat Dr. Bindseil gegründete Sanatorium in der Schwarzburger Straße. Wolfgang Warda studierte in München und Jena Nervenheilkunde. Seine erworbene medizinische Einrichtung nannte er nach seiner Frau Emilie 'Sanatorium für Nervöse und Nervenkranke Villa Ernilia'. Das Gebäude des Sanatoriums war ursprünglich der Fachwerkbau , in dem heute die Berufsschule untergebracht ist. Der Gebäudekomplex in der Georgstraße wurde von 1906 bis 1908 errichtet. Nach Hinzuziehung eines Facharztes für Innere Medizin wurde das Sanatorium in 'Villa Emilia Sanatorium für Nerven- und Innere Krankheiten umbenannt. Nach Dr. Warda ist auch der Brunnen Ecke Georgstraße/Schwarzburger Straße benannt, den er 1934 aufstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sanatorium als Schule und als Heim für schwererziehbare Kinder genutzt.

30. Ein Bliek aus einem Fenster des früheren Hotels 'Greifenstein' um die Jahrhundertwende vermittelt ein ruhiges und friedvolles Bild. Die Rinne floß hier in einer Doppelschleife vorbei. Zwischen dem Fluß und der hinter der Rinnebrücke beginnenden Chausseestraße - später Hindenburgstraße , heute Friedrich-Ebert-Straße - die vor dem Hotel 'Greifenstein' eine scharfe Biegung machte, lag ein kleiner Park. In seiner Mitte stand ein Brunnen, der der Trinkwasserversorgung diente. An seiner Stelle stand später die dem Ehrenbürger Carl Fischer gewidrncte Wettersäule, die auf Grund des Neubaus der Rinnebrücke 1961 und der Straßenverlegung gegenübcr der Post aufgestellt wurde.

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31. An dem Platz, wo seit 1931 die Stadthalle steht, war zuvor eine gegenüber heute sehr flach verlaufende Uferböschung der Schwarza. Noch Anfang unseres Jahrhunderts recht abseits der Stadt gelegen, nannte man das Gelände 'Die Bleichplätze' , wo auf der Terrasse der Uferböschung jahrzehnte-, vielleicht sogar jahrhundertelang die Wäsche ausgelegt wurde. Auf den Bleichplätzen gastierten um die Jahrhundertwende mehrfach Zirkusse und Schausteller, auch Fußballspiele trug man hier aus. Hinter den Bleichplätzen befand sich aber schon lange der Scheunenplatz, dessen Teil links der Rinne noch heute weitgehendst erhalten ist, der Teil rechts der Rinne wurde nach dem Großbrand 1966 abgerissen und ist heute Parkplatz.

32. Die Gründung des Turnvereins Blankenburg geschah am 4. Mai 1862 durch den späteren Stadtkämmerer Karl Sperschneider in Gemeinschaft mit 18 jungen Männern. Am 18. Juni 1862 erkannte das Fürstlich-Schwarzburgische Amt zu Blankenburg seine Satzung an. Ein Jahr daraufwurde die Fahne des Vereins geweiht. Übungsstunden wurden auf dem Bleichplatz gegenüber dem Postamt abgehalten; später verlegte man die Turnstätte nach der Lindeninsel , dem heutigen Anger. Im Jahre 1900 war der Verein schließlich in der Lage, einige zusammenhängende Grundstücke auf dem Oelberg zu erwerben und den Turnbetrieb auf eigenem Platz abzuhalten. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges erwarb der Verein ein weiteres, an den bisherigen Platz anstoßendes Feld, der Platz bekam dadurch eine Größe von 5 000 Quadratmetern. Glanzpunkte in der Geschichte des Vereins waren die Ausrichtung des Festes der Turner des Saalegaues 1885, eines Bezirksturnfestes 1905 und des 2. Thüringischen Kreis-Frauenturnfestes 1927.

33. Die Geschichte der heutigen Greif-Apotheke am Marktplatz geht auf das Jahr 1725 zurück. Johann Christoph Henzold erhielt vom Rudolstädter Fürsten das Apothekenprivileg. Apotheker Henzold wurde später Bürgermeister und konnte am heutigen Markt 10 ein ansehnliches Haus erbauen, das jedoch dem großen Stad tb rand 1744 zum Opfer fiel. Henzold geriet dadurch in große Not und erwirkte beim Fürsten die Erlaubnis zum zusätzlichen Gewürz- und Materialienhandel, den er seinem Schwiegersohn Johann Carl Grübel verpachtete. Dieser übernahm nach Henzolds Tod die Apotheke. 1767 erhielt das Blankenburger Apothekenprivileg der Saaifeider Christian Gotthold Demiani und am 10. Mai 1775 der Apotheker Hauschild, dann Luke und 1817 hatte Johann Friedrich Wagner die Apotheke mit Einschluß aller Utensilien und Vorräte gegen 100 Meißnische Gulden käuflich erworben. Wagner hat dann im Jahre 1834 die Apotheke an Alexander Sattler abgegeben. Am 1. August 1897 ist die Apotheke in den Besitz des Apothekers Himmelreich für 110 000 RM übergegangen. Im Jahre 1904 hatte der Apotheker Franz Ahrens diesen Betrieb für den Preis von 190 000 RM erworben. Nach Ahrens folgten noch Paul Richard Guitzsch und als letzter 1918 August Waldemar Georg Ventzke. Nach ihm wurde die Apotheke verstaatlicht.

34. Der fast völlig verfallenen Ruine Greifenstein nahm sich ab 1900 eine 'Burggemeinde e.V.' an. Nachdem sich der Rudolstädter Fürst 1821 eine bescheidene Bleibe im Gemäuer geschaffen hatte und 1860 ein Unterkunftsraum für Besucher und den Burgwart dazukamen, wurden die Räumlichkeiten 1885 vergrößert, so daß sich eine Burgwirtschaft etablieren konnte. Zug um Zug wurde das Palasgebäude unter teilweiser Verwendung alter Baufragmente und mit Herstellung neuer Bauelemente von Ost nach West wieder errichtet. Dabei wurde in dieser Richtung abschnittsweise das Gebäude den Berg hinaufgebaut, wovon die Absätze im Haus heute noch Zeugnis ablegen. Voraussetzung für eine gastronomische Nutzung der Burg war die Wasserversorgung. Auf den Brunnen im Graben zwischen mittleren und oberen Burghof (geschätzte Tiefe ca. 60 Meter) wurde ein Gittermast mit Windrad zur Energiegewinnung gesetzt, der die Wasserförderung sicherte. Nachdem 1935 eine andere Möglichkeit zur Wasserzuführunggeschaffen werden konnte , hatte das Windrad ausgedient.

35. 'Schwarzeck' ist ein Begriff für ein ehemaliges renommiertes Sanatorium am Fuß des Hainberges. 1872 gründete eine Frau 'Hauptmann' Lamprecht in der Nähe der Papiermühle eine Klenganstalt (Samengewinnung). Die 'Turmvilla' wurde als erstes Gebäude errichtet. Von Frau Lamprecht übernahm Carl Hohenberg das Anwesen zur Gründung einer Kur- und Wasserheilanstalt, die er 'Schwarzeck' nennt. Aufihn geht der Bau des damals sogenannten Schweizerhauses zurück, das als Kerngebäude des späteren großen Komplexes gilt. Hohenberg verkaufte 1898 'Schwarzeck' an Johannes Gudegast, dessen Teilhaber ein Herr Harder aus Hamburg wurde. Ab 1900 war 'Bad Schwarzeck' kurzzeitig im Besitz von Gustav Prüfer, dem Besitzer des 'Chrysopras'. Als Paul Wiedeburg 1901 den Besitz erwirbt, beginnt eine rasante Bautätigkeit. Der größere Teil des Hauptgebäudes ist im Jahre 1911 errichtet worden und gilt als ein Meisterstück des Architekten Rossius-Rhyn. 1925 baute Rossius das Sanatorium in seiner bis heute erhaltenen Grundbausubstanz aus.

36. Im Jahre 1901 kommt Paul Wiedeburg aus EIgersburg bei I1menau nach Blankenburg und erwirbt 'Schwarzeck' . Wiedeburg ist 1872 in Ingweiler im Unterelsaß geboren und war in Elgersburg Leiter der Wasser- und Kuranstalt. Zunächst führte er den Namen 'Sanatorium DL Wiedeburg' ein, später jedoch 'Thüringer Waldsanatorium Schwarzeck' . Das Unternehmen stand auf der Geschäftsgrundlage einer GmbH. Über sämtliche Stammanteile verfügte jedoch die Wiedeburgsche Familie. Wiedeburg besaß offenbar ein großes Geschäftstalent. Umfangreiche Baurnaßnahmen und die vielfältigen Bemühungen bei der Betreibung seines Sanatoriums setzten ein geschäftlich gutgehendes Unternehmen mit solider Finanzlage voraus. Der politische Standort Wiedeburgs lag im monarchistischem Lager, was die Übernahme des Vorsitzes der Ortsgruppe des 'Deutschen Flortenvereins' am 28. Oktober 1911 unterstreicht. In seiner Anfangszeit führte Wiedeburg das Sanatorium mit seinem damaligen Mitarbeiter DL med. Karl Schulze. Durch tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten trennte sich Schulze am 6. August 1908 von Wiedeburg, um am Goldberg Grundstücke zu erwerben und dort ein eigenes Sanatorium zu errichten. An der heutigen Ecke Georgstraße/Schillerstraße, es war der Weg, den Wiedeburg zur Stadt benutzen mußte, brachte Schulze an seiner Grundstücksmauer groß den Spruch an 'Frisch durchs Leben wandre, sprich wahr, erwäg nicht lang, verlaß dich nicht auf andere und rechne nie auf Dank'. Wiedeburg ist 1935 am Stich einer Biene oder Wespe gestorben, die sich in einem Stück Kuchen verkrochen hatte, das Wiedeburg verspeiste.

37. Kurz vor dem Ortsausgang Richtung Königsee liegt rechterhand der 'Anna-Luisen-Stift'. 1901 bemühte sich die Diakonisse Minna Rein, in Rudolstadt etwas Durchgreifendes für schwerbehinderte Kinder zu tun. Den Gedanken Minna Reins griff Generalsuperintendent DL Braune auf, und nach erstattetem Vortrag war auch die Fürstin Anna Luise bereit, für das geplante Werk einzutreten, auch Staatsminister von Stark nahm sich der Sache an. Schon am 12. Oktober desselben Jahres war ein Grundstück gefunden, das bisher Universitätsprofessor DL Schmidt als Landsitz besaß. Viele Gaben flossen dem Vorhaben zu. Die Fürstin übernahm das Protektorat der neuen Anstalt, die nach ihr den Namen 'Anna-Luisen-Stift' führte. Am 1. November konnte die Anstalt mit einer kleinen Feier eröffnet werden, der die Fürstin beiwohnte. Zunächst waren 3 Kinder untergebracht, nach einern Jahr waren 10 Kinder aufgenommen. Im Jahre 1904 erfolgte eine Arbeitsteilung mit dem Marienstift in Arnstadt. In Arnstadt wurden die bildungsfähigen körpergeschädigten Kinder betreut. in Blankenburg die bildungsunfähigen körperbehinderten Kinder. Heute leben fünfzig schwerstbehinderte Kinder im Anna-Luisen-Stift.

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38. Ein aus heutiger Sicht idyllisches Bild, die Partie an der Rinnebrücke 'Am Dörfchen'. Hier ist die Stelle, wo sich die historische Altstadt Blankenburgs 'Am Oelberg' nach Osten fortpflanzte. Obwohl der Straßenname noch heute 'Am Oelberg' lautet, nennt der Volksmund das Gebiet seit langem' Am Dörfchen'. Der Name erklärt sich wahrscheinlich daher, daß sich vor dem ehemaligen unteren Tor schon früh eine Art eigene Gemeinde entwickelte, ähnlich dem Anger und dem Schößchen. Das Bild zeigt die Situation kurz nach der Jahrhundertwende, links ist das Hotel 'Greifenstein' in seiner offensichtlich zweiten Ausbaustufe zu sehen, rechts die stattlichen Bürgerhäuser der Fleischerei Ernst Hohl und des Cafés Greiner. Dieser Eingangsbereich zur Altstadt wurde erst 1961 mit dem Neubau der Rinnebrücke grundlegend verändert.

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