Artikel besteht nicht

Der Artikel, den Sie suchen besteht nicht.

Auszüge aus dem Buch ''

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

39. Wer das heutige riesige Industriegelände der Transportgummi GmbH betrachtet, kann sich kaum vorstellen, welchen bescheidenen Ursprung der räumlich wechselvolle Werdegang dieses Unternehmens hatte. Der Handweber Carl Vollrath richtete am 26. Oktober 1870 im Haus Ecke Untere Marktstraße/Unterer Sonnenberg eine kleine Handweberei ein. Er fertigte Hanfgurte für die Landwirtschaft, Tragebänder für Kiepen und handgewebte rohe Schläuche. Die günstige wirtschaftliche Lage der Gründerzeit führte das Vollrathsche Unternehmen zur wirtschaftlichen Blüte. Schon bald errichtete Vollrath im Flurteil 'Schlotterfeise' auf dem Gelände zwischen der Schwarzburger Straße und Georgstraße für die damalige Zeit große Produktionsanlagen. 1892 war aus dem Handwerksbetrieb schon eine Fabrik mit 70 Beschäftigten geworden. 1899 wurden schon 110 Arbeiter beschäftigt. Im Produktionsprogramm waren Feuerwehrschläuche, Treibriemen, Balatariemen und Kamelhaarriemen, die vielfach in den Export nach England und Amerika gingen.

...?

40. Wo sich heute lärmend der Straßenverkehr durch die Bahnhofstraße ergießt, war Anfang unseres Jahrhunderts noch Ruhe und Gelassenheit zu finden. Das Geschäftsleben blühte jedoch recht üppig hinter den Fassaden der Bürgerhäuser. Hildebert Macheleidt, aus Böhlscheiben stammend, erbaute um 1904 sein Wohn- und Geschäftshaus. Er war Bauunternehmer und unterhielt einen Baustoffhandel. Außer seiner Tochter Anna (später verheiratete BiebIer - Besitzer des Bahnhofshotels) baute er all seinen Kindern ein Haus, so in der Bahnhofstraße 17, in der Middendorfstraße 5 und in der Ebertstraße 5. Sein Sohn Bernhard war Elektroingenieur und viele Jahre Inhaber eines Elektrogeschäftes im Macheleidtschen Stammhaus. Von Bernhard Macheleidt übernahm Hilde Schöler 1957 das Elektrofachgeschäft bis 1964. Danach wurde hier im Haus die Städtische Bücherei eingerichtet.

ankenburg ('Chür. Wa chtvarzafalsfraPe

41. Ein Stadtplan von 1905 weist das Gelände rechts hinter dem Bahnübergang Schwarzburger Straße Richtung Schwarzburg als Erlenwäldchen aus. Die Straße wurde damals wahlweise als Schwarzburger Straße oder Schwarzatalstraße bezeichnet. Vor 1908 sind im Stadtplan nur zwei Häuser vor dem Fröbeldenkmal eingezeichnet. Das heutige Haus Schwarzburger Straße 7 nannte man die 'Sandsackvilla'. Es gehörte dem Fabrikanten Damm, in seinem Betrieb wurden während des Ersten Weltkrieges Säcke für den Stellungsbau an der Front gefertigt. Spätestens bis 1927 entstand die gesamte Häuserzeile entlang der Schwarza. Die Uferböschung war seinerzeit noch sehr flach und wurde auch hier als Bleichwiese genutzt.

42. Im Jahre 1905 übergab Gustav Prüfer das Hotel 'Chrysopras' seinem langjährigen Oberkellner Ernst Biebier pachtweise. 1909 verkaufte er es an Hugo Lösche. Dieser fiel im Ersten Weltkrieg vor Verdun. Prüfer erwarb das Hotel zurück und verkaufte 'Chrysopras' und 'Löscheshall' 1919 an Guido Leinhos, der zuvor Wirt im Gasthaus 'Zurn Anker' in der Unteren Marktstraße war. Der Gebäudeteil 'Chrysopras' geriet 1938 in die Wirren der Vorkriegszeit und war ab 1939 Quartier für eine Nachschubkompanie der Deutschen Wehrmacht, für ein aus Saarbrücken stammendes Bürgcrhospital, ein Lazarett und in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges für eine aus Berlin evakuierte Schule. Am 12. April 1945 besetzten die Amerikaner und ab 1. Juli 1945 die Rote Armee das Haus. 1947 nahm Leinhos den Hotelbetrieb wieder auf. Zwischenzeitlich mietete die in Dittrichshütte tätige Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft 'Wismut' das Hotel als Arbeiterunterkunft. Von 1957 bis Anfang 1991 war das 'Chrysopras' an die Staatsgewerkschaft FDGB verpachtet.

A :

- .,.

43. Mit etwas Phantasie kann man noch heute den Bliek in die Untere Marktstraße so nachvollziehen, wie er sich im Jahre 1906 bot. Der zweimalige leichte Knick der Straßenführung ist ebenso erhalten, wie in etwa manche Häuserfassade. Rechts vorn das Helfsche Haus, einstmals Fleischerei, dann Elektroladen und -werkstatt, dann Volksbuchhandlung und heute Fachgeschäft für Unterhaltungselektronik. Links vorn das Haus der heutigen Fachdrogerie Greiner, noch mit alter Fassade und zweigeschossig. Zunächst eine Bäckerei, führte später eine Frau Edelmann dort einen Lebensmittel-Kolonialwarenladen. Ab 1913 übernahm Hugo Greiner diesen Laden und schuf dort eine Drogerie, nachdem er sich in verschiedenen Lehr- und Ausbildungsstätten dafür qualifiziert hatte. Das Geschäft existiert in zweiter Generation noch heute.

44. Bis zum Jahre 1579 wurden die Toten auf dem Gottesacker um die Kirche bestattet. Als in diesem Jahr, am 14. August, die Pest in Blankenburg zu wüten begann, wurde das erste Opfer, eine Jungfrau, und kurz darauf weitere 26 Opfer auf dem Friedhof an der Kirche beerdigt. Die nächste Beerdigung eines Knaben fand dann auf dem Friedhof am unteren Tor statt, der schon seit 1549 vorbereitet worden war. Im Gedenken an die Epidemie erhielt er seitdem den Namen 'Pestfriedhof", denn innerhalb von vier Monaten wurden hier weitere 139 Menschen beerdigt, die der Pest zum Opfer fielen. Der Pestfriedhof wurde am 28. Dezember 1862 geschlossen und gleichzeitig der neue an der Griesbachstraße eingeweiht. Die ursprüngliche Anlage des Friedhofes befand sich unmittelbar am Rand der Unteren Marktstraße. Erst später wurden die Bestattungen mehr zum Berg hin vorgenommen, während des Zweiten Weltkrieges auch Gräber und deren Steine nach oben versetzt. Im Pestfriedhof lag auch die Ruhestätte von Wilhelmine Henriette, der ersten Frau Friedrich Fröbels.

45. Neben dem Gasthof und späteren Hotel 'Weißes RoB' in der Unteren Marktstraße gehört das Hotel 'Zum Löwen', Gartenlokal, zu den ältesten Wirtshäusern der Stadt. Ebenso wie das 'Roß' wird der 'Löwe' eine Ausspanne für Fuhrleute gewesen sein. Das Bild zeigt die Marktfassade vor dem Ersten Weltkrieg. Bekannte Besitzer waren bis 1893 Ferdinant Häßner, danaeh Ernst Schoener, Friedrich SäJzer, Richard Schlenstedt und Max Albrecht, die in verschiedenen Prospekten für den nun 'Goldenen Löwen' so warben: Bestempfohlenes Familien- und Touristenhaus, anerkannt gute Verpflegung, gut eingerichtete Zimmer, Zentralheizung, elektrisches Licht, Bäder im Hause, Autohalle. Der idyllische Hofgarten existierte noch bis Anfang der siebziger Jahre. Der 'Goldene Löwe' war wie viele andere ehemalige Hotels oder Sanatorien bis 1990 Ferienheim der Staatsgewerkschaft.

46. Die schöne Landschaft um Blankenburg, die ruhige Lage und günstiges Bauland zogen viele Begüterte in unsere Stadt, um sich hier ihren Sornmer- und Ruhesitz zu schaffen. So auch den Hofrat Max Richter aus Erbach im Odenwald. Am Goetheweg 16 ließ er von 1906 bis 1907 eine prächtige Villa errichten. Architekt war Herr Opel aus Saalfeld und Bauausführender der Blankenburger Bauunternehmer Hildebert Macheleidt. Neben seinem Handel mit chemisehen Erzeugnissen und der Führung einer Pension in seiner Villa kümmerte sich Max Richter in rührender Weise um das ehemalige Heimatmuseum der Stadt Bad Blankenburg sowie um das Stadtarchiv. Er war auch an der Vorbereitung großer Veranstaltungen beteiligt, so an der Großschau 'Deutsche Ernte' 1931 in der StadthaIIe. Der Sohn von Hofrat Richter, Georg, führte noch bis Anfang der siebziger Jahre ein Geschäft für Gärtner- und Anglerbedarf sowie eine zoologische Handlung.

47. Mehrere Bürger unserer Stadt wurden ob ihrer Verdienste um das kommunale Gemeinwesen hoch geehrt. Leider sind die Leistungen des Herrn Petersilge fast in Vergessenheit geraten. Sein Großvater führte in der Brauhausgasse im Jahre 1843 ein Leineweberstübchen und sein Vater erbaute 1882 das Geschäft in der Oberen Marktstraße 6. Im selben Jahr wurde Hermann Petersilge geboren. Nach Abschluß des Gymnasiums absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Halle und erweiterte seine Kenntnisse vor allem in Genf und Paris, wo er die französische Sprache erlernte. Im Jahre 1908 wurde er in die Blankenburger Bürgerschaft aufgenommen und ab 1910 übernahm er das elterliche Geschäft, das er schnell zum ersten Haus am Platz führte. Neben seiner Geschäftstätigkeit wurde er bald Stadtverordneter, Stadtrat und schließlich stellvertretender Bürgermeister. Als Bürgermeister Georg Kaiser zur Wehrmacht eingezogen wurde, leitete er als amtierender Bürgermeister die Geschicke der Stadt in den Kriegsjahren. Er übergab am 12. April 1945 die Stadt den amerikanischen Truppen. Hermann Petersilge ist es zu verdanken, daß die Stadt in den letzten Kriegstagen nicht den amerikanischen Granaten zum Opfer fiel. Nach dem Krieg war es ihm nicht wieder vergönnt, sein Geschäft in eigener Regie weiterzuführen. Er trug es mil Würde. Neben seinem Geschäft führte Petersilge auch eine Filiale in der Bahnhofstraße, an die das Bild erinnern soll.

48. Der heutige Kindergarten 'Fröbelhaus I' in der Bähringstraße verdankt seine Entstehung dem 'Allgemeinen Kindergärtnerinnen-Verein' in Eisenach. Dessen Vorsitzende, Eleonore Heerwart. und Bürgerrneister Bähring hatten sich in einern Aufruf an die Bevölkerung aller Städte in Deutschland, aber auch an das Ausland gewandt, die Errichtung eines Hauses im Sinne Fröbels zu unterstützen. Die Stadt Blankenburg stellte ein Grundstück in der Neuen Straße neben der gerade erst errichteten Schule zur Verfügung und am 28. Juni 1900 wurde der Grundstein gelegt. Die Entwürfe und Bauzeichnungen wurden von dem Bürgermeister Eugen Scheller aus Blankenburg und dem Architekt Hans Söhlemann aus Erfurt angefertigt. Am 6. August 1908 wurde das Fröbelhaus als eine Stiftung eingeweiht. Zahlreiche Gäste auch aus dem Ausland waren anwesend. Viele Jahre war das Haus Kindergarten, Fröbelmuseum und Erholungsstätte für Kindergärtnerinnen. Heute wird es noch als Kindergarten genutzt.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Kolophon | Privacy | Haftungsausschluss | Lieferbedingungen | © 2009 - 2018 Europäische Bibliothek Verlag