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Auszüge aus dem Buch ''

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49. Hotel-Pension 'Lösches Hall' war eines der ersten großen Gebäude des Fremdenverkehrs, das in der Gründerzeit in Blankenburg erbaut wurde. Zunächst war es eine Villa, bevor es Hugo Lösche in der abgebildeten Form ausbaute. Nach dem Brand von 1911 wieder errichtet, ging der gesamte Hotelkomplex 1919 käuflich an Guido Leinhos über, der wegen offensichtlich mangelnder Rentabilität das große Haus an den Leipziger Verein 'Silentarium e.V.' 1930 verkaufte. Dieser Verein richtete hier ein Dauerruheheim für pensionierte Beamte und Offiziere ein, das bis Kriegsende bestand. Auch hier quartierten sich am Ende des Zweiten Weltkrieges die Alliierten und später die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut ein. Der folgende Besitzer war kurzzeitig die Deutsche Reichsbahn, die ein Ferienheim einrichten wollte. Dazu kam es jedoch nicht. Die 'Wisrnut' übernahm das Haus als Bergarbeiter-Krankenhaus, bis es 1957 dem Kreiskrankenhaus Rudolstadt als Chirurgische Abteilung angegliedert wurde.

50. Am südöstlichen Abhang des Goldberges, in damals wie heute bevorzugter Lage des Ortes, wurde 1910 das Sanatorium 'Am Goldberg' erbaut. Bauherr und Besitzer war Dr. med. Kar! Schulze, Facharzt für innere Krankheiten. Die Gebäude, Gärten und Innenräume gestaltete der Architekt askar Rohde aus Jena-Löbstedt. Auf der internationalen Hygieneausstellung 1911 in Dresden wurde das Sanatorium mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Das schöne, in vornehm ruhigen Linien gehaltene Gebäude gliederte sich in Kurhaus und Gesellschaftshaus. Das Sanatorium wurde schon 1912 mit dem Gebäude daneben (Goetheweg 10) verbunden und damit die Aufnahmekapazität besonders in den Sommermonaten erhöht. Dr. Schulze warb für vielseitige Heilmethoden und Kurmittel. Im Park befand sich ein Wirtschaftsgebäude, heute Kinderkrippe. Schulze betrieb das Sanatorium bis 1949, dann wurde es von der Sozialversicherung der Industriegewerkschaft 'Wismut' gepachtet, war zunächst Krankenhaus, ab Herbst 1954 Kinderferienlager und von 1955 bis 1990 Ferienheim.

51. In ihrer Ausgabe vom 13. September 1911 meldete die Schwarzatalzeitung: Am verflossenen Sonntag nachts halb 12 Uhr wurden die Einwohner unserer Stadt plötzlich durch die Feuersignale fûr Großfeuer aufgeschreckt. Das große Etablissement Lösches Hall im Schwarzatal stand in Flammen. Auf bis jetzt unaufgeklärte Weise war in der Dachetage Feuer ausgebrochen, welches sich mit rasender Schnelligkeit über das ganze Gebäude verbreitete und dasselbe in wenigen Stunden bis auf die Grundmauern in Asche legte. Der Blankenburger Feuerwehr gelang es, trotz Mangel an Schläuchen, den Verbindungsbau zum Hotel Chrysopras selbst zu retten, so daß der Wirtschaftsbetrieb in vollem Umfang aufrecht erhalten werden konnte. Den 33 Gästen vom Lösches Hall gelang es, noch rechtzeitig das Haus zu verlassen. Die Schwarzatalzeitung schreibt weiter: Der Besitzer, Herr Hof traiteur Losche, sowie seine Familie und das Personal konnten ebenfalls nichts retten, als was sie gerade auf dem Leibe trugen.

52. Wissenschaftlichen Weltruf erlangte Professor Dr. OUo Schmiedeknecht, geboren am 8. September 1847 in Blankenburg. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Rudolstadt bezog er 1868 die Universität Göttingen, um Naturwissenschaften und neuere Sprachen zu studieren. 1870 trat er als Freiwilliger in das in Göttingen liegende 56. InfanterieRegiment ein. Nach Kriegsende übernahm Schmiedeknecht eine Lehrstelle an der Lehr- und Erziehungsanstalt Gumperda, wo seine wissenschaftliche Tätigkeit begann. Nachdem er in Jena promoviert hatte, ging Schmiedeknecht an sein erstes großes Werk, die Bearbeitung der Bienen Europas. Sein Spezialgebiet wurde das Studium der wichtigsten Insektenordnung, der Hymenopteren, deren Erforschung zu seiner Lebensaufgabe wurde. Im Jahre 1888 verließ Schmiedeknecht Gumperda, um sich in seiner Geburtsstadt Blankenburg ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen und von hier aus viele Forschungsreisen zu unternehmen. Diese führten ihn hauptsächlich nach Nordafrika, ans Mittelmeer und nach Palästina, Algerien, Tunesien und Ägypten waren seine Reiseziele. Auf Anregung von Ernst Haeckel verlebte er den größten Teil des Winters 1902/03 auf der Insel Java. In die Heimat zurückgekehrt, übernahm er die Leitung des naturhistorischen Museums in Rudolstadt. Gleichzeitig wurde ihm der Professorentitel verliehen. Danach reiste Schmiedeknecht wiederum nach Palästina, nach Sizilien, Spanien und Griechenland. Schmiedekneehts wissenschaftlich-literarische Tätigkeit war außerordentlich rege. Unter vielen anderen Arbeiten war er maßgeblich an dem von der Preußischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben Riesenwerk 'Das Tierreich' beteiligt. Sein letztes Werk war der 'Naturführer von Thüringen'. Schmiedeknecht starb hochbetagt 1937 in Bad Blankenburg.

53. Mit seiner Frau Anna steht Max Weidner 1912 vor seinem Geschäft am Markt. Er war von Altenburg nach Blankenburg gekommen, wo er am 1. Juli 1896 seinen Laden eröffnete. Gehandelt wurde mit Farben, Pinseln, Bürsten, Drogen, Kolonialwaren, Weinen und Tabakwaren. Von der Mühlquelle nahm Max Weidner Wasser, füllte es ab und belieferte damit die Sanatorien und andere Geschäfte. Diesem Wasser schrieb man Heilkräfte zu. Später kam vor dem Geschäft noch eine Zapfsäule für Benzin dazu. Der Sohn des Hoteliers Hugo Lösche, Max, heiratete die Tochter Elisabeth der Familie Weidner und führte das Geschäft fort. Deren Sohn Martin Lösche produzierte jahrzehntelang Limonade und Selterswasser. Der Betrieb wurde 1972 zwangsverstaatlicht und zum 'Volkseigenen Betrieb Feinoptik' umgewandelt. Seit 1990 ist der Betrieb wieder im Besitz der Familie Lösche. Das von Max Weidner gegründete Geschäft blieb als Drogerie immer in privater Hand und firmiert seit den siebziger Jahren als 'Markt-Drogerie'.

54. Der wohl populärste Graf der Blankenburg war Günter der XXI. Im Jahre 1304, wie anzunehmen ist, im Schloß geboren, wurde er am 30. Januar 1349 mit den Kurstimmen der Wittelsbacher Partei zum römischen König gewählt. Zu seinen Anhängern zählten die progressiven Kräfte im Reich, darunter viele Städte. Dennoch vermochte er sich gegen den vom Papst unterstützten Kar! IV. nicht durchzusetzen. Er starb am 14. Juni des gleichen Jahres. Seine Wahl zum König, sein Leben und Tod wurden vielfach verklärt dargestellt. Georg Fritschler schrieb aus dieser Sicht das Schauspiel 'Graf Günter von Schwarzburg Kaiserwahl und Tod'. Es wurde im großen Hof der Burg am 15. Juni 1913 uraufgeführt. 120 Bürgerinnen und Bürger wirkten als Darsteller mit. Die Aufführung brachte einen 'ungeahnten' Erfolg, so daß für Juli und August Wiederholungen angesetzt werden mußten. Der Erlös diente den gemeinnützigen Zielen des Thüringer Waldvereins und der Erhaltung der Ruine.

55. Einer der berühmtesten Blankenburger Bürger war Hilmar Lauterbach. 1869 in Gräfinau bei Stadtilm geboren, wurde Lauterbach ein vorzüglicher Kunstschmied. Seine Arbeiten zeugen von einmaligem Können in der Kunstschmiedezunft. Darunter befinden sich verschiedene Kerzenleuchter, Schmucktruhen und Treibarbeiten. Hilmar Lauterbach nahm Unterricht im Zeichnen und in der Kunstschlosserei an der Polytechnischen Schule in Leipzig, danach durchlief er die Kunstgewerbeschule in München. Mit 32 Jahren wurde er an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule nach Wuppertal-Elberfeld gerufen. Hier erhielt er 1913 eine Professur und leitete später diese Schule. In seinem Testament vermachte er sein Kunstwerk der Stadt Bad Blankenburg. Nach seinem Tod wurden seine Kunstschmiedearbeiten 1942 nach Bad Blankenburg gebracht und befinden sich heute gemäß seinem Wunsch in der Hand der Stadtverwaltung.

56. Notgeld druckte Anfang der zwanziger Jahre auch die Stadt Bad Blankenburg. Einen Fünfzig-Pfennig-Schein mit Vor- und Rückseite zeigen die Abbildungen. Zum Ersten ist eine Phantasiedarstellung der Burg Greifenstein mit emporreitendem Ritter zu sehen, zum Zweiten eine Szenendarstellung der Ritterspiele 1913. Unterschrieben hat den Schein der damalige Bürgermeister Dr. jur. C. Moenich (Bürgermeister seit 1919). Im Oktober 1921 wurden dem Thüringer Waldverein für seine Mithilfe bei der Herstellung dieser Notgeldserie als Erkenntlichkeit 2 000 M davon vom Stadtrat überwiesen.

Sanatorium Carl Friedrich

Gruss au B!ankenburg, 8chwarzatha!

57. An den Oefberg. getrennt durch den Zeigerheimer Weg, schließt sich der Hausberg an. Heute in seinen unteren Lagen völlig bebaut, war dieses Terrain nach der Jahrhundertwende nur von einem größeren Bauwerk beherrscht. Es wurde ursprünglich als Sanatorium 1904 'neu' errichtet. Bauherr war Carl Friedrich, Der erhaltene Stadtplan aus dieser Zeit weist es als Dr. Ackermanns Augenklinik aus. Stand hier vielleicht der in den Chroniken genannte Beulwitzer (Billwitzer) Hof, der als 'Mundgut' die landwirtschaftliche Sicherstellung der Burg gewährleistete? 1911 erwarb Dr. phil, Adolf Wedel den Besitz und richtete hier das 'Pädagogium Schwarzatal' ein. Wedel wurde auch Direktor der höheren Schule im Haus über dem Keller , der vormaligen Wirkungsstätte Fröbels, die in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet wurde. Wedel baute 1925 das Gebäude an seiner Nordseite weiter aus. Nach seinem Tod 1931 wurde das Pädagogium in 'Adolf-WedeJ-Schule' umbenannt. Später wurde es Sonderschule, dann Hilfsschule.

58. Am 24. September 1911 führte Generalsuperintendent DL Braune Pfarrer Dr. Franz Hecker als zweiten Geistlichen der Stadt in sein Amt ein. Franz Hecker wurde 1891 in Rudolstadt geboren, er promovierte 1905 in Göttingen zum Dr. phil., war seit 1904 Hilfsprediger in Rudolstadt. Von 1906 bis 1911 verwaltete er das Pfarramt in Dörnfeld an der Ilm. In seiner 41jährigen Amtszeit in Bad Blankenburg fallen zwei Weltkriege. Auch Pfarrer Hecker mußte ins Feld an die Westfront. wo er seinen Dienst als Felddivisionsgeistlicher versah. In seiner Amtszeit fällt der Bau des Gemeindehauses und die Erweiterung des Friedrich-FröbelHauses (1924-1927), hier war er erster Vorsitzender der Stiftung, überhaupt war er der Fröbelschen Sache sehr verbunden. Beim Antritt des Ruhestandes mit 71 Jahren übernahm Franz Hecker die Pfarrerstelle in Neckewitz, wo er noch lange Jahre wirkte. Pfarrer Dr. Hecker starb am 22. April 1969 .

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