Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Rolf Ose
Gemeinde
:   Bad Blankenburg
Bundesland
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6731-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2'

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Landhaus George Bad Blankenburg

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9. Der Besitzer der Villa 'Unterm Berge' am Uferweg links der Schwarza war der Konsul George. So hief das Gebäude auch 'Landhaus George'. George soll während seines Aufenthaltes in Afrika im Ersten Weltkrieg eine treue Eingeborene als Haushälterin gehabt haben. Ihr Name war Usagara. Aus Dankbarkeit wollte er sie mit nach Blankenburg nehmen, aber sie starb noch vor der Reise. Zur Erinnerung an sie nannte er sein Landhaus nun 'Villa Usagara '. Dieser Name ist noch heute am Torbogen zu lesen. Später erhielt das Haus rechts noch einen Anbau. Konsul George ist auf dem Bild als Angler und Jäger zu sehen, das waren wohl seine groBen Leidenschaften.

10. Carl Fischer, am 18. Oktober 1824 in Blankenburg geboren, erlernte den Beruf eines Kaufmanns und übte die Tätigkeit eines Postverwalters aus. Er wurde ein angesehener Bürger der Stadt und war Mitglied des 'Städtischen Kollegiums', des Stadtrates. Er schenkte der Stadt mehrere Grundstücke im Flurteil Badestube rechts der Rinne in Richtung Watzdorf. Hier fasste man ergiebige Quellen für die Trinkwasserversorgung der Stadt. Am 18. März im Iahre 1900 wurde der Postverwalter außer Dienst Carl Fischer dafür zum Ehrenbürger der Stadt Blankenburg ernannt. Bereits im Mai 1896 hatte man Watzdorf an die Wasserleitung angeschlossen und am 2. Juni dieses Iahres das städtische Wasserwerk eingeweiht.

11. Im]uli 1901 wurde der Neubau von Lösches Hall mit einem Militärkonzert und einem Feuerwerk eingeweiht. Eine große Zahl 'ganz unerwarteter' Damen und Herren, hiesiger und auswärtiger, hatte sich eingefunden. Die Räumlichkeiten konnten die Tischgäste kaum fassen. Die Leistungsfàhigkeit von Küche und Keller des Herrn Lösche bewährten sich bei den 'außerordentlich hohen Anforderungen' dieses Tages auf das Beste. Bürgermeister Hermann Bähring toastete im Verlaufe der Festtafel mit einem Rückblick auf die Entwicklung des Etablissements. Ein Toast galt dem Architekt Kühn aus Saalfeld für die allseitig anerkannte ebenso praktische als wohlgefàllige Ausführung des Neubaus.

12. Die 'Fürstltch Priviligierte Apotheke' Ecke Marktplatz Untere Marktstraße wies sich 1910 als Drogenhandlung für in- und ausländische Spezialitäten aus. Am Lager waren natürliche und künstliche Mineralwasser. Fabriziert und versandt wurden feinste alkoholfreie Fruchtsäfte von Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren, Kirschen und Zitronen. Man führte feinste Spezialitäten für Haut- und Mundpflege, medizinische undToilettenseifen, Parfüme und firmierte selbst als Weinhandlung. Im Iahre 1911 bot Lorenz Möller den 'Greifensteiner Likór' an. Zeitweise konnte man in der Apotheke sogar Benzin kaufen.

13. Aus dem Jahre 1411 datiert die erste urkundliche Erwähnung eines Eisenhammers am Eingang des Schwarzatales rechts des Flusses. Zu dieser Zeit grub man bereits neben Silber und Kupfer auch nach Eisen. Anstelle des Eisenhammers errichtete 1597 ein Ephraim Kaysner eine Papiermühle. Vor dem Betriebsgelände befand sich wahrscheinlich eine Furt durch die Schwarza. Die Scheune links irn Bild wurde in den 19 60er Iahren zum Wohnhaus ausgebaut. In der Mitte des großen Hofes stand das Wohnhaus mit dem Kontor. Das Aussehen dieses Gebäudes blieb bis zum Abriss des Betriebes fast unverändert. Die Papiermûhle war der älteste Betneb der Stadt und nutzte auf Grund seiner Lage als erster die alte Lache zur Energiegewinnung. Das Wasserrecht ist ab 1620 urkundlich nachgewiesen. Das Gelände vor dem Betrieb wurde später aufgeschüttet.

14. Besitzer des Gast- & Logiehauses in der Unteren Marktstraße war 1900 Luis Munsche. Der Name der Lokalität war 'Anker'. Im Iahre 1902 bediente hier der kleinste Kellner Deutschlands. Das Haus stellte sich als gutbürgerliches Etablissement rnit vorzüglichen Betten, guter Küche, staubfreien Garten und elektrischem Licht vor. Die Betonung von Staubfreiheit war damals durchaus üblich, viele Straßen und Wege waren noch nicht befestigt. Der nächste Besitzer war G. Eichmann, der das Gast & Logiehaus Ende 1911 an Guido Leinhos verkaufte, der mit den Lösches in der Oberen Marktstraße verwaadt war. Leinhos wurde 1919 Besitzer von Chrysopras Lösches Hall und verkaufte das Anwesen an G. Zorn. Im Iahre 1922 erwarb die Harfe-Druckerei das Haus und betrieb dort zeitweise eine Druckerei. Später kam das Haus zur Christlichen Gemeinschaft.

15. Es ist kaum noch vorstellbar, dass es in Bad Blankenburg einst groBe freie unbebaute Flächen gab, dazu sogar flaches Gelände. Im Flurteil 'Schlotcerfeise' in Richtung Schwarzatal irn Süden der Stadt war das in den ersten Iahrzehnten des 20. [ahrhunderts so. Landwirtschaftliche Nutzung und die Industrie sowie der Kur- und Fremdenverkehr bestanden noch lange nebeneinander. Der Weg in das Schwarzatal hieß damals noch Mittelweg. Auf Novitäten reagierte man sehr sensibel. Im Iahre 1902 und ein Iahr darauf verbot man das Befahren der nun GeorgstraBe mit Automobilen und das bei der damaligen Verkehrsdichte dieser Benzindroschken. Hinten am Goldberg ist rechts die Villa von Dr. med. Karl Schulze zu sehen, der 1917 verstarb; daneben rechts das vorherige Gebäude des späteren Sanatoriums, dann die Villa Harms und die Ernstings- Villa und schließlich das Haus 'Bergfrieden' der Frau von Wrade, ein Mädchenpensionat. Eine frühe Kurstadt-Idylle.

16. Die erste Villa am Goldberg ließ der Rentier Carl Bernhardt ab 1864 errichten. Nach zwei Iahren zog er ein und feierte mit seinen hiesigen Freunden die Einweihung, wobei an diesem Abend der ganze Berg in festlicher Illumination erstrahlte. Ganz Blankenburg soll das Spektakel vom Mittelweg aus bestaurit haben. Der seit 1882 in Blankenburg ansässige Professor Karl Freiherr von Fritsch erwarb dann das Anwesen. Freiherr von Fritsch war Präsident der Leopoldinischen Akademie der Naturforscher in Halle und Ordinarius der dortigen Universität. Er war in Weimar geboren.lm sehr schönen Park der Villa standen drei Nachbildungen von bekannten Plastiken, ein großer Hirsch, eine Rehgruppe und die 'Diana von Versailles'. Die ersten beiden fielen der 'Buntmetallgewinnung' zum Opfer, die Diana wurde wahrscheinlich gestohlen. Oben am Ende des Berges stand ein Gartenpavillon, der leider auch verfiel. Als es noch kein elektrisches Licht gab, schaute die Mutter in der Nacht im weißen Gewand mit einer brennenden Kerze nach den Kindern, von außen gespenstig anzusehen und so hieß das Haus die 'Gespenstervilla' .

17. August Morgenroth - er stammte aus Lichtstedt - hatte die Mühle am Anger zu einer Mahlmühle mit Mehlhandel und Lohmühlenbetrieb aufgebaut. Gemeinsam mit dem Blankenburger Kaufmann Fischer wollte er 1866 eine Tonwarenfabrik auf seiner Wiese, Pulvergarten genannt, errichten. Das missfiel natürlich der Blankenburger Schützengesellschaft, die am Anger ihr Domizil harte und dort Vogelschießen abhielt. Diese protestierte gegen Morgenrotlis und Fischers Vorhaben, wogegen Amtmann Sigismund die Baugenehmigung verteidigte: 'Ich bin es übrigens schon längst gewohnt, bei Beförderung von Fabrikunternehmen auf dergleichen Widerstand zu stoßen. Die Blankenburger bedenken nicht, dass ihr Städtchen erst durch die hier blühenden Fabriken das geworden, was es ist, ein sehr nahrhafter Ort, wo früher Armut und der Bettel herrschte.' Im Iahre 1920 wurde das Wasserrad ausgebaut und durch eine moderne Francis-Turbine zur Energiegewinnung ersetzt. Nach 1950 wurden die Mühle und das Wohnhaus abgerissen. Am Haus befand sich noch der Spruch: 'Dies Haus steht in Gottes Hand, Graupenmühle wird es genannt.'

18. Mühlenbesitzer RudolfMorgenroth am Anger verstand es, die technischen Neuerungen seiner Zeit geschäftlich gut auszunutzen. Er unterhielt eine Getreide-Dampfdrescherei und bot Holzbearbeitung aller Art an, er verrichtete auch Pumparbeiten mit einer Lokomobile. Urn 1911 kam noch der Dampfwalzenbetrieb dazu. Nach dem Tode Morgenroths führte seine Frau Rosa den Straßenbaubetrieb weiter. Bis zu 300 Arbeiter beschäftigte die Firma. Da die Arbeitsstätten oft weit entfernt lagen, kampierten die Arbeiter in Wohnwagen. Zu einem Wagenzug gehörten auch ein Wasserwagen, ein Teerspritzer und ein Aufreiser. Ende der 1930er Iahre wurde das Unternehmen geschlossen. Noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man den monströsen Maschinenpark bewundern. Die Morgenroths besaßen eine Villa am Anger.

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