Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Rolf Ose
Gemeinde
:   Bad Blankenburg
Bundesland
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6731-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2'

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19. Der Friedhof an der Griesbachstraße war schon lange eingeweiht, über einen neuen Friedhof an der Schwarza dachte man schon nach, die Anlage des alten Pestfriedhofes an der Ecke Untere Marktsttaße Burgweg blieb noch lange bestehen. Sie war umfriedet mit Steinen der alten Blankenburger Stadtmauer, die man bereits 1801 abgerissen hatte. Die Umsetzung der Grabmale und die Umbettung der Gräber während des Zweiten Weltkrieges erfolgte vorbildlich, darunter auch das Grab von Friedrich Fröbels erster Frau Wilhelmine Henriette. Die Hof-Konditorei Max Greiner hat noch das Aussehen vor der Veränderung der Fassade im Iahre 1912. Auch die alte Treppe zum Café ist gut zu erkennen. Max Greiner muss auch Teile seines Hauses zeitweise vermieter haben. Im [ahre 1897 praktizierte in Parterre ein Dr. med. Levy als Wundarzt und Geburtshelfer.

20. Max Greiner war Hof traiteur (französisch Hoflieferant) beim Fürstlichen Hof zu Rudolstadt. Sein Anwesen war beträchtlich und reichte vom 'Dörfchen' bis hinauf zur 'Kanzel' auf dem Oelberg. Konditorei und Café Greiner arn Aufstieg zur Burgruine Greifenstein offerierten nach dem Umbau 1912 moderne Lokalitäten mit reinen Weinen, es gab Kulrnbacher-, Pilstier- und Lagerbier sowie zahlreiche andere erfrischende und auch warme Getränke, täglich frische Torten, Kaffee-, Tee- und Dessertgebäck etc., dazu Schlagsalme und Eis zu jeder Tageszeit. Das Mobilar war nach Wiener Art und sollte bis in die 19 60er Jahre teilweise so bleiben. An der Ecke befand sich auch bis zu dieser Zeit der Bäckerladen. Im 'Café Greiner' einzukehren galt in Bad Blankenburg als sehr vornehm. Das Fürstliche Wappen über dem Eingang zum Café hatte man nach 1945 einfach zugedeckt.

Bad Blanken burg vom Edelsteig

21. Der sogenannte Westfriedhof an der Griesbachstralße war eine schone Anlage und immer sehr gepflegt. Im Jahre 1862 war der Friedhof von Superintendent Heubel eingeweiht worden. Hofrat Max Richter gab 1935 in der Schwarzatalzeitung eine eindrucksvolle Beschreibung des Friedhofes. Gleich neben dem Eingang gegenüber der Brücke über die Rinne erinnerte ein schlichter Stein an Heubels Frau Flora, eine Nichte Friedrich Fröbels. Hier steht auch noch heute die berühmte Blutbuche, von Generationen der 'Elefantenbaum' genannt. Hier ruhte der verdienstvolle Blankenburger Caspar Friedrich. Ihre letzte Ruhe fanden auf dem Friedhof die Bürgermeister Tieroff CtI880), Hopfe Ct1906), Bähring CtI914), die Ehrenburger Bernhardt Ct1896) und Fischer Ct1912), der erste Badearzt Dr. Fritzsche, der Amtsrat Sigismund, Landtagsabgeordneter 1848/49 CtI865), die Blankenburger Familie Knoch, der Papiermühlenbesitzer Stahl, der Fabrikbesitzer Strickrodt und viele Angehörige alter Blankenburger Familien. Im jahre 1919 wurde der Friedhof geschlossen, die Gräber wurden noch lange gepflegt. In den 19 60er Iahren wurde die Stätte entweiht, später scheute man nicht davor zurück, auf einem Teil einen Parkplatz zu bauen.

22. Das erste Gebäude, das Hugo Lösche am Eingang zum Schwarzatal erbauen ließ, war eine prächtige Villa. Sie stand ungefähr an der Stelle, wo sich der in den 1970er Iahren errichtete Neubau neben der Chirurgischen Abteilung des Kreiskrankenhauses befand. Hugo Lösche, der älteste Spross von zwölflebenden Kindern aus der Oberen Marktstraße. wurde ebenso wie Max Greiner aus der Stadt zum Hof traiteur ernannt, allerdings zum 'Großherzoglich-Mecklenburgischen'. Die Villa wurde dann im [ahre 1901 in den gewaltigen Neubau von Lösches Hall integriert. Hugo Lösche hatte stets mit sehr großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. So hat er am 27. November 1913 auf Grund seiner misslichen wirtschaftlichen Lage das Amt des Schatzmeisters des Bad Blankenburger Flottenvereins niedergelegt. Hugo Lösche blieb im Ersten Weltkrieg.

23. Die Familie Lösche in der Oberen Marktstraße war im alten Blankenburg eine Familiendynastie. Friedrich Lösche hatte zwölf Kinder. Hugo Lösche zog es ins Schwarzatal, wo er von Gustav Prüfer den 'Chrysopras' erwarb und ihn schnttweise zum Lösches Hall ausbaute. In der Altstadt wurde Otto Lösche als der 'Lösches Papa' populär, im Bild der Dritte von links mit der Mütze unterhalb der Hausnummer. Er empfahl der werten Kundschaft seine neu renovierten und vergrößerten Lokalitäten mit täglich frischem Gebäck aller Art. Es gab eine große Auswahl an Schokoladen, Konfitüren, Atrapen und Bonbonieren. Die Marzipankreationen von Lösches waren berühmt. Im Lösches Hall unterhielt Otto Lösche eine Verkaufsstelle. Das Café hatte ein Interieur nach Wiener Caféhaus-Art noch bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei Lösches konnte man auch Biere und alkoholfreie Getränke kaufen.

24. Ein Bliek in die Untere MarktstraßelEcke Kirchplatz zeigt das Haus mit dem Laden von Carl Apel Junior. Er führte eine Buchund Papierhandlung, wo auch Hüte und Galanteriewaren (PutzSchmucksachen, auch kleinere Gebrauchsgegenstände) angeboten wurden. Hugo Apel harte das Haus und Geschäft 1898 von G.A. Preller nach dessen 34-jähriger Geschäftstätigkeit gekauft, es bestand also schon seit 1854! Damals war es ein Gemischtwarenladen. Apels betrieben auch eine Buchbinderei und verkauften Zeitungen. Letzte Besitzerin aus der Familie war HannaApel.

25. Den Vorschlag zur Elektrifizierung der Stadt Blankenburg machte bereits 1898 der Fabrikant Hermann Damm. Er legte ein Projekt für die Straßenbeleuchtung vor, das jedoch aus Kostengründen zurückgestellt wurde. Im selben Iahr wurde Blankenburg mit Watzdorf durch ein Telefonnetz verbunden. Im Iahre 1901 diskutierte der Blankenburger mit dem Rudolstädter Stadtrat ernsthaft den Bau einer 'Elektrischen Straßenbahn' zwischen den beiden Städten. Eine Schattenseite der Elektrifizierung war die Verdrahtung der Stadt vor allem vor den Häuserfassaden oder direkt daran. In der Altstadt führte man die Kabel auch über die Dächer. Diese Verkabelung bestand teilweise bis in die 1960er [ahre. Die im Bild zu sehenden Monteure besteigen einen Mast in der Bahnhofstraße vor dem Fotoatelier Schmiedeknecht.

26. Ein Geschäft für Textilien und Kurzwaren führte Gertrud Rosenbusch, geborene Vollrath, seit Anfang der 1930er Iahre bis 1945 in der Unteren Marktstraße 2]. Das Haus hatte dem Schneider August Grosser gehört, der auch eine Flaschenbierhandlung nebenbei hatte. Ihr Großvater begründete die Blankenburger Firmen- und Familiendynastie Vollrath. Kar! Rosenbusch stammte aus Volkmannsdorf. Er war gelernter Elektriker und arbeitete zeitweilig mit Elektromonteur Otto Stapf'Am Dörfchen' zusammen, später dann im Gummiwerk. Sein Haus am Burgweg 3 wurde im Iahre I 904 erbaut. Der Zeigerheimer Weg begann damals erst ein Haus dahinter.

27. In der Unteren Marktstraße, gleich unterhalb der Apotheke, befand sich früher der Feinkost-Lcbensmlttel-Laden von Martha und Eduard Georgi. Hier wurden vorwiegend Delikatessen angeboten, darunter gute Sorten von Kaffee, Kakao, Tee, Schweizer Käse, aber auch Zucker, Salz, Mehl und Nudeln. Es gab auch frisches Sauerkraut, Salzgurken aus großen Fässem, Butter und Spirituosen. Der Laden wurde von den Blankenburgern sehr geschätzt. Das Geschäft wurde aufGrund van Anschuldigungen 1946 von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet, dann wurde die Enteignung rückgängig gemacht und schließlich erneut verfügt. Das Anwesen reichte bis zur Apostelgasse mit einem geräumigen Hof, Wäscheplatz und darin standen zwei schöne Kirschbäume. Die Bilder zeigen das Geschäft mit der Fassade in der Unteren Marktstraße und das Besitzerehepaar zur Goldenen Hochzeit im Iahre 1944.

28. Das große märchenhaft aussehende Haus, deswegen 'Dornröschen' genannt, am Bogen desVillenweges, später Goetheweg, war ursprünglich die Villa Schramm. Sie wurde von Generaloberst Graf Günter Emanuel von Kirchbach erworben und war in Blankenburg dann als 'Kirchbachsvilla' bekannt. Kirchbach hatte eine große militärische Karriere absolviert. Als Königlich-Preußischer Generaloberst a la suite des 1. Niederschlesischen Infanterie-Regiments war er im Ersten Weltkrieg zunächst kommandierender General des X. Reservekorps, wurde bereits arn 29. August 1914 in der Schlacht von Saint Quentin in Frankreich verwundet. Ab 1916 war er Führer des Landwehrkorps, ab 1917 Oberbefehlshaber der Armeeabteilung D, dann ab Dezember 191 7 Oberbefehlshaber der 8. Armee in Riga. Er nahm an der Eroberung des Baltikums teil und war zuletzt der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Kiew der deutschen Okkupationstruppen in der Ukraine bis zum 7. Februar 1919. Im Iahre 192 5 starb er. Seine Frau lebte bis zu ihrem Tod 1951 in der Villa.

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