Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Rolf Ose
Gemeinde
:   Bad Blankenburg
Bundesland
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6731-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2'

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49. Die 1931 eröffnete Stadthalle war neben der Erfurter Thünngenhalle mit der größte Saal im Thüringer Land. Damit boten sich natürlich enorme Möglichkeiten für große Veranstaltungen. Vom 10. bis 18. Oktober 1931 fand hier die Großschau 'Deutsche Ernte' statt. Wieder einmal war es Hofrat Max Richter, der wesentlich zum Gelingen der Veranstaltung beitrug, wofür ihm der Bürgermeister Dr. Dietel und der Vorsitzende des Stadtrates Kaysser am 22. Oktober schriftlich ihren Dank aussprachen. Eine weitere gelungene Veranstaltung war die im Bild zu sehende Rosenschau 1933. Aber es gab besonders unter den Bad Blankenburger Gastwirten auch viel Unmut über die neue Errungenschaft der Stadt.

50. Während des 'Dritten Reiches' hatte fast jede Stadt in Deutschland eine Adolf- Hitler-Straße. In Bad Blankenburg war es ein Adolf-Hitler-Platz. Von der Stadthalle kommend, gleich links hinter dem Bahnübergang in oder an den Erlen wurde eigens dafür der Kurpark umgestaltet und ein wuchtiger Block zu 'Ehren des Führers und der Bewegung' aufgestellt. In der Anlage standen auch zwei Fahnenmasten mit einem Hakenkreuz. Nach Kriegsende wurde alles schnell beseitigt. Im Rathans der Stadt hing dann noch jahrzehntelang ein Bild, wo das Denkmal. wenn auch sehr winzig, darauf zu sehen war. Man hatte wohl nicht so genau hingeschaut. Als der Rosenbrunnen Ende der 197 Oer Iahre gebaut wurde, stieß man auf die alten Fundamente und hatte alle Mühe, diese zu beseitigen.

51. Am 5. Oktober 1911 macht das Fürstliche Ministerium in Rudolstadt bekannt: 'Mit Höchster Genehmigung Seiner Durchlaucht des Fûrsten hat die Stadt Blankenburg die amtliche Bezeichnung Bad Blankenburg - Thüringer Wald erhalten.' Angeregt hatte das der Besitzer des Sanatoriums 'Schwarzeck' . Paul Wiedeburg, um Verwechslungen mit Blankenburg am Harz künftig zu vermeiden. Natürlich wertete die neue Bezeichnung die Stadt als Kur- und Fremdenverkehrsort erheblich auf. Zu dieser Zeit gab es dafür allerdings noch keine gesetzlichen Grundlagen mit entsprechenden Anforderungen. Es lag im Ermessen der 'Obrigkeit'. nach Belieben so etwas zu verfügen. Am 27. [auuar 1912 wurden an den Bahnsteigen am Bahnhof dann die Schilder mit der Ortsbezeichnung angebracht. Die Bahnsteige 2 und 3 hatten die elegante Überdachung. Den Personentunnel hatte man schon 1904 gebaut. Leider ist von dieser Bahnhofsatmosphäre nichts mehr vorhanden.

52. Den Nationalsozialisten blieb es vorbehalten, berelts am 10. April 1933 den Internationalen Feiertag des Proletariats zum 'Tag der Nationalen Arbeit' auf der Grundlage des Ermächtigungsgesetzes vom 24. März 1933 im Reichstag zu erklären. So marschierte an der Spitze des Zuges am 1. Mai 1935 die Ortsgruppenleitung der Stadt Bad Blankenburg der 'Nanonalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei'. In der Mitte ist der Bürgermeister Georg Kaysser zu sehen, der 1935 ins Amt kam und es formal bis 1945 blieb. Allerdings wurde er 1939 im Rang eines Oberleutnants zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, so dass der Beigeordnete Hermann Petersilge bis Kriegsende das Amt führte. Vorn marschiert der Polizist Hoffmann, wegen seines großen Schädels auch 'Der Presskopf" genannt. Georg Kaysser wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entnazifiziert und wurde Stadtverordneter der National Demokratischen Partei Deutschlands. Er machte sich urn Beiträge für die Ortschronik verdient.

53. Michael Hofmann kam im November 1932 von Nürnberg nach Bad Blankenburg. Nachdem der Friseur Eugen Günther gestorben war, wurde ein Meister für dessen Geschäft in der Bahnhofstraße im Haus von Fritz Macheleidt gesucht. Michael Hofmann trat die Stelle an und pachtete ein Iahr später den ehemaligen Kiosk am Bahnhofsvorplatz und baute ihn zu einem Friseurgeschäft aus. Hier gab es auch Reiseandenken zu kaufen. Im [ahre 1940 wurde der Friseurmeister zur Deutschen Wehrmacht einberufen und das Geschäft geschlossen. Im Iahre 1946 eröffnete Frau Hofmann auf Drängen der sowjetischen Besatzungsmacht das Geschäft wieder. Im August 1948 kam Michael Hofmann aus sowjetischer Gefangenschaft zurück und führte den Friseursalon bis 1960 weiter. Dann verließ er Bad Blankenburg und ging in seine alte Heimat nach Nürnberg zurück. Das Geschäft wurde von der Mitropa übernommen und noch viele Iahre als Damen- und Herrensalon weiterbetrieben.

54. Ab 1933 wurde bei 'Vollrath & Sohn' wieder kräftig investiert. Die Gewinne stiegen von 1935 bis 1937 auf das Zehnfache. Nicht zuletzt die Rüstung des 'Dritten Reiches' verlangte nach neuen Schlauchtypen, hauptsächlich Druckluft-, Reichsbahn- und vor allem Benzinschläuche. Die erforderliche Energie lieferte das neu erbaute Kraftwerk. Es wurde eine 80 Meter hohe Esse und ein Kühlturm gebaut. Das Chemikalienlager wurde erweitert und ab 1938 die großen Schlauchsäle errichtet. Im [ahre 1941 nahm man eine Benzintankanlage in betrieb. Die Belegschaft stieg bis zum Kriegsbeginn auf über 800 an! Der Reingewinn des Betriebes stieg von 454 000 Reichsmark im jahre 1940 auf 1 251 000 Reichsmark im Iahre 1943. Von 1942 bis 1945 waren etwa 500 Zwangsarbeiter aus vielen Ländern beschäftigt. Freiwilligen-Werbung in Frankreich scheiterte. Geschäftsteilhaber Schleicher versuchte auch in den besetzten Ländern Mittel- und Osteuropas Fuß zu fassen. Trotzdem sank ab Anfang 1944 die Produktion und kam am 3. April 1945 völlig zum Erliegen.

55. Zwölf Kilometer Fußweg musste Paul Heinze aus Braunsdorf zu 'Vollraths' nach Bad Blankenburg zurücklegen, wo er als Weber arbeitete. Er wollte aber lieber Gastwirt werden. Im [ahre 1918 war es dann soweit. Paul Heinze hatte das letzte Haus rechts in der Rudolstädter Straße gekauft. Mit viel Mühe und Geschick richtete er eine urgemütliche Gaststätte ein. Sie hatte eine Eekbank aus herrlichem Holz, weiß gescheuerte Eichentische, aus Holz geschnitzteTüren, eine Warmwasserheizung, Fremdenzimmer und eine Freiterrasse. Bockbier- und Schlachtfeste erfreuten sich bald großer Beliebtheit. Nun musste noch ein Name für die Gaststätte gefunden werden. An dieser Stelle der Straße, wo es nach Blankenburg hinein ging, soll einst ein Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt zu seinem Kutscher gesagt haben: 'Lass mich mal in den Schoß!' Er wollte also selbst kutschieren. So nannte man die Gaststatte 'Zum Schößcheu'. Sie wurde 1972 geschlossen, es gab bis 1990 noch einen Getränkestützpunkt und damt war Schluss. Das Haus wurde abgerissen und ein Wohnhaus an dieser Stelle gebaut.

56. Nicht alle Bad Blankenburger waren über die Veranstaltungen in der neuen Stadthalle erfreut. So schrieb der örtliche Gastwirtverein, gegründet 1910, am 21. Juli 1933: 'Die Stadthalle wirkt sich in letzter Zeit besonders schlimm für die Gaststätten aus. Alle guten Vorsätze der damallgen Schaffer, wie wir schon voraus sagten, über den Haufen geworfen .... Der Stadt will man durch diese Veranstaltungen dazu verhelfen, dass die Zinsen einigermaßen gedeckt werden für das verbaute Kapital und auf der anderen Seite ruiniert man unsere Geschäfte .... Wenn heute schon feststeht, dass die Erbauung der Stadthalle ein Fehler war, sollte man nicht dazu übergehen, unsere Gaststätten den Ruin auszusetzen .. .' Die Stadthalle wurde dann doch über viele jahrzehnte ein geschätzter Ort des gesellschaftlichen Lebens in Bad Blankenburg. Vom 25. bis 26. Juli 1936 fand hier der 'Thüringer Gästetag' statt.

57. Noch weit bis ins 20. [ahrhundert betrieben viele Bad Blankenburger im Haupt- oder Nebenerwerb Landwirtschaft. Die Lagerung des Erntegutes erfolgte in Scheunen außerhalb der Altstadt. Im Stadtbereich wäre das auch nur begrenzt möglich und sehr gefährlich gewesen, die Blankenburger hatten sehr schlimme Erfahrungen mit Feuersbrünsten! Eine eigene Dreschmaschine war für keinen der Landwirte erschwinglich, geschweige denn rentabel. Man beauftragte dazu Lohnuntemehrnen. Zur Erntezeit wurde Tag und Nacht in der Scheunengasse gedroschen. Man hörte es fast in der ganzen Stadt, wochenlang. Später installierte man eine stationäre Dreschmaschine in einern festen Gebäude gleich vorn links in der Scheunengasse. Ende der 1960er jahre war damit Schluss. Im Gebäude lagerte man noch einigejahre allerlei Material, dann wurde es zugunsten der Zufahrt zum Volkseigenen Gebäudewirtschaftsbetrieb abgerissen.

58. August Merboth, derTrompeter, Oskar Knabe, der Vater vom legendären 'Knabens Rudi', und Georg Näther, er war zuvor der Wirt im 'Goldenen Löwen'. waren in der Reihenfolge die Burgwirte auf dem Greifenstein. August Merboth ist es zu verdanken, dass 1898 eine zunächst bescheidene Restauration in der Burgruine entstand. Die ersten Räume zu diesem Zweck befanden sich zwischen dem später wiedererbauten Turm und dem ebenfalls dann neu errichteten Palasgebäude. Merboth war ein beliebter Bürger. JedenAbend 18.00 Uhr kam ein Trompetensolo von der Burg. Auch gesellschaftliche Anlässe oder Beerdigungen begleitete Merboth mit einem Trompetensignal von der Burg. Die im Iahre 1900 gegründete Burggemeinde entstand wohl auch auf sein Betreiben hin. Die Nachbarn, wie sie sich nannten, waren echte Lokalpatrioten und hatten viel Humor. In den 193 Oer Iahren hing in der Burgwirtschaft das unvermeidliche 'Hitlerporträt'. Das Mobilar der Burgwirtschaft gab es so noch bis in die 1960er Iahre, einschließlich derTischdecken.

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