Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Rolf Ose
Gemeinde
:   Bad Blankenburg
Bundesland
:   Thüringen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6731-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bad Blankenburg in alten Ansichten Band 2'

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59. Albert Eckardt in der Oberen Marktstraße 27 bot in seinem Spezialgeschäft Porzellan-, Glas- und Tonwaren in Gebrauchs- und Luxusgegenständen an. Er harte auch in der Oberen Mauergasse ein Geschäft oder Lager, ganz mit Kacheln gestaltet. Vertrieben wurden Majoliken (Intarsien) und Terrakotten als Vasen, Jardinieren (Blumengefàße), Blumentöpfe, altdeutsche Gefàße einfacher und künstlerischer Ausführung, dazu kunstgewerbliche Gegenstände nach Entwürfen von berühmten Künstlern und feuerfestes Tongeschirr. Idor Eckardt führte das Geschäft - er war Ofensetzermeister - bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Paul Eckardt wusste sehr viel vorn alten Blankenburg. Seine Schwester Lina, verheiratete Oswald, besaß das Haus des späteren Fotoateliers Worgul. Ihr Sohn Berthold eröffnete dann in der Unteren Marktstraße einen Porzellanladen.

60. Hochwasser hatte es im Rinnetal immer wieder gegeben, so historisch belegt in den [ahren 177 5, 1818, 1883 und 1890. Ein schwerer Wolkenbruch mit dem Zentrum über dem Rottenbach-, dem Tell- und Hengelbachtal sorgte am 18. Mai 1937 für eine siebenstündige Flutwelle durch die Bad Blankenburger Altstadt. Die größten Schäden gab es in der Unteren Mauergasse, der Apostelgasse, in der Unteren Marktstraße sowie auf dem Anger. Die nationalsozialistische Führung schickte 'Reichsarbeitsfûhrer' Hierl ins Katastrophengebiet. Der Reichsarbeitsdienst setzte zur Beseitigung der Schäden bis zu 1 400 Arbeitsmänner ein. Die Rudolstädter Zeitung gab zum Geschehen einen Sonderdruck heraus. Das Bild zeigt die Situation in der Unteren Marktstraße nach dern Hochwasser.

61. Der erste Betrieb von Herrnann Pawlik wurde 1919 in Königsee gegründet. Er betrieb den Großhandel mitTaschenlampenhülsen, Glühbirnen und Batterien. Später begann die Eigenfertigung von Schwach- und Starkstromteilen. Zwei Jahre nach Gründung wurde der Betrieb nach Bad Blankenburg verlegt. Im ehemaligen Gasthaus 'Zum Kühlen Grund' in der Flecke produzierte man Sicherungselemente und -Patronen und andere elektrotechnische Artikel. Im Iahre 1929 wurde das Hauptgebäude des neuen Betriebes in der Rudolstädter Straße gebaut und von 1932 bis 1939 erweitert. Während dieser Zeit begann auch die Fertigung von Radioteilen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden auch Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Produktion erweiterte Pawlik aufNachrichtengeräte, Trockengleichrichter und Starkstromrelais. Der Betrieb hatte 361 Beschäftigte im Iahre 1944.

62.Am 1. AprilI936 wurde der I5-jährige RudolfDittmar aus Unterpörlitz bei Ilmenau der erste männliche Lehrling im 'Mode & Weisswarengeschäft' Petersilge in Bad Blankenburg in der Oberen MarktstraBe. Über seine Lehreltern schrieb er: 'Unser Chefehepaar lebte uns ein solides, bescheidenes Leben vor. Nach demTagesablaufhätte man fast die Uhr stellen können. Als Lehrlinge, wir waren vier, hatten wir täglich vor Geschäftsbeginn eine Stunde Verkaufs- und Warenunterricht. Zwischen 11 und 12 Uhr war Herr Petersilge generell auf dem Rathaus und zwischen 17 und 18 Uhr am Stammtisch in der Harfe. Einmal war Herr Petersilge eine Woche zur Weltausstellung in Paris und seine Frau in Oberstdorf in Urlaub. Sein Credo war: Erziehung macht Bildung, Bildung macht Benehmen, Benehmen macht Achtung, Achtung macht Wertschätzung, Wertschätzung liegt in der Ehrlichkeit. Im Bild ist sein Geschäft in der Oberen MarktstraBe 6 zu sehen.

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63. In der Eingangstfu ihres Geschäftes stehen im jahre 1936 Dora und Otto Leuthäuser. Flektroingenieur Otto Leuthäuser, geboren 190 I in Ilmenau, gründete die Firma 1931 unter dem Namen 'Ingenieur Otto Leuthäuser Rundfunk und Elektrofachgeschäft Bad Blankenburg Untere MarktstraBe 23'. Zuvor war im Laden eine Fleischerei. Im jahre 1958 wurde das Geschäft auf das eigene Grundstück am Burgweg 3a verlegt, wo Otto Leuthäuser seit Mitte der 195 Oer Iahre ein stattliches Haus erbauen lieB. In dessen Kellerräumen befand sich die Werkstatt. Bei allen Problemen mit defekten Elektrogeräten, beim 'Leuthàusers Otto" konrite man Tag und Nacht damit klingeln. Im Laden in der Unteren Marktstraße war dann die Volksbuchhandlung.

64. Die Schieferbrüche Gebrüder Breternitz und Töpfer entstanden gegen Ende des 19. [ahrhunderts aufBöhlscheibenerTerritorium, aber nahe der Flurgrenze zu Blankenburg im Schwarzatal zuerst als Spalthûtten, dann auch unter Tage. Gustav Töpfer war Ehrenbürger von Böhlscheiben, Gemeinden vergaben diesen Titel nur selten. Die Breternitzens bauten dann die beliebte Ausf1ugsgaststätte, hinter der sich ein Bergsee befand. Dieser war durch eine Sprengung im Stollen entstanden. Versorgt wurden die Schieferbrüche durch eine Standseilbahn vom Tale aus, die auch das gewonnene Material zu Tale brachte. Am 31. August 1904 ereignete sich in den Brüchen ein schwerer Unfall. Einem dort beschäftigten Arbeiter aus Unterhain wurde von abstürzendem Gestein der Unter- und Oberschenkel zertrümmert. Dr. med. Franke und die Blankenburger Sanitätskolonne waren, telefonisch gerufen. alsbald zur Stelle. Die Gaststätte und das Bergwerk wurdenAnfang der 1970er Iahre geschlossen.

65. Zur Baumaterialgewinnung gab es an der 'Schwarzawand' seit Jahrhunderten mehrere Steinbrüche, Einer davon gehörte Karl Wurmb. Sein Sohn Hermann Wurmb baute dort eine Gartenh.ütte. Er hatte viele Bekannte und oft Besuch im Wurmbsbruch. Vor allem den Bad Blankenburger Sängern hatte es die romantische Kulisse mit ihrer hervorragenden Akustik sehr angetan. Die erste Eröffnung einer Ausflugsgaststätte wurde für den 1 l , Juli 1924 angekündigt. Eine erneute Konzession erhielt Wurmb 1935 für den Ausschank alkoholfreier Getränke und er baute die Gaststätte zu den jahrzehntelang beliebten 'Sängergrotten' aus, Im Iahre 1943 wurde die Gaststätte geschlossen. In den Jahren 1947 und 1948 erfolgte dann der Bau des Hauses. Sohn Albert Wurmb, gelernter Maler, übernahm 1958 die Gaststätte. Besonders in den Sommermonaten war eine regelrechte 'völkerwanderung' dem ZeigerheimerWeg entlang oder an der Schäferei vorbei ins Lokal zu beobachten.

66. Karl Oettler Senior eröffnete in der Mauergasse im Iahre 1913 ein Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft. Karl Oettler Junior erhielt 1928 vom Stadtrat die Gewerbegenehmigung zur Errichtung einerTankstelle am Markt 6, die noch im Juni dieses Iahres den Betrieb aufnahm. Dorthin hatten Oettler Senior und Junior das Geschäft verlegt und führten es als 'Motorrad-, Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft mit Reparaturwerkstatt' weiter. Im jahre 1931 erfolgte die Einrichtung eines 'Ölkabinetts'. Vier Iahre später wurde vor dem Haus ein zweiter Benzintank eingebaut. Im August 1953 übernahm Karl Oettler Junior das Geschäft. Sein Sohn Manfred führte seit den 1960er [ahren eine Werkstatt für Pahrrad- und Mopedreparaturen, die bis 1990 bestand. Die Tankstelle wurde bereits im Iahre 1977 wegen der ungünstigen Verkehrslage am Markt geschlossen.

67. Im alten Bad Blankenburg liebte man sehr die Geselligkeit. Bereits 1911 gab es schon Karnevalsveranstaltungen. Am 4. Februar dieses Iahres fand im Chrysopras lösches Hall eine karnevalistische Sitzung mit einem 'Rat der Elf' statt. Veranstalter war derVerein 'Humor', der im Iahre 1887 gegründet wurde. Das Bild zeigt den zahlenmäBig doch recht groBen Verein im Iahre 1938 ebenfalls im Lösches Hall. Mit dem Akkordeon war natürlich der 'Knabens Rudi' dabei. Vereine gab es ohnehin in großer Zahl, so seit 1874 die Frauengesellschaft 'Heirere Laune', einen 'Alpenclub', ab 1906 den gesellschaftlichen Verein 'Einigkeit'.

68. Den Ausschlag für die Errichtung des Arbeitsdienstlagers im Flurteil 'Löbichen' gab die Hochwasserkatatrophe im Iahre 1937. Von Bad Frankenhausen wurde das Batallion 'Kyffhäuser 7 I 230' nach Bad Blankenburg verlegt. Der Arbeitsmann Heini Döllner erinnerte sich: Das Lager umfasste drei Wohnbaracken, eine Baracke für das Führungspersonal, eine Küche und Kantine, ein Gerätelager, die Verwaltung und die Wache. Die Mannschaft bestand aus etwa 125 Personen. Der Grundlohn pro Stunde betrug 50 Pfennig. Leiter war ein Kurt Bauer, der nach 1945 der Chef der Bad Blankenburger Stadtarbeiter war, aber dann nach dem Westen ging. Der Arbeitsdienst war unter anderem im Rinne- und Rottenbachtal eingesetzt und baute die Ufermauern an der Rinne und an der Stadthalle und schuf auch die Kulisse für die Fröbelfeier 1940 in der Georgstraße. Im Iahre 1944 wurde das Lager aufgelöst.

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