Belm in alten Ansichten Band 2

Belm in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Gerd-Ulrich Piesch
Gemeinde
:   Belm
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5536-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Belm in alten Ansichten Band 2'

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19. Ein treffendes Bild der Athmosphäre eines ländlichen Schützenfestes vermittelt diese Aufnahme der 1972 abgerissene Gaststätte Berger an der Lindenstraße aus den sechziger Jahren. Die Schützenfeste entwiekelten sich aus dem seit dem Spätmittelalter nachweisbaren, ursprünglich der Wehrertüchtigung dienenden Vogelschießen der bäuerlichen Schützenmilizen im Laufe der Jahrhunderte zu echten Volksfesten. 1905 wurde in der Gaststätte Bücker (später: Schäper) der 1938 aufgelöste Schützenverein Belm ins Leben gerufen, der in einer Sandgrube auf dem Gelände der heutigen Friedhofskapelle seine Schießhalle errichtete. 1951 gründete sich dieser Verein als Belmer Schützenverein neu und baute die alte Kegelbahn der Gaststätte Berger zu seinem Schießstand um. 1979180 entstand am Heideweg ein neues Schützenhaus.

20. Von der ehemaligen Gaststätte Niegengerd blieken wir auf dieser Aufnahme aus den frühen siebziger Jahren nach Südosten auf die Ende März 1972 verschwundene Gaststätte Berger, die auf dem heute unbebauten Gelände zwischen dem evangelischen Friedhof und dem Verbindungsweg zwischen Lindenstraße und Belmer Straße stand. In der alteingesessenen Bevölkerung warfür diesen Weg der Name Orgelgasse gebräuchlich. Rechts neben dem eigentlichen Gaststättengebäude findet sich in der Bildmitte der Giebel des zu dieser Gastwirtschaft gehörenden Brauhauses, während am rechten Bildrand das Dach des 1990 abgerissenen Saalgebäudes der Gaststätte Berger erkermbar ist. Der schöne stattliche Baum vor dem Bruchsteingiebel dieses Anwesens fielleider 1989 einer unnötigen Verbreiterung der Lindenstraße zum Opfer.

21. Eine Hochzeitskutsche fährt hier am 24. Oktober 1929 vor der Einfahrt zum katholischen Pfarrhofüber die Lindenstraße. Das leider 1972 abgerissene Fachwerkhaus im Hintergrund diente zuletzt als Pfarrheim, in dem Versammlungen stattfanden und Religionsunterricht erteilt wurde. In den fünfziger Jahren war in einem seiner Räume einige Zeit auch die Gärtnerei Wilhelm Rüters untergebracht. Ursprünglich aber wohnte in diesem Gebäude der Knecht des katholischen Pastors, dessen Pfarrei in Belm, Haltern und Gretesch umfangreiche Ländereien besaß und zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben im Kirchspiel Beim gehörte. Wie eine noch erhaltene lateinische Inschrift auf seinem untersten Giebelbalken erkennen Iäßt, wurde dieses katholische Pfarrheim im Jahre 1818 unter Pfarrer Johann Heinrich Ellermann erbaut.

22. Das Haus Lindenstraße 52, hinter dem noch der 1939 beseitigte nordwestliche Fachwerkgiebel der Gaststätte Niegengerd erkermbar ist, wurde 1910 von dem Schuhmachermeister Landwehr erbaut. Dessen Sohn Karl Landwehr richtete um 1922 in einem Anbau eine Holzschuhfabrik ein, die von etwa 1929 bis 1931 an Josef Vincke aus Gretesch und anschließend bis 1955 an Willi Schulze aus Powe verpachtet war. 1928 hatte nämlich der Schmied Theodor Stahmeyer dieses Anwesen erworben und auch das 1952 bis 1979 von Wilhelm Stahmeyer und heute von Alfons Stahmeyer geleitete Haushaltswarengeschäft gegründet. Die Schmiede wurde 1952 bis zu seinem Tode 1974 von Konrad Stahmeyer fortgeführt und war 1975 bis 1979 an Heinz Ossen brink verpachtet. Außerdem hatte hier 1945 bis 1953 der Installationsbetrieb von Theodor Stahmeyer jun. seinen Sitz.

23. Der schon vor 1914 einsetzende Bau neuer Häuser an der Lindenstraße in Richtung auf Powe setzte sich auch in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen fort. So errichtete 1919 der Tischlermeister Arensmann aus Wellingen gegenüber der Gaststätte Osterhues dieses Wohnhaus, das 1927 durch Kauf an den Malermeister Hermann Kemper überging. Im Jahre 1931 fiel jenes Gebäude einem Brand zum Opfer und wurde 1931132 in seiner jetzigen Gestalt wiederaufgebaut (Lindenstraße 48, heute: Farbenhaus Ewald Kemper). Im Gegensatz zum 1910 entstandenen und noch ganz dem Gründerstil verhafteten Haus Stahmeyer (Lindenstraße 52) zeigt das abgebildete Haus Arensmann-Kernper völlig die Formen des vor dem Ersten Weltkrieg aufgekommenen Neubiedermeierstiles, der an die um 1840 abgebrochene heimische Bauweise wiederanknüpfen wollte.

Belrn

24. Zum Anfang unseres Jahrhunderts, als das Fotografieren noch weit umständlicher war als heute, verkauften die Gastwirte zu Werbungszwecken nicht selten auch gezeichnete Postkarten ihrer Gaststätten. Hier sehen wir die 'Schänkwirtschaft von Heinr. Osterhues' an der Lindenstraße auf eine solche Weise dargestellt. Während die südöstliche Schmalseite dieses Gebäudes noch Fachwerk aufweist, zeigt die der Lindenstraße zugekehrte Schauseite der Gaststätte Osterhues mit dem stattlichen Söller über dem Eingang die kennzeichnenden Formen eines ländlichen Gründerstiles. Das Dielentor im erst 1913 zum heutigen Saal umgebaute.i Stallteil dieses Anwesens indes verdeutlicht sehr eindrucksvoll, daß auf dem Lande früher die nebenher betriebene Landwirtschaft auch für eine Gaststätte einfach unverzichtbar war.

25. Das Ende der Belmer Trachten zeigt in augenfälliger Weise diese Familienaufnahme aus der Zeit um 1880. Die alte Generation hält noch an der überkommenen Tracht fest, während die jungen Leute von damals schon die modeme städtische Kleidungjener Jahre tragen. Bei der Frauentracht sehen wir wieder die Spätform mit der Haube. Dargestellt sind der Tischler Bernhard Weber (1843-1931), dessen Werkstatt im Hause Astruper Weg 3lag, seine Frau Karoline, geborene Kassing (1823-1913), und ihre aus erster Ehe mit dem Heuermann Johann Adam Heinrich Jürgens (1819-1869) stammenden Kinder (von links nach rechts) Friedrich Jürgens (1855-1919), Josefine Jürgens (1862-1947) und Christian Jürgens (1854-1904). Josefine Jürgens war die Mutter des Tischlermeisters und langjährigen Belmer Bürgermeisters Friedrich Helmich (1894-1967).

26. Die bis 1944 zu Vehrte gehörende Gaststätte Bretholt-Stenzel an der Lindenstraße ist in drei Bauabschnitten entstanden. Das linke, 1822 oder 1830 errichtete einstige Fachwerkhaus gehörte ursprünglich zum Hof Placke (später: Bünger, jetzt: Lüpping) in Powe und bildete wahrscheinlich ein Heuerhaus. Später gelangte dieses Anwesen durch Kauf in den Besitz der Familie Kiffmeyer. Nach der Heirat von Johannes Bretholt und Sophie Kiffmeyer 1912 wurde im selben Jahre der mittlere Hausteil als Gaststättengebäude erbaut, während der rechte Anbau rnit dem Fachwerk im Obergeschoß erst aus den Jahren 1923/24 stammt. Neben der Gaststätte betrieb das Ehepaar Bretholt seit 1912 im alten, ehemals Placke'schen Hausteil eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen, der ab 1952 verpachtet war (Pächter: Schulmeyer, Todt, Dettmer).

27. In früheren Zeiten, wo besonders auf dem Lande nur wenige Frauen vor ihrer Heirat eine abgeschlossene Berufsausbildung erhielten und die Haushaltsführung eine größere Rolle als heute spielte, kam es nicht selten zur Veranstaltung von Kochkursen. Ein solcher Kochkurs wurde auch im Winter 1929/30 in der Gaststätte Bretholt unter der Leitung von Fräulein B1umberg durchgeführt, dessen Teilnehmerinnen sich hier vor dem Gaststätteneingang zu einem Erinnerungsfoto versammelt haben. Eines der Hauptgerichte auf diesem Kursus bildeten selbsteingelegte Heringe mit Pellkartoffeln und Preiselbeeren. In der Folgezeit wurde diese Speise auch in der Gaststätte Bretholt angeboten und erlangte auch in Beim eine größere Verbreitung.

28. Das Haus Astruper Weg 7, das diese Aufnahme aus den vierziger Jahren zeigt, wurde 1827 von dem Zimmermeister Johann Friedrich Müller errichtet und bildete ursprünglich einen Kotten des nahen, Mitte des 19. Jahrhunderts vom Gut Astrup erworbenen Vollerbenhofes Hustedt oder Hustede. Bis 1940 gehörte dieses einstige Heuerhaus der Familie Sundermann und ging anschließend in den Besitz der Familie Gartmann über. Im Gegensatz zum Nachbarhaus Astruper Weg 5, das stets in der Gemeinde Belm lag, wurde das Anwesen Astruper Weg 7 erst 1944 zusammen mit dem ehemaligen Gut Astrup von Vehrte nach Belm umgemeindet. Während das Fachwerk dieses Gebäudes in den siebziger Jahren verschwand, wurde die nebenher betriebene Landwirtschaft endgültig erst 1988 im Zuge der Bebauung der Astruper Heide aufgegeben.

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