Belm in alten Ansichten Band 2

Belm in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Gerd-Ulrich Piesch
Gemeinde
:   Belm
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5536-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Belm in alten Ansichten Band 2'

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39. Bis um 1900 besaßen auch im Belmer Raum viele Bauernhöfe ganz oder zumindest teilweise wie hier der Hof Eistrup in Powe auf einer Aufnahme von 1905/06 noch ein Strohdach. Eigenbehörig war der Hof Eistrup 1350 dem Bernhard Dethmarinch, 1402 der Cunegundis von Haren, 1412 den Brüdern Erdewin und Hermann von Dumpstorpe, 1426 dem Heinrich von Leden, 1442 der Witwe Gertrud von Leden, 1456-1458 dem Osnabrücker Domherrn Johann von Leden, 1510 dem Ludeke von Cappeln, 1512 dem Baltazar von Pletten berg und 1772 schließlich dem Domkapitel zu Osnabrück. Allerdings ist nicht völlig sicher, ob diese Angaben tatsächlich immer den heutigen Hof Eistrup betreffen oder aber sich auf einen anderen verschwundenen Hof der einstigen Bauernschaft Eistrup beziehen. die im Mittelalter ein aus mindestens drei Höfen bestehendes Dorf bildete.

40. Veranlaßt durch eine starke Bevölkerungszunahme entstanden im Osnabrücker Land vornehmlich seit dem 17. und vor allem im 19. Jahrhundert die zahlreichen Heuerhäuser , die nur in wesentlich kleineren Ausmaßen weitgehend niedersächsischen Bauernhäuser gleichen. Ihre Bewohner arbeiteten an festgelegten Zeiten auf dem Hof desjenigen Bauern, dem das Heuerhaus gehörte , und bekamen dafür einen Teil der Pacht erlassen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Heuerleute als Folge der stetig steigenden Löhne und Gehälter in Industrie, Handel und Handwerk immer mehr ab und nach dem Zweiten Weltkrieg fand auch im Belmer Raum das Heuerlingswesen ein völliges Ende. Die obige Aufnahme aus der Zeit um 1926 zeigt einen 1835 errichteten, heute umgebauten Heuerlingskotten des Hofes Eistrup am Eschkötterweg in Powe.

41. Der Hof Niederrielage in Powe gehört zu den auch in Beim recht zahlreichen Höfen, die einst dem Osnabrücker Domkapitel eigenbehörig waren. Das heutige abgebildete Hofgebäude stammt aus dem Jahre 1752. Wie die Hausinschrift über dem Dielentor zeigt, hatte zu jener Zeit ein 'Johan Hinrich Fincke' vorn Hof Vincke in Gretesch die Hoferbin 'Anna Gerdruht Rielach' geheiratet. Zusammen mit dem Hof Oberrielage (jetzt:

Meyer zu Driehausen) bildet der Hof Niederrielage den Rest der alten Bauernschaft Rielage, deren übrige Höfe im 16. Jahrhundert verschwanden. Im Hof Niederrielage gingen damals der Erbkotten Sack und der Hof Tacking auf, dessen Ländereien sich aber Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz des Hofes Oberrielage befanden. Unklar ist, von welchem Rielager Hof ein um 1300 in Osnabrück nachgewiesenes Rittergeschlecht von Rielage stammt.

42. Diese Aufnahme von 1920-1922 zeigt den Blick von der Straße nach Beim aufden Hof Nordmann in Icker, der nach einem Brand 1917 im Jahre 1919 wiederaufgebaut wurde. Der Wohnteil des neuen Hauptgebäudes ist den damaligen Bestrebungen zur Wiederbelebung der heimatlichen Bauweise folgend teilweise aus Fachwerk errichtet. Das um 1954 verschwundene Fachwerkgebäude in der linken Bildhälfte bildete einen Stall. Eigenbehörig war der Hof Nordmann 1350 den Brüdern Konrad. Albert (oder Albrand) und Lefard von Ysermann, 1402,1412,1426,1442 und 1456-1458 dem Gerhard von Leda, 1464 dem Johann Bottertiile, 1473 dem Engelbert von Langen, 1510 dem Heinrich von Langen und 1772 dem Gut Stockum bei Bissendorf. Der Zehnte dieses Hofes stand 1412 und 1426 Gerhard von Leda, 1473 Engelbert von Langen und 1510 Heinrich von Langen zu.

43. Der Hof Tiemann in Icker hat seinen Namen vom Ickeraner Tieplatz erhalten, auf dem das Burgericht der Bauernschaft Icker und der Hölting der Icker Mark tagten. Das heutige, klassizistisch geprägte Hofgebäude, das wir hier auf einer Aufnahme von 1913 sehen, entstand im Jahre 1811 und stellt eines der ersten Bauernhäuser im Belmer Raum dar, die nicht mehr in der Fachwerkbauweise errichtet wurden. Seine Bauherren waren Johan Everd Tieman, geborener Sunderman, und Anna Katharina Tieman. Der einheiratende Bauer hatte also, wie bis ins 19. Jahrhundert allgemein üblich, den Namen seiner Frau angenommen. Bis zur Verlegung der Höfe Langewand und Middendarp (heutc: Uhlenkamp) auf ihre jetzigen Standorte bildete der Ickeraner Tie wahrscheinlich eine rechteckige Fläche von etwa 200 x 100 Metern Seitenlänge.

44. Dieses schöne Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1765 ist der Hof Hackmann (seit 1908: Pörtner) im Ortskern von Icker, der östlich der Osterstraße mit dem Giebel an der Lechtinger Straße stand und leider 1966/67 abgerissen wurde. Heute befinden sich an seiner Stelle der lckeraner Kindergarten und die Kreissparkasse. Wie die anderen Höfe gleichen Namens in zahlreichen Ortschaften des Osnabrücker Landes erinnert der Hof Hackmann an den Schlagbaum ('Hake'), mit den einst der Zugang zum Dorflcker abgesperrt war, um das Auslaufen des Viehs zu verhindern. Der 1772 dem Osnabrücker Domkapitel eigenbehörige und seit etwa 1532 dem Kloster Malgarten bei Bramsche zehntpflichtige Hof Hackmann gehörte zur Hofklasse der Halberben, die im 11. bis 13. Jahrhundert neu angelegt wurden oder aber durch die Teilung älterer Vollerbenhöfe entstanden.

45. Von Südwesten auf die Rückseite des Hofes Meyer zu Weghorst (seit 1983 durch Erbschaft: Menkhaus) im Ickeraner Ortsteil Weghorst blieken wir hier auf dieser Aufnahme aus der Zeit um 1950. Das heutige Hofgebäude wurde im Jahre 1803 von dem Zimmermeister H. Mönnig errichtet, befand sich aber ursprünglich knapp 500 Meter südwestlich seines heutigen Standortes unmittelbar nördlich der Hunteburger Straße schräg gegenüber dem Hof Weghorst (heute: Kleine- Wechelmann). An seine jetzige Stelle umgesetzt wurde der Hof Meyer zu Weghorst im Jahre 1863, da sein damaliger Besitzer in unmittelbarer Nähe seiner Ländereien wohnen wollte. Im Jahre 1308 ging der Hof Meyer zu Weghorst in den Besitz des Klosters Gertrudenberg bei Osnabrück über, dem er bis zur Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert eigenbehörig blieb.

46. Der Hof Beckmann in Vehrte lag an der Südseite des Farnbrinkes an der Einmündung in die Venner Straße und verschwand 1973174. Für einen Markkotten sehr früh findet sich dieser 1784 nicht eigenbehörige Hof bereits 1402 erwähnt. In diesem Jahre wurde nämlich ein Johannes Schoke mit dem Hof 'Bekemans to Verten' von dem Osnabrücker Bischof Heinrich von Holstein belehnt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelangte der Hof Beckmann in den Besitz des Hofes Wiebold (später: Mönnig, heute: Klemann) und diente fortan als Heuerhaus. Seine letzten Bewohner waren die Familien Wilhelm Hörnschemeyer (von etwa 1919 bis 1953), Franz Hawighorst und Franz Herrmann. Links im Hintergrund sehen wir die Bahnstrecke OsnabrückBremen und die Häuser am Vehrter Bahnhof mit dem Schornstein des Schwarzkreidewerks.

47. Einem nicht zum Ausbruch gelangten Vulkan verdanken die Schwarzkreidevorkommen in Vehrte ihre Entstehung, die schon seit dem frühen 19. Jahrhundert zuletzt in zwei Brüchen am Driehauser Weg und der Straße nach Venne abgebaut wurden. Verwendung fand die schwarze Kreide als Zusatz für Malerfarben und zur Herstellung von Ofenschwärze und Stiefelwichse. Noch vor 1892 schlossen sich die verschiedenen Betriebe zu den 'Vereinigten Schwarzkreidewerken' zusammen, deren Gebäude an der Bahnhofstraße oben links abgebildet sind. Nach der Einstellungdes Schwarzkreideabbaus im Jahre 1967 findet sich hier die Osnatol-Lackfabrik. Neben dem Vehrter Bahnhof zeigt diese Postkarte noch das ebenfalls an der Bahnhofstraße liegende Gasthaus von Gerhard Haarrnann, aus dem 1952 durch Kauf die heutige Gaststätte Brinkmann wurde.

48. Eine bekannte Vehrter Gaststätte bildet die Gastwirtschaft Gronemann am Anfang des Wittekindsweges, die zu den zahlreichen Gewerbebetrieben gehört, die nach der Eröffnung der Bahnstrecke Osnabrück-Bremen im Jahre 1872 um den Bahnhof Vehrte entstanden. Mit dieser Gaststätte verbunden war früher auch ein Holzund Kohlenhandel sowie eine kleine Landwirtschaft. 1945 ging das Gasthaus Gronemann durch Erbschaft an Luise Linnemann (heute verheiratete Ruppenkamp) über und wurde im Februar 1967 zur Gaststätte Willi Witt. Vor dem Gebäude steht neben dem weißen Schimmel der Gastwirt Heinrich Gronemann. Größere Urnbauten, die das Äußere und Innere dieser Gaststätte wesentlich veränderten, erfolgten 1974 und 1978-1980. Im Jahre 1910 mußte die Witwe Gronemann für ihre Gaststätte 12 Mark Gewerbesteuer zahlen.

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