Belm in alten Ansichten Band 2

Belm in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Gerd-Ulrich Piesch
Gemeinde
:   Belm
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5536-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Belm in alten Ansichten Band 2'

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49. Der am Bahnhof Vehrte gelegene Vehrter Ortsteil Hage oder Hagen bildete im Mittelalter eine eigene Bauernschaft und besteht aus den zwei Vollerbenhöfen zu Hage und Meyer zu Hage sowie den beiden Markkotten Möllenbrock und Plümer (jetzt: Schomborg). Der heutige Hagerhof oder Hof zu Hage entstand im Jahre 1731 und ist ein Werk des Zimmermeisters J.H. Jansing. Nach der Teilung der Powe-Vehrter Mark 1806 bis 1824 hieBen die Eigentümer des Hofes zu Hage zunächst Eckelmann, dann Tölkhaus und zuletzt Möllenbrock. 1981 gelangte der Hagerhof in den Besitz der Gemeinde Beim und wurde in der Folgezeit bis 1985 von dem Osnabrücker Pfarrer Dieter Broxtermann mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Gemeinde Belm in mustergültiger Weise erneuert und zu einem 'Friedenshof zu Hage' umgestaltet.

50. Der Hof Meyer zu Hage (heute durch Einheirat: Siebert-Meyer zu Hage) in Vehrte ist vielleichtzum Schutz und zur Überwachung der über den Driehauser Weg verlaufenden alten Heerstraße Osnabrück-HunteburgBremen angelegt worden und besitzt jenseits des Wiehengebirges in dem Hof Meyer zu Driehausen ein Gegenstück. Das jetzige Hauptgebäude des Meyerhofes zu Hage entstand 1910 und wurde schon 1914 wieder durch einen Brand schwer beschädigt. Diesem Unglück fiel auch das alte erhaltengebliebene Erbwohnhaus jenes Hofes zum Opfer, auf dessen Rückseite wir hier auf einer Aufnahme von 1908/09 aus Richtung Westen blieken. Im Jahre 1785 gehörten zum Hof Meyer zu Hage auch die Ländereien des damals bereits verschwundenen Markkottens Westerkamp, der vermutlich in diesem Hof aufgegangen ist.

51. Auf Veranlassung des Bauern Hermann Siebert-Meyer , der ein großer Pferde1iebhaber war, fanden vor 1914 und in den zwanziger Jahren nur durch den Ersten Weltkriegunterbrochen bis 1929 in Vehrte auf dem Gelände nördlich des Hofes Siebert-Meyer zu Hage und der Eisenbahnstrecke und östlich der Straße 'Zur Krebsburg' vielbesuchte Pferderennen statt, die teilweise von weither Tausende von Zuschauern anzogen. Hauptsächlich aus dem Ruhrgebiet wurden sogar Sonderzüge zu diesen Vehrter Pferderennen eingesetzt, die auf dem nahen Bahnhof Vehrte endeten. Von der Zuschauertribüne am Südrand des Rennplatzes blieken wir hier auf ein Damenjagdrennen. Die Stute 'Favoritin' (geritten von Oberleutnant Lotze) führt hier noch vor der späteren Siegerin' Augustiner' mit Rittmeister Linkenbach als Reiter.

52. Neben auswärtigen Reitern nahmen nicht selten auch Belmer Pferdebesitzer an der Vehrter Pferderennen teil, die in den frühen zwanziger Jahren wesentlich von dem Belmer Ortsgendarm und Reitlehrer Bauer organisiert wurden. Hier sehen wir vor der Zuschauertribüne das Pony 'Ella' des Schlachters Wibbelmann aus Belrn mit Franz Osterhues als Reiter, das im Ponyrennen den dritten Preis gewann. Im Hintergrund sind die Gebäude des Hofes Siebert -Meyer zu Hage sichtbar. Anläßlich des Vehrter Pferderennens am 14. Juni 1912 veranstaltete auch der Osnabrüeker Flugpionier Gustav Tweer (1893-1916) auf der Vehrter Rennbahn einen Flugtag. Vorher hatte Tweer beim Anflug aufVehrte etwa 500 Meter entfernt auf einem Getreideacker im Hager Feld notlanden müssen, weil der Motor seines Flugzeuges ausgefallen war.

53. Einen eigenen Wohnplatz bilden in Vehrte die beiden Vollerbenhöfe Barth (seit 1880: Iburg, heute: Jost) und Iburg (seit 1961 durch Einheirat: Jost). Wie die regelmäßig abwechselnden Blockgemengfluren vermuten lassen, haben diese beiden Höfe wahrscheinlich auch ursprünglich ein einziges Anwesen dargestellt. Das heutige Hauptgebäude des Hofes Iburg, das diese Aufnahme aus der Zeit um 1910 zeigt, stammt zumindest in seiner vorderen Hälfte aus dem Jahre 1868, während der rückwärtige Hausteil offensichtlich 1796 errichtet wurde. Nicht zuletzt wegen seiner Lage am Belmer Mühlenbach und der Steilflanken an der Nord- und Westseite dieses Anwesens hat sich der Hof Iburg wohl tatsächlich aus einer Burg entwickelt. Vielleicht steht der etwas erhöht liegende Speicher von 1753 anstelle eines ehemaligen Wehrturmes einer Turmhügelburg oder Motte.

54. Den Hof Barth (seit 1880: Iburg, ab 1961: Jost) in Vehrte zeigt diese Aufnahme von etwa 1908 aus Richtung der Bremer Straße. Das links sichtbare Erbwohnhaus dieses Hofes entstand im Jahre 1813. An seinem untersten Giebelbalken findet sich die folgende, dem Vers 3 des 37. Psalms entlehnte Inschrift: 'Heffe auf den Herrn und thu Gutes, bewohne das Land, und du wirst durch seine Reichtümer ernährt werden.' Das große Fachwerkgebäude vorn rechts bildete eine Scheune und es verschwand in den sechziger Jahren. Nach der Vereinigung mit dem Hof Iburg diente der Hof Barth zunächst als Altenteilerwohnung und ist seit 1920 vermietet. Eigenbehörig waren die Höfe Barth und Iburg im Jahre 1350 an Gerhard von Horst und ab 1412 bis zur Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert an die jeweiligen Besitzer des benachbarten Gutes Astrup.

55. Neben einfachen Heuerhäusem gab es früher oft auch Heuerhäuser , die von zwei Familien bewohnt waren. Einen solchen Doppelkotten bildet auch dieses Heuerhaus des Hofes Niegengerd in Vehrte an der Straße Osterberg gegenüber der Einmündung der Katzhegge (Eigentümer seit 1978: Carmen). Freilich ist dieses 1863 entstandene Gebäude außen nicht mehr aus Fachwerk, sondern in der Bruchsteinbauweise errichtet und gehört damit wohl zu den letzten Heuerhäusern, die im Belmer Raum erbaut wurden. In der einen Wohnung jenes Kottens wohnte von 1925 bis 1962 die Familie Krüwel (später durch Einheirat: Geiken. hier 1937 vor dem südöstlichen Giebel links die Großmutter Krüwel und rechts Frieda Geiken mit Sohn), während in der zweiten Wohnung die Familie Wiechmann lebte. Später war eine Wohnung dieses Heuerhauses an eine Familie Schmidt vermietet.

56. Der Hof Dreyer (heute: Langsenkamp ) in Vehrte gehört zu den fünf Höfen der alten Bauernschaft Astrup , die nicht im 16. Jahrhundert vom Gut Astrup aufgesogen wurden. Das heutige Hofgebäude, das wir hier auf einer Aufnahme aus der Zeit um 1928 sehen, besteht aus drei Bauabschnitten. Der vordere Hausteil mit dem schönen Fachwerkgiebel entstand im Jahre 1852, das übrige Fachwerkgebäude stammt noch von dem 1795 errichteten Vorgängerbau und der zweistöckige Bruchsteinanbau wurde 1902 erbaut. Bis zur von Kaiser Napoleon I befohlenen, 1811 im wesentlichen fertiggestellten Neuanlage der Bundesstraße 511ag der Hof Dreyer unmittelbar an der alten Poststraße von Osnabrück über Bohmte nach Hannover, die vom Hof Rittmar (jetzt:

Meier zu Farwig) kommend über den Halterner Weg verlief, um hier nach Nordosten abzubiegen.

57. Eine nicht unerhebliche Rolle im Belmer Raum spielte früher das 1939 aufgeteilte Gut Astrup. In der linken Bildhälfte sehen wir das 1855 bis 1858 im neuromanischen Stil erbaute und leider 1955 abgerissene Herrenhaus dieses Gutes. Im Bild rechts oben findet sich der Astruper Gutspark abgebildet, der südlich des heutigen Hofes Rüters lag und dessen prachtvoller Baumbestand heute leider zum großen Teil verschwunden ist. Die zahlreichen Rinder im Vordergrund des Bildes unten rechts erinnern an die umfangreiche Milchwirtschaft, die vom Gut Astrup betrieben wurde. Sehr deutlich und augenfällig zeigt sich auf dieser Aufnahme, wie sehr das Astruper Herrenhaus ehemals das Landschaftsbild beherrschte. So war sein zinnenbekrönter Turm etwa für jeden Reisenden auf der Bahnstrecke Osnabrück-Brernen gut erkennbar.

58. Hier blieken wir von Nordosten über den Astruper Mühlenteich auf das im Volksmund als Schloß bezeichnete Herrenhaus dieses Gutes und den benachbarten heutigen Hof Rüters, Der Hof Rüters bildete ursprünglich ein Wirtschaftsgebäude des Hauses Astrup und wurde, wie eine 1983 beim Abschlagen des Putzes an seiner Südseite entdeckte Inschriftentafel beweist, 1617von Wennemarvon Heiden erbaut, dem damals jenes Gut gehörte. Ursprünglich lag das Haus Astrup zwischen Halterner Weg und Wiesenstraße unweit der Mündung des Nußbaches in den Belmer Mühlenbach, wo auf einer Karte aus dem Jahre 1842 eine rundliche Erhebung von etwa 80 Metern Durchmesser als 'Burgplatz' eingetragen ist. Höchstwahrscheinlich stand hier auch der Meyerhof zu Astrup, aus dem sich im 16. Jahrhundert das Gut Astrup entwiekelt hat.

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