Belm in alten Ansichten Band 2

Belm in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Gerd-Ulrich Piesch
Gemeinde
:   Belm
Bundesland
:   Niedersachsen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5536-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Belm in alten Ansichten Band 2'

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59. Außer einer bei den Gutsgebäuden liegenden Mahlmühle (siehe: 'Belm in alten Ansichten Band 1', Bild

60) besaß das Gut Astrup wahrscheinlich schon um 1790 nördlich des Burhaksweges am Nußbach eine Ölrnühle, von der sich noch der Mühlenteich erhalten hat. Die Reste dieser schon vor dem Ersten Weltkrieg stillgelegten Mühle zeigt aus Richtung Haaren gesehen diese Aufnahme aus der Zeit vor 1913. Das zu dieser Mühle gehörende Wohnhaus verschwand erst in den frühen fünfziger Jahren. In einer Ölmühle wurden mit Hilfe aufund niedergehender Stempel Flachs-, Raps- und Rübsamen zur Gewinnung von Speise- und Leuchtöl ausgepreßt ('geschlagen') und durch ein Wolltuch gefiltert. Dabei blieb als Preßrückstand der sogenannte Ölkuchen übrig, der sehr stärke- und eiweißreich war und daher ein begehrtes Schweinernastfutter bildete.

60. Dieses allgemein als Hoppenhaus bezeichnete Fachwerkgebäude bildete ein Doppelheuerhaus des Gutes Astrup und lag unmittelbar östlich der Straße 'An der Mergelkuhle' zwischen den Höfen Kucks und Röding. Um 1790 wohnten in diesem Heuerhaus, auf das wir hier von Nordwesten blieken, sogar vier Familien. In den dreißiger Jahren lebten in ihm die Familien Gartmann und Tegeler. Nach der Aufteilung des Gutes Astrup ging das Hoppenhaus, das zuletzt von der Familie Goldmeier bewohnt war, 1941 in den Besitz des damals neuentstandenen Hofes Röding über und wurde am 6. Dezember 1943 durch Brandbomben völlig zerstört. Heute erinnern nur noch einige Grundmauern an dieses einstige Astruper Heuerhaus. Vor dem Gebäude sehen wir hier von links nach rechts Frau Tegeler, Frieda Gartmann und die Großmutter Lina Gartmann.

61. Im Jahre 1939 ging das Gut Astrup in den Besitz der Reichsumsiedlungsgesellschaft über, die die Umsiedlung für diejenigen Bodeneigentümer durchführte, die im Zuge der Landbeschaffung für die Deutsche Wehrmacht enteignet worden waren. Auf den Ländereien des Gutes Astrup siedelte die Reichsumsiedlungsgesellschaft elf Bauern aus dem Dorfe Wahn im Hümmling an, die ihre Heimat wegen der Erweiterung des dortigen Schießplatzes der Firma Krupp hatten verlassen müssen. Für sieben dieser Bauern erbaute die unter der Leitung des Architekten Erich Lokau stehende Hochbauabteilung der Reichsumsiedlungsgesellschaft neue Bauernhöfe, die gemäß den damaligen Anschauungen in der Fachwerkbauweise errichtet wurden. Auf dieser Aufnahme von November 1940 sehen wir eines dieser Gehöfte noch unfertig im Rohbauzustand.

62. Die Ortschaft Klein-Haltern geht wahrscheinlich im Gegensatz zu Groß-Haltern in altsächsische Zeit zurück und besteht heute nur noch aus den Höfen Kassing (heute durch Einheirat: Kolckhorst), Eilert (jetzt: Lübker) und Bücker (heute: Pante-Depke, nicht mehr bewirtschaftet). Der Hof Brörmann (jetzt: Depke) wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Vehrter Grenze verlegt und die Höfe Dettmar und Mindrup verschwanden während der Pestzeit im 16. Jahrhundert. Das 1774 erbaute Erbwohnhaus des Hofes Kassing erhielt in der Gründerzeit an seiner Rückseite den hier auf einer zwischen 1900 und 1910 angefertigten Aufnahme abgebildeten Steingiebel, der bald daraufwieder verschwand, als der noch vorhandene zweistöckige Wohnanbau entstand. Eigenbehörig war der Hof Kassing wohl schon seit 1302 dem Domkapitel zu Osnabrück.

63. Das schöne Hauptgebäude des Hofes Strüve (heute durch Einheirat: Tiemann), das diese alte Aufnahme aus den dreißiger Jahren zeigt, entstand 1838 und war wie viele andere Fachwerkhäuser im Belmer Raum ein Werk des Zimmermeisters Gerhard Heinrich WesseI. 1960/61 kam es zu einem grundlegenden Umbau dieses Bauernhauses, das ursprünglich das Erbwohnhaus des Hofes Lückemeyer bildete. Erst 1889 ging jenes Gebäude in den Besitz des Nachbarhofes Strüve über, dessen Eigentümer auch seinen Wohnsitz hierhin verlegte. Der alte Hof Strüve , der bald darauf verschwand, befand sich zwischen den Höfen Lückemeyer und Wichmann (heute: Mehrpohl). Im Jahre 1772 gehörte der Hof Strüve zur Grundherrschaft des Osnabrücker Domkapitels, während der Hof Lückemeyer dem Gute ScheJenburg bei Schiedehausen eigenbehörig war.

64. Wie in den anderen Teilen Deutschlands waren auch im Osnabrücker Land bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Trachten allgemein verbreitet, die oft von Ort zu Ort und je nach Bekenntnis ein unterschiedliches Aussehen zeigten. Die Belmer Trachten sehen wir hier noch einmal auf einer Aufnahme von 1885 mit Mitgliedern der Bauernfamilie Strüve aus Groß-Haltern. Während die Männerkleidung weniger auffällige Merkmale aufweist, erhalten die weiblichen Trachten durch Halskrausc, Schultertuch, Mundband und Schürze ihre Prägung. Allerdings tragen die Frauen auf dieser Abbildung schon keine zumeist reich verzierten Mützen mehr , sondern wiederum lediglich eine Haube. Solche Hauben wurden erst in der Zeit vor 1900 üblich, als die Trachten bereits im Rückgang begriffen waren und ihre Trägerinnen noch keine Hüte benutzen wollten.

65. Im Jahre 1892 wurde in Haltern an der Lindenstraße an der Abzweigung der Straße nach Wellingen eine Schule erbaut, die 1910 in einem eigenen Gebäude einen zweiten Klassenraum erhielt, Im März 1973 kam es zur Schließung der Halterner Schule, in der sich heute der Halterner Kindergarten und ein Montessorikindergarten für Behinderte befinden. Bis 1991 war in ihr außerdem eine Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes untergebracht. Diese Aufnahme aus der Zeit um 1913 zeigt die Halterner Schüler mit ihren Lehrern Heinrich Willi Maug (1890-um 1918, links) und Heinrich Westerfeld (rechts). Heinrich Westerfeld (1872-1941) unterrichtete von 1898 bis 1934 in Haltern und hat sich als Heimatforscher einen Namen gemacht. Sein Hauptwerk bildet das 1934 erschienene Buch 'Beiträge zur Geschichte und Volkskunde des Osnabrücker Landes'.

66. Der Hof Langewand (später: Brockmann, dann: Huckriede, seit 1965: Meyer zu BeIm) lag 1350 nach dem Lehnbuch des Osnabrücker Bischofs Johann Hoet noch in Klein-Haltern und bildet vermutlich den ältesten Hof in der Halterner Westerheide. Das hier auf einer Aufnahme aus der Zeit um 1914 sichtbare , 1850errichtete Hofgebäude wurde 1912 durch den abgebildeten quergestellten Anbau erweitert, der bei einer durchgreifenden Erneuerung dieses Anwesens 1984 wieder verschwand. Solche Anbauten, durch die die alten Niedersachsenhäuser die Gestalt eines T-Hauses erhielten, entstanden in der wilhelminischen Zeit im Belmer Raum recht häufig und finden sich etwa auch auf den Höfen Dreyer (jetzt: Langsenkamp ) und Rittmar (heute: Meier zu Farwig) in Vehrte und Christoffer (jetzt: Linkmeyer), Holtmeyer und Kassing (heute: Kolckhorst) in Haltern.

67. Eine stetige Bevölkerungszunahme führte im Osnabrücker Land im 15., 16. und vereinzelt noch im 17. Jahrhundert zur Bildung zahlreicher kleinerer Bauernhöfe, die Markkotten genannt wurden. Da diese Markkotten zumeist nur wenige Ländereien besaßen, waren ihre Bewohner nicht selten gezwungen, zusätzlich ein Handwerk auszuüben oder im Nebenerwerb Leinen herzustellen. In Haltern liegen die Markkotten östlich und westlich von Groß-Haltern in der Oster- und in der Westerheide. Einer der sechs Markkotten in der Westerheide ist der Hof Westerkamp (später: Tiemann, heute: Westerhus). Das abgebildete Hofgebäude, das 1960 und 1966 grundlegende Veränderungen erfuhr, entstand im Jahre 1845 und ist wieder ein Werk des Zimmermeisters Gerhard Heinrich Wessei, der etwa auch den heutigen Hof Tiemann in Groß-Haltern errichtete.

68. Östlich gegenüber dem Markkotten Westerkamp (heute: Westerhus) liegt der Markkotten Dierker (seit 1950 durchEinheirat: Eske), der im Jahre 1772 dem Bischofvon Osnabrück eigenbehörig war. Das jetzige Hofgebäude, das diese Aufnahme aus der Zeit um 1930 zeigt, entstand 1899 und ist den damaligen Baugewohnheiten entsprechend nicht mehr aus Fachwerk errichtet. Durch Kauf gelangte dieser Hof um 1870/1880 in den Besitz des Bauern Gerhard Schnieder (1851-1927), der, wie zujener Zeit noch üblich, den Hofesnamen Dierker annahm. Gerhard Dierker, geborener Schnieder, übte im Nebenberuf auch das Drechslerhandwerk aus. Außerdem gründete er 1899/1900 südlich des Bruchweges eine Ziegelei, die um 1912 wegen Rohstoffmangels ihren Betrieb wieder einstellen mußte (siehe: 'Belm in alten Ansichten Band I', Bild 73).

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