Bensheim in alten Ansichten Band 1

Bensheim in alten Ansichten Band 1

Autor
:   Martin Hellriegel
Gemeinde
:   Bensheim
Bundesland
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-4783-5
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bensheim in alten Ansichten Band 1'

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39. Haushaltungsinstitut Scheu-Horurich, In den Haushaltungsinstituten lernten die 'höheren Töchter' alles, was sie für ihren künftigen Beruf als Hausfrau wissen und können mußten. Besonderer Wert wurde auf Anstand und Sitte gelegt. Auch zum geselligen Spiel im Garten der Pension mußten schöne lange Röcke getragen werden, wie hier im Institut Scheu-Hörttrich in der Schwanheimer Straße. In einem Werbeprospekt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg kann man lesen: HaushaltungsInstitut Scheu-Hàrttriclt Bensheim, Rheinstr. 37. Gründliche hauswirtschaftliche Ausbildung. Auf Wunsch jeglicher Unterricht. Prospekte und Referenzen durch die Vorsteherin.

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40. Pensionat Wehrfritz in der Rodensteinstraße. Das Pensionat Wehrfritz gab im Jahre 1900 ein Kochbuch heraus, in Bensheim hieB es allgemein 'das Wehrfritz-Kochbuch', der offizielle Titel war 'Die Küche im Deutschen Bürgerhaus'. Die Autorinnen Margarete und Fanny Wehrfritz konnten 1906 eine zweite, verbesserte Auflage herausbringen. Im Vorwort zur ersten Auflage schrieben die Verfasserinnen: 'Es ist eine häufig beklagte Tatsache, daß fast alle vorhandenen Kochbücher nur für Hausfrauen geschrieben sind, die bereits koehen können, nicht aber für Anfängerinnen, welchen noch jede Erfahrung fehlt. Daher haben wir uns veranlaBt gesehen, unser seither nur für die Schülerinnen unseres Haushaltungs-Pensionats geschriebenes Kochbuch weitem Kreisen zugänglich zu machen.'

41. Haushaltungspensionat Eichler, Schillerstraße 5. Eine Pensionstochter schrieb an ihre Eltern in Gießen: 'Schick Euch hier unser Haus, damit die Mutter auch mal sieht, wo ich bin. Das Fenster wo der Pfeil darüber, ist unser Zimmer und unsern Balkon, auf den man von unserm Zimmer aus gelangen kann, seht Ihr gleich daneben. Unter unserm Zimmer ist die Küche und die beiden Fenster darüber ist das Dreimädelhaus, das seinen Namen daher hat, weil nur drei drin wohnen. Das nächste Fenster links vom Balkon ist das Glück im Winkel, darunter das Eßzimmer und das letzte Fenster links ist das Schwalbennest und darunter der Salon. Die beiden Fenster ganz oben ist unser Arbeitszimmer. Außerdem befindet sich in jedem Stockwerk noch ein Zimmer welches Eichlers einhaben. So jetzt wißt Ihr ganz genau wie es bei uns ist. .. '

Institut "St. Mariä" der En~l. Fräulein Villa mit Brücke Erbaut von Architekt Ludwig Kessler

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Bensheim

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42. Institut 'St. Mariä' der Englischen Fräulein, Villa und Brücke. Im Jahre 1858 kamen Englische Fräulein (jetzt: Maria-Ward-Schwestern) als Schulschwestern nach Bensheim. 1869 konnten die Schwestern den überhof erwerben. Immer wieder mußten die Gebäude vergrößert oder umgebaut werden, auch neue Gebäude wurden errichtet, um den jeweiligen Bedürfnissen gerecht zu werden. Im Jahre 1905 erwarben die 'Englischen' das Anwesen des Schulrats Karg auf der anderen Seite der Schönberger Straße (heute: Nibelungenstraße). Die Brücke über die Straße wurde 1907 gebaut. Das Institut bekam 1872 Konkurrenz durch die Gründung einer simultanen Privatschule, später hieß die Schule 'Lyzeum für Mädchen'. Das Lyzeum ist Vorläufer der heutigen Goetheschule.

43. Der Spielplatz im Garten der Englischen Fráulein. Nach ihrer Ankunft in Bensheim übernahmen die Schwestern zunächst die Mädchenschulstellen und etwas später auch die Leitung einer von privater Seite 1850 gegründeten Höheren Töchterschule. 1863 wurde eine Kleinkinderschule und 1864 eine Nähschule eröffnet. 1870 konnte auch die Lieblingsidee des damaligen Pfarrers, nämlich die Einrichtung eines Mädchenpensionats, verwirklicht werden. Nachdem die Schwestern ab 1876 nicht rnehr in den Stadtschulen unterrichten durften (Kulturkampf), richteten sie eine Nachmittags-Strickschule und 1880 eine Haushaltungsschule ein (diese, die vorige und die nächste Seite nach 'Chronik des Instituts St. Mariä, Bensheim' in '125 Jahre Liebfrauenschule in Bensheim' ,1983).

44. Die Pensionatsküche. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich aus der Höheren Töchterschule ein Mädchengymnasium mit staatlich anerkanntem Abitur. In der Nazizeit war die Schule den üblichen Schikanen ausgesetzt, bis sie dann 1939 geschlossen wurde. Der Kindergarten mußte1941 der NSV übergeben werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Gebäude ohne Schaden überstanden haben, konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Am 1. Oktober 1945 war Schulbeginn für das Mädchengymnasium und am 20. September 1946 bestanden 35 Abiturientinnen das Examen. Auch der Kindergarten konnte wieder eröffnet werden.

Bensheim a. d. Bergstrasse Institut "St. Mariä" der Enil. Frä~lein Kapelle mi! BrOcke

Erbaut von ArclÏitekt Ludwig Kessler

45. Institut 'St. Mariä' mit Brücke über die Schönberger Straße, rechts die Bensheimer Synagoge. Die Bensheimer Judengemeinde baute sich 1891/92 eine neue Synagoge. Die Baulast wurde auf die 68 Familienvorstände verteilt. Jeder hatte entsprechend seinem Einkommen eine Synagogenbausteuer zu zahlen. Auch die Stadt Bensheim gewährte zum Bau der Synagoge einen Zuschuß. Dies veranlaßte die Zeitungen 'Landwirth und Bienenzüchter, Süddeutsche antisemitische Zeitung', Darmstadt und den 'Reichsherold' , das Organ der deutschnationalen antisemitischen Volkspartei, zu äußerst gehässigen Kommentaren. Der 'Reichsherold' fragte: 'Ob die Herren Stadtväter von Bensheim schon beim Judenschutzverein eingetragen sind? Wenn nicht, dann ist das sehr bedauerlich, da sie demselben ohne Zweifel große Ehre machen würden.'

46. Kirchberg, Institut 'St. Mariä', Synagoge und Roter Turm. Die Synagoge wurde am 15. September 1892 feierlich eingeweiht. Als der Festzug mit den Thorarollen vor der Synagoge ankam, hielt Heinrich Bendheim Il. als Vorsitzender der israelitischen Gemeinde Bensheim eine Ansprache, der die Schlüsselübergabe und der Einzug in die Synagoge folgten. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dl. Marx aus Darmstadt. Gegen Abend war dann ein Festessen und anschließend ein Festball im 'Deutschen Haus'. Die Synagoge wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstört. Schon vorher hatte man auf einer späteren Ausgabe der hier gezeigten Postkarte die Synagoge wegretuschiert.

47. Gedenkbrunnen für den im Ersten Weltkrieg gefallenen Albert Blumenfeld. Im 19. Jahrhundert kam es nach und nach fast zu einer Gleichberechtigung der Juden. Die Sondergesetze wurden aufgehoben und die Berufsbeschränkungen fielen weg. Viele Juden bemühten sich, gleichberechtigte Mitbürger der christlichen Bevölkerung zu werden. Sie leisteten ihren Militärdienst ab und zogen 1914 in den Krieg. Aus den Briefen und Zeitungsartikeln von Hans Sternheim ist herauszulesen, wie sehr sich deutsche Juden mit deutscher Kultur und deutscher Wesensart identifizierten. Diese Entwicklung wurde nach der 'Machtergreifung' der Nazis jäh beendet. Den Gedenkbrunnen , den die Eheleute Thalheimer ihrem Schwiegersohn Albert Blumenfeld widmeten, schuf Steinmetzmeister Peter Mayer. Der Brunnen stand im Vorraum der Bensheimer Synagoge.

48. Das Hutgeschäft H. Thalheimer in der Hauptstraße. In einem Gedenkblatt für seine Eltern, die in Theresienstadt ermordet wurden, schrieb Hans Sternheim: 'Meine Mutter war in ihrer Geburtsstadt Bensheim überall bekannt und beliebt. Für die Bevölkerung war sie "Thalheimers Lenche", und noch in meinen Studienjahren habe ich diese trauliche Ansprache gehört. Ihre Eltern waren Hermann Thalheimer, der von Offenbach am Main zugezogen war, und Emma Baumgarten aus Odenkirchen im Rheinland. Die Eheschließung fand 1863 in Bensheim statt. Es war ein glücklicher Lebensbund. Meine Großeltern waren fleißige Leute. Ihnen gehörte eine Gastwirtschaft, 'Zur Brezel' genannt, und in einem oberen Stockwerk des Hauses begarmen sie, Kappen anzufertigen ... ' Aus dieser Heimwerkstatt entwickelte dann der Sohn eine moderne Mützenfabrik.

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