Bensheim in alten Ansichten Band 2

Bensheim in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Martin Hellriegel
Gemeinde
:   Bensheim
Bundesland
:   Hessen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5998-2
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

Lieferzeit: 2 - 3 Arbeitstage (unverbindlich). Der gezeigte Umschlag kann abweichen.

   


Auszüge aus dem Buch 'Bensheim in alten Ansichten Band 2'

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

4-9 Hochstädten,

Der Weg von Auerbach nach Hochstädten über das Mühltal führt vorbei an dem inzwischen stillgelegten Marmorbergwerk. Da der Marmor dort sehr brüchig ist, konnte man ihn für Skulpturen, Denkmaler und Marmorplatten nicht verwenden; er wurde zerkleinert und zu Marmorit verarbeitet. Auf einer Länge von etwa 3,5 km erstreckt sich ein Marmorzug, der vermutlich in einzelne linsenartige Vorkommen aufgespalten ist. In der Nähe des Bergwerkes liegt der Goethebrunnen, eine alte Quelle, deren Heilkraft, wie bei dem Brunnen im Fürstenlager, im 18. [ahrhundert entdeckt wurde. 1909 hieß es in einem Führer, daß die Mineralquelle durch 'wilde Wasser' verdorben sei.

Ganz umgeben von Wiesen, Feldern und Wald erscheint Hochstadten auf dem Bild, das aus den

zwanziger Iahren stammt. Es zeigt eine Landschaft, in der man so richtig ausspannen und sich erholen kann.

50 Das Gasthans 'Zum Felsenmeer' mit Fremdenpension, Besitzer Ph. Roth, Hochstädten.

In nicht allzugroßer Entfernung vom Felsenmeer liegt Hochstädten. Die Geschichte des Dorfes ist eng mit der Geschichte von Auerbach verbunden. Hochstädten hat keinen Ortsmittelpunkt, es ist vielmehr ein Straßendorf, dies ist eine Bebauungsart, die in den Tälern vorgegeben ist. Erst in neuerer Zeit ist man dazu übergegangen, in solchen Talgemeinden die Hänge zu bebauen.

Das Gasthaus bot Fremdenpension mit guter Bewirtung bei eigener Schlachtung an. Der öffentliche Fernsprecher befand sich im Haus. Der Gast fand und findet hier viele Wanderwege für größere Touren und für kleinere Spaziergänge. Motorradfahrer belebten schon in den zwanziger Iahren das . stille Tal' .

51 Warenhaus und Zigarrenfabrik Th. Seehaus in Schwanheim

Bei der Berufs- und Gewerbezählung im Iahre 1895 war Schwanheim ein Bauerndorf mit Handwerksbetrieben und Handelsfirrnen, die sich am Bedarf der ländlichen Bevölkerung orientierten. Es gab eine Zigarrenfabrik, in der damals sechs Personen beschäftigt waren, Der BegriffWarenhaus im heutigen Sinne paßt nicht zu dem Schwanheimer Warenhaus um die Jahrhundertwende. Es handelte sich hier um ein Geschäft, in dem die verschiedensten Waren, die man gewöhnlich im Dorfbenötigte, zum verkauf'angeboten wurden. Noch bei der Volkszählung 1925 war die Landwirtschaft der vorherrschende Erwerbszweig der Schwanheimer Bevölkerung.

Gruss aus Schwanheim

52 Das Rat- und Schulhans in Schwanheim.

Der stattliche zweigeschossige Massivbau mit dem f1achgeneigten Walmdach wurde irn ersten Drittel des 19. [ahrhunderts errichtet. In der Mitte des Daches sitzt ein quadratischer Dachreiter mit rundbogigen Öffnungen, in dem früher eine Glocke hing. Das Gebäude diente als Rat- und Schulhans mit Lehrerwohnung. Im Erdgeschoß befand sich das Ortsgefángnis oder Betzenkämmerchen. Hier brachte der Polizeidienet Arrestanten und manchmal auch Betrunkene zur Ausnüchterung unter. Betzenkammer bedeutete ursprünglich 'Hundestall' . Die Art der Bauausführung läßt auf den Einfluß von Maller schließen, der auch die Schwanheimer Kirche geplant harte,

b. Beneheim

53 Bäckerei und Gasthaus 'Zum Löwen' in Schwanheim, Inhaber der Gaststätte war damals Philipp Röder; seine Vorgänger waren Jakob Olf und später Georg Borger. Schwanheimer Vereine feierten hier ihre Feste, so zum Beispiel der Gesangverein, der Kriegerverein oder der Turnverein.

Manch ländliches Brauchtum wird bis heute in den dörflichen Stadtteilen gepflegt, vor allem die 'Kerb' (Kirchweihe). die auch in den Orten gefeiert wird, die keine Kirche haben. In Schwanheim feiert man zur Herbstzeit nach der Ernte die 'Sichelhenk'. Der Begriff 'Sichelhenk' wurde erst um 1930 im Dorf eingeführt, vorher sagte man Erntefest. Nach einem fröhlichen Umzug mit Erntekranz, Sicheln, Sensen und anderem landwirtschaftlichen Gerät wer-

den die Feierlichkeiten in der Gastwirtschaft, die zum Tanze eingeladen hat, fortgesetzt.

54 Langwaden.

Der kleinste Bensheimer Stadtteil ist Langwaden. Wie Auerbach, Hochstädten und Schwanheim, so gehörte auch Langwaden bereits vor 1802 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Die Bilder: Auf der Dorfstraße (rechts das Rathaus) spaziert ein Huhn; heute hätte es keine allzu hohe Lebenserwartung. - Die evangelische Kirche wurde 1698 aus dem Material einer abgebrochenen Mühle erbaut; der Turm der Kirche hat eine verschieferte Haube; das spitzbogige Sandsteingewände trägt im Scheitel die]ahreszahI1698. - Die beiden Bilder darunter zeigen das Gasthaus 'Zur Krone' (Schneider).

SS Wohnhaus in Langwaden, Hauptstraße (heute Jägersburger Straße 33), um 1912.

Nicht alle Häuser in den ländlichen Gemeinden waren Fachwerkhäuser. Man hat irn 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch 'Backsteinhäuser' gebaut. Auf dem Bild sehen wir am Fenster Großmutter Elisabeth Münster geborene Vatter mit ihrern Enkel Peter Münster, vor dem Haus stehen Kathartria Schneider (Ahlheim) und Marie Ahlheirn (Bachmann) .

56 Das Schönberger Schloß, um 1905.

Wir wissen nicht genau, wann das Schloß erbaut wurde. Die früheste urkundliche Erwälmung stammt aus demjahre 1303. Aus dieser Urkunde ergibt sich einwandfrei, daß die Burg, die hier 'Castrum Schonenberg' genannt wird, schon lange vorher im Besitz der Herren von Erbach war. Im vorigen Jahrhundert fand man beim Schloß einen eingemanerten Stein, der die jahreszahl1262 trug. Während der Bayerischen Fehde im [ahre 1504 wurde Schönberg von den Truppen des Landgrafen Wilhelm Il, von Hessen erobert und wesentliche Teile der Burg in Brand gesteekt. Wilhelm als Vollzieher

der Reichsacht, die Kaiser Maximilian über den Pfalzgrafen verhängt hatte, belagerte damals auch die Stadt Bensheim, mußte aber nach elfTagen die Belagerung aufgeben.

Schönberg i. a. .sohloß J-!. /1 .

57 Das Schönberger Schloß vom Schloßhof aus,

Nach dem Tod des Grafen Georg AibrechtIII. (1648-1717) wurden die Erbacher Ämter geteilt. Philipp Karl (1677-1736) erhielt das Amt Fürstenau, Georg Wilhelm (1686-1757) dasAmt Reichenberg und Georg August (1691-1758) das Amt Schönberg. Die drei Brüder waren die Begründer der drei Erbachschen Linien. Mit dem Erlöschen der Älteren Linie zu Erbach erhielten die genannten Brüder weitere Ämter und Herrschaften. Georg August erhielt zu seinem Amt Schönberg die Erbachische Hälfte der Herrschaft Breuberg und das Amt König.

Das Schloß blieb bis zum Iahre 1956 im Besitz der Grafen bzw. Fürsten zu Erbach-Schönberg; im selben Iahr wurde es zusammen mit dem Schloßpark an die Ruhrknappschaft verkauft.

58 Die Fürstin Marie.

Marie Karoline, Prinzessin von Battenberg, geboren am 15. Juli 1852 in Genf, war die Tochter des Prinzen Alexander van Hessen (1823-1888) und seiner Gemahlin, der Gräfin [ulie Theresa van Haucke, ab 1858 Prinzessin van Battenberg (1825-1895). Marie heiratete 1871 den Grafen Gustav Ernst zu ErbachSchönberg (1840-1908), der 1903 in den Fürstenstand erhoben wurde. Die Fürstin, mit vielen europäischen Fürstenhäusern verwandtschaftlich verbunden, schrieb ihre 'Mernoiren'. die allgemein als wichtige historische Quellen anerkannt werden und den Zeitraum von 1852 bis 192 3 umfassen. Fürstin Marie starb 1923 in Schönberg.

<<  |  <  |  1  |  2  |  3  |  4  |  5  |  6  |  7  |  8  |  >  |  >>

Sitemap | Links | Kolophon | Privacy | Haftungsausschluss | Allgemeine Geschäftsbedingungen | Lieferbedingungen | © 2009 - 2021 Europäische Bibliothek Verlag