Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Autor
:   Dagmar Martin und Gisbert Augsten
Gemeinde
:  
Bundesland
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6715-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten'

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Auch die südlichen Stallgebäude wurden einer anderen Bestimmung zugeführt. Zuerst entstand eine primitive Verkaufsstelle für Zündhölzer, Tabak, Petroleum, Salz, Heringe im Fass usw. Nachdem der Konsum eingerichtet wurde, stand der Raum leer. Später wurde hier der Kuhstall für die Deputatarbeiter eingebaut. Im restlichen Teil des Gebäudes wurde ein Schafstall eingerichtet. Schon lauerte das nächste Projekt. Eine eigene Mühle wollte man haben. Der Mühleningenieur Martin Steinmetz wusste die Lösung - eine Steinmetzmühle musste es sein.

Martin Steinmetz war Nachkomme einer alten Müllerfamilie, die nachweislich seit 1667 arbeitete. Sein Vater, Stefan Steinmetz (2. November 1858-30. Juli 1881), war der Erfinder des Steinmetzmehles.

Am 21. März 1892 wurde in Leipzig die Steinmetz-Patent-Müllerei von Stefan Steinmetz gegründet. Steinmetz wendete eine nasse Getreidereinigung und eine gleichzeitig damit verbundene Enthülsung des Getreides an.

Die Bärenklauer Steinmetzmühle lieferte das für die Herstellung des Steinmetzbrotes nötige grob gemahlene Mehl, das einen reißenden Absatz nach Berlin fand. Die Firma Steinmetz stellte selbst das Steinmetz-Vollkornbrot her und veranlasste die Wirtschaftsgenossenschaft zum Bau der Genossenschaftsbäckerei mit dem Ziel der gewerbsmäßigen Herstellung von Steinmetzbroten für Steinmetz und andere Firmen. Ein Müller und zwei Bäcker hatten vollauf zu tun, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Nicht nur Landarbeiter und ehemalige Remonteknechte, die in Bärenklau ihren Dienst getan hatten, sollten die Möglichkeit erhalten, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. So warb 'Die Gemeinnützige Siedlungs- Treuhandgesellschaft' in ganz Deutschland um Familien, die in Bärenklau siedeln wollten. Eine Familie aus Meinitz bei Döbeln erhielt im Oktober 1934

ein Schreiben der Reichsstelle für die Auswahl deutscher Bauernsiedler, Landesstelle Fretstaat Sachsen. Die Familie hatte sich um eine Siedlerstelle beworben. Sie erhielt daraufhin das hier abgebildete erste Gebäude am Remontehof und zog schon bald in dieses Haus ein.

Die gesamte Siedlerstelle konnte für etwa 29 000 RM aufRentenbasis erworben werden.

An der Sonnenseite des Südflügeis pflanzte man Wein und Spalierobst an (Bild 6). Das Haus war umgeben von Wiesen, Feldern und fruchtbaren Beeten.

6. Südgebäude am Remontehof.

Wendemark

Wendemark bezeichnet in der Regel eine Feldmark, wo sich einmal eine wendisch-slawische Siedlung befand. Allerdings kann dieser Name auf jede alte Wüstung übertragen worden sein, die man im Volk für eine untergegangene slawische Siedlung hielt. Die frühere Besiedlung vonWendemark ist unbekannt. Während der Remontezeit wurde das 20 Minuten vom Hauptdepot gelegene Wendemark zu einem Vorwerk ausgebaut. Etwa in der Zeit von 1885 bis 1895 wurden verschiedene Gebäude errichtet. Zwei Stallgebäude, im Aussehen analog denen am Remontehof ein Inspektorhaus, ein Landarbeiterhaus und drei Scheunen. Auch einen Brunnen von 80 m Tiefe samt einer Pumpstation zur Bewässerung einer Viehtränke soll es gegeben haben.

Nach der Schließung des Hauptdepots standen viele Gebäude in Wendemark leer. Die Ställe wurden jedoch noch teilweise genutzt. Kühe und pferde waren dort untergebracht. Einzelne Häuser wurden für Saisonarbeiter freigegeben. Das Inspektorhaus bewohnte zeitweilig ein Förster. Außerdem richteten sich in einigen leerstehenden Häusern auch Siedleranwärter ein. Erst 1934 begann die eigentliche Besiedlung von Wendemark (Bild 7). Häuser waren genug vorhanden, sie brauchten nur entsprechend ausgebaut zu werden.

Teilweise nutzten auch leitende Herren der 'Gemeinnützigen Siedlungs- Treuhandgesellschaft', die in Bärenklau zu tun hatten, die Räumlichkeiten. Der Kutscher des Gutes musste die Herren mit einem Landauer vom Bahnhof in Velten abholen und nach getaner Arbeit auch wieder dorthin bringen.

Aus Thüringen, aus Sachsen, aus Baden, aus den Ostgebieten, z.B. vom Warthe-Gebiet, kamen Siedler nach Wendemark und fanden dort ihre neue Heirnat.

Auch die ehemaligen Ställe wurden, nachdem das Vieh nach Blumberg gebracht worden war, zu Wohnhäusern umgestaltet. Zwei Familien erhielten den langen Remontestall auf der linken Wegseite. Im Mittelstück waren zwei Wirtschaftsgebäude, die Giebelseiten wurden zu je einer Wohnung umgebaut.

7. Eine Siedlerfamilie inWendemark (1938).

Zeit der Besiedlung

Dass bedeutsame Veränderungen bevorstanden, machte sich in den dreißiger [ahren überall bemerkbar: Neue Gesichter tauchten auf, Anwärter auf Siedlungen, die zum Teil in den leerstehen den Wohnungen bzw. Zimmern ehemaliger Beamter undArbeiter eine vorläufige Wohnstätte fanden. Sie arbeiteten auf dem Gut und wurden durch Inspektoren und Landarbeiter in die Bearbeitung des Landes eingewiesen.

Recht bald begann auch die Bautätigkeit an der sich nach Westen hinziehenden Vehlefanzer Chaussee. Ein Stück vom Kern des bishertgen Gutes entfernt entstand die 'Gärtnersiedlung' , beiderseits der Straße angelegt, in Westrichtung gesehen. Neun Häuser zur Rechten, fünf Häuser zur Linken, nach einheitlichem Baustil, der sich allerdings als wenig zweckentsprechend erwies. Die Häuser waren recht klein, Küche und Waschküche befanden sich im Keller und es gab steile Treppen.

1928 begann der Einzug. Zugleich mit dieser Siedlung erhielt ganz Bärenklau elektrisches Licht.

1930 plante die 'Gerneinnürzige Siedlungs- Treuhandgesellschaft' außerdem die Bebauung anderer Gebiete Bärenklaus und es begann die Bautätigkeit am WendemarkerWeg.Auch hier sollten aufWunsch die früheren Remonte- und Landarbeiter untergebracht werden, die die Grundstücke auf Rentenbasis erwerben konnten.

[ede Siedlung war mit vier Morgen Land ausgestattet. Die Häuser waren lang gestreckt, zur Hälfte Wohnteil, zur Hälfte Scheune mit Tenne. Die Bedachung waren schieferähnliche Platten, die Wände Ziegelfachwerk. Die Häuser waren meist weiß getüncht, so dass der Name 'Weiße Siedlung' entstand (Bild 8).

Natürlich gab es bei der Urbarmachung und dem Bau von Wegen viel Arbeit zu bewältigen.

Häuser anderen Typs entstanden danach in der Fortsetzung des Wendemarker Weges und am Eichstädter Weg. Die Häuser waren 10m im Quadrat, teilunterkellert, und hatten im ersten Stock einen Heuboden, der nach Bedarf durch den Siedler ausgebaut werden konnte.

Die Siedler hier waren ehemalige Beamte, Rentner, Arbeiter, deren Arbeitsgebiete meist die Industriebezirke Velten, Hennigsdorf und Berlin waren.

Alle Häuser zeichneten sich durch eine gewisse Solidität in Pflege und Haltung aus.

8.DerWendemarkerWeg. 'Weiße Siedlung'um 1933. Urbarmachung undWegebau.

Gemeindevorsteher Paul Klatt

Es waren also ständig neue Entscheidungen zu fàllen, um die Entwicklung des Ortes voranzutreiben.

Eine wichtige Rolle im Ort spielte dabei der Siedler Paul [ulius Klatt. Er entstammte einem alten deutschen Bauerngeschlecht und hatte zu Strasburg in Westpreußen als staatlicher Gutsverwalter gearbeitet. Nach dem Ersten Weltkrieg aus der Heimat gewiesen, fand der 41-jährige Landwirt den Weg in das Brandenburgische Bärenklau, wo er mit seiner Frau und drei Kindern das Gutshaus bezog. Er hatte sich bei der 'Gemeinnützigen Siedlungs-Treuhandgesellschaft Berlin ' als Administrator für das Gut in Bärenklau beworben und war als berufserfahrener Bauer hier eingesetzt worden. Im Siedlungsverfahren erwarb er einen Teil des Gutshauses und zahlreiche Ländereien.

Als Administrator des Gutes und Gemeindevorsteher des Ortes war er beteiligt an allen wichtigen Vorhaben, die den Ort betrafen. Die Planung von Straßenverläufen, Bebauungsvorhaben, Einrichtung einer Geflügelfarm, Betreuung der Gärtnerei des Gutes, Erweiterung undAusschankbefugnisse des 'Dorfkruges'. Als sehr aufmerksamer und gerechter Verwalter des großen Gutes war er im Ort geachtet und gefürchtet. Die Kinder kannten ihn als strengen Hüter der Ordnung.

Täglich ritt er früh um 6 Uhr auf seinem Schimmel durch den Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Am Nachmittag war er wieder unterwegs und sorgte dafür, dass in sommerlicher Hitze der Badespaß für die Kinder, die im nahegelegenen pfuhl ihre Späße trieben, nicht zu ausgelassen vonstatten ging. Mitunter jagte er sie sogar davon.

Paul Klatt lebte bis 1962 in Bärenklau. Sein Sohn, Udo Klatt, der

durch praktische Arbeiten und viele theoretische Studien ein hervorragender Landwirt geworden war, trat in die Fußstapfen seines Vaters, verwaltete später den großen Hof und wurde zum Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gewählt. Wie sein Vater arbeitete er für das Wohl und Wehe des Ortes und besaß hohe Achtung und Anerkennung bei den Einwohnern.

9. Um 1950. Auf dem Wagen vor dem Gutshaus Paul Klatt (1879-1962).

Fleißige Menschen - gute Erfolge

Die Siedlung Bärenklau war umgeben von Wiesen, Feldern, Wäldern. Die Felder waren durchzogen von Entwässerungsgräben, denn im Bärenklauer Gebiet gab und gibt es noch heute Schichtenwasser, das gesammelt werden musste. Aus diesem Grunde wurden viele Häuser auch nicht unterkellert.

Die Felder wurden in Folgesaaten bestellt. Es wechselten jeweils Weizen, Roggen, Kleegras, Frühkartoffeln, Rüben, Raps, Gerste, Lein oder Luzerne.

In der Gärtnersiedlung versuchte man sich an der Blumen- und Gemüsezucht. Es entstanden großeTreibhäuser.

Natürlich wusste die Siedlungsgesellschaft, wie jeder andere, dass ein Gärtner ohne Wasser kein Gärtner ist. So gehörte der Bau einer Pumpstation überhaupt zur Lebensfáhigkeit einer Gärtnersiedlung. Sie wurde geplant und gebaut. Heute ist sie eine Ruine. Sie entsprach nicht ganz den Anforderungen der Gärtner. Vollkommenere Belieferung mit Wasser bot bald das Wasserwerk Marwitz, das auch der Wasserbedürftigkeit der anderen Siedler Rechnung trug, so dass ganz Bärenklau aufBrunnenwasser mit all seinen Schwierigkeiten verzichten und Mensch, Tier und pflanzen rnit Leitungswasser versorgt werden konnten.

Alle landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produkte wurden von der Wirtschaftgenossenschaft vertrieben. Man fuhr mit den Produkten zu den Abnehmern in die nahegelegene Hauptstadt Berlin. Getreide, selbst gebackenes Brot, Milch, Eier, Butter und Gemüse fanden in Berlin gutenAbsatz.

Viele Siedler legten auch Obstplantagen an. Ein riesiges Him-

beerfeld erstreckte sich entlang derVehlefanzer Straße. Groß und Klein waren bei der Ernte dabei, denn die frischen Beeren mussten so schnell wie möglich zu den Verbrauchern gelangen.

Eine weitere Einnahme der Landwirte war auch die Viehzucht. Viele Bauern hatten Kûhe, Schweine, Schafe und Geflügel.

Seit 192 2 gab es die sogenannte 'Lohnbrut' in der Geflügelfarm von Irmgard Heinemann. Hier bestellte man z.B. Gänse- oder Hühnerküken. Die Geflügelfarm befand sich an der Chaussee nach Leegebruch.

Durch die Schafzucht, die in Bärenklau schon seit dem 15. jahrhundert Tradition hatte, konnte man Schafwolle produzieren. Viele Frauen im Ort spannen die Wolle selbst.

10.Himbeerernte. Um 1938-1939.

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