Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Autor
:   Dagmar Martin und Gisbert Augsten
Gemeinde
:  
Bundesland
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6715-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten'

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Der Kindergarten

Mit dem Zuzug der vielen neuen Siedler aus allen Teilen Deutschlands und der als Folge des Ersten Weltkrieges aus den Ostgebieten Vertriebenen, die in Bärenklau eine neue Heimat suchten, kamen viele Kinder in den Ort. Die Eltern waren mit dem Bau ihrer neuen Häuser oder dem Umbau der schon vorhandenen Gebäude beschäftigt. Sie hatten damit zu tun, ihre Gärten anzulegen, ihre Felder zu bestellen, das Vieh zu betreuen. Viele Siedler, die vorher niemals mit der Landwirtschaft oder dem Gartenbau zu tun hatten, machten ihre ersten Erfahrungen mit den Arbeiten auf dem Lande und mussten dabei viel lemen. Es waren Wege anzulegen, Rodungen vorzunehmen, Technik zu bedienen. So blieb den Eltern für die kleineren Kinder keine Zeit. Die größeren besuchten die Schule und hatten danach bei allen Arbeiten mit Hand anzulegen.

Um 1930 setzte sich ein Fräulein Schmedernann, die aus Hamburg nach Bärenklau gekommen war, für die Kinderbetreuung im Ort ein (Bild 11). Laut mündlicher Überlieferung fand erstmalig eine Betreuung von kleinen Kindern, die noch nicht die Schule besuchten, in der Vehlefanzer Straße 2 statt. Das Grundstück gehörte mit zumAreal des Südgebäudes am Remontehof. Das Haus, in dem die Kinder betreut wurden, existiert heute nicht mehr. Fräulein Schmedeman war begeisterte Erzieherin und gestaltete für die Kinder abwechslungsreiche Tage. Wanderungen an die verschiedenen Pfuhle des Ortes, Bastelnachmittage, Kostümfeste und lustige Spiele wechselten einander ab. Die Kinderbetreuung konnte dann aber nicht mehr durchgeführt werden.

Erst 1957 riefFrau Koloc, geborene Schmedemann die Kinderbetreuung erneut ins Leben. Ein Erntekindergarten wurde geschaf-

fen. Dazu wurden die Kinder in der 'Alten Schule' betreut. Unter 'Alte Schule' verstehen die Bärenklauer ein Gebäude am Ortseingang, dem 'Dorfkrug' gegenüber, das bereits 1848 von der Remonte-Depot-Administration als Schule errichtet worden war. Die Kinderbetreuung wurde jeweils für die Monate März bis Oktober für Vorschulkinder ab drei jahre gewährleistet.

1967 erhielt der Erntekindergarten einen Erweiterungsbau und konnte danach als Ganztagskindergarten das ganze [ahr betrieben werden.

11. Kindergarten mit Fräulein Schmiedemann, Um 1931.

Schulgeschichte

Schon 1757 soll es in Bärenklau einen Schulmeister gegeben haben, es ist aber nicht belegt, wo der Unterricht stattgefunden hat.

Nach Gründung des Königlichen Remonte-Depots 1832 mussten die Kinder den damals beschwerlichen Weg nach Vehlefanz zurücklegen, wo sie in der dortigen Schule Unterricht erhielten. Erst auf Antrag der Administration wurde für die Kinder des Remonte-Depots in Bärenklau 1848 eine Schule errichtet. Sie war einklassig mit etwa 35 Schulkindern. Fast alle Schuljahre wurden zu gleicher Zeit im gleichen Raum unterrichtet. Es gab nur einen einzigen Lehrer, der im gleichen Haus seine beiden kleinen Wohnräume und eine Küche hatte.

Er erhielt ein Einkommen von 80Talern in bar, ein Körnerdeputat von 1 Scheffel Weizen, 18 Scheffel Roggen, 8 Scheffel Gerste, 2 Scheffel Erbsen und 10 Klafter Holz zum Heizen. Die Kinder zahlten ein Schulgeld. Pro Kind im [ahr 1 Taler und 10 Groschen. Die Schüler wurden in 30 Unterrichtsstunden unterwiesen. Die Fächer waren Religion, Deutsch, Rechnen, Gesang, Zeichnen, Vaterlandskunde, Naturkunde, Geographie, Schulzucht. Während der Zeit der Besiedlung wuchs die Kinderzahl rapide an. 19 14 kam der Lehrer Ernst Geserick in den Ort (Bild 12). Schon zu dieser Zeit war eine große Kinderzahl zu unterrichten. Man musste sogar auf andere Räume, wie z.B. die Gaststätte, ausweichen. Erst 1931 wurde eine Lösung gefunden. Man entschied sich für die Errichtung eines Doppel-Siedlungshauses im Stil der 'Neuen Siedlung', das als Schule dienen sollte. Nun konnten etwa achtzig Kinder beschult werden, die von zwei Lehrern betreut wurden.

Ernst Geserick war nicht nur Lehrer. Er leistete bedeutende Arbeit im Ort als Gemeindevertreter, er war der Leiter des Männergesangvereins und gestaltete viele kulturelle Höhepunkte im Ort.

Die erste Ortschronik wurde vor dem Zweiten Weltkrieg von ihm verfasst, verschwand aber leider nach dem Krieg und wurde nicht mehr aufgefunden. Noch einmal schrieb er in den fünfziger [ahren eine Chronik, in der er der Nachwelt viel Wissenswertes über den Ort vermittelt hat.

12. Alle Schulkinder Bärenklaus mit Lehrer Ernst Geserick. 1939-1940.

Der Dorfkrug

Schon im [ahre 1800 soll es - laut historischem Ortslexikon einen 'Krug' gegeben haben, Es ist aber nicht belegt, wo er sich befand.

Während der Remontezeit wurde 1 874 durch den Königlichen Amtmann ein Antrag an den Kreisausschuss für Gewerbe gestellt, dem Stellmacher des Ortes den Handel mit geistigen Getränken in seinem Hause zu gestatten, das jedoch nicht der heutige 'Dorfkrug' war. Die Stellmacherei lag westlich des eigentlichen Gutshofes. Lange Zeit später ging es nun nicht mehr allein um den Handel, sondern auch um den Ausschank solcher Getränke.

1930/3 1 wurde ein reg er Briefwechsel geführt, in dem es nun aber um den Ausschank alkoholfreier Getränke ging. Inzwischen fand der Ausschank nicht mehr im Hause des Stellmachers start, sondern nach Auflösung des Remonte-Depots wurde das ehemalige Wohnhaus von Oberrossarzt, Sekretär und Futtermeister zu einer Gaststätte und zu einer Verkaufsstelle der Wirtschaftsgenossenschaft umfunktioniert und hieß nun Genossenschaftshaus (Bild 13).

Der Gemeindevorsteher Paul Klatt schrieb in seinem Antrag an den Amtsvorsteher in Velten:

... Die Bedürftigkei t zum Ausschank alkoholfreier Getränke in der Gemeinde Bärenklau ist vcrhunden. In der Gemeinde Bärenklau befinden sich Z.Zt. weder eine Gast-und Schankwirtschaft, noch ein Betrieb zum Ausschank alkoholfreier Getränke, sodass weder die Einwohner noch fremde Ortsbesucher und Ausflügler eine Gaststätte aufsuchen und Erfrischungen zu sich nehmen können. Die Einwohnerzahl der in der Entwicklung begriffenen Gemeinde Bärenklau beträgt schon jetzt

450-500 Seelen, Sie wird in nächster Zeit unwochsen, da die Errichtung einer größeren Anzahl Siedlungshäuser im kommenden Frühjahr geplant ist.

Die Errichtung eines Gastlokals ist daher für die aufblühende Ortschaft dringend notwendig.

Endlich wird am 14.April1931 die Erlaubnis 'zum Ausschank alkoholfreier Getränke (im Volkshaus )' erteilt.

Der Name des Gebäudes veränderte sich im Laufe seiner Existenz immer wieder: Erst 'Genossenschaftshaus' (1920 -1930), dann 'Volkshaus ' (193 1-1935). Der Bau des großen Saales mit Bühne erfolgte 1935.Ab 1936 heißt das Gebäude 'Dorfkrug'. Zwischenzeitlich beherbergten die Räume das Gutsbüro und den Konsum und wegen der übergroßen Kinderzahl im Ort wurde Anfang der dreißiger [ahre hier sogar Unterricht abgehalten.

1 3. Der Dorfkrug im Iahre 1936. Links großer Saal, rechts Konsum,

Verbindung zur Außenwelt

Wie in der frühen Vergangenheit üblich, war auch in Bärenklau die Verbindung zur Außenwelt nur zu Fuß, zu Pferd oder mit Fuhrwerken möglich. Unbefestigte Wege machten solche Reisen zur Strapaze.

Die Post wurde zur damaligen Zeit mit Postkutschen transportiert. Bärenklau gehörte zum Postbezirk Oranienburg. Einer Karte von 1829 kann man entnehmen, dass Oranienburg über ein Postarnt mit Station verfügte. Von Oranienburg gab es Verbindungen größerer und kleinerer Art. Es gab eine ' gebaute Straße' nach Berlin, auf der Fahr- und Reitposten unterwegs waren. 'Schnellposten' verkehrten von Berlin nach Kremmen, Werneuchen und Spandau. Von Oranienburg wiederum gab es Strecken mit Fahrposten nach Liebenwalde, Zehdenick, Gransee, Rheinsberg, Lindow, Alt-Ruppin, Kremmen, Nauen, Hennigsdorf (weiter nach Spandau) und Beman. Eine wichtige Poststraße, die alte Hamburger Poststraße, führte durch den Krämerwald. Als sicher gilt, dass einige Briefe mit einem Boten nach Bärenklau kamen. Der Empfànger hatte das Porto zu zahlen, da es sich dabei um einen 'Portopfhchtigen Dienst' handelte. Das konnten 15 Silbergroschen sein, die zu zahlen waren.

Die steigende Industrialisierung der Wirtschaft erforderte den Ausbau der Infrastruktur, besonders der Eisenbahn.

Die Strecke von Velten bis Neuruppin und weiter nach Wittstock und Meyenburg, oder die Querverbindung von Oranienburg, Kremmen und nach Nauen und Ketzin waren für die Bärenklauer wichtig. Eine kleine Bahn fuhr von Velten über Bötzow und Bötzow-West mit Umsteigen nach Spandau Johannisstift über Schönwalde, oder Bötzow Richtung Nauen über Wansdorf,

Pausin, Paaren, Grûnefeld, Waldschenke, Weinberg. Einen Bahnhofhatte Bärenklau noch nicht. Man musste mit seinem Gepäck über einen langen Feldweg bis nach Velten laufen, was aber den gegenseitigen Verwandtenbesuchen kernen Abbruch tat (Bild 14).

Die Kremmener Bahn entstand Ende der neunziger [ahre des 19. [ahrhunderts. Aber erst Mitte der vierziger [ahre des 20. [ahrhunderts wurde der Bärenklauer Bahnhof gebaut. Der Kreisund Stadtbaumeister LR. Franz Birkenfeld kam 1944 als Flüchtling aus Westpreußen nach Bärenklau.

14. Wieder nach Hause. 1941.

Auf seine Initiative hin konnte erreicht werden, dass Bärenklau 1948 einen Bahnhof erhielt. Vorerst stand nur eine Holzbaracke dort, doch 1950 entstand dann ein schmuckes kleines Bahnhofsgebäude mit mehreren Räurnen, hellen Fenstern mit Blumenkästen, einem Schalter für den Fahrscheinverkauf und einer Fahrradaufbewahrung.

Um für die Arbeiter vom Stahlwerk Hennigsdorf und den LEW (Lokomotivbau -Elektrotechnische-Werke) günstigere Bedingun gen zu schaffen, wurde 1950/51 eine Zugverbindung von Hennigsdorf über Velten, Germendorf nach Oranienburg geschaffen. Diese führte auch dicht an Bärenklau vorbei. Sie verlief über den Kirschenweg und hatte scWießlich einen Bahnhof in der Nähe eines Gebäudes an der Straßenverbindung zwischen Leegebruch und Bärenklau.

Dieses Gebäude - auf dem Bild 15 links im Hintergrund wurde 1936 errichtet. Als in Leegebruch die Heinkel-FlugzeugWerke entstanden. benötigte man eine Fliegerschule. Die jungen Menschen wurden für die verschiedensten Berufsgruppen, die mit Bau, Montage und Kontrolle der neuen Flugzeuge vonnöten waren, ausgebildet.

Die Stelle, auf der diese Fliegerschule errichtet wurde, gehört zur Gemarkung Bärenklau. Somit verbanden wiederum wirtschaftliche Bedingungen und Interessen die beiden Orte Bärenklau und Leegebruch.

Die eingleisige Leegebrucher Bahnlinie hatte Dampflokbetrieb. Auf dem Veltener Bahnhof konnte man umsteigen nach Kremmen ader Berlin.

Das Gebäude der alten Fliegerschule steht zur Zeit ungenutzt. Die ehemalige Brücke, die die Leegebrucher Chaussee überquerte, existiert nicht mehr. Heute sieht man nur noch die Seitenbefestigungen der alten Bahnbrücke, Reste der BrückenpfeiIer, die von Unkraut verwilderten Stufen, die zum Bahnhof fûhr-

ten und einen Teil des Bahndamms. Verbunden werden die beiden Orte durch die Chaussee von Bärenklau nach Leegebruch und heute benutzt man Fahrrad oder Auto, um von einem Ort in den anderen zu gelangen.

Die Bärenklauer besuchen ihren Nachbarort sehr oft, denn in Leegebruch können sie einkaufen, ihre Bank- und Postangelegenheiten erledigen, zum Frisör gehen und auch Ärzte und Apotheken stehen zur Verfügung.

lS. Alte Bahnbrücke der Leegebrucher Bahn um 1954 mit Bliek auf die Fliegerschule.

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