Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten

Autor
:   Dagmar Martin und Gisbert Augsten
Gemeinde
:  
Bundesland
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6715-4
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Bärenklau und Leegebruch in alten Ansichten'

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Heinkelsiedlung 11 - Häuser, Straßen, Siedler

Die Wohnbebauung der neuen Großsiedlung bestand überwiegend aus Einfamilienhäusern in Form von Doppelhäusern. Zwölf verschiedene Haustypen standen für die neuen Siedler zur Auswahl. 'Angekommen staunte die Familie. Alles sah so sauber aus, das Haus von außen und innen, die neu angelegten Rasenflächen vor den Häusern und die Straßen. Viele hatten in der alten Heimat nur ungenügenden Wohnraum und nun hatte man ein ganzes Haus', schreibt Emmi Birkenstock, die mit ihren Eltern im September 1937 zuzog.

Die Siedlungshäuser hatten unterschiedliche Grundrisse, unterschieden sich aber in der Größe der Wohnfläche kaum. Der Wohnteil bestand einheitlich aus einer Wohnküche, einem Elternschlafzimmer und einer Kinderschlafkammer. Ein ElektroKohle-Herd diente nicht nur Kochzwecken sondern auch für die Raumheizung. Ein endloser Streit wurde um den Einsatz von Kachelöfen geführt, die zunächst nicht vorgesehen waren, aber bei dem Luchklima mit Nässe, Nebel und Kälte über viele Monate des [ahres hinweg auf die Dauer unumgänglich waren. Außerdem war das Dachgeschoss zunächst nicht ausgebaut, durch Eigeninitiative war aber eine Nachbesserung möglich. Die Außenwände waren nicht wärmespeichernd, was in den kalten Kriegswintern durchaus Probleme schaffte.

Der Wirtschaftsteil war je nach Typ mit dem Wohnteil unter einem Dach, an dieses angebaut, in einem gesonderten Gebäude untergebracht oder kombiniert unter einem Dach und im gesonderten Gebäude. Er bestand ebenfalls einheitlich aus einer Wirtschaftsküche, einem vier Stufen tiefen 'Keller '. einem Stall für Kleintierhaltung und einem Abort. Alles war darauf einge-

richtet, dass sich die Siedler weitgehend selbst versorgen konnten.

Diesem Ziel diente auch der Garten, der um die 700 m' groß war. Er wurde weitgehend von der Siedlungsgesellschaft, der Kurmärkischen Kleinsiedlung GmbH, mit angelegt. Zur Grundausstattung gehörten ein Hühnerzwinger, Apfel-, Birn- und pflaumenbaum. Den Siedlern wurden Kurse zur Gartengestaltung und Selbstversorgung angeboten. So gesehen ist die Siedlung vor allem ein herausragendes Denkmal der Siedlungsbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die Funktion als Gefolgschaftssiedlung nur übergestülpt.

Bild 26 zeigt die Haustypen SI 2, SlO und S4. SI 2 mit längsstehendem angebauten Wirtschaftsteil hat die typischen quadratischen Stallfenster in seltener Vielzahl. SlO ist eines der Einzelhaustypen, die giebel- und traufenseitig zur Straße stehen konnten und eine geringfügig abgewandelte Einteilung hatten. S4 ist eines der Kettenhäuser, von denen es allein fünf Typen gab.

26. Heinkelsiedlung.Aus derVielzahl der Haustypen:

S12, SlO und S4.

Die Haustypen wechselten sich kleinräumig ab, so dass ein abwechslungsreiches Bild entstand. Es wechselten Einzelhäuser mit Doppelhäusern, Bauten in Traufenstellung mit solchen in Giebelstellung, freistehende Doppelhäuser mit Kettenhäusern. Trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, dass in einer Flucht viele optisch gleiche Häuser standen. Um besonders Kindern ihr neues Heim erkennbar zu machen, wurden Hauszeichen aus gebranntem Ton angebracht. Auch von einer schachbrettartigen Bebauung wurde abgesehen; die Sraßen wurden naturnah meist in Anlehnung an alte Wegführungen angelegt.

Es macht traurig. zu erkennen, dass das alte harmonische Bild in der Gegenwart langsam schwindet. Während viele Eigentümer mit viel Liebe zum Detail das Alte bewahrt haben, ohne dabei aber auf modernen Komfort zu verzichten, gibt es zunehmend Beispiele des Ausbrechens aus dem alten Formenkanon bis zur bewussten Zerstörung eines Denkmals. Zu einer Ortssatzung hat sich die Gemeinde nicht durchringen können. Das Projekt,

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