Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1

Autor
:   Jürgen Pump
Gemeinde
:   Poel, Die Insel
Bundesland
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5563-2
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 1'

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Mien tweite Brut

Van wieden seih iek di,

as ein vergnäugtes Gör, Minseh man, wat hoeg iek mi! lek kann dor ok nicks för.

In' blänkrig Sünnensehien, kam iek an diene Bröeh.

Dor treckt wat as 'ne Lien,

un halt nah Bus mi tröeh. Fründ Wind taast miene Uhr'n. Dei Rapp, dei bläuht so gäl. Up Peul bün iek gebur'n. Bedüd'st mi bannig väl.

Denk an' Hab'n bi dei Kark. Den'n Lüehttorm un dei Mol. Seih Fischers bi ehr Wark. Denk ok an Peuler Kohl. Denk an flietig Buern,

mit Planten tucht un Veih.

Dei Frömden seih iek luern, nah Hiring an'e Kai. Rundüm, dor hür iek di.

Mal lies un ok mal Iud. Minseh man, wat hoeg iek mi! Leiw Peul, mien tweite Brut.

Jürgen Pump

Erinnern wir uns

Es scheint wohl seit eh und je Sache des Menschen zu sein, ungeduldig nach Fortschritt zu streben. Doch Fortschritt sollte auch das Besinnen an Althergebrachtes beinhalten.

Erinnern wir uns als 'gelernte Mecklenburger' an unsere Vergangenheit und beschwören das Heimatgefühl in uns. Denn Heimatgefühl ist sicher nicht der Beweis eines zu engen Horizontes. Frischen wir darum unser Erinnerungsverrnögen auf, das sich nicht so ohne weiteres vom Fundbüro abholen läßt. Ja, was ist denn nun die mecklenburgische, die Poeier Heimat? Gewiß nicht bloß widerkäuende Rinder auf der Weide, die gemütlich ihre Milchsäcke schaukeln.

Mecklenburgs geographische Lage hatte im 17. Jahrhundert der Geschichtsschreiber und Theologe David Frank wie folgt beschrieben: 'Die fließenden Ströme, welche Mecklenburgs Grenzen berühren, sind gegen Morgen die Recknitz, gegen Mittag die Eibe und gegen Abend die Trave.' Und noch eines ist aus alten Büchern bekannt: 'Vortrefflich kultiviertes Land, mit Menschen, denen man Gelassenheit, Gelehrigkeit, Aufrichtigkeit und Gastlichkeit nachsagt.' Und das schließt die schöne Insel Poel mit ein. Auch sie wird schnell zum Duzbruder. Ernst Barlach sagte einst: 'Das ganze Land ist naivsaftig!' Und der Berliner Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb über Mecklenburg folgendes: 'Die Wege sind mit klobig dieken Weiden bepflanzt, damit man sie besser erkennt. Und indem die Weiden in ihrem eigensinnigen Wuchs dureheinander zu torkeln scheinen, die eine schiefnach außen, die andere grad', die dritte quer nach innen. Die Straßen machen regelrecht einen besoffenen Eindruck!'

Wer nun die heutige Insel Poel mit den alten Ansichten in diesem Büchlein vergleicht, der wird staunen über die tiefgreifenden Wandlungen im Verlaufe der Geschichte dieses Eilands.

Diese kleine Sammlung soll die Erinnerung an alte Zeiten wachrufen. Sicher wird manch' Poeier 'Ureinwohner' freudig ausrufen: 'Weißt du noch?'

Die Insel Poel

'Poel ist im deutschen Vaterland fast ganz und gar noch unbekannt

Diese Worte hatte einst ein Feriengast noch vor dem Ersten Weltkrieg in ein Fremdenbuch geschrieben. Das hat sich zwar geändert, doch ein verträumtes Fleckchen Erde ist die Insel trotz alledem geblieben. Von den Badeorten an der mecklenburgischen Ostseeküste ist Poel dank seiner interessanten Eigenarten ein kleines Juwel. Sehenswert ist diese Insel für jeden, der für Natur und historische Dinge empfänglich ist.

Im Hauptort Kirchdorf und den übrigen 13 Ortschaften leben heute etwa 3 000 Menschen. Poel liegt vor den Toren der Hansestadt Wismar. Die Größe der Insel beträgt 37 Quadratkilometer. Im Osten trennt der Breitling die Insel vom Festland. Eigenartig ist die hufeisenförmige Gestalt der Insel, die dadurch entstand, daß die 'Kirchsee' vom Süden her einen tiefen Einschnitt bildet. Während Poel im Süden und Osten flaches Ufer besitzt, bricht die Insel im Westen und Norden mit einem hohen Kliff ab. Leicht hügelig hält sich Poels Oberfläche. Eine Ausnahme bildet der Kickelberg mit seinen 26 Metern Höhe. Am Breitling hat die Insel eine etwas stärkere Kleingliederung als das ge gen-

überliegende Festland. Poels Küsten sind ständigen Veränderungen unterworfen, die keineswegs gleichmäßig vor sich gehen. Besonders an der nordwestlichen Seite greifen Sturmfluten immer wieder in breitester Front das Steilufer an.

Die ursprüngliche Landschaft der Insel ist verschwunden. An ihrer Stelle ist seit der Besiedlung die Kulturlandschaft getreten. Die Insel war vermutlich einst von Wald bedeckt. Der letzte bescheidene Rest befindet sich im gleichnamigen Ort 'Schwarzer Busch'.

Außer Ackerbau und Fischfang hat die Insel Poel erst in jüngerer Zeit durch den Tourismus an Bedeutung gewonnen. Zwar gab es bereits Ende des vorigen Jahrhunderts in Timmendorf Badegäste, doch die eigentliche Blütezeit des Bäderverkehrs begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Erreichbar ist die Insel nicht nur über See. Ein aufgeschütteter Damm mit einer kleinen Brücke ermöglicht auch den Zugang auf dem Landweg.

Über die Herkunft der Besiedlung sagt eine Sage folgendes: Nach Strandung eines holländischen Schiffes an der Warnowmündung soll einer von drei überlebenden Brüdern, namens Evers, sich auf der Insel Poel niedergelassen haben.

Jürgen Pump

1. Wer vielleicht vor hundert Jahren auf dem Landweg zur Insel Poel wollte, mußte notgedrungen über diese lange hölzerne Brücke. Bei Abrißarbeiten im Jahre 1928 entdeckte man in einem Holzträger die eingeschlagene Jahreszahl 1843, vermutlich das Baujahr. Man riß diese Brücke wegen BaufäIIigkeit ab. Ständiger Eisgang mit seiner zerstörenden Wirkung hatte an diesem Bauwerk seine Spuren hinterlassen. Der Damm wurde erweitert, und eine kleinere Brücke entstand. Das Erdreich für den erweiterten Damm nahm sich der Wismarer Bauunternehmer Nikolay vom Fährdorfer Berg. Die Straße führt heute durch den Berg hindurch. Festlandseitig lieferte der Ahrendsberg südlich des Dammes das Material. Das Brückenhaus, links im Bild, entstand 1851. Deutlich erkennbar im Mittelteil der Brücke die 'Grot Klapp' und die 'Lütt Klapp', die Fischerbooten und anderen kleinen Wasserfahrzeugen die ungehinderte Durchfahrt im Breitling ermöglichten.

2. Betrat man die Insel Poel auf dem Landweg über Damm und Brücke, so war auch schon am Ende des Dammes das Dorf Fährdorf erreicht. Urkundlich gilt dieses Dorf als älteste Ortschaft auf Poel. Bereits 1163 wird eine Besiedlung an diesem Ort nachgewiesen. Doch vermutlich haben Slawen die Insel schon früher besiedelt. War man kurz nach der Jahrhundertwende mit Pferd und Wagen in Fährdorf angelangt, sorgte der Gastwirt Gustav Wegener für das leibliche Wohl. Eine 'Ausspanne' (zur Erholung ermüdeter Pferde) gehörte selbstverstàndlich dazu. Wegener betrieb auch den Pferdehandel. Er ließ dieses Gebäude errichten, nachdem er das Gasthaus 'Zur Börde' wegen Baufälligkeit am gleichen Standort hatte abreißen lassen. Diese Aufnahme zeigt das Gebäude im Jahre 1906 kurz nach seiner Fertigstellung.

3. Fährdorfer Ansichten Ende der zwanziger Jahre. Das Gasthaus Ketzier , heute 'Zum Breitling', im linken unteren Teil des Bildes, stand zu jener Zeit dem Gasthaus Gustav Wegener direkt gegenüber. Auch Werbung wurde damals schon gekonnt betrieben. Die Männerwelt trank Mahn & Ohlerich-Biere.

4. Von der Großherzoglich-Mecklenburgisch Schweriner Generalpostdirektion wurde am 1. April 1866 eine Boots- bzw. Fußpost zwischen Kirchdorf und Wismar eingerichtet. Zunächst war es ein Segelboot, das die Poeier Fischer zu besetzen hatten. Am 2. September des gleichen Jahres übernahm dann der Dampfer 'Alice' den regulären Dienst. Im Winter jedoch mußten wegen Vereisung die Postsachen mit einem Lastfuhrwerk über die Poeier Brücke transportiert werden. Auf der Insel sorgten dann die Briefträger dafür, daß die Post an den Mann kam. Hier ist es Reinhard Gössel, der dem Schankwirt Johannes Lembke in Fährdorf im Jahre 1925 die neuesten Nachrichten überreicht.

5. Wendete man sich dem Ort Malchow zu, so sollte es schon eine Referenz an den wohl größten Poeier Sohn, Professor Hans Lembke, sein. Die Familie Lembke ist seit Jahrhunderten auf Poel ansässig. Schon 1357 wird ein 'filius Lemekens' als Poeier Bauer in den Urkunden erwähnt. Zehn Generationen lassen sich zurückverfolgen. Das hier dargestellte Wappen des David Lembke und seiner Ehefrau Viedt (spätere Schreibweise Vieth) befindet sich heute in Hohenlieth bei Eckernförde. Der berühmteste unter den Lembkes war unbestritten Professor Hans Lembke, der mit großem Erfolg Kulturpflanzen züchtete.

6. Der Hof des großen Züchters, Professor Hans Lembke. Im Vordergrund links sehen wir das Inspektorhaus und die Windturbine, mit der man elektrische Energie erzeugte. Es schließt sich der Pferdestall mit Saatgutspeicher an. Vorn rechts ist die Stellmacherei zu sehen. Dahinter steht der reetgedeckte Kuhstall. Ganz im Hintergrund zeigen sich das Wohn- und Verwaltungsgebäude.

Pension

n Ko tahl " Malchow Ostseebad Insel Poel

Fernr. Kirchdorf59

7. Auch die Pension 'Kofahl' in Malchow hatte ihre Vorzüge. Eine gute Küche war selbstverständlich. Erwähnung aber fand in der Werbung im Bäderprospekt von 1930 auch der gute Keller, denn moderne Kühlaggregate waren dazumal noch unerschwinglich. Wer bei den Kofahls Interesse für Motorboot-, Segelbootund Ruderbootfahrten hatte, kam hier voll auf seine Kosten. Vorn, links sitzend, sehen wir die Eheleute Marie und Adolf Kofahl. üben links, stehend, die Tochter Toni. Schön soll es gewesen sein, wenn Marie zur Ziehharmonika griff. Ihr Mann Adolf hatte andere Qualitäten. Er war ein guter Erzähler. Ein Fototermin mit Gästen aus dem Jahre 1927 vor der Pension.

8. Der Gollwitzer Hof des Landwirts Gustav Wegener jun., Sohn des Gastwirtes und Pferdehändlers Gustav Wegener, in Fährdorf. Das querstehende Wohngebäude steht heute noch. Die Scheunen allerdings haben bereits das Zeitliche gesegnet. Ein Foto aus dem Jahre 1929.

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