Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2

Autor
:   Jürgen Pump
Gemeinde
:   Poel, Die Insel
Bundesland
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5875-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 2'

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VORWORT

Eine Poel-Reise durchfünf Jahrzehnte

Ein kleines Büchlein aus dem Jahre 1847 mit dem Titel 'Ausflug nach der Insel Poel im Spätsommer 1826' machte den Reisenden sicher neugierig auf dieses kleine Eiland in der Ostsee. Der Autor, ein gewisser Ackermann, berichtet folgendes: 'Nicht das Verlangen nach dem Anbliek einer von der Natur paradiesisch ausgestatteten Gegend sei für einen kleinen Ausflug nach Poel bestimmend gewesen,' so betonte Ackermann eingangs sondern 'amtliche Verhältnisse in Redentin hätten ihn mit den Insulanern zusammengeführt, und daher sei ihm die Unbekanntschaft mit der "Localität ihres Wohnsitzes" schon immer unlieb gewesen.'

Die Anfahrt nach Poel. 'Man nähert sich der Insel von Groß-Strömkendorf aus auf einem wenig befahrenen Wege. Wenn man nicht hohe Pfähle sähe, die die Furt bezeichneten, so möchte man beim Anblick des Gewässers am liebsten umkehren, zumal nach Erzählungen bei starkem Nordwestwind die Überfahrt lebensgefährlich sei und schon mancher mit Pferd und Wagen von den Wellen verschlungen wurde.'

Ackermann ist bei heiterstem Himmel und niedrigstem Wasserstand gefahren, passierte zwei lange Brücken, von denen die äußerste in der Mitte eine Zugbrücke besaß, und traf auf der zweiten Brücke 'zwey rothwangige Insulanerinnen'. Das Äußere dieser Damen schien ihn beeindruckt zu haben, denn er beschrieb in diesem Bericht den 'Pölschen weiblichen Anzug' bemerkenswert genau. Poeier Eigenart. Der Endpunkt seiner Reise war Tim-

mendorf, 'wo ihn gute Bauersleute mit Herzlichkeit aufnahmen'. Seine Eindrücke über diese erste Bekanntschaft mit Insulanern gibt er folgendermaßen wieder: 'Kaum miteinander bekannt geworden, schwatzten wir treuherzig über ihre Verhältnisse und Eigentümlichkeiten, wobei auch die Naivität der Mutter Wirtin, mit welcher sie mir in dortiger Mundart die häufigen Schlägereien und Raufereien der Insulaner schilderte, nicht wenig ergötzte. Besonders der im Monat September gehaltene Jahrmarkt in Kirchdorf endete in den meisten Fällen mit den gefährlichsten Balgereieu'.

Der Poeier Menschenschlag. Zum Schluß gibt Ackermann noch eine Charakteristik der PoeIer. Er beschreibt sie als groß und kräftig, und er befürchte nicht, daß der fleißige Branntweingenuß sie entnerve und erschlaffe. Es herrsche bei den Poelern eine bessere Aufklärung und Bildung als bei anderen Landbewohnern.

Spätestens nun sollten wir das Verlangen spüren, diese liebenswerte Insel kennenzulernen. Nicht aber auf dem 'Iebensgefährlichen ' Landweg über die Brücke. Angeraten ist vielmehr eine lustige Dampferfahrt mit "Ireckfiedel', Schlagzeug, Geige, Trompete und Klarinette. Denn die Wismarer Kapelle Holtfreter sorgt garantiert für gute Stimmung bei der Überfahrt.

Wir treten zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch das altehrwürdige Wassertor in Wismar, das scheinbar verträumt in das Hafenbecken blickt. Fisch- und Teergeruch, Salzgeschmack und dumpf tönende Schiffssirenen empfangen uns. Am 'Alten Hafen' drängen sich die Menschen

am Kai, Der Dampfer 'Insel Poel' liegt bereit zur Überfahrt nach Poel, und Kapitän Peter Steinhagen hat alle Mühe, die Fahrgäste unterzubringen. Schwarze Rauchwolken steigen aus dem Schornstein des Schiffes. Der Maschinist Luten Hückstädt hat gerade tüchtig nachgeheizt, und Steuermann Willi Baumann hält bereits das Ruderrad in seiner festen Faust. Die Einkäufe im Auftrag der Insulaner sind verstaut. Ein Bliek auf den Fahrplan mahnt uns zur Eile, denn Kapitän Steinhagen hat bereits über das Sprachrohr seine Order in den Maschinenraum gegeben: 'Leinen los!' Die Schraube beginnt zu wühlen, das Heekwasser schäumt, und das Schiff gleitet behutsam durch den Hafen in die Wismar-Bucht.

Vorbei geht es am Lotsenhaus, an Holzstapeln, Speichern, Schuppen, Kohlenbergen und dem Baumhaus. Wir passieren die Beguhlsche Badeanstalt. Seebad Wendorf mit fröhlich badenden Menschen kommt in Sicht, und die Schwedenköpfe blieken grimmig und unbewegt hinterdrein. Weit hinten wird der Fliemstorfer Baum sichtbar, der den Schiffern als Navigationshilfe dient. Voraus ist schon die kleine Insel Walfisch mit seiner Bake zu erkennen.

Immer kräftiger hebt sich das saftige Grün der Insel Poel aus dem Wasser der Wismar-Bucht, Ein herrlicher Anbliek, wie der gelbblühende Raps herüberleuchtet. Und der feuerrote Mohn vermittelt den Anschein, als blute die Insel aus vielen Wunden.

Die Fahrt geht in die Kirchsee, einen tiefen geografischen Einschnitt. Rechts liegt der Breitling, der die Insel

Poel vom Festland trennt. Weit hinten ist der Poeler Damm mit Brücke und seinen hohen Pappeln zu erkennen.

Kurz vor dem Anlegen im Kirchdorfer Hafen grüßt malerisch die Niendorfer Mühle auf der rechten Seite und links sehr dominierend und majestätisch die gotische Kirche. Wir hören das Kommando des Kapitäns: 'Maschine stop!'. Kurzes Anlegemanöver und wir sind im 'Tor zur Welt', in Kirchdorf, angekommen.

Seefahrt macht hungrig und durstig, und wir wecken die Lebensgeister nach der Schaukelei auf 'Hoher See' im Gartenrestaurant von Hans Völter mit 'Ketüffel, Spiekaal un ein'n dägten Koem för't Mul'. So gestärkt und voller Neugier soll die Wanderung über das Eiland Poel durch fünf Jahrzehnte beginnen.

Eine leise, unaufdringliche Schönheit erwartet uns.

Literaturhinweis :

'Das Poeler Inselblatt' , Monatszeitschrift der Insel Poel. 'Beiträge zur Poeler Familienkunde ' von Gustav Willgeroth.

Ein herzliches Dankeschön allen Poelern, die mir bei meinen Nachforschungen hilfreich zur Seite standen. Besonderen Dank den Eheleuten Irmgard und Wolfgang Baack sowie den Herren Wilhelm Baumann und Reinhold Fraederich.

Jürgen Pump

1. Flach wie ein Pfannkuchen und ohne großen nennenswerten Bewuchs, so präsentiert sich die Insel Poel. Nur der Kickelberg steekt mit seiner 'stattlichen' Höhe von 26 Metern vorwitzig seine Nase in den Poeier Himmel. Von hier aus läßt sich die ganze Insel überblicken. Auch der herannahende Dampfer 'Insel Poel' ist gut von dort auszumachen, wenn sie qualmend die nächste Fuhre Gäste heranschafft. 'Dei Utlänners' oder 'dei Berliners' kommen, so sagen die Einwohner liebevoll zu den Gästen, egalob sie aus Sachsen oder Bayern sind. Aber bös gemeint konnte dies ja wohl nicht sein, sorgten doch schließlich diese Leute vom 'Kontinent' für einen etwas diekeren Geldbeutel. Andererseits jedoch war es weit unter der Würde der Poeier Fischer und Bauern, mit 'dei Dütschen' zu verkehren. Da konnte es schon sein, daß manch gesprächiger Gast vergeblich auf eine Antwort wartete, denn der Poeier Menschenschlag schien wohl seit jeher der Auffassung zu sein: 'Ick holl mi en Mul, dat schont dei Tähnen.' ('Ich halte meinen Mund, das schont die Zähne.')

2. Im Wandel der Zeiten ist der Name Steinhagen in der privaten Schiffahrt auf Poel oft anzutreffen. Bereits 1814 gab es den Böter Johann Heinrich Steinhagen, der zwischen Poel und Wismar Frachtfahrten durchführte. Und in neuerer Zeit waren es auch die Steinhagens. die die Poeler Dampfschiffahrt weiter vorantrieben. Ab dem Jahre 1930 führte dann Peter Steinhagen als alleiniger Reeder der drei Dampfer 'Insel Poel', 'Hindenburg' und 'Seeadler ' das Geschäft mit dem Tourismus. Bis 1950 führte er den letzten Dampfer 'Insel Poel', der heute als Wrack im Kirchdorfer Hafen auf Grund liegt. Auf diesem Foto aus dem Jahre 1929 erwartet Kapitän Peter Steinhagen am Anlegesteg im Alten Hafen in Wismar seine Fahrgäste. Im Hintergrund sehen wir neben dem Wassertor einen Teil des hellen Giebels der Gaststätte Restaurant 'Zum Wassertor' .

3. Mit sicherer Hand manövriert Steuermann Willi Baumann im Jahre 1930 den Dampfer 'Insel Poel' an den Anlegesteg im Kirchdorfer Hafen auf der Insel Poel. Und die beeindruckende Rauchfahne beweist, daß Maschinist Luten Hückstädt noch einmal tüchtig Kohlen nachgelegt hat. Links, außerhalb des Fahrwassers, kehren zwei PoeIer Zeesenboete vom Fang heim. Im Hintergrund zeigt sich das Niendorfer Ufer.

4. Es war sicher immer ein Vergnügen für die Poeier Fischer, wenn wieder einmal staunende Landratten auf der Insel ankamen. Und schauen wir den dreien mal genauer ins Gesicht, so erkennen wir in ihren fragenden Blieken: 'Na, wenn dat man gaud geiht?' (Na, wenn das man gut geht?). Denn allzuoft landete Kapitän Peter Steinhagen kreidebleiche Gäste an. Von rechts sehen wir auf diesem Foto die Fischer Otto Groth (Patt, Paddler, Zarrer), RichardThegler (Hiede-Hiede) und Gustav Evers (Quieben). Diese Aufnahme entstand Ende der zwanziger Jahre im Kirchdorfer Hafen auf einem vor Anker liegenden Kutter.

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(aul der Insel Poel).

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5. Das große Boot im unteren linken Bildrand ist vermutlich ein Frachtsegler, der für den Seegrastransport um die Jahrhundertwende genutzt wurde. Und der hölzerne Dampfer 'Poel' erreicht gerade den Kirchdorfer Hafen, immer wieder ein Ereignis für die Poeier Jungens. In der rechten Darstellung ist neben Anlegesteg und Boot deutlich der noch unbefestigte Hafen erkennbar. Das Gebäude rechts im Hintergrund ist der Pferde- und Kuhstall, unmittelbar daneben sind der Saal und dahinter die Gasstätte des Gastronomen Völter zu sehen. Links zeigt sich das Dach der Gaststätte 'Zur Insel'. Die beiden Schornsteine gehören zur Bäckerei Louis Wikken.

6. Diese Aufnahrne, die etwa im Jahre 1930 gemacht wurde, zeigt hier sehr schön die kleine Poeier Zeesenbootflotte am Schlickwehr im Vordergrund und am Bollwerk des Kirchdorfer Hafens im Hintergrund. Das Schlickwehr war eine in den Grund getriebene Pfahlreihe, die ein Versanden des Hafens verhindern sollte. Später überbaute man dieses Wehr mit einem Steg, der dann auch den Seglern zum Anlegen diente. Noch heute existiert dieser Steg, der wegen Baufälligkeit in neuerer Zeit rekonstruiert werden mußte. Üblich war es bei den Poeier Fischern, die Zeese (sackartiges Grundschleppnetz mit Flügeln) nach Gebrauch am Mast des Zeesenbootes zum Trocknen aufzuhängen. Der Weg vorn links führte einst vom Hafen bis hin zum Spitzeek an den Schloßwall-Anlagen. Er galt als Promenade für Gäste und Einheimische, ein beliebter Spazierweg in den Sommermonaten.

Ostseebad Insel Poel - Hafen

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7. Am linken Bildrand grüßt die Niendorfer Mühle herüber, die im Jahre 1953 einem Brand zum Opfer fiel. Der Kirchdorfer Hafen ist hier erst zum Teil befestigt. In der Mitte des Bildes sehen wir Fischerboote, im Paket vertäut, am Ende des Bollwerks. Hier befand sich eine Slipanlage, mit der man die Boote zur Winterruhe an Land setzte. Es war eine Anlage ohne Winde. Auf Bohlen legte man quer Rundhölzer, auf denen dann die Boote mit Muskelkraft und lautem Gebrüll an Land geschafft wurden. Von Peter Wikken weiß man zu berichten, daß er besonders laut seine Kommandos gab. Der Dampfer ' Insel Poel', im rechten Teil dieser Postkarte aus dem Jahre 1912, strebt mit einer neuen 'Ladung' von Gästen dem Kirchdorfer Hafen zu. Ganz rechts ist der Zugang zum 'Teihn-Penning-Stieg' erkennbar, auf dem man das Gartenlokal Völter erreichte. Noch existiert das Schlickwehr nicht, das den Hafen vorm Versariden schützen wird.

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8. Ein Badegast machte es sich leicht. Kurzerhand strich er den Ort Kirchdorf auf diesem Gruß und schrieb stattdessen Timmendorf. Vermutlich hatte er seine Einquartierurig nicht in Kirchdorf, sondern in Timmendorf genommen. Diese Darstellung der Kirche ist eine besondere Rarität, denn immerhin wurde diese Karte am 6. September 1899 verschickt,

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