Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Autor
:   Jürgen Pump
Gemeinde
:   Die Insel Poel
Bundesland
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6601-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5'

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9 Auch die PoeIer Straßen bedurften der Pflege. Vor allem mußte die Verkrautung der Gräben verhindert werden, damit für den Abfluß des Regenwassers gesorgt war. Obwohl die Bezahlung eines Wärters eine zusätzliche Belastung der Kommune war. Denn schon am 8. März 1881 wehrten sich die Gemeindeväter gegen eine Instandhaltung ihrer Dorfstraßen (Wege). Hier heißt es in einer Notiz des Protokolls:

'Man meinte, die Grundherrschaft der Kosten für die nicht verpachteten Dorfstraßen sollte der Hohen Kammer überlassen bleiben. Es wurde beschlossen, solche Überweisung der Dorfstraßen an die Gemeinde dankend abzulehnen.' Die 1904 erwogene und beratene Chaussee nach 'Pöl' kam dann später ohne Belastung der PoeIer zustande. 'Sie ward im Herbste 1906 bewilligt und war nach zwei Jahren vollendet.' (Fertigstellung 1908/Techen/8,7 km).Am 19. Februar 1914 ist die Rede von der Fortführung der Straße ab der Brücke. Clever stellten die PoeIer ihre Forderungen. 'Die

Versammlung beschloß die Erbauung und Erhaltung der Nebenchaussee von der großen Brücke nach Fährdorf über den langen Berg nach Niendorfbis Kirchdorf zu übernehmen. Bis zur Abzweigung des Weges Kirchdorf- Timmendorf und vom Wege Kirchdorf- Weitendorf, wenn die Interessenten die veranschlagte Summe von 75 000 M außer Landeshilfe aufzubringen und der Gemeinde zur Verfügung stellen.' Aber so recht einig war man sich doch wohl nicht, denn am 18. Februar 19 19 lesen wir die Worte: 'Die Versammlung beschließt, den Chausseebau nicht in Angriff zu nehmen, wenn auch dadurch die bewilligte Landeshilfe verlustig geht.' Vier Jahre später, am 3 1. August 192 3, legte man für den Transport von Kiesund Steinmaterial fest: 'Die Gemeinde beschließt, daß die für den Chausseebau zu leistenden Fuhren von den Fuhrpflichtigen zu leisten sind. Mit der Zuteilung der Fuhren ist der Chausseeverband beauftragt.' Im Vorfeld der Straßenbauarbeiten bemühten sich die Gemeindeväter auch weiterhin um den Erhalt ihrer

Wege. DieserTeil des Ortes Kirchdorfin Höhe der Sigglowschule (heute Kurverwaltung und Bibliothek) blieb natürlich zu diesem Zeitpunkt vom Straßenbau unberührt und es kann nur von einem Fahrweg die Rede sein. Uns begegnet hier auf diesem Foto Anna KandIer bei

einem Spaziergang. Im Hintergrund steht links die Molkerei, rechts das geplante 'Hotel' des Sattlers Grünberg, im Volksmund 'Villa Vierkant' genannt.

10 Ein Zuckerlecken war der Straßenbau für die PoeIer nun gerade nicht. Viele Unannehmlichkeiten mußten erduldet werden. So beschloß man z. B. erst weit nach der Fertigstellung der Straße am 12. September 1933 die Zahlung einer Entschädigung für die Landenteignung. Nachdem Ende der zwanziger Jahre die Insel Poel auf einer 'Kunststraße' zu befahren war, sorgte auch ein Straßenwärter für Sauberkeit und Ordnung. Albert Kläve war es, der sogar eine Prüfung bei dem Mecklenburgischen Straßen- und Wasserbauamt als 'Straßenwärter mit handwerklicher Ausbildung' abzuschließen hatte. Ihm wurde für diese Tätigkeit eine Vergütung von 120 M gezahlt.

Erst viel später lesen wir wieder von Aktivitäten beim Straßenbau. Aus dem Gemeindeprotokoll vom 22. Oktober 1950 erfahren wir von der Abnahme der gepflasterten Straßenzüge in Kirchdorf Hieran waren der Bürgermeister Bruno Großmann, ErnstThegler, Robert Schwarz und Konrad Letat beteiligt. Auch die Pflasterung zum Schwarzen Busch war in der

Planung enthalten. Da es in Kirchdorf noch keine benannten Straßen (oder besserWege) gab, behalf man sich für den vorgesehenen Straßenbau mit der Benennung so: Straße über den Brink zur Lehmkuhle, Straße zur Bäckerei KandIer bis zur Häuslerei Griesberg, Straße zum Büro BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) , Straße von Bäckerei Groth bis Textilkonsum, Pflasterung beim Spritzenhaus, Erweiterung eines Straßenbogens bei der HO-Gaststätte ('Zur Insel'). Aber nicht alle Straßen wurden mit einer Pflasterung bedacht. So dankte der Rat der Gemeinde am 5. A pril 1 954 der Konsum -Genossenschaft für die Bereitschaft derWegeausbesserung zur Konsumschlachterei in Kirchdorf (ehemals Springer in der Reuterhöhe). Wörtlich hieß es: ' ... behilflich zu sein und würden es sehr begrüßen, wenn Sie uns mit der Anfuhr von Schlacke unterstützen würden.' Die Wegeverhältnisse zu den Außendörfern waren allerdings zum größten Teil in einem argen Zustand. Hier auf diesem Foto ist die Pflasterung von der Molkerei kommend

in Richtung Wismar in Höhe der ehemaligen Sigglow-Schule zu sehen. Rechts entsteht das neue Wohngebiet 'Hackelberg'. Links wird später die Steinbaracke der

BHG (Bäuerliche Handels-Genossenschaft) gebaut, in der sich heute ein kleiner Markt und die Raiffeisenbank befinden.

11 Ein Berufsstand, den es in heutiger Zeit nicht mehr auf dem Lande gibt, ist die Hebamme. Heute stehen Kliniken mit modernsten Gerätschaften für die Niederkunft der Mütter in den Städten bereit. Nicht aber zu Zeiten unserer Vorfahren, denn werdendes Leben gebar die Schwangere stets innerhalb der eigenen vierWände.

Besonders aufPoel war dies eine Selbstverständlichkeit, denn immerhin war man durch die Insellage medizinisch noch abhängiger als auf dem Festland. Die erste Eintragung im Gemeindeprotokoll finden wir am 10. September 1883. Hierheißt esr'Da augenblicklich die Stelle einer Hebamme vakant ist, hat sich eine Hebamme (Name unleserlich; Witwe) aus Wismar für solche Stelle empfohlen und Zeugnisse mehrerer Ärzte über ihre Person und ihre Fähigkeiten eingesandt. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zu ihrer Anstellung.' Es müssen aber zeitgleich zwei Hebammen auf der Insel tätig gewesen sein. Der Protokollführer schrieb am 9. Oktober 1884: 'Da nach Wegzug der Frau

Suhr nach Wismar wiederum nur eine Hebamme in der Gemeinde befindlich und solche entschieden ungenügend ist, vernotwendigt sich die Anstellung einer zweiten Hebamme. Es hatten sich gemeldet 1. Die Büdnerfrau Ahrens und 2. Die Büdnerfrau Maß, beide aus Kirchdorf' Erst am 25. Juni 1896 finden wir wieder eine Notiz: 'Die Hebamme Steinhagen/Kirchdorf, welche 74 Jahre alt ist und 37 Jahre in der Gemeinde als Hebamme tätig war, hatte ein Gesuch gestellt um Pension von der Gemeinde zu erlangen, weil ihr Gesundheitszustand es ihr schwer machte, ihr Gewerbe in den Wintermonaten auszuüben.' Man gewährte ihr dann am 9. Oktober 1897 60 M. Fast ein Iahr später beschloß man, die Hebamme Maria Vogel zu veranlassen, für die Invalidenrentenkasse im Wert von 28 Pfennigen zu kleben und' den Hebammen auf ihren Reisen zum Aufsichtsarzt wenn durch Minus (niedriger Pegel) und Wetter die Wasserverbindung ausgeschlossen, die entstehenden Fuhrkosten aus der Gemeindekasse zu bewilligen'. Maria Vogel erhielt für

jeden Geburtsfall 100 M. Sicher aus Kostengründen gewährte man ihr am 9. August 1927 nicht den so nötigen Telefonanschluß und versagte ihr sogar am 28. April 1933 die 'freie Arzthilfe' im KrankheitsfalIe. Auf diesem Foto

stehen um 1 95 0 etwa bei einer

1. Mai-Feier auf dem Kirchdorfer Sportplatz die Hebamme Anna Budnick und die Gemeindeschwester Erna Hückstädt (v.l.) in typischer Dienstkleidung für alle Fälle bereit.

12 Verfolgt man die PoeIer Schulgeschichte, so stößt man unweigerlich auf den Lehrer und Organisten Carl Handmann. Er wohnte in der damaligen Küsterei, in der heute das Heimatmuseum der Insel zu finden ist. Seine erste Erwähnung finden wir im Gemeindeprotokoll vom Jahre 1873, in dem es heißt: 'Von den Inhabern einer Familienschulstelle wurde der Lehrer Handmann aus Kirchdorf zum Mitglied der Gemeindeversammlung vom Gemeindevorstand ernannt.' Handmann muß ein vielseitiger und fleißiger Mann gewesen sein, denn neben seiner Lehrertätigkeit fungierte er als erster Postagent, Küster und als Standesbeamter auf der Insel. Kein Wunder auch, daß man in der Gemeindesitzung vom 26. März 1874 die Bewirtschaftung seines Ackers sowie die Äcker vom Lehrer Drögmü(ö)ller (Wangern) und Organisten Kruse beschloß und dem Gutspächter von Thaden/Kaltenhof für 270 Reichstaler überließ. In der gleichen Sitzung beantragte Handmann die Reinigung seines Schullokals. Und am 7. Septem-

ber 1875 verhandelte man die Genehmigung vom Ministerium zur Einstellung des Lehrers Handmann als Standesbeamter. Neben all diesen Funktionen kam noch eine hinzu. Handmann beantragte am 3 1. August 1882 die KüstersteIle, die auch bewilligt wurde. Und am 1. Februar 1886 erklärte sich Handmann dann bereit, von Ostern ab die 'Standesamtgeschäfte' zu besorgen. Man ist erstaunt über die immens große Leistung dieses Mannes. Sie ist aber wohl der schlechten wirtschaftlichen Stellung des damaligen Lehrerstandes geschuldet.

Eine noch frühere Erwähnung Handmanns finden wir im 'Mecklenburgischen Staatskalender' vam 1. Oktober 1871. Hier wurde er als erster Postagent angegeben (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten', Band 3, Bilder 62,63).

Handmann wurde am 3. September 1829 geboren und starb am 18. September 1892. Aus einer handschriftlichen Aufzeichnung einer Enkelin erfahren wir folgendes zur Person: 'Nach allem, was ich gehört habe, ist mein

Großvater ein angesehener Mann gewesen, hat aber für stolz gegolten. Sein hoher Wuchs und seine strengen Züge, wohl auch eine

gewisse Schroffheit mögen dazu beigetragen haben. Zuerst hat er die Ir. Schule bei der Molkerei verwaltet.'

13 Mit dem Tod von Carl Handmann erlosch auch der Name auf der Insel Poel. Seine Tochter Dora heiratete aber am 4. November 1884 den Lehrer Otto Hensan. Dora starb am 31. Mai 1928

noch vor ihrem Mann Otto, der, geboren am 24. Februar 1855, mit 79 Jahren am 18. September 1933 in Wismar als Studienrat verstarb. Otto Hensan hatte die neuerrichtete Schulstelle auf Poel am 22. August 1884 angetreten. Die ZeitzeuginAnnemarie Ripke kann sich noch gut an den Lehrer Otto Hensan erinnern. Sie kann folgendes dazu berichten: 'Hensan, ja, den habe ich in der dritten und vierten Klasse als Lehrer gehabt. Er wohnte und lehrte in dem langen Haus, daß wir die Hensanschule nannten.

Er unterrichtete alle vorgesehenen Fächer, während seine Frau Dora, eine kleine zierliche Person, uns Handarbeit beibrachte. Er selbst war ein großer stattlicher Mann, der in den Sommermonaten jeden Tag zum Baden an den Strand ging!'

Schauen wir nun in die alten Gemeindeprotokolle, so bleibt auch dort Otto Hensan, zwar dürftig, nicht aber unerwähnt. So bean-

tragte er am 7. Oktober 1919 den Kauf der Häuslerplätze Nr. 86 und 87 zum Preise von 1 a a a Mark. Am 2a.Dezember 1923 erfahren wir weiterhin, daß Hensan die Verlängerung der Baupflicht auf seinen beiden Häuslerplätzen wünschte, aber bei

den Gemeindevertretern nicht Gehör fand. Und am 12. Oktober 1933, 24 Tage nach seinem Tod, wurde im Protokoll festgehalten: 'Die Gemeinde verkauft den früheren Hensan'schen Schulgarten an den Stellmacher Hinkfuß in Malchow. Bedingung, der Platz muß innerhalb von zwei Jahren mit einem Wohnhaus bebaut

sein.'

Dieses Foto von Otto Hensan wird etwa um 19 1 a entstanden sein.

14 Unter den Darstellungen von Lehrern der Insel findet sich auch die des Kar! Evermann, hier auf einem Foto aus dem Jahre 1896 mit seiner Ehefrau und vier seiner elf Kinder. Er unterrichtete und lebte in der Sigglow-Schule, im heutigen 'Haus des Gastes', van 1870bis 1916.Ausseiner Tätigkeit als Lehrer und von seiner Familie ist kaum etwas überliefert. Dennoch findet sich im Protokoll der Gemeindevertretung am 12. Februar 1891 ein Eintrag, der nicht unerwähnt bleiben soll. Eine alltägliche Kleinigkeit, aber immerhin ein Zeichen seiner Existenz aufPoel.

In der Notiz heißt es: 'Antrag des Lehrers Evermann um Erneuerung seiner Gartenbefriedung. Man beschloß, vorläufig die Hecke auf der einen Seite des Gartens herauszunehmen und neu zu pflanzen.'

Und später, am 14. Februar 1908, stoßen wir auf einen wei-

teren Vermerk: 'Es wurde beschlossen, den Lehrer Evermann für weitere sieben Jahre eine Entschädigung für Ackerbestellung von 300,- M pro Anno zu gewähren.'

Ja, es ist herzlich wenig über den Lehrer Kar! Evermann überliefert.

Doch immerhin blieb uns dieses schöne Foto, daß ihn und einen Teil seiner Familie vor dem Schulgebäude zeigt. Im Volksmund war diese Schule später nach dem Lehrer Sigglow benannt. Dies traf auch für die anderen Schulen in Kirchdorf zu.

So nannte man die Schule, die heute das Heimatmuseum beherbergt, 'Falk-Schule', und die Schule in der Verbindungsstraße 'SchildtSchule'. Bezeichnungen, die sich bei der älteren Generation der Inselbewohner noch im Sprachgebrauch befinden.

15 Hier in diesem Gebäude wirkte Lehrer Kar! Evermann. Es ist die bereits erwähnte 'SigglowSchule', die im Iahre 1836 zeitgleich mit der Schule in Wangern gebaut wurde. Diese Schulen sind allerdings nicht die ältesten auf der Insel. Bereits dreißig Jahre zuvor, im Jahre 1806, bauten die PoeIer ihre erste Schule im heutigen Möwenweg. Aber lassen wir doch einmal die PoeIer Schulgeschichte im Telegrammstil Revue passieren: 1806 Bau der Schule I (heute Heimatmuseum); 1836 Bau der Schulgebäude in Wangern und Schule H in Kirchdorf (Sigglow -Schule); 1884 Bau der Schule III (SchildtSchule/Verbindungsstraße) ;

19 18 Trennung der Schule von der Kirche; in Wismar wurde ein Schulrat eingesetzt. Bis 1945: die drei Schulen in Kirchdorfhatten sechs Klassenräume; die Schule in Wangern besaß zwei. Von Mai bis Oktober 1945 wurde der Schulunterricht aufPoel eingestellt. Die Schule H (heute 'Haus des Gastes') wurde als Seuchenstation eingerichtet; die anderen Schulen dienten als Flüchtlingslager. Von Oktober 1945 wurde

unter sehr schweren Bedingungen wieder unterrichtet. Für 600 Schüler standen drei Lehrer zur Verfügung. (u.a. mußte jedes Kind ein StückTorf oder Brikett zum Heizen mit in die Schule bringen). 1947 gab es in Kirchdorf neun Klassenräume. Schichtunterricht wurde eingeführt. Ab 1950 gibt es in Kirchdorf die Zentralschule. Aufhebung des Schichtunterrichts.19 54 Bau des Schulpavillions in Kirchdorf 1955 in der Schule I wird ein

Hort eingerichtet. 1956 Mittelschule. 1957 Einrichtung einer Schulküche in Schule 1. 1958 Bildung einer Polytechnischen Oberschule mit zehn Klassen. 1959 Bau derTurnhalle. 1964 in Kirchdorf, Oertzenhof und Wangern gab es insgesamt sechs Schulgebäude für 500 Schüler. 1972 wird die Schule in Wangern aufgelöst und als Wohnung genutzt. 1975 Übergabe der neuen Polytechnischen Oberschule in Kirchdorf AbI 975

wird die Schule I zum Heimatmuseum. 1991 Realschule mit Haupt- und Grundschulteil in Kirchdorf

Der Fotograf mag etwa um die Jahrhundertwende dieses Bild von der Schule H, der 'SigglowSchule' , gemacht haben. Einer Zeit, als noch nicht an den Lehrer Sigglow zu denken war und hier Kar! Evermann unterrichtete

(s. auch 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 2, Bild 53; Band 3, Bild 33; Band4, Bild 61).

16 Bereits im Band 4 'Die Insel Poel in alten Ansichten' war in den Bildern 39 und 40 ausführlich die Rede von der Kirchdorfer Molkerei. Das Foto 39 war allerdings stark vergilbt und stammt vermutlich vom Ende des vorigen Jahrhunderts. Nun fand sich eines von 1 93 0 etwa, denn

schon erkennen wir rechts im Bild einen Teil der im Volksmund genannten Grünberg'schen 'Villa Vierkant'.

Das Gebäude war wohl zur Bauzeit sicher als das größte auf der Insel anzusehen und ist inzwischen 103 Jahre alt (Baujahr 1896). Ein bei Umbauarbeiten im Iahre 1989 gefundener Ziegel mit einem Vermerk in Süterlinschrift (deutsche Schrift) untermauert diese Behauptung.

Reger Bertrieb herrschte in den Vormittagsstunden an der Rampe, wenn die PoeIer Bauern mit ihren pferdefuhrwerken aus allen Richtungen der Insel die

Kuhmilch anlieferten. Mit Ausnahme der Kaltenhafer Domäne natürlich, die sich mit einer eigenen Molkerei mit Milchprodukten versorgten.

Vorn im Bild erkennen wir Anpflanzungen. An dieser Stelle

wird später zu DDR-Zeiten eine Grünfläche entstehen und weiter hinten das Wohngebiet Hackelberg.

17 Nicht nur die Molkereigenassenschaft in Kirchdorf verarbeitete Milch zu Butter und Käse. Auch die Domäne in Kaltenhof betrieb mit dem Pächter H. Rohrdantz eine Molkerei. Zwar lief hier die Herstellung von Milchprodukten nicht in so einem Umfang wie in Kirchdorf, aber immerhin gab es auch dort den 'Versand von Butter u. Käse postkolliweise' . Auch mit der 'Fabrikation von Harzkäse' befaßte man sich, wie hier dieser Briefkopf aus den dreißiger Jahren beweist. Und aus einem Inserat des PoeIer Bäderprospektes vom April 1928 erfahren wir, daß Rohrdantz seine Butter zum billigsten Tagespreis in 9-pfundpackungen anpries und Porto wie Verpackung nicht berechnete.

Besonders geschäftstüchtig erwies sich Rohrdantz, indem er seine Produkte in der Strandhalle am Schwarzen Busch zum Kauf anbot. Rohrdantz nannte die Trinkhalle Milchkuranstalt. Er hatte von den PoeIer Gemeindevätern antragsgemäß am Strande die Genehmigung zum ' Ausschank von Milch, Kaffee, Scho-

kolade und zur Verabfolgung von Torten, Eis und belegten Butterbröten alljährlich für die Zeit vom 1. April bis zum 30. September' erteilt bekommen. Ausgenommen wurde der Ausschank von alkoholischen Getränken.

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18 Neben den Bäckereien Louis Wikken, Ernst Beyer, Heinrich Groth, Hans KandIer und kurzzeitig auch Gustav Steinhagen im väterlichen Haus von Wilhelm Steinhagen (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 2, Bild 61 und Band 4, Bilder 34 und 35) gab es auch die von Eitel Friedrich Wilken am Markt in Kirchdorf Allesamt waren im Hauptort der Insel angesiedelt. Hier eine Aufnahme mit der Personengruppe vor dem Haus. Nach einem Wertgutachten wurde dieses Gebäude zwischen 1850 und 1860 etwa erbaut. Von links erkennen wir folgende Personen:

1. ein Dienstmädchen, 2. Anna Wilken, 3. Magdalene Wilken (spätere Mirow), 4. Johannes Wilken (Tissing), 5. Hans Wilken und 6. Konrad Wilken. Weiterhin postierte sich rechts hinten ein Briefträger. Es wird entweder der Landbriefträger Kar! Burmeister oder Hermann Rittner gewesen sein. Als erster Bäcker der Wilken-Familie bewirtschafteJoachim Wilken im 'Langen Jammer' eine Bäckerei. Der 'Lange Jammer', ein Gebäude, daß einst an der Kurve am Markt zur heuti-

gen Thälmannstraße stand. Sein SohnJohannes führte später

dann auf der Büdnerei 19 am Markt den Bäckereibetrieb weiter, bis dann die Gebrüder Walt er und Heinrich Groth diesen Betrieb pachteten. Nach den Groths bewirtschaftete ab 1936 wieder ein Wilken diese Bäckerei: Eitel Friedrich Wilken, Sohn van Johannes. Er war auch der letzte Bäcker hier am Markt in Kirchdorf Er wurde am 4. September 19 11 geboren und gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als vermißt. Seine Witwe Maria, geb. Hafften, führte noch einige Jahre mit Bäckermeister Willi Heese aus Pommern die Bäckerei. Er ging später nach Hohen Viecheln. Nach Heese kamen Bäckermeister Herbert Rüger und der PoeIer Bäcker Bernhard Kofah!. Beide arbeiteten nach Schließung des Betriebes 1965 in der Großbäckerei in Wismar. Die Großbäckerei unterhielt auch eine Verkaufsstelle mit Meta Freitag alsVerkäuferin. Zuletzt verkaufte hier Maria Wilken bis zu ihrem Tode noch Blumen. Heute wird das Haus nur noch zu Wohnzwecken von ihrerTochter genutzt.

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