Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5

Autor
:   Jürgen Pump
Gemeinde
:   Die Insel Poel
Bundesland
:   Mecklenburg-Vorpommern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6601-0
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Die Insel Poel in alten Ansichten Band 5'

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29 Sie fallen mit ihrer Bauform gänzlich aus dem Rahmen, die Zeesboote. Jahrhunderte hindurch prägten diese Arbeitssegler maßgeblich das Bild der me cklenburgischen -vorpommersehen Ostseeküste. Mit ihren breiten Rümpfen durchpflügten sie vornehmlich die Boddengewässer. Und ein Chronist charakterisierte sie um 1820 so: 'Die Zeesener bedienen sich zur Fischerei großer Segelböte, die die Länge einer Jacht und Ähnlichkeit mit Schuten haben. Dergleichen Fahrzeuge heißen Zeeskähne, eine Benennung, die sie von dem Netze erhalten haben.'

Und noch eine Eigenart weisen die Zeesboote auf: Sie driften beim Fischfang quer vor dem Wind. Dieses Fangprinzip macht sie zu Sonderlingen unter den Fischerbooten. Diese Art zu fischen findet sich nur auf wenigen Fangplätzen der Welt, wie zum Beispiel in Korea. Die bauliche Eigenart dieser Fischereifahrzeuge ist ein breitspantiger Bootskörper, der zunächst klinker-, später auch kraweelbeplankt wurde. Diese Boote wurden stets offen ohne Aufbauten gefahren.

Auch die PoeIer Fischer erkannten schnell die Vorzüge, den dieser Bootstyp beim Fischen brachte. Das beweist dieses Foto vom Kirchdorfer Hafen mit den acht vertäuten Klinker-Zeesbooten. Doch vermittelt dieses Bild auch

davor Wilhelm Baumanns 'Erfri schungshalle' (s. 'Die Insel Poel in alten Ansichten' Band 1, Bilder 5 7 , 58; Band 2, Bilder 6 und 11; Band 3, Bilder 17, 18, 27; Band 4, Bilder 14, 15).

schon den Beginn der modernen Fischerei. Im Hintergrund wie auf der Kai entdecken wir Kutter mit einem Ruderhaus.

Links hinten im Bild am Fuß des Baumes erkennen wir das kleine Gebäude zur Fischannahme und

30 Kurz nach dem Jahre 193 1 wird der Fotograf dieses schöne Foto gemacht haben. Denn es zeigt schon den Schlickfang links hinten im Bild. Auch bietet der rekonstruierte Hafen bereits ein besseres Bild.

Wie aber die Verschiffung aller möglichen Güter vor sich ging, demonstriert dieser hier festgemachte Prahm (flachgehendes Wasserfahrzeug ohne eigenen Antrieb) am Bollwerk und der Ackerwagen an der Pier. In der Regel wurde die Beladung solcher Prähme aufPoel mit dem Transport über die Schienenstränge durchgeführt, die von Neuhof, Malchow oder vom SeegrashändlerTankmar Mahncke an den Hafen heranführten. Aber nicht immer ging das auf diesem Wege. So mußte der Kohlenhändler Westphal zum Beispiel seine angelandeten Kohlen mühselig aus dem Bauch des Prahms in sein pferdefuhrwerk umladen, um sie dann zu den Kunden zu fahren.

Der PoeIer Dampfer schleppte dann die verladenen Güter. Oft kam es aber auch vor, daß in den Sommermonaten an Wochenenden Ausflügler im Prahm zur Insel transportiert wurden, wenn auf dem Dampfer keine Sitzplätze mehr vorhanden waren.

3 1 Die im Bau befindliche Kirchdorfer Werft war zugleich mit dem Neubau des ersten Bootes verbunden und man verband das Ereignis des Stapellaufes mit dem Richtfest des Werftgebäudes im Jahre 1949. Erster Bootsbaumeister der Werft wurde Robert Pieper aus Swienemünde. Zuvor hatte zumTeil RudolfSchabbelt die Boote der PoeIer gebaut. Das erste Boot gab der Kirchdorfer Gustav Evers in Auftrag. Ein etwa 10m langes, geklinkertes Boot, daß die Kennung P 1 7 bekam. Es liefnach seiner Taufe unter dem Namen 'Hoffnung'. Ein bewegender Augenblick und man verfolgte diesen Stapellauf mit großem Interesse. Der Fischmeister AlexVölz hielt die Taufrede, in der er mit viel Pathos einige fragliche 'Meisterwerke' der Dichtkunst einstreute: 'Es mögen ja beim Wogengang und Eisenbersten / Landratten furchbar zittern. / Was macht sich ein Fischer draus, / er kämpft mit Ungewittern.' Und nach diesen geistigen Ergüssen beendete er seine schwülstige Rede mit einem kräftigen 'Ahoi!' Zuvor aber hatte der PoeIer Bürgermeister Bruno

Großmann die Bedeutung dieses Augenblicks gewürdigt. Großmann stammte aus Lübow und war etwa für einjahr Bürgermeister auf der Insel. Er hatte den PoeIer Friedrich Baumann abgelöst, der die Insulaner von 1945 bis 1949 als Oberhaupt vertrat. Recht vollmundig hatte der Bootsbaumeister Pieper während der

Vorbereitungen zum Stapellauf versichert, daß sein Boot nach dem Stapellauf kein Tropfen Wasser 'ziehen' würde. Und er versprach für jeden Tropfen Wasser eine Flasche Sekt, sollte das Boot undicht sein. Und sein Nachfolger Paul Schmiedeberg weiß noch heute zu berichten, daß keiner in den Genuß von Sekt

gekommen sein soll. Im Hintergrund erkennen wir den hölzernen Gerüstbau der künftigen Werft. Rechts hinten ist deutlich derWindenschuppen zu sehen, in dem seit dem Jahre 193 1 die 'Windsch' untergebracht war. Zu Beginn mußte sie noch mit Muskelkraft bedient werden, später dann mit einem Motor.

32 ZumAlltag eines Fischereihafens gehören selbstverständlich auch allerhand Gerüche. Und wer kann da schon widerstehen, wenn einem der Duft von Räucheraalen in die Nase steigt. Auch uns läuft das Wasser im Munde zusammen und wir bekommen den Tip, uns an Adele Wikken und Otto Groth zu wenden.

Fast könnte man meinen, Adele hat Waschtag. Aber wir haben längst mitbekommen, daß es sich um PoeIer Aale handelt, die sie zum Trocknen auf die Leine gehängt hat. Das muß so sein, sollen es wohlschmeckende Räucheraale werden. Voraussetzung für die Räucherei ist immer, daß der Fisch trocken in die Räuchertonne kommt.

Doch unserTrachten geht n

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