Kenzingen in alten Ansichten

Kenzingen in alten Ansichten

Autor
:   Oskar Kramer
Gemeinde
:   Kenzingen
Bundesland
:   Baden-Württemberg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-1716-6
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Kenzingen in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

'Heimat ist dort wo es dir gut geht!'

Dieser Spruch ist lapidar und leuchtet ein, aber er sieht darüber hinweg, daß auch das Heimat ist und bleibt, an das Erinnerungen, manchmal sogar ungute, geknüpft sind: Eltern, Geschwister, Freunde, Schule, Kirche, Stadt, Land und Leute. Ja, wenn das Heimweh nicht wär, das auch die Kenzinger in der Fremde nie verläßt und immer wieder zurückzieht in die Vaterstadt und zur 'Müttersproch'. Unvergessen bleiben die Menschen, die Gassen, die Häuser die sie einst kannten, aber auch die Mundart, die sie in der Fremde nicht hören und nicht sprechen konnten.

In den üblichen Festschriften wird immer wieder auf die besonderen Tugenden der Bürger verwiesen, gerade sie seien konservativ, fromm, fleißig, genügsam und frei von Klassendünkel. In diese Schönfärberei soll das vorliegende Buch nicht verfallen, die Kenzinger sind bestimmt nicht besser und nicht schlechter als die Leute irgendwo anders auch.

Als Graf Üsenberg RudoIf II. 1249 die Stadt an der Elz gründete, verließen die Bewohner des Dorfes mit dem gleichen Namen, das weiter östlich lag, ihre bisherigen Wohnstätten um in das mehr Sicherheit verheißende neue Gemeinwesen umzusiedeln. Daß Kenzingen auf einer Insel erbaut sein soll, bloß weil ein Bächlein, von der Elz abgeleitet, um die Stadt herum und zurückfließt, dürfte leicht übertrieben, und von einem der Chronisten als Aperçu gebraucht, nach-

geschrieben worden sein. Das Nonnenkloster Wonnental das schon vor der Stadtgründung bestand, wurde ebenfalls von Rudolf Il. mit Gütern und Rechten ausgestattet.

Es war auch die große Zeit des Minneliedes, das an den Fürstenhöfen und auf den Burgen gepflegt wurde. Der aus der Manessischen Liederhandschrift bekannte Minnesänger 'Wachsmuoth von Künzingen' stammt aus Kenzinger ritterlichem Geschlecht. Schon nach hundert Jahren - 1369 - kommt Kenzingen zusammen mit dem Breisgau und dem Elsaß, an die Habsburger, also an Österreich und war Amtssitz des Unteren Breisgaus.

Im Vorfeld des Bauernkrieges predigte 1522-1524 Jakob Otter in Kenzingen die Lehren Martin Luthers. Er mußte auf Drängen des obersten Landesherrn, des späteren Kaisers Ferdinand 1., vertrieben werden. Einhundertfünfzig seiner Anhänger begleiteten ihn bis zur Grenze (Gemarkung? ) fanden aber, als sie zurückkehrten, die Stadttore verschlossen. Auf die leise Tour also, entledigte man sich der Mißliebigen, die dann dem Otter nachzogen und in Straßburg, das der neuen Lehre aufgeschlossen war, Asyl fanden (siehe 'Chronik der Stadt Kenzingen' von Hermann Susann). Noch heute gibt es in Straßburg die 'rue Kenzinger'. Den in Kenzingen verbliebenen Protestanten machte man kurzen Prozeß, der Stadtschreiber und weitere fünfzehn Bürger wurden enthauptet (Susann). Später,

als sich dann 'Herren', Grafen und Fürsten zum Protestantismus bekannten, sind ihre Untertanen, hinsichtlich des Religionsbekenntnisses, mit einem Federstrich nolens volens 'gleichgeschaltet ' worden. In jener Zeit hatte der Spruch: 'Wes Brot ich eß, deß Lied ich sing', noch seinen peinlich-makabren Sinn. Die Umgetauften kurzerhand konnten - vorderhand - nur eine Faust im Sack machen. Eher hätte es umgekehrt sein müßen, denn die Herren aßen das Brot der Leibeigenen. Es kam, wie es kommen mußte, die Bauern machten sich auf', ein Ende mit Schrecken herbeizuführen, sie konnten die Schrecken ohne Ende nicht mehr ertragen. Kenzingen blieb trotz Wall und Graben nicht verschont, es mußte den 'Puren'-haufen die Tore öffnen. Aber die Bauern hatten auf die Dauer keine Chance. Wohl, das heißt übel, konnten sie mit Morden, Rauben und Brandschatzen ihr Mütchen kühlen, aber ohne richtige Bewaffnung wurden sie endlich von den Kaiserlichen niedergemetzelt. Wer entkam, mußte nachträglich mit dem Schlimmsten rechnen, das Denunziantentum blühte. Im Dreißigjährigen Krieg sank die Einwohnerzahl von zweitausend auf fünfhundert ab. 'Alles war genommen, zerstört und ausgeleert worden, die armen Bewohner behielten bloß die Augen zum Weinen,' berichtete der Stadtschultheiß der Regierung nach Wien. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation lag nun ausgeblutet und ohnrnächtig am Boden. Da hielt

unser Nachbar zur Linken, obwohl er den Westfälischen Frieden mitunterzeichnet hatte, den Zeitpunkt für gekommen, seine Herrschaft bis an den Rhein auszudehnen und, der Appetit kommt bekanntlich beim Essen, mit dem Breisgau abzurunden. Das Elsaß fiel den Usurpatoren fast kampflos in die Hände, aber rechts-rheinische Übergriffe konnten vereitelt werden. Die wenigen regulären Österreichischen Truppen, verstärkt durch Milizen, freiwillige Studenten aus Freiburg, bereiteten den Franzosen bei Wagenstadt eine Niederlage.

Irn Jahre 1806 kam Kenzingen zu Baden. Eine schwere Heimsuchung war die Feuersbrunst 1814. Nach der Überlieferung soll 'kein Stein mehr auf dem andern' verblieben sein. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt, wie auch im Ersten Weltkrieg, viele Gefallene und Versehrte aber auch große Gebäudeschäden zu beklagen.

Das Titelbild - Blick vom Galgenbuck - ist eine 1880 gefertigte Zeichnung von F. Lederle nach dem Kupferstich von Rösch, Kenzingen noch mit den alten Kirch- und Tortürmen. So haben es die Spätheimkehrer aus dem Rußlandfeldzug gesehen, den sie mit Napoleon haben mitmachen dürfen müssen. Die Tortürme wurden um 1835 abgebrochen, sie hatten ausgedient, aber wieder ging ein Stück Mittelalter verloren.

Gesamtansicht 170n Kenzingen.

Bahnhof-Restauration - Gasthaus zum Löwen.

Teleph. 26 ??? Auto-Vermietung.

1. Kenzingen vor dem Ersten Weltkrieg. Die Industrialisierung und die Motorisierung waren noch nicht so weit her, aber es waren und wurden auf dem Foto hergezeigt, zwei Automobile, eine Limousine und ein Sport-Cabriolet fahrbereit. Der Bergrücken links im Hintergrund ist der Kaiserstuhl, die wärmste (Weinbau-) Gegend Deutschlands, rechts ziehen sich die Vogesen. Die Stadt lehnt sich an die Vorberge des Schwarzwalds an. Durch seine zentrale Lage hat Kenzingen die Chance Frerndenverkehrsmittelpunkt zu werden, nahe dem Elsaß, der Großstadt Freiburg und dem Schwarzwald. Die Altstadt steht nicht umsonst - unter Denkmalsschutz.

2. Die Kenzinger Hauptstraße wie sie einmal war. Geplant und angelegt nicht nur als Landstraße, sondern auch als Marktplatz. Noch heute sagt man: 'Auf dem Platz.' Die Ruhe und Stille war ehedem nur wenig gestört wenn ein bäuerliches Fahrzeug zum oder vom Feld fuhr. Die sogenannten Ackerbürger, später aber auch die Fabrikarbeiter, bestellten neben ihrem Beruf einen oder zwei Acker, ein Stück Reben und einen Garten. Damit waren sie zum Teil Selbstversorger und konnten außerdem Kleinvieh halten. Jedes Jahr wurde ein Schwein geschlachtet. Die Eier und die Ziegenmilch waren eine Ergänzung des kargen Verdienstes.

3. Kenzingen-Bad Kirnhalden, eine Lithographie aus dem Jahre 1901, bildete mit dem Auhof und dem Hochwald eine Exklave, wohl auf Kenzinger Gemarkung aber von anderen Gemarkungen umschlossen. Es diente meist charitativen Zwecken, war lange Altersheim und gehört jetzt zum Stuttgarter 'Haus am Berg'. Zwischen den Kriegen war es Erholungsheim der BASF Ludwigshafen. Der 'Auhof" von altersher ein beliebtes Ausflugsziel für die ganze Urngebung, wird jetzt umgebaut und den gehobenen Touristikansprüchen angepaßt.

4. Kenzingen-Hecklingen, das typische Burgdorf. Auf dem Schloßberg die Burgruine 'Lichteneck'. Letzte Grundherren waren die Grafen von Hennin. Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Gemeinde dank der Regie des Bürgermeisters 'Drees' Eschbach kräftig am Wirtschaftswunder teilgenommen. Sie fûhrte als erste in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Rebumlegung durch. Nicht umsonst, jedenfalls der besonders guten Lage wegen, besteht hier auch ein Mustergut des Preiburger Weinbauinstituts.

5. Die Pfarrkirche in Hecklingen, erbaut im 14. Jahrhundert, mit romanischen, gotischen und barocken Stilelementen. Eine Seltenheit in unserer Gegend ist der Zwiebelturm. Die Kirche ist 1714 niedergebrannt und konnte durch Stiftungen des Freiherrn J. Heinrich Leopold von Garnier wieder aufgebaut werden. An der Nordseite wurde die Statue der Immaculata conceptio - 18. Jahrhundert - aufgestellt. Sie stand zweihundert Jahre auf der alten Elzbrücke, bis sie in den dreißiger Jahren von Bilderstürmern wiederholt in die Elz geworfen wurde. Von Verständigen aus dem Wasser gefischt, fand sie ihren endgültigen Standort bei der Kirche - ein Glück, denn sonst wäre sie bei der 1945 erfolgten sirmlosen Brückensprengung zerstört worden.

6. So schön und solide sah die 'Hecklingerbruck' aus, bevor sie 1945 gesprengt wurde. Als Großherzog Leopold, der mit dem Leopoldskanal die wilde Elz bezähmte, es kann aber auch Friedrich 1. oder Friedrich II. gewesen sein, mit Gemahlin ein Dorf der Umgebung besuchte, ergab sich folgender Dialog. Großherzog: Herr Biirgermeister wie geht es Ihnen? Die Antwort, gar nicht devot: Wie wirds scho gehe, je älter, je diimmer, s' wird Ihne au eso gehe Herr Großherzog. Die Großherzogin wollte die fatale Situation überspielen: Herr Biirgermeister wie wird 's Wetter? Die treuherzige Antwort: Ich glaub mir kriäge Rege, d' Mistlocher stinke, wird aber die Betretenheit nicht besonders gemindert haben.

7. Kenzingen-Bornbach, schon zu Großherzogszeiten weitberühmt durch den deftigdelikaten Bombacher Schwartenmagen. Auch hier ist die Zeit nicht stillgestanden, man hat ihre Zeichen verstanden und außer einem größeren Ho1zwarenbetrieb den Rebanbau und -ausbau tüchtig vorangebracht. 'Es war einmal', es klingt wie ein Märchen, als die Motorisierung noch nicht Allgernein-gut, oder vielmehr -schlecht war, galt der Familiensonntagsspaziergang für die Kenzinger durch den Fohrenwald, mit Einkehr in Bombach, Hecklingen ader Nordweil, als obligatorisch.

8. Kenzingen-Nordweil hat, wenn man es mit früher vergleicht, manche Häuschen hingen 'malerisch' von den Pseudo-Schwärrnerischen bewundert, wie Schwalbennester am Berg. Heute sind nur noch stattliche Gebäude zu sehen. Mit dem besonders ausgeprägten Unternehrnungsgeist, den man den 'Nordwiler' ruhig nachsagen darf, haben sie aber auch ausgedehnte Neuanlagen geschaffen, sodaß der Ort nun buchstäblich 'von Reben umkränzt' ist. Durch die Eingemeindung hat das dörfliohe Eigenleben weder in Nordweil noch in Bombach, oder in Hecklingen eine spürbare Einschränkung erfahren.

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