Mahlow in alten Ansichten

Mahlow in alten Ansichten

Autor
:   Christlieb Ludwig
Gemeinde
:   Mahlow
Bundesland
:   Brandenburg
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-5724-7
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Mahlow in alten Ansichten'

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EINLEITUNG

Ein kleines Dorf - Kirche, Gut, Schule und einige Bauernhöfe, 348 Einwohner in 64 Familien, in etwa einem Kilometer Entfernung ein Militärbahnhof und ein ziviler Bahnhof - das war Mahlow 1880. Dieses verträumte Dorf kann schon auf eine vielhundertjährige Geschichte zurückblicken. Im Laufe dieser Zeit wird der Ort in der unterschiedlichsten Schreibweise erwähnt: Male, Malo, Malow und schließlich Mahlow. Über die Entstehung des Namens gibt es verschiedene Ansichten. Mahlow ist wahrscheinlich wendischen Ursprungs und heißt übersetzt 'Kleiner Ort'. 'Male' bedeutet klein, die Endung 'ow' ist unser 'Aue'. Es kann natürlich auch sein, daß der Gründer dieser Siedlung Klein hieß und seinen Namen dazu hergab. Ein Übersetzer leitet das Wort Mahlow von dem sorbischen 'malina' = Himbeere ab. Vielleicht gab es in dieser Senke, am Rande der Wälder, wirklich viele wilde Himbeeren, als die ersten Siedler sich dort niederließen.

Bereits 1238 wurde Mahlow in einem Schriftstück erwähnt und vom 16. Februar 1287 gibt es eine Urkunde, nach der Jacob von Vorlant und seine Tochter dem Spandauer Nonnenkloster zwei Hufen Mahlower Land mit allen Gerechtsamen schenkten. Diese Schenkung bestätigte Markgraf Otto IV. und erklärte die Ländereien fürlehnsfrei. 13751ieß Karl IV. über alle Ortschaften der Mark Brandenburg, alle Besitzungen, Rechte und Pflichten das 'Landbuch' anlegen. Mahlow hatte danach 53 Hufen, davon die Kirche einen und der Pfarrer drei Freihufen. Ein Krug und eine Windmühle werden erwähnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Mahlow - wie die meisten Orte in dieser Gegend - verwüstet. 1652 stellt der Landreiter fest, daß sieben Bauern- und sämtliche Kossätengüter wüst waren. Insgesamt lebten sieben Erwachsene in Mahlow, darunter auch ein Martin SchuItze, dessen Nachkommen bis heute hier leben. Pfarrer Klein hat 1922 von dieser Familie einen Stammbaum erarbeitet, der noch erhalten ist. 1677 erwarb Kurprinz Friedrich das Dorf Glienicke und einen Teil von Mahlow. Später kaufte König Friedrich Wilhelm I. Großmachnow und den

Rest von Mahlow von Graf Ewald Bogislav von Schlabrendorff. Damit war ganz Mahlow Eigentum der Krone. Unter Friedrich II. wurde die Kirche umgebaut. In diesen Jahren von 1755 bis 1758 wurden die Gottesdienste beim Bauern Fürstenow in der Wohnstube abgehalten.

Mahlow hatte keine eigene Schule. Die Kinder mußten zum Schulunterricht nach Blankenfelde gehen. Pastor Lindemann konnte 1741 sieben Mahlower Familien für den Bau eines Schulhauses gewinnen. Sie bezahlten den Bau, und der König gab dazu das Bauholz. Dieses Haus steht noch heute an der Dorfstraße gegenüber der Kirche. Es verfügte über einen Klassenraum und eine Lehrerwohnung. Als erster Schulmeister wurde der Schneider Gottfried Hildebrand eingestellt.

Die Königliche Domänenkammer Coepenick verwaltete das Mahlower Gut, und von dort wurde es unterschiedlichen Farnilien in Erbpacht gegeben. 1792 pachtete es Oberamtmann Müller, danach waren die Familien Degener, Baudoin und Koblank auf dem Gut ansässig. Ab 1878 bewirtschaftete der Rittmeister Rudolf Richter das Gut. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Erbpacht durch ein Gesetz in das Eigentum des Erbpächters über. Dadurch wurde die Familie Richter Eigentümer des Gutes Mahlow. Das Gut entwickelte sich im Laufe der Zeit. Im 18. Jahrhundert gehörten etwa 1 000 Morgen Land dazu, 1890 waren es schon 1 900 Morgen. Alle Bauern zusammen besaßen nur 1200 Morgen Acker, Wiese und Wald.

Das Jahr 1875 war für Mahlow von Bedeutung. Sowohl die Berlin-Dresdener Eisenbahn als auch die Königliche Militäreisenbahn nahm in diesern Jahr ihren Betrieb auf. Beide Linien hatten in Mahlow einen Bahnhof errichtet. Allerdings lagen die Bahnhöfe nicht in der Nähe des Dorfes und beeinflußten die Entwicklung von Mahlow zunächst kaum. Es vergingen viele Jahre, bis die Berliner Bürger Mahlow als Ausflugs- und Siedlungsziel erkannten. In größerem Stil begarm die Besiedlung erst mit dem Kauf von Gutsland durch die Heimstätten AG im Jahre 1894 in Bahnhofsnähe.

Die seit 1891 von der Ziegelei an der Sandgrube vorbeiführende Anschlußbahn zum Militärbahnhof war im Februar 1895 an mehreren Tagen Schauplatz von technischen Versuchen. Eine im Waggonbau Görlitz konstruierte und gebaute Schneefräse wurde mit Hilfe von drei Lokomotiven getestet. Dazu wurde Schnee auf Loren verladen und auf dem Gleis ein 2 m hoher und 100 m langer Schneewall aufgetürmt. Die ersten Versuche schlugen fehl, weil der aufgeschüttete Schnee kein frisch getallener. weicher Schnee war, sondern auf Straßen zusammengekehrter Abfuhrschnee. Nach geringen Änderungen wurde bei der nächsten Probefahrt ein Schneehindernis von 500 m Länge und 2 bis 4 m Höhe von den Gleisen beseitigt. Dieses Gleis wurde nach der Stillegung der Ziegelei demontiert.

1900 wohnten in Mahlow - Dorf und Kolonie - 437 Personen. Die Kolonie dehnte sich weiter aus, ebenso die Siedlung des Dorfes Glasow. 1912 entstand direkt an der Grenze die Gaststätte Flora-Park auf der Glasower Gemarkung.

In den Gaststätten Schmetterlingsheim, Lindengarten, Gasthof Langner oder Flora-Park wurde man bewirtet. Neben den Familien kamen auch komplette Vereine in ihr Stammlokal. Aber auch die Mahlower Vereine, deren Gründungsdaten zum Teil im 19. Jahrhundert liegen, nutzten diese Gaststätten. In Mahlow waren der Turnverein, Radfahrerverein, Fechtverein, Gemütlichkeitsverein, Raucherverein, Männergesangverein, Kriegerverein, Haus- und Grundbesitzerverein gesellschaftlich gestaltende Elemente. Von den Mitgliedern wurden Veranstaltungen der unterschiedlichsten Art durchgeführt, Feste und Umzüge organisiert, die gem besucht wurden, Hinzu kamen Veranstaltungen der Schule. Dort unternahm man jährlich Ausflüge, an denen neben den Kindern auch die Eltern teilnahrnen.

Die erste zusammenhängende Siedlung mit architektonisch gleichgestalteten Häusern entstand 1919/20 an der Trebbiner Straße, die sogenannte Eisenbahnersiedlung, Errichtet wur-

den die 42 Wohnungen von der Eisenbahn für Witwen und Kriegsversehrte. Nach 1920 entstanden die Siedlungsgebiete an der Ziethener Chaussee, Waldblick und noch später das Musikerviertel, 1922 wurde in Waldblick das erste feste Haus gebaut, das später Georg Graf von Arco, ein bekarmter Physiker auf dem Gebiet der Funktechnik, als Sommerhaus nutzte. Nach ihm ist dort eine Straße benannt.

Mahlow und Glasow sind so eng zusammengewachsen, daß sie ab 1945 gemeinsam verwaltet und 1950 zur Gemeinde Mahlow zusammengeschlossen wurden, Die in diesem Band genarmten Straßen und Hausnummern entsprechen dem Adreßbuch des Kreises Teltow von 1927.

Bei der Zusarnmenstellung dieses Buches wurden mir viele Leihgaben zur Verfügung gestellt und Informationen aus der Geschichte des Ortes und der einzelnen Familien gegeben. Für diese freundliche Unterstützung bedanke ich rnich bei: D. Chylewski, F. Damm, N. Diering (Blankenfelde), R. Foerster, A. Gampe, H. Gausche (Blankenfelde), M. Geppert, H. Goßlau, A. Gottwaldt (Berlin), H. Guschel (Groß Beeren), Farn. Joester. D. Klaar (Berlin), Ch. Krünitz, I. Lichterfeld, G. Naucke, G. Otto, W. Postier (Berlin), H. Rcdel, S. Ressei (Blankenfelde ), M. Schulz (Blankenfelde ), Farn. Thiernes, E. Voigt (Groß Beeren), W. Weise (Schönefeld), E. Zielke und E.Zinnow.

Vielleicht erinnert sich mancher Leser beim Anschauen der Bilder daran, wie es früher, vor über sechzig Jahren, in Mahlow aussah, oder es verbinden sich damit Erinnerungen an Erzählungen der Eltern und Großeltern. Dieses Buch sollte dazu beitragen. das Erhaltenswerte zu bewahren unddas Neue durch besseres Verständnis der Vergangenheit zu gestalten und die Heirnatverbundenheit zu stärken,

Mahlow, im August 1993

Christlieb Ludwig

1. Die Kirche steht auf dem Dorfanger und ist das älteste noch erhaltene Gebäude in Mahlow. Der ursprünglich unverputzte Feldsteinbau stammt etwa aus dem Jahre 1280. Erweist deutliche Spuren der Übergangszeit aus der romanischen in die frühgotische Zeit auf. Beim Umbau im Jahr 1755-1758 mit der Verlängerung des Gebäudes in östlicher Richtung wurde die Kirche verputzt. Dieser Putz ist erst viel später wieder entfernt worden. Der Eingang an der Westseite ist noch in der alten Spitzbogenform erhalten, während die Tür an der Südseite eine rechteckige Form aufweist.

2. Das Bild zeigt den Innenraum der Kirche um die Jahrhundertwende. Der Kanzelaltar hat ausgesägte Seitenvoluten. Über der Kanzel befindet sich ein fünfseitiger Schalldeckel, darüber auf einem Schild die verschlungenen Buchstaben FR (Fridericus Rex) und eine Strahlensonne. Beides ist durch den Kronleuchter verdeckt. Die Emporen an drei Seiten stehen auf toskanischen Holzsäulen. Das Gestühl stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bemerkenswert ist der eiserne Ofen links zwischen Empore und Altar. 1912 erhielt die Kirche elektrisches Licht.

3. Ernst August Ferdinand Klein, 1863 in Wohlauf Schlesien geboren. Er war zuerst 1888 bis 1893 Pfarrer in Bad Reinerz/Schlesien. Dort sah er das Elend der Handweber und setzte sich in vieler Hinsicht für sie ein. Er war der Schwiegersohn des Oberhofpredigers Kögel und genoß das Wohlwollen der Kaiserin Auguste Viktoria. Ab 1893 war er Pastor in Lichtenrade und Mahlow bis zu seiner Pensionierung 1929. Er fertigte Zeichnungen an und schrieb Gedichte. Außerdem beschäftigte er sich mit der Geschichte seiner beiden Gemeinden und schrieb darüber Abhandlungen.

4. Zeichnung und Gedicht stammen von Pfarrer Klein. Ein besonderer Blickfang vor der Kirche ist das westlich stehende Kirchhofsportal, das aus Klosterziegeln wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts gebaut wurde. In der Nische des Tores oben rechts befand sich bis zur Reformation ein Marienbild. An einigen Ziegeln sind noch eingebrannte Kreuze zu erkennen. Das Einbrennen von Figuren, die böse Geister bannen sollten, ist teilweise heidnischen Ursprungs.

5. Nach der Konfirmation 1925 wurde dieses Gruppenfoto gemacht. Es zeigt Pfarrer Klein inmitten seiner Konfirmanden vor der alten Schule im Dorf. Diese wurde 1741 erbaut und 1908 etwas vergrößert. Nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Berliner Straße diente sie als Gemeindehaus.

6. Im Jahre 1833 kaufte die Familie Zinnow diese Hofstelle und baute 1834 ihr Wohnhaus. Es war mit Stroh gedeckt, wie zu dieser Zeit noch viele Bauernhäuser.

7. Im Jahre 1908ließ sich dann der Bauerngutsbesitzer Hermann Zinnow dieses Wohnhaus bauen. Der teilweise sichtbare Stall trägt auf dem Giebel die Jahreszahl1868. Die Aufnahme wurde etwa 1910 gemacht. Die Dorfstraße, an der auch dieser Hof liegt, führt in westlicher Richtung nach Teltow.

8. Die abgebildete Bockwindmühle wurde 1894 in Rixdorf abgetragen und am Diedersdorfer Weg in Mahlow wieder aufgebaut. Der letzte Eigentümerwar Eduard Kanitz, der 1914 diese Mühle abreißen ließ und nach Schlesien verkaufte. Als Abgrenzung um die Mühle waren viele Stachelbeersträucher gepflanzt. Neben der Arbeit in der Mühle leitete Herr Kanitz noch sein Fuhrgeschäft. Rechts vom Weg sind die Gebäude der Bauernhöfe Zinnow und Kallies zu sehen.

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