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Auszüge aus dem Buch ''

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19. Das 1898 in Betrieb gegangene Stauwehr am Ende des 'Beuggencr See' stellte die Betreiher des Rheinfelder Kraftwerks vor große Probleme. Rhein, Aare, Wutach, Alb und Wehra landeten am Wehr ihre 'Mitbringsel', Schaurige Geschichten kursierten damals mit Wasserleichen-Bergungen, die bis 31.3.1901 im Totenhaus in Beuggen und danach in Nollingen seziert wurden. In den Tageszeitungen wurden Signalements zwecks Ermittlung der Namen und der Herkunft der Leichen vereffentlicht. Beim Jahrhunderthochwasser am 16.6.1910 entstand dieses Bild. Über fünfzig Männer standen auf der Rechenbrücke vor dem Maschinenhaus im Wasser, um mit Haken das Geschwemmsel zu bergen. Der Turbinenabtrieb war lahmgelegt, weil fast kein Gefälle mehr vorhanden war. In der Altstadt in Rheinfelden stand die 'Fröschweid' unter Wasser. Weidlinge verkehrten zwischen dem Storehen und dem Schiff.

20. 'Isele-Vadder' nannte begeistert die Segelflieger-Jugend vom Hochrhein ihren Lehrrneister, wenn sie per Gummiseil im Schulgleiter ihre Starts am Bohlhof, in Gersbach und in Rüttehof absolvierten. In Wehr kam der Fritz Isele 1892 zur Welt. Vom Kraftwerkbau angelockt landete er vor 1900 mit seinen Eltern im 'neuen' Rheinfelden. Mit 15 startete der Fritz in CHRheinfelden in den Kaufmannsberuf. Aus Pforzheim am 20.10.1911 an seine Eltern: ' ... denke rnich zur Marine zu melden, wo man auch in die Welt hinaus kommt!' Leider nichts! Man holte ihn zu den 114er nach Konstanz! Bei einer Übung in Döberiz riß ihm ein Schrapnell die linke Hand weg. Die Rechte flickte man ihm wieder zurecht. Am 15.4.1915 wurde er von Bürgermeister Ad. Senger als Schreibgehilfe im Spritzenhaus in Bad.-Rheinfelden, Zimmer 9, eingestellt, am 31.12.1918 per Eid zum Ratschreiber von Nollingen und zum Kontrolleur der Sparkasse verpflichtet und schließlich am 21.8.1939 zum Standesbeamten bestellt. Wegen NS-Vergangenheit im Fliegerkorps wurde Isele aus dem Rathaus verbannt; ab 1945 kfm. bei der Bad. Chemie GmbH im Rheinhafen tätig, Am 2.4.1951 holte King den Fußballer, Skifahrer, Motorradfan und Flieger wieder in das Rathaus. 1988 trug man in Gottmadingen den Reeken zu Grabe.

21. In verschiedenen Basler und Rheinfelder Urkunden sind im 13. Jahrhundert Namensträger des Nollinger Dorfadels genannt. Vielfach sind sie auch als Bürger von Rheinfelden betitelt. Das turmartig erbaute Haus in der Nordost-Ecke der ersten Stadtbau-Phase CH-Rheinfeldens war der Stammsitz der Edeln von Nollingen. Darin befindet sich heute die Löwenapotheke in der Marktgasse. Heute noch ist im Dachgeschoß dieses Nollinger Hauses der Verteidigungszweck zu erkennen, dem es ursprünglich diente. Der Söller des befestigten Turmes wurde bei der Stadterweiterung in das Dachgeschoß des Nachbarhauses, heute das Fricktaler Heimatmuseum, integriert. Die Ritter von Nollingen besaßen im Gelände östlich von ihrem Haus zwei Mühlen, die sie an die Johanniter verkauften. Diesen in Rheinfelden im 12. und 13. Jahrhundert ansässig gewesenen Nollingern wird dieses Engel-Wappen zugeschrieben. Es läßt sich aber nicht anhand von Urkundensiegeln nachweisen.

22. In Möhlin stand am 3.9.1861 die Wiege des ersten KWR-Direktors, Dr. Emil Frey. Der 'Mehiemer' studierte in Straßburg, München und Heidelberg. wo er promovierte. Im Juni 1895 quittierte der Jurist seinen Dienst als Regierungsrat in Aarau, um bei den 1894 in Berlin gegründeten KWR-AG die Geschicke des im Bau begriffenen Rheinkraftwerkes in die Hand zu nehmen. Als Vorstand des Unternehmens zählte er zu den Mitunterzeichnern der KWR-Aktien. In der 'Krone' war sein 'Komtoir' und in der 'Rheinlust' traf er sich mit den leitenden Bauleuten. Frey war Oberstleutnant der schweizer Artillerie, passionierter Jäger und ein geselliger Mensch. 'Rast ich - so rost ich', lautete sein Wahlspruch. Hart gegen sich selbst stellte er hohe Anforderungen an seine Mitarbeiter. Auf dem Weg zum Bahnhof SBB in Basel erlitt Frey am 20.12.1916 einen tödlichen Herzinfarkt. Dr. Robert Haas sagte in Würdigung seiner Person am Grabe: 'Die 1894 mit viele Mühe und großen Bedenken in Berlin gegründete AGKWR galt als eine der schwierigsten und kühnsten Unternehmungen sowohl in technischen als in wirtschaftlichen Hinsicht.' Als 21jähriger stand Emil Frey in den Reihen dieser iIlustren Möhliner Jagdgescllschaft, deren Mittelpunkt er viele Jahre war.

23. Nach strengen Regeln waren vom 15. bis 19. Jahrhundert die Schiffer und Fischer der Rheinorte von Säckingen bis Grenzach zunftmäßig organisiert. Unter dem Bild der Kaiserin Maria Theresia beruft sich die Zunft auf Privilegien, die in das Jahr 1496 von Kaiser Maximilian I. zurückreichen. Handschriftlich steht in diesem Lehrbrief: 'Wir Rhein-Vogt und Mitglieder der Schiffer und FlößerGesellschaft beurkunden andurch pflichtgemäß, daß der Kemel Wunderli von B. Wallbach seine gesetzliche Lehrzeit erstanden hat, und von uns heute in den Zunft-Verband als Schiffer und Flößer Knecht aufgenommen worden ist. Wallbach den 3ten Oktober 1853 Der Rhein-Vogt Rünzi Rhein-Kassier Bitter.' Aus den badischen Ortschaften Schwörstadt, Riedrnatt, Karsau und Warmbach haben zu diesem Zeitpunkt noch etwa 100 Personen in diesem Berufszweig gestanden. Viele von ihnen rekruticrten sich aus den Familien Heitz und Keser (Schwörstadt), Bohni (Karsau) und Fritschi (Warmbach). Hohe berufliche Anforderungen waren an die Schiffer, Flößer und Fischer gestellt. Berufssprachliche Begriffe, Wasserverhältnisse, Netzstricken, Floßbau und Verantwortung für anvertraute Mitreisende, galt es, sich in drei Lehrjahren anzueignen und zu beherrschen. Die Warmbacher befaßten sich in der Kehre zweimal wöchentlich mit Personenbeförderungen nach Basel und mit Steinfuhren. Im Jahre 1853 haben 2757 Holzflöße die Rheinfelder Brücke passiert.

24. Die Kraftübertragungswerke Rheinfelden waren ab 1894 am Hochrhein Tagesthema. Darüber berichtete das nationalliberale Blatt 'Trompeter von Säckingen' am 16.12.1894: 'Endlich ist der erste Spatenstich getan. Skeptiker glaubten schon an einen Zusammenbruch der neuen Gesellschaft. Die fabelhafte Seeschlange Rheinkanal, die seit sechs Jahren spukt, beginnt Gestalt anzunehmen.' 11.6.1895: Seit gestern erste Strike am Kanalbau. Von den 160 Mann kamen nur 40 zur Arbeit. Die Arbeiter klagen über zu hohe Abzüge, 25.6.1895: Zwei Arbeitslokomotiven für den Materialtransport sind am Kanalbau tätig. 7.7.1895: Die Herren Schnurr und Degler von Säckingen haben am Kanal eine große SpeiseBaracke errichtet. In der Mittagszeit und abends nach Feierabend werden die Bohrlöcher abgefeuert. Man befindet sich im reinsten Bombardement. 27.7.1895: Inserat: KWR Die Bureaux unserer administrativen Direktion befinden sich im Hotel Krone und im Hotel Bahnhof in Badisch-Rheinfelden. 30.9.1895: Der niedrige Wasserstand des Rheins begünstigt die Arbeiten am Kanal. 1.2.1896: In Karsau feuerte ein Italiener rnit dern Revolver auf den Lehrer und den Bürgermeister. 11.6.1896 KWR-Direktion im 'Kasino' (Hotel Krone) per Inserat: Der AEG Berlin und der Maschinenfabrik Oerlikon ist der Bau unserer Leitungsnetze übertragen.

25. Von Haltingen nach Rheinfelden kamen 1936 Artur und Berta Luthringer. Grund: Wegen Mitgliedschaft in der KPD wurde Artur als Reichsbahner entlassen. In der Alu, im Gleichrichter I, wurde er Schichtführer und seine Frau 1940 Schaltwärterin. Von ihnen profitiertcn zwei Rheinfelder. Walter Gottstein, Schreiner, in der Alu-Gießerei (beim Schichtmeister Otto Witzig tätig), und sein Kumpel Hermann Mayer (von der Bäckerei) hatten in Basel zwei flotte Freundinnen. 1939 kam das Aus; das Duo zog in den Krieg. Den beiden Fronturlaubern zeigte Luthringer im Badischen Bahnhof Basel1940 ein Schlupfloch, damit sie drei Wochen bei ihren Freundinnen in Basel sein konnten. Walter Gottstein schrieb seinem Kompaniechef von Basel eine Ansichtskarte und meldete sich dann nach dem Urlaub in Nordnorwegen aus Basel zurück! Unser Bild: Badischer Bahnhof Basel, der sich bis 1910 auf dem Gelände der heutigen Mustermesse befand. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist für Rheinfelder der Badische Bahnhof Basel auf exterritorialem Gelände so gewissermaßen das 'Tor zur westlichen Welt' gewesen.

26. Am 9. November 1848 ist in der Brigittenau in Wien der Vizepräsident des deutschen Vorparlaments in der Frankfurter Paulskirche, Robert Blum, erschossen worden. Seine Frau und die vier Kinder emigrierten nach Wabern bei Bern. Hans, der älteste, mit einer Rheinfelderin verheiratet, übernahm um 1890 im Kunzental die Tabakfabrik Fischer seiner Schwiegereltern. Um in dieser Tabakfabrik tätig zu werden übersiedelte 1895 die junge Familie Zimmermann von Jena nach Rheinfelden. Auf dem 1916 entstandenen Foto befinden sich von links: Kurt, Hertha, Paul, Erich, Otto Zimmermann, Mina, geb. Grünewald, Max, Gertrud, Ernst, unbekannt und Hermann. Auf dem Foto fehlen: Fritz, Walter und Arthur. Anfänglich wohnten die Jenaer beim Bahnhof, dann im Wohnblock Blum am Stadtweg und 1916 in der Kupfergasse. Nach 1945 betrieb Erich Zimmermann in Badisch-Rheinfelden in der Werderstraße ein Fotogeschäft. In der 'Vossichen Buchhandlung Berlin' erschienen 1907/08 die beiden Bände 'Lebenserinnerungen' von Dr. Hans Blum, in denen viele Geschichte von Rheinfelden/Schweiz und Rheinfelden/Baden enthalten sind.

27. Zwischen dem 1806 in Szene gegangenen royalistischen Großherzogturn Baden und der demokratischen Schweiz entwickelte sich ein Verhältnis von großem gegenseitigem Vertrauen. Nach 1871 kam es zuweilen zu Mißtönen mit den im neuen Deutschen Reich aktiven Preußen. Söhne von in der Schweiz wohnhaften Badener Familien verbrachten, wenn sie als Rekruten im Aktivmilitärdienst in badischen Kasernen dienten, ihre Urlaube in Galauniformen samt Waffen in der Schweiz. Regelmäßig kamen in Uniform schweizer Rekruten mit ihren Waffen über die Grenze ins Badische in Urlaub zu ihren hier ansässizen elterlichen Familien. Menschlich sehr tolerant erwiesen sich die schweizer Behörden im Ersten Weltkrieg gegenüber den in der Sch~eiz ansässigen Deutschen. Zeugnis davon gibt dieses Grenzpapier mit dem die damals 15jährige Gertrud Zimmermann ihre bei Malermeister Sutter in Rheinfelden-Baden als Fronturlauber weilenden Brüder besuchen durfte.

28. Dieses gewaltige Festungsbauwerk zwischen den beiden heutigen Rheinfelden existierte von 1690 bis 1745. Die zum Bau verwendeten Grobsandsteine stammten aus Degerfelder Gruben. Bis zum Jahre 1446 existierte auf der Rheininsel an gleicher Stelle die Burg der ehemaligen Grafen von Rheinfelden. Nach dem Erlöschen der Linie der Zähringer war die Burg Sitz der in Diensten des Landesherrn stehenden Verwaltungsvögte. In einem Urbar von 1399 steht verrnerkt, was der Degerfelder Hans Riff, Steingrubenbesitzer; die Warmbacher Gutsbesitzer, Hans Wegenstetter und Uly Heiden, die Schuppusen-Bauern auf dem Dinkelberg und im Rheintal, Heini Herr, Johannes, Heinzmann Bannach, Heinzmann Wirtner, Rudi Berken, Hans Sam, Werenly Brotbechken, Chuni Murri, Hans Zuger, die Gred Kamrärin zu Warmbach, Rudi Marti, Hans Lieber, Henczman Welti, Ruidi Bint, Hennman Berchken, das Leutpriesterhaus zu Beuggen, die Warmbacher für die Taverne und für das Siechenhaus, die Eichsler, die Gelkenhöfer, die Enniker (Weiler bei der Wiechsmühle), die Hagenbacher, Minselner, die Öflinger, die fünf Lachswaagen-Besitzer und die sieben Fischer in der Aue, an Naturalien und Abgaben auf die Burg zu liefern haben. Hoch besteuert war der Wirt in der Aue mit 10 Schilling. Abgaben flossen aus Schönau, Todtnau und sehr viel aus linksrheinischen Orten. AufFarbbildern sind in dem Urbar die Lieferungen auf die Burg in der Rheinmitte dargestellt.

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