Telgte in alten Ansichten

Telgte in alten Ansichten

Autor
:   Hans Melchers
Gemeinde
:   Telgte
Bundesland
:   Nordrhein-Westfalen
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-0822-5
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Telgte in alten Ansichten'

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19. In diesem Gebäude, 'Timpen Hirtz', an der Ecke Königstraße und Münsterstraße begarm 1903 Heinrich Westermann mit seinem Bierverlag. Nur '1 PS' versperrte damals den Verkehr auf dieser Reichsstraße, im übrigen gehörten die Straßen den Fußgängern. Das Gebäude wurde 1934 abgebrochen und durch das spätere Textilgeschäft Kranefuß ersetzt.

20. Die mächtige Kastanie droht die Gaststätte 'Reichspräsident' an der Steinstraße fast zu erdrücken. Dieser Titel entsprang einem Schelmenstreich. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten unbekannte Täter einem braven Telgter Bürger, der den gleichen Namen wie der damalige Reichspräsident trug, diesen glanzvollen Titel an die Straßenseite seines Hauses gemalt. Im Jahre 1960 wurde das Gebäude abgerissen. Dagegen nimmt niemand das vor dem Haus der Metzgerei Hansen stehende Auto ernst. Parknot und Verkehr sind im Sommer 1930 auf dieser Reichsstraße noch ungebräuchliche Worte.

21. Doppelt genießen der kleine Pferdewagen und sein Kutscher noch den Schatten der Mittagssonne, den des eigenen Zeltdaches und den des Wesselmann'schen Fachwerkhauses, auf ihrem Weg in Richtung Steintor.

22. Keine Parkprobleme. So scheint auch hier im 'Lappenbrink' der Milchwagen im Mai 1930 verkünden zu wollen. Derweil wird Moritz sich beim Schmied Grothaus wohl neue Eisen anpassen lassen.

23. Fast könnte man ein Nachbarschaftstreffen vermuten, das sich an der Einmündung der Grabenstraße in die Bahnhofstraße vor der 'Mehl-, Kleie- und Getreidehandlung von Friedrich Dunkel' abspielt. Doch nur für einen Augenblick ruht die Arbeit in der Mühle , wie die geöffneten Türen an den Aufzügen erkennen lassen. Das Jahr des Geschehens benennt der Chronist mit 1905. Nachdem der letzte Eigentümer des Gebäudes, Schumacher, seinen Landhandel hier aufgegeben hatte, mußte das Mühlengebäude im Jahre 1970 einem mehrgeschossigen Wohnungsneubau weichen.

24. Wegen seiner dreieckigen, schildförmigen Gestaltung wird der Treffpunkt von Herrenstraße und Emsstraße 'Am Schilde' genannt. Um 1900, als dieses Bild entstand, hieß der Platz noch 'Auf dem Schilde'. Hier errichtete man im Jahre 1907 das Kriegerdenkmal, das dann Mitte der fünfziger Jahre für die Anlegung des Parkplatzes weichen mußte. Das Haus der 'Weinhandlung & Liquieurfabrik von F.W. Proppe' mit dem sich rechts anschließenden Gebäude fiel erst 1975 dem Abbruch zum Opfer. Die Gaslaterne im Vordergrund verdeutlicht die Bedeutung dieses zentralen Punktes der Stadt um die Jahrhundertwende.

25. Trotz der engen Bebauung der Altstadt kennzeichneten zahlreiche Bäume das Straßenbild. Über Generationen hinweg trotzte auch diese Kastanie am Schilde - hier mit dem Kriegerdenkmal - dem stadteinwärts gehenden Verkehr. Erst in der Mitte der sechziger Jahre wurde die Axt an ihre Wurzeln gelegt.

26. Beim 'Langen Jammer' handelte es sich um einen für die Altstadt besonders interessanten Wohnbereich aus früherer Zeit. Die beiden zwischen Königstraße und Ritterstraße gelegenen Häuser - man könnte sie fast als Vorläufer heutiger Reiheneigenheime bezeichnen - zeichneten sich durch ihre außergewöhnlich niedrige Eingeschossigkeit und Beengtheit der je sieben in den beiden Häusern vorhandenen Einzelwohnungen aus. Auf dem Gelände eines früheren Burgmannenhofes errichtet, befand sich der 'Lange Jammer' im Besitz der Familie von Beverfoerde, die die Nachfolge der Telgter Burgmannen von Langen und Lethmate angetreten hatte. Im Januar 1960 erwarb die Stadt Telgte die Besitzung, bevor beide Gebäude in den Jahren 1969-1970 abgebrochen wurden.

27. Von der Münsterstraße führt die Schleifstiege geradewegs auf den Kirchplatz zu. Verschämt wie die vor ihr stehenden Kinder duckte sich die Besitzung Lammerding vor dem wuchtigen Eckhaus von 'Knickenberg'. Im Hintergrund wird die Scheune des Mühlenhofes sichtbar. Sie wurde im Jahre 1977, als Garage ihrer Zweckbestimmung längst beraubt und durch neue Einfahrtstore ihres ursprünglichen Äußeren entkleidet, abgebrochen.

28. Zeitlebens hielten Adam und Eva, das bekannte Landstreicher-Ehepaar fest und treu zusammen. Ihre 'Heimat' hatten sie in Gottes freier Natur. Als 'Dauerpättker' waren sie niemals mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen. Für eine Sette Milch, ein Stück Speek, ein Ende Mettwurst oder ein Essen zeigten sich die beiden, die vornehmlich in Bauernscheunen Unterkunft fanden, in der Form dankbar, daß sie Korbgeflechte ausbesserten. Stets waren sie drei- bis vierfach 'eingehüllt'. Oft trugen sie ebenso viele Hüte, das 'neueste Modell' jeweils obenauf. Im Winter 1928 mußte 'Adam' zusammen mit 'Eva' in die Hülle gebracht werden, wo 'Adam' 73jährig verstarb. 1930 folgte ihm 'Eva' im Alter von 75 Jahren im Tode nach.

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