Aying in alten Ansichten

Aying in alten Ansichten

Autor
:   Maximilian Köchl
Gemeinde
:   Aying
Bundesland
:   Bayern
Land
:   Deutschland
ISBN13
:   978-90-288-6103-9
Seiten
:   80
Preis
:   EUR 16.95 inkl. MwSt. *

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Auszüge aus dem Buch 'Aying in alten Ansichten'

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9 Das Erinnerungsfoto der Erstkommunikanten von 1924 mit Pfarrer Held wurde vor dem Pfarrhof aufgenommen. Die Mädchen und Buben zeigen sich hier in der damals üblichen Festtagskleidung. Die Gesichter der Kinder erzählen vom Ernst und der Feierlichkeit des Tages. Ihr pfarrer hatte sie mit großem Eifer auf diesen Tag vorbereitet. Pfarrer Held war nicht nur als Seelsorger tätig: Während seiner Amtszeit in Aying verfaßte er einen Teil seines dreibändigen Werkes 'Altbayerische Volkserziehung und Volksschule - Geschichtliche Darbietung und Regesten aus dem Erziehungswesen im Bereich der Erzdiözese München-Freising'. Wegen seiner

Verdienste wurde Pfarrer Held später mit der Doktorwürde h.c. geehrt. Nach seinem Weggang von der Pfarrei Aying am 1. September 1926 wurde er als erzbischöflicher Archivar und Bibliothekar des

Diözesanarchives und Vorstand der Dreifaltigkeitskirche berufen.

10 Die Ansicht zeigt deutIich die 'Lockerheit' der Ortsbebauung um 1908. Der Bliek reicht vom steilen Dach der alten Schmiede im Vordergrund über die westliche Dorfgrenze bis zu den Bergen. Der hohe Maibaum im Mittelpunkt des Bildes steht unmittelbar neben der alten Linde auf dem straßentrennenden Rasenstück. Das walmdachgeschmückte 'Neue Schulhaus' von 1892 zeigt sich beherrschend zwischen Kirche und Pfarrhof Seine Stattlichkeit legt Zeugnis ab von der Opferbereitschaft der Gemeinde, aber auch von der glücklichen Architektenwahl der damaligen Gemeindeväter. Noch heute besticht es samt seinem westlichenAn-

bau von 1902-1904 durch seine architektonische Einheitlichkeit. Seit der Gemeindegebietsreform von 1978 dient es als Rathaus. Das zunächst ortsunübliche gestützte und weit vorspringende

Walmdach des Schulhauses hat später zahlreiche Nachahmungen gefunden.

11 So war es vor vielen Iahren: Der KartengruB von 1911 bringt eine Totalansicht von der Höhe weit oberhalb des Kraisser-Hofes. Sie beginnt beim Kraisser und der Kirche, zeigt die Straße zur Riedrnaier- Villa, läßt den Moar-Hofmit seinen Nebengebäuden erkennen und reicht bis zur alleegesäumten Rosenheimerlandstraße. Die kleine Ansicht 'Straße' führt zum Ensemble der alten Höfe der Unteren Dorfstraße. Links reicht der Blick vom alten Kögl-Hofüber den Lehner zum Kraut, rechts zum Heignhuber. Längst gehört diese Ansicht der Vergangenheit an: Die alten Höfe wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Diese ent-

sprechen zwar den Erfordernissen der Zeit, bringen den Bewohnern die Bequemlichkeiten unsererTage, verleihen jedoch der Straße ein ganz anderes Aussehen. Der ehemalige, einmalige Dorfcha-

rakter, von dem das Bild erzählt, ging verloren.

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12 Trotz mancher bau1icher Veränderungen blieb diese 'Bilderbuchansicht' der Oberen Dorfstraße erhalten. Daher sind hier oft Fotografen oder Maler anzutreffen. Das Foto von 1 927 führt vom Mesner- oder MundschedlHof mit seinem steil wirkenden Giebel und blumengeschmückten Balkon zum fast geduckt wirkenden BerndlAnwesen. Dieser alte Mittelflurhofhatte ein weit ausladendes. schützendes Vordach, charakteristische Rustikalecken und auf der Giebelseite über dem Eingang einen Balusterbalkon. Der Kirchturrn mit seinem mächtigen, quadratischen Unterbau aus dem 15. [ahrhundert beherrscht die Bildmitte. Der alte Pfarr-

stadel. 1959 abgebrochen, steht neben der Friedhofsmauer und begrenzt das Bild nach rechts. Im Schatten ist ein alter 'Brucknwagn' zu erkennen.

13 Nach Bezug des Schulsaal-Anbaues an derWestseite im [ahre 1894, konnte die Schule zweizügig geführt werden. Die Aufnahme zeigt die 'Unterstufe' im Iahre 1909. Die damalige Lehrerin, 'd'Prein Sofi', hatte 54 Kinder zu unterrichten und zu betreuen. Interessant ist es, die Kleidung der Kinder zu betrachten: Sicher mußten sie für diese Aufnahme das 'Feiertags-Gwand anlegen'. Für die Mädchen war es eine Selbstverständlichkeit, eine Schürze zu tragen. Das Schuhwerk der Buben waren genagelte Stiefel, Halbschuhe waren unbekannt. Fotografiert zu werden, war für die damalige

Zeit noch ein ganz besonderes Ereignis, deshalb sind

durchwegs ernste Gesichter zu sehen.

14 Die Aufnahme der 'Oberstufe' von 1911 zeigt die Schülerschar für den besonderen Anlaß des Fototermins in fesdicher Kleidung, einige Buben sogar mit Krawatte, zwei scheinen ihre Firmungsuhren mit Kette tragen zu dürfen. Fast alle Mädchen haben die Haare streng nach hinten gekämmt, meist zu einem Zopf gebunden, die Buben scheinen für den Fototag einen frischen Haarschnitt bekommen zu haben. Inmitten ihrer Schülerschar stehen der Pfarrer und der Lehrer. pfarrer Karl Niedermayer war mehr als dreißig [ahre, von 1887 bis 1917, Seelsorger in Aying. Der Lehrer und späterer Schulleiter Joh. Nep. Stitzinger versah 32 Iahre, von

1902 bis 1934, den Schuldienst. Von den mit genauen Daten nachweisbaren 26 Pfarrern waren vier über dreißig und zwei knapp dreißig Iahre in Aying tätig.

15 Um mehrere Ansichten eines Ortes einzufangen, sind mehrteilige Kartengrüße sehr häufig und beltebt. Die Karte von 1922 zeigt drei Ansichten aus verschiedenen Richtungen: Im oberen Teil der Karte fällt der Bliek von Westen frei über Wiesen und Felder auf die Liebhard- Villa, das Rechenmacher-Haus, die Schule und das Ramsauer-Häusl, die ehemalige Schule von 1767 bis 1807. Der heutige Schreinerweg bildet die Sichtgrenze.

Das mittlere Bild zeigt den Blick auf das Dorf von Norden von der Wegbiegung an der Egmatinger Straße bis hin zu den Bergen. Im 'Führer von München-Ost' von 1926 war zu lesen: 'Etwa eine Vier-

telstunde bevor man Aying erreicht, hat man an klaren Tagen ein wunderbares Gebirgspanorama.'

Das untere Bild mit dem Blick von Südosten, bringt eine freie Sicht auf das Kraisser-

Anwesen mit dem alten 'Zuahäusl' und seiner Außentreppe. Schule und Kirche bilden markante Punkte. Eine der mächtigen Fichten fiel dem großen Hagelsturm am 26. Juli 1936 zum Opfer.

1 6 Eine große Anzahl der insgesamt 306, von Pfarrern und Ortschronisten inventarisierten Feldkreuze des Landkreises München stehen auf den Fluren van Aying, Peiß und Dürrnhaar. An der Ecke Peißer Straße und Mühlenweg befindet sich ein hochstämmiges Kreuz im Schatten von drei mächtigen, verzweigten alten Linden. Auf dem Bild von 1927 sieht man es in seinem originalen Zustand. Sein nachbarocker Zierat ist trotz des Gegenlichtes zu erkennen. Noch ist die Peißer Straße nur ein schmaler Weg, die Ackerlinie, die die Bodenfarm nachzeichnet, führt in Richtung Bahngeleise. Der Bahnhofund seine Nebengebäude sind gut zu sehen. Lange Zeit

schlummerte der stark reparaturbedürftige Korpus des Kreuzes in einem Verschlag. Maria und Hubert Gschwandtner ließen ihn erneuern und das Kreuz wieder aufstellen. Während der Fronleichnamsprozession 1979 wurde es eingeweiht.

1 7 Dieser alte, schmucke Wegweiser stand an der heutigen Münchner Straße. Er zeigte die genaue Entfernung in die nächsten, westlich von Aying liegenden Dörfer Faistenhaar, Hofolding und Sauerlach an. Dieser Wegweiser war nicht nur für Wanderer wichtig, denn vor der Errichtung der Lokalbahn München-Aying im Iahre 1904 war Sauerlach die nächstgelegene Station der Lokalbahn München-Holzkirchen. Der auf dem Hinweisschild abgebildete, flott in die Landschaft schreitende Wanderer und das verzierte 'Dachl' gaben dem Wegweiser ein fast gemütliches Aussehen. In unserer Zeit sind derartige Hinweise wesentlich nüchterner gestaltet.

Im Hintergrund ist die Waldgrenze nach Dürrnhaar und rechts die Stelle der heutigen 'Bierlacke' zu erkennen.

1 8 Die Geschichte der alten Hofnamen ist vielschichtig:

Oft hat sich der Vor- oder Nachname des ersten Besitzers, eine Besonderheit oder eine Ortsbestimmung des Anwesens als Hofname eingebürgert und vererbt. Vor allem aber wurden Berufsbezeichnungen über Generationen hinweg als Hofnamen überliefert. Wechselten auch die Besitzer, der Hofname blieb bis heute. So auch beim Anwesen 'Jager' in der Oberen Dorfstraße. In der pfarrmatrikel von 1702 - der ersten Erwähnung - sind als Berufsbezeichnungen 'Schuster und Jager' zu finden. Der alte Jager-Hof stand mit seiner Gie-

belseite zur Straße. Sein Obergeschoß war ein verputzter Blockbau mit zwei Labn und verbrettertem Giebel. Eine Besonderheit war der auskragendeTaubenkobelaufder Giebelseite.Am 30. März

1 927 brannte das Anwesen ab. Der Neubau wurde dann parallel zur Straße gesetzt.

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